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Kieler Forscher: Glutamat macht dick

März 2006 - Universität Kiel

Der häufig in Fertiglebensmitteln enthaltene Geschmacksverstärker Glutamat beeinflusst die Appetitregulation des Sättigungszentrums im Gehirn und fördert damit der Entstehung von Übergewicht. Seit längerem ist bekannt, dass Glutamat in extrem hoher Dosierung eine nervenschädigende Wirkung hat. In einer Studie von Prof. Michael Hermanussen und seinem Team an der Kieler Universität zeigte sich, dass sich bei den Tieren, die die höchsten Glutamatdosen erhielten, die Trinkmenge verdreifachte und die Nahrungsaufnahme verdoppelte. Der Einfluss zeigte sich bei männlichen Tieren deutlicher als bei weiblichen.

Einen zweiten Zusammenhang offenbarten die Forscher zwischen aufgenommener Glutamatmenge und der körpereigenen Produktion des so genannten Wachstumshormons (HGH) oder auch Somatropin. Dieses Hormon hat bei Tieren wie auch beim Menschen Einfluss auf die Fettverbrennung und Entstehung von Fettleibigkeit, welcher das Hormon entgegenwirkt. Gleichzeitig ist das Wachstumshormon ebenfalls zuständig für das entwicklungsgemäße Körperwachstum und daher unentbehrlich für die körperliche Entwicklung im Wachstumsprozess.

Die Glutamataufnahme über die Nahrung bei Tieren beeinträchtigte die altersgemäße Entwicklung des Nachwuchses. Die mütterliche Fütterung mit der höchsten Glutamatbeimengung bewirkte ein stark vermindertes Größenwachstum. Messungen zeigten, dass bei den Tieren, die vor ihrer Geburt Glutamat über die mütterliche Nahrung erhalten hatten, die Konzentration des Wachstumshormons im Blutserum signifikant niedrig waren. Bei aufrechterhaltener Zufütterung mit der Aminosäure der Mütter während der Säugungsphase blieb die Wachstumsrate der Rattenbabys weiterhin auffallend unter dem Durchschnitt.

Studien an Menschen bestätigten die Hypothese, dass krankhaftes Übergewicht in engem Zusammenhang mit geringer Körpergröße steht. Die Messdaten von 807.592 deutschen Wehrdienstpflichtigen zwischen 27-29 Jahren sowie 1.423.368 Frauen ergaben, dass ab steigenden BMI-Werten über 38, also bei krankhaftem Übergewicht, die Durchschnittsgröße der Menschen kontinuierlich sank. Bei Männern war dieser Zusammenhang deutlicher ausgeprägt als bei den Frauen.

Gesteigerter Essdrang sowie eine deutlich verringerte Sekretion des Wachstumshormons und infolgedessen eine eingeschränkte Wachstumsentwicklung sind die Hauptmerkmale glutamatinduzierter Nervenschädigung, erklärt Hermanussen. Männliche Wesen reagierten hierbei grundsätzlich sensitiver. Die gegenwärtige Studie zeige zum ersten Mal, dass ein viel verwendeter Nahrungszusatzstoff, E 20 – E 25, in Mengendimensionen, die nur ganz schwach über der täglich mit der üblichen Nahrung aufgenommenen Dosis liege, ein beachtenswertes Potenzial zur Störung des vom Sättigungszentrum gesteuerten Regulation des Appetits aufweise und dadurch den Hang zu weltweit verbreitetem Übergewicht fördere.

Glutamat in Form von Glutaminsäure ist eine Aminosäure, die in geringen Mengen natürlicherweise im menschlichen Körper sowie in einigen Nahrungsmitteln wie Sojaprodukten (Sojaprotein) vorkommt. Der seit den 70er-Jahren als Geschmacksverstärker eingesetzte Zusatzstoff ist heute das wichtigste Additiv in der Nahrungsmittelproduktion. Die Experten der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik warnen vor dem übermäßigen Konsum von glutamathaltigen Speisen. Stattdessen empfehlen sie im Rahmen einer ausgewogenen, vollwertigen Ernährung zu einem reichlichen Verzehr frischer und naturbelassener Lebensmittel und einen geringen Anteil an Fertigprodukten. Mehr: Universität Kiel
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