Anti-Fast-Food-Kampagne: Warum Jamie Oliver vor Wut kocht | EAT SMARTER
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Anti-Fast-Food-Kampagne: Warum Jamie Oliver vor Wut kocht

Er hatte sich viel vorgenommen: Der englische Starkoch Jamie Oliver wollte das Essen in den Schulkantinen seines Heimatlandes besser machen und vor allem gesünder. Mit seiner Idee begeisterte er die britische Regierung. Doch nun, vier Jahre später, droht er seinen Rückhalt zu verlieren. Gesundheits- minister Andrew Lansley bezeichnete Olivers Küchenrevolution als gescheitert. Und auch viele Eltern machen nicht mehr mit.

Britische Ernährungswissenschaftler hatten die Schulkantinen schon jahrelang kritisiert: Auf den Tellern der Schüler landeten meistens schrumpelige Würstchen, fettige Fritten oder billige Burger. Den Engländern schmeckte es, schließlich lehnten sich die Gerichte an die traditionellen Essgewohnheiten an. Alternativen zum Fast-Food gab es kaum. Für ein Fertig-Gericht gab die britische Regierung im Schnitt 60 Cent aus. Viele Wissenschaftler sahen in dem Schulessen eine der Haupt-
ursachen für eines der größten Probleme in Großbritannien: Rund 2 Millionen britische Kinder litten an Übergewicht.
So brauchte es erst das Engagement des TV-Stars Jamie Oliver, ehe sich die Regierung des Problems annahm. In der Sendung „Jamie's School Dinners“ zeigte der Koch den Engländern, wie schlecht es um die Kantinen bestellt war. Mehr als 250.000 Menschen unterschrieben daraufhin die Online-Petition „Feed me better“. Die „Turkey Twizzlers“, die geringelten Bratwürstchen aus Truthahn, wurden zum Symbol für schlechtes Schulessen. Statt Chips und Schokoriegel sollten nun Brokkoli und Spinat auf dem Speiseplan stehen. Der damalige Premierminister Tony Blair versprach, rund 417 Millionen Euro für die Verbesserung des Essens auszugeben. Außerdem sollten zuckerhaltige und fettige Lebensmittel verboten werden und allgemeingültige Standards eingeführt werden. Kein Rückhalt mehr für Oliver Doch nun, rund vier Jahre später, steht die Küchenrevolution vor dem Scheitern. Gesundheitsminister Andrew Lansley, seit Mai 2010 im Amt, kritisiert Oliver: „Er sprach davon, das Schulessen zu verbessern. Aber die Zahl der Schüler, die in den Kantinen essen, stieg nicht an, sie ging nach unten.“ Und schlimmer noch: Immer mehr Kinder gingen in die Geschäfte neben den Schulen, um sich dort einzudecken, so Lansley. Daneben bemängelt Lansley auch den Ton Olivers. „Wenn wir ständig versuchen, den Leuten etwas vorzuschreiben, ist das eher kontraproduktiv.“ Jamie Oliver reagierte empört: „Ich habe niemals jemanden etwas vorgeschrieben." Seine Erklärung: Wenn die Zahl der Kantinenbesucher zurückgegangen sei, dann läge es nur daran, dass er auf die Missstände in den Küchen aufmerksam gemacht habe.
Der Feldzug für eine gesunde Küche Es ist die härteste Kritik, die Oliver in seinem Feldzug für bessere Ernährung bislang einstecken muss. Doch seine Gegner bekämpfen seine Initiative schon länger. 2006 sorgten drei Mütter an einer Schule in der Grafschaft Rotherham für Aufsehen. Sie brachten Burger, Fritten und Würstchen an den Schulzaun und steckten sie ihren Kindern zu – später dann auch deren Freunden. Auch in anderen Schulen im Land blieben die Kantinen leer, wenn vegetarische Gerichte angeboten wurden.
Vielleicht war vielen Briten der Bruch mit den alten Essgewohnheiten zu radikal. „Olivers Sendung und die Einführung der Standards führte etwas ein, was hier dreißig Jahre lang abgelehnt wurde“, sagt Judy Hargadon von „School Food Trust“. Die Organisation versucht, den Schulen bei der Einführung von gesundem Essen zu unterstützen.
Mit einem ähnlichen Projekt floppte Oliver zuletzt in den USA. Er wollte den Menschen in Huntington, West Virginia die gesunde Küche beibringen. In der Stadt leben nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde die dicksten Menschen der USA. Doch die Bewohner reagierten aggressiv. In einem Interview mit dem lokalen Radiosender fauchte Moderator Rod Willis: „Wir wollen nicht herumsitzen und Salat essen. Wer hat dich zum König ernannt?“ Olivers Sendung floppte, nur rund sechs Millionen Amerikaner sahen seine erste Folge.
Aufgeben gibt es nicht
In England will Jamie Oliver aber nicht aufgeben. „Ich werde Minister Lansley eine meiner Sendungen schicken, dann kann er sich die Umstände ansehen.“ Und es gibt Untersuchungen, die Jamie Oliver Rückenwind geben könnten. Der Ofsted-Report, der regelmäßig über die Situation an den Schulen berichtet, kam zu dem Ergebnis, dass immer mehr Schulen Ernährungs-
standards in ihren Mensen einführen. Viele Schulen seien bei der Einführung von Ernährungsstandards auf einem guten Weg. Und auch die Schüler seien zufrieden. Dennoch spricht sich der Report auch dafür aus, dass die Bemühungen weiterhin unterstützt werden müssen. Über gesunde Ernährung von Jugendlichen wird auch in Deutschland diskutiert. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts gelten rund 15 Prozent der deutschen Kinder als übergewichtig, rund 6 Prozent als adipös. Seitdem im Land immer mehr Ganztagsschulen entstehen, nimmt die Versorgung in der Schulkantine immer mehr an Bedeutung zu. Derzeit gibt es rund 12.000 Kantinen und es laufen verschiedene Initiativen, die Qualität dieser Mensen auszubauen.

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Die Mütter die Ihre Kinder mit fettigem Fastfood shit voll stopfen, anstelle sich um gesunde und ausgewogene Ernährung zu kümmern sind in meinen Augen, grob fahrlässig. Aber wie es scheint hat in England jedoch kaum einer die Ambition, zu erleben, dass seine eigenen Kinder gesund sind. Was die USA zu dem Thema sagen wundert mich nicht, sie sind immerhin das Land in dem fast alle dieser tollen und ungesunden Sachen erfunden wurden und vorallem glauben sie, dank den Medien, dass das ja alles auch so gesund ist. Kurz um, man kann Leute nicht bekehren wenn sie nicht ihre eigenen Fehler sehen wollen. Jamie macht alles richtig, er gibt ihnen einfach nur mal richtiges Essen.
 
Wenn man keine esskultur hat wie die englaender nuetzt auch jamienichts. Einmal mehr versucht die parasiten presse einen der gutes bewirkt fertig zu machen.