Die wichtigsten Fakten zum aktuellen Bio-Skandal | EAT SMARTER
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Siegel gefälscht

Die wichtigsten Fakten zum aktuellen Bio-Skandal

Dieser Bio-Skandal erschüttert ganz Europa: Eine italienische Fälscherbande hat im großen Stil Etikettenschwindel mit angeblichen Bio-Produkten betrieben. Insgesamt 700 000 Tonnen, draunter Mehl, Soja und Trockenfrüchte, wurden fälschlicherweise als biologisch gekennzeichnet und in mehrere europäische Länder verkauft. Auch nach Deutschland. Der Bio-Skandal von Italien - EAT SMARTER beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist passiert?
In dieser Woche wurden im norditalienischen Verona sieben Personen festgenommen, die mutmaßlich über mehrere Jahre hinweg Bio-Lebensmittel gefälscht haben sollen. Der Fälscherring besteht vermutlich aus mehreren Bioanbauunternehmen, Händlern und korrupten Mitarbeitern der größten italienischen Zertifizierungsgesellschaft Suolo e Salute, darunter auch der Regionalchef der Biokontrollstelle. Der Verdacht: Die Personen sollen in den Jahren 2007 bis 2010 konventionelle Lebensmittel mit Bio-Siegeln deklariert haben.

Wie groß ist das Ausmaß?
Insgesamt sollen so mehr als 700 000 Tonnen gefälschte Öko-Lebensmittel im Wert von 220 Millionen Euro in den Handel gekommen sein. Der Ring flog auf, als sich die italienische Finanzpolizei darüber wunderte, dass die Biofirma Sunny Land ihren Umsatz von 2006 auf 2007 verfünffacht hatte. Bei den anschließenden Ermittlungen kam heraus, dass die Fälscher Lebensmittel aus Rumänien und Italien bezogen, die dann ein Bio-Zertifikat bekamen und zu deutlich höheren Preisen weiterverkauft wurden. Neben Sunny Land sollen auch die Firmen Sona und Bioecoitalia an dem Skandal beteiligt gewesen sein. Die Chefs der Unternehmen gehören zu den Festgenommenen.

Welche Länder sind betroffen?

Nach Angaben der „Tageszeitung“ (taz) sollen 543 Tonnen Getreide auch nach Deutschland gekommen sein, darunter vor allem Soja. Das Getreide wird vor allem in der Tierzucht eingesetzt. Das Fleisch von Schweinen, die mit diesem Getreide gefüttert werden, kann unter bestimmten Umständen als Öko-Produkt deklariert werden. Das genaue Ausmaß des Skandals ist noch nicht bekannt – aber neben Deutschland wurden die falschen Bio-Produkte offensichtlich auch nach Frankreich, Ungarn, Spanien, Belgien, nach Österreich, in die Niederlande und die Schweiz exportiert. Wichtig: Für Deutschland ist Italien eins der wichtigsten Herkunftsländer für den bundesweiten Bio-Handel.


Wie reagieren die deutschen Bio-Händler?

Nach Informationen der Tageszeitung taz gehen Deutschlands größte Biohandelshäuser Alnatura und Dennree derzeit davon aus, nicht vom Fälschungsskandal betroffen zu sein. Große Handelsketten wie Aldi waren bislang noch nicht zu einer Stellungnahme bereit. Dass könnte unter Umständen daran liegen, dass gerade Discounter bei den günstigen Bio-Linien häufig nur auf das EU-Biosiegel setzen. Teurere Bio-Marken tragen zusätzlich strengere Siegel von Demeter oder Naturland. Das Verbraucherministerium teilte mit, dass bereits Lieferlisten angefordert wurden, um das gesamte Ausmaß des Skandals schnellstmöglich nachvollziehen zu können.


Kann ich jetzt noch Bio kaufen?

Ja. Experten raten Verbrauchern weiterhin dazu, Bio-Ware zu kaufen. Der Fälschungsskandal in Italien sei bislang ein Einzelfall. Auch die Zeitschrift Öko-Test beruhigt die Verbraucher – Angst vor gesundheitlichen Schäden müsse man nicht haben. Kunden, die die falschen Bio-Produkte gekauft haben wurden vor allem finanziell geschädigt. Dennoch werden jetzt landesweit Rufe nach schärferen Kontrollen für Bio-Lebensmittel laut. Verbraucherschützer fordern beispielsweise EU-Listen, auf denen alle zertifizierten Bio-Unternehmen aufgeführt sind. (ben/wil)
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