So beugen Sie Kopfschmerzen vor | EAT SMARTER
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Experteninterview

So beugen Sie Kopfschmerzen vor

Kopfschmerzen kann man vorbeugen. © MediablitzImages - Fotolia.com Kopfschmerzen kann man vorbeugen. © MediablitzImages - Fotolia.com

Im Kopf hämmert und dröhnt es. Doch Schmerzmittel sind nicht immer die beste Lösung. Prof. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel erklärt, wann ein Arztbesuch ratsam ist und wie Sie Kopfschmerzen verhindern können.

Wenn es im Kopf hämmert und pocht, greifen viele Menschen zu einer Schmerztablette. Eine gute Idee? Diese und andere Fragen beantwortet Prof. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel im Interview mit EAT SMARTER.

Im Sommer klagen viele über wetterbedingte Kopfschmerzen. Gibt es die wirklich?

Prof. Hartmut GöbelProf. Hartmut Göbel: Viele Menschen sind davon überzeugt, dass das Wetter ein maßgeblicher Faktor für ihre Kopfschmerzen ist. Doch das stimmt so nicht. Wenn man den Einfluss von Wetterveränderungen auf die Kopfschmerzhäufigkeit überprüft, stellt man überraschend fest, dass Wetterveränderungen nur in sehr geringem Ausmaß das Risiko für Kopfschmerzen erhöhen. Es ist sogar so, dass sie als alleinige Ursache für Kopfschmerzen auszuschließen sind. Aber: Migräne kann sehr wohl durch abrupte Wetterveränderungen ausgelöst werden. Das Nervensystem muss dann auf eine neue Umweltsituation reagieren und verursacht dementsprechende Beschwerden.

Experten unterscheiden heute 363 Kopfschmerzarten. Welche sind die häufigsten?

Prof. Göbel: Es werden zwei wesentliche Hauptgruppen von Kopfschmerzen unterschieden. Die primären Kopfschmerzen sind eigenständige Erkrankungen. Sie zählen zu den häufigsten Kopfschmerzformen und schließen folgende Arten ein: die Migräne, den Spannungstyp-Kopfschmerz, der sich als beidseitiger, dumpfdrückender Kopfschmerz äußert, sowie den sogenannten Clusterkopfschmerz, der meist einseitig um ein Auge herum auftritt. Diese Kopfschmerzarten sind nicht Symptom irgendeiner anderen Störung, sondern entstehen aus sich selbst heraus. Das Gegenteil ist bei den sogenannten sekundären Kopfschmerzen der Fall. Sie sind die Symptome einer ihnen zugrunde liegenden konkreten Erkrankung. Dazu können zum Beispiel Erkältungen, Kieferfehlstellungen, Augenprobleme, Bluthochdruck, Hormonstörungen, Tablettenmissbrauch, Schlaganfälle oder sogar Hirntumore zählen.

Viele Betroffene nehmen Tabletten, um die Schmerzen zu behandeln. Ist das ratsam?

Prof. Göbel: Kopfschmerzen können ernsthafte Erkrankungen darstellen, die sogar lebensbedrohliche Veränderungen im Körper widerspiegeln. Neu aufgetretene Kopfschmerzen sollten daher unbedingt von einem Arzt diagnostisch geklärt werden. Aber auch Kopfschmerzen, die immer wieder auftreten, die behindern oder mit neurologischen Begleitstörungen auftreten, sollten dringend untersucht werden. Sie können durch unkontrollierte Selbstmedikation zu zahlreichen Komplikationen wie psychischen oder organischen Störungen und Medikamentenübergebrauch führen. Nehmen Sie Kopfschmerzen also ernst und lassen Sie von Ihrem Arzt ein Behandlungskonzept erstellen.

Stimmt es, dass Frauen häufiger von Kopfschmerzen betroffen sind als Männer?

Prof. Göbel: Bestimmte Kopfschmerzformen treten bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Umgekehrt gibt es jedoch auch Kopfschmerzerkrankungen, die Männer häufiger betreffen als Frauen. Ein Beispiel ist die Migräne. Auf einen betroffenen Mann kommen etwa zwei bis drei Frauen. Dagegen leiden rund drei- bis viermal mehr Männer an Clusterkopfschmerzen. Der Unterschied hängt mit den verschiedenen Bedingungen zusammen, die den jeweiligen Kopfschmerzdiagnosen zugrunde liegen.

Woran erkennt man eine Migräne?

Prof. Göbel: Bei der Migräne ist ein normaler Alltag fast nicht mehr möglich, viele Betroffene müssen Bettruhe halten. Die Schmerzen sind sehr stark, sie treten mit Begleitstörungen wie Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtüberempfindlichkeit auf. Zudem können schwere neurologische Störungen in Form sogenannter Auren auftreten – also visuelle Einschränkungen wie Zickzacklinien, Schleierbildung oder Schlierensehen. Die Migräne tritt zudem häufig länger auf als beispielsweise Spannungskopfschmerzen. Die Attacken können bis zu drei Tage andauern und bei schweren Verläufen an zehn, 15 oder sogar 30 Tagen im Monat präsent sein. Diese Kopfschmerzen bestimmen den Lebensrhythmus und schränken Betroffene im Alltag massiv ein. Man muss der Erkrankung mit einer angepassten Lebensweise, Wissen und Information entgegentreten.

Was sind die besten Tipps, um Kopfschmerzen generell vorzubeugen?

Prof. Göbel: Betroffene sollten für ausreichend Ruhe und Entspannung sorgen. Wichtig ist dabei auch die Regelmäßigkeit – ein regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus, ein regelmäßiger Tagesablauf, eine regelmäßige, kohlenhydratreiche Ernährung, ausreichender Schlaf sind zum Beispiel wichtige Voraussetzungen, um das Risiko für die Entstehung von Kopfschmerzen zu reduzieren. Auch Sporttherapie, körperliche Aktivierung wie Ausdauersport und Bewegung sind nachweisbar wirksam in der Kopfschmerzvorbeugung. Hilfreich ist es zudem, einen Kopfschmerzkalender zu führen. Er ist wichtig, um eine gezielte Diagnose stellen und eine Therapie besprechen zu können.

Interview: Janina Darm

Prof. Hartmut Göbel, seit 1998 Ärztlicher Direktor der neurologisch-verhaltensmedizinischen Schmerzklinik Kiel, studierte unter anderem in Bamberg, Regensburg und Würzburg Humanmedizin sowie Psychologie. Sein Buch „Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne“ ist gerade in der 7. Auflage erschienen. Weitere Informationen unter www.schmerzklinik.de

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Was gibts besseres als "TM" und seine "verfeinerungen"!jgd
 
Da ich in der Migräne Liga bin, kenne ich Herrn Prof. Göbel schon über lange Jahre, er ist speziallisiert auf Kopfschmerzen wie kaum ein anderer. Von daher sind seine Tipps immer sehr gut und vom Fachmann;-)