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Live Smarter Blog der Techniker Krankenkasse
14. März 2017

Leben mit Morbus Crohn

Die Diagnose „Morbus Crohn“ ist ein Schock und stürzt viele Betroffene in die Krise: Wie verändert sich das Leben durch die chronische Darmentzündung? Müssen Karriere- oder Familienpläne aufgegeben werden? Die wichtigsten Infos zum Umgang mit Morbus Crohn.

Morbus Crohn: Junge Frau hält sich den Bauch

Die Krankheit kann mit schmerzhaften Durchfällen beginnen, mit Übelkeit und Erbrechen, mit auffälligem Gewichtsverlust: Morbus Crohn hat viele Gesichter. Häufig beginnt die Krankheit im Alter zwischen 15 und 34 Jahren – also genau in der Zeit, wenn beruflich und privat die Weichen für das weitere Leben gestellt werden. Heilbar ist Morbus Crohn bis heute nicht. Doch es gibt Strategien, mit denen sich das Leben trotz Morbus Crohn nach den eigenen Wünschen gestalten lässt.

Was ist Morbus Crohn?

Benannt nach dem US-amerikanischen Magen- und Darmspezialisten Burrill Bernard Crohn zählt Morbus Crohn zusammen mit der Colitis ulcerosa zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). In Deutschland sind etwa 120 bis 200 von 100.000 Menschen betroffen.

Bei Morbus Crohn kann der gesamte Verdauungstrakt entzündet sein, auch Mund und Speiseröhre, meist aber Dünn- und Dickdarmwand. Die Folgen sind häufiger Durchfall, Schmerzen, Gewichtsabnahme sowie Fisteln und Abszesse im Darm. Da die Entzündungszellen wandern können, treten zuweilen auch an anderen Organen wie Leber oder Augen und an den Gelenken Probleme auf. Insgesamt bedeutet Morbus Crohn eine enorme Einbuße an Lebensqualität.

Die Krankheit ist chronisch und begleitet Betroffene ein Leben lang. Dabei verläuft sie schubweise, sodass entzündlichen Phasen sich in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen mit beschwerdefreien Phasen abwechseln.

Wodurch wird Morbus Crohn verursacht?

Die genauen Ursachen für die Entstehung des Morbus Crohn sind nicht bekannt. Eine Rolle spielen vermutlich erbliche Faktoren und Umwelteinflüsse. Experten gehen davon aus, dass bei Morbus Crohn-Patienten die Barrierefunktion der Darmwand beeinträchtigt ist. Dadurch könnenheftige Immunreaktionen verursacht werden.

Anders als vielfach angenommen sind seelische Belastungen, Stress oder auch falsche Ernährung keine Ursachen für Morbus Crohn, können die Erkrankung jedoch nachhaltig beeinflussen.

Ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung eines Morbus Crohn ist jedoch das Rauchen: Raucher erkranken häufiger, und auch die Entzündungsschübe sind bei ihnen häufiger.

Wie wird Morbus Crohn festgestellt?

An erster Stelle der Diagnostik steht das Anamnesegespräch. Anhand der geschilderten Beschwerden – zum Beispiel langanhaltende Durchfälle – leitet der Arzt weitere Untersuchungen ein. Dazu gehören verschiedene Blut- und Stuhl-Untersuchungen auf erhöhte Entzündungswerte und einen erhöhten Calprotectin-Wert im Stuhl.

Mittels einer Darmspiegelung kann der Arzt die Diagnose Morbus Crohn sicherstellen, indem er die Darmschleimhaut genau betrachtet und gezielt Gewebeproben zur mikroskopischen Untersuchung entnimmt. Anhand dieser Gewebeproben lassen sich die für Morbus Crohn typischen Veränderungen nachweisen.

Weitere Untersuchungsmethoden sind Ultraschall, spezielle Röntgenuntersuchungen, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT). Um einen Befall des Dünndarms zu erkennen, eignet sich auch die Kapselendoskopie. Dabei schluckt der Patient eine Kapsel, die eine Mini-Kamera enthält.

Krankheitszeichen des Morbus Crohn können auch außerhalb des Verdauungstrakts auftreten. Daher sollten auch Mund, Haut, Augen und/oder Gelenke betrachtet werden. Nur ein Viertel aller betroffenen Kinder und Jugendlichen hat die klassischen Beschwerden Bauchschmerzen, Durchfall und Gewichtsverlust. Bei ihnen kann eine Wachstumsverzögerung der erste Hinweis auf die Krankheit sein.

Suchen Sie bei Verdacht auf Morbus Crohn einen Arzt auf, der sich auf Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen spezialisiert hat. Ein Experte kann die Diagnose zielsicher stellen und eine wirksame Behandlung einleiten, bevor weitere Komplikationen wie Vernarbung und Verengung des Darmes entstehen.

Wie wird Morbus Crohn behandelt?

Morbus Crohn ist eine chronische Krankheit, die Betroffene ihr ganzes Leben begleiten kann. Ziel der Behandlung ist es daher, die Beschwerden und die Entzündung zu bekämpfen sowie Komplikationen zu vermeiden. Zur Wahl stehen verschiedene Medikamente mit jeweils unterschiedlicher Wirkweise.

  1. Glukokortikoide und Mesalazin: Glukokortikoide erhalten Patienten mit leichter Entzündung als Tabletten oder als Schaum für die Anwendung im Darm und bei schweren Entzündungen in hoher Dosierung über die Vene verabreicht. Sie führen bei akuten Schüben oft zu einer deutlichen Besserung des Zustandes. Mesalazin steht in Form von Tabletten zum Einnehmen oder als Schaumpräparat, Zäpfchen und Einlauf für die Anwendung im Darm zur Verfügung. Es wird auch zur Aufrechterhaltung der symptomfreien Phase verabreicht.
  2. Immunsuppressiva: Sie kommen vor allem bei häufigen Schüben des Morbus Crohn und ausgedehntem Befall des Verdauungstrakts zum Einsatz. Immunsuppressiva unterdrücken das Abwehrsystem und damit ebenfalls die Entzündung.
  3. TNF-alpha-Blocker: Dieses Medikament blockiert bestimmte Abwehrstoffe, die für die anhaltende Entzündung verantwortlich sind.

Gegen die häufigen Durchfälle und krampfartigen Bauchschmerzen kann der Arzt zusätzlich Medikamente verordnen, welche die Darmtätigkeit hemmen und die Darmmuskulatur entspannen. Diese Mittel sind jedoch nicht in jedem Fall zu empfehlen. Nehmen Sie sie daher nur in Rücksprache mit Ihrem Arzt ein!

Wann wird eine Operation notwendig?

Abszesse, narbige Einengungen des Darmes, Darmfisteln oder weiterhin bestehende Beschwerden trotz medikamentöser Therapie können einen operativen Eingriff notwendig machen. Nutzen des operativen Eingreifens und mögliche Konsequenzen müssen sorgfältig gegeneinander abgewägt werden, doch in Notfällen wie einem Darmverschluss oder einem Darmdurchbruch darf keine Zeit verloren werden.

Der operative Eingriff kann die Entfernung eines betroffenen Darmabschnittes (Resektion) beinhalten. Die Devise dabei heißt: so wenig Darm wie möglich, aber so viel wie nötig. Der Operateur wird so wenig Darm wie möglich wegnehmen. Dennoch können nach der OP, abhängig vom entfernten Darmabschnitt, Verdauungsstörungen auftreten.

Wenn ein großer Teil des oberen Dünndarms entfernt werden muss, ist oftmals eine mangelhafte Aufnahme der Nahrungsbestandteile ins Blut und eine Mangelernährung die Folge.

Leben mit dem künstlichen Darmausgang

Wenn bei Morbus Crohn der Enddarm entfernt wird, so muss ein künstlicher Darmausgang gelegt werden. Dazu wird der Anus verschlossen und der Darm auf die Bauchdecke ausgeleitet. Die Austrittsstelle erhält einen geruchsdichten Auffangbeutel, in dem sich der Stuhlgang sammelt. Alternativ kann die Bauchdeckenöffnung mit einer Klappe abgedeckt und der Darm einmal am Tag mit einer Spülflüssigkeit geleert werden. 

Spezielle Stoma-Betreuer zeigen nach der OP, wie man den Beutel wechselt oder den Darm mit einer Spülung reinigt. Auch die Hautpflege um den künstlichen Ausgang herum spielt eine wichtige Rolle, ebenso wie die Ernährungsberatung. Denn prinzipiell kann man trotz eines künstlichen Darmausganges alles essen, was man möchte. Doch bei Blähungen oder Durchfall kann es zu einem Blubbergeräusch im Beutel kommen. Hier können kleine Portionen, der Verzicht auf Ballaststoffe sowie blähende Lebensmittel helfen.

Ballondilatation

Eine Alternative zur Operation kann in einigen Fällen die Aufdehnung verengter Darmabschnitte mit einem Ballonkatheter sein. Nach der derzeitigen Erfahrung kann die Ballondilatation eine Operation bei vielen Patienten zwar hinauszögern, aber oft nicht endgültig verhindern.

Spezielle Ernährung bei Morbus Crohn?

Anders als vielfach angenommen ist die Ernährung kein Auslöser für ein Erkranken an Morbus Crohn. Zwar können bestimmte Lebensmittel die Beschwerden beeinflussen, doch hier kann keine spezielle Aussage getroffen werden. Häufig wissen Betroffene selbst, welche Lebensmittel ihnen guttun und welche sie lieber weglassen.

Allerdings sollten die Betroffenen auf eine ausreichende Kalzium- und Vitaminzufuhr achten, da die Nährstoffaufnahme im Darm beeinträchtigt sein kann.

Überdurchschnittlich häufig haben Morbus Crohn-Patienten eine Laktoseintoleranz.

Beim leichten akuten Schub eignet sich eine ballaststoffarme oder flüssige Ernährung (Astronautenkost), um den Darm zu entlasten. Bei einem schweren Schub kann es in seltenen Fällen sein, dass eine sogenannte parenterale Ernährung mittels Infusionen nötig wird.

Wie ist die Prognose bei Morbus Crohn?

Eine Heilung des Morbus Crohn ist zurzeit nicht möglich. Die Erkrankung neigt dazu, auch nach einer Operation immer wieder an einer anderen Stelle im Magen-Darm-Trakt aufzutreten. Die Komplikationen führen dazu, dass sich die meisten Erkrankten früher oder später einer Operation unterziehen.

Anders als noch vor 20 Jahren hat die Mehrzahl der Betroffenen bei optimaler Therapie eine normale Lebenserwartung. Regelmäßig sollte jedoch eine Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs durchgeführt werden.

Mittlerweile existieren überall in Deutschland Selbsthilfegruppen Betroffener. Hier können Sie sich Tipps für den Umgang mit Morbus Crohn im Alltag holen, sich austauschen und auch mal aufbauen lassen. Eine Übersicht finden Sie hier.


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