Entdecken Sie Istanbul | EAT SMARTER
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Kulinarische Reise

Entdecken Sie Istanbul

Hier mischt sich Tradition mit Moderne, Europa mit Asien: Istanbul ist eine der aufregendsten Metropolen der Welt. Mehr als 13 Millionen Menschen leben in der Stadt am Bosporus, deren gastronomische Raffinessen mindestens so spektakulär sind wie ihre Sehenswürdigkeiten. Beglietn Sie uns auf einem Trip zu 1001 kulinarischen Erlebnissen.

Eine kulinarische Reise durch Istanbul

Hier pulsiert das Leben

Fragt man Murat Demirhan nach seinem Lieblingsrestaurant in Istanbul, dann antwortet er darauf wie die meisten Menschen aus der Stadt am Bosporus: „Die Lokanta gleich um die Ecke.“ Lokantas sind die traditionellen, preisgünstigen Schnellrestaurants für die Mittagspause oder den Hunger zwischendurch, wo es frische Salate, Linsensuppen, Schmorgerichte und zum Trinken Ayran gibt, ein schaumig geschlagenes Erfrischungsgetränk aus Joghurt. „Ich muss den Abend nicht mit einem Bier beginnen“, sagt Murat Demirhan. Was nicht heißt, dass der 35-jährige Manager einer erfolgreichen Internet-Startup-Firma ein Kostverächter wäre. „Bier, Wein oder Raki,“ – der türkische Anisschnaps – „wenn ich mit Freunden zusammen bin, trinke ich auch gern mal etwas. Wir sind ja hier nicht in Anatolien“, sagt er und meint damit den konservativen Teil der Türkei. Murat Demirhan, ein hochgewachsener schlanker Mann mit dunklen Locken, der modische Blue Jeans zum schwarzen V-Ausschnitt-Pulli trägt, betrachtet sich als liberalen Istanbuler und lebt im gehobenen Viertel Besiktas auf der europäischen Seite der Stadt. Am Freitag oder Sonnabend lässt sich der Single gern durch Istanbuls Nachtleben treiben. Seit seiner Studentenzeit beginnt Murat Demirhan den Streifzug in der Istiklal Caddesi, der Straße der Unabhängigkeit, dem pulsierenden Herz des Ausgehbezirks Beyoglu. Anderthalb Millionen Menschen passieren die Fußgängerzone jeden Tag. Der Sound ihrer Stimmen vermengt sich mit den Fetzen von Lounge-, Rock- und türkischer Arabeskmusik aus den unzähligen Bars, Cafés und Discos. „Das ist die demokratischste Straße der Türkei“, sagt Murat Demirhan. „Hier mischen sich alle: die Konservativen, die Liberalen, die Frauen mit Kopftuch und die mit kurzem Rock, die Verliebten und die Familien, die Geschäftsleute, Touristen und Bettler.“ Die Istiklal Caddesi ist Flanier-, Shopping- und Restaurantmeile, Laufsteg – und pure großstädtische Energie. In der Luft liegt der Duft von Esskastanien, Maiskolben oder der berühmten Simit – krosse Sesamkringel, von Straßenverkäufern feilgeboten. Die historische Trambahn schiebt sich bimmelnd oder an Festtagen auch laut lärmend mit einer Rockband im Schlepptau durch die menschendichte Straße.

Kulinarischer Reichtum

„Wir sind ein paar Freunde, die gern zusammen essen gehen“, sagt Murat Demirhan. Den Abend beginnen sie um acht Uhr beispielsweise im Restaurant Haci Baba nahe dem zentralen Taksim-Platz mit exzellentem Wein und Meze, türkischen „Tapas“ aus allen Regionen des Landes, die es in dieser Fülle nur in Istanbul gibt, wo sich die Mittelmeerküche mit dem kulinarischen Reichtum des einstigen Osmanischen Reichs mischt – dem Besten aus Arabien, Afrika, Asien, dem Balkan und dem Kaukasus. Meze sind kalte und warme Vorspeisen, die Kellner auf einem großen Tablett an den Tisch bringen: gegrilltes Gemüse, gefüllte Weinblätter, die Kichererbsenpaste Humus, die feurig-scharfe Gemüse-Salsa Ezme, Huhn in Nusspaste, die Joghurtspeise Cacik mit klein geschnittenen Gurken, Salz, Pfeffer und Olivenöl. Oder Ciroz (an der Sonne getrocknete kleine Makrelen), Fava (Püree aus Saubohnen mit Dill bestreut) oder Arnavut Cigeri (gebratene Leberstückchen nach albanischer Art). Nach den Vorspeisen bestellen die Freunde Bamya, ein Gericht aus Okra-Gemüse, Biber Dolmasi (gefüllte Paprika) und Imam bayildi (gefüllte Auberginen). Nach dem Essen geht es in die Bar des Restaurants Leb-i Derya auf dem Dach des Richmond Hotels in der Istiklal Caddesis mit einem atemberaubenden Rundumblick über das nächtliche Istanbul. Man überschaut das Goldene Horn und die Altstadt mit den weltberühmten Sehenswürdigkeiten Topkapi-Palast, Hagia Sophia und der „blauen“ Sultan-Ahmet-Moschee.

An heißen Tagen gibt es Fisch

An warmen Frühlings- oder Sommertagen aber gehen die Freunde mit Vorliebe Fisch essen in den Traditionslokalen von Arnavutköy, dem „Dorf der Albaner“, einem inzwischen eingemeindeten Bosporus-Vorort. „Dort kriegst du den besten Fisch Istanbuls“, sagt Murat Demirhan. Sein Geheimtipp heißt Arnavutköy Balikcisi, liegt direkt am Wasser, bietet eine reiche Vorspeisenauswahl und ausgezeichneten frischen Seebarsch zu vertretbaren Preisen. Dazu trinken echte Istanbuler gerne Raki mit eisgekühltem Wasser. Ebenso typisch und am Bosporus so beliebt wie in Berlin die Currywurst: Balik Ekmek aus den Garküchen – das ist frisch gefangener und gebratener Bosporusfisch im Fladenbrot, garniert mit Zitrone,
Tomate und grünem Pfeffer. 

Kebab – ein Klassiker aus Anatolien

In Deutschland viel bekannter ist ein kulinarischer Klassiker aus Anatolien. Die Zuwanderer aus dem Osten brachten in den 60er-Jahren ihr Leib- und Magengericht nach Istanbul: Kebab, gut gewürzte Hackfleischröllchen aus Lamm oder Rind, gebraten, gebacken oder gegrillt. Sie werden in einer exquisiten Auswahl und erstaunlich preiswert im berühmten und stets vollen Restaurant Hamdi serviert, mit einem unvergesslichen Blick auf die berühmte Brücke und die jahrhundertealten Moscheen. 

Süße Sünden

Die Türken sind geradezu verrückt auf Süßspeisen. Also zieht Murats Clique fürs Dessert weiter in eine der berühmten Istanbuler Pastanesis, palastartige Konditoreien mit einer schier unglaublichen Fülle an Blätterteig- und Puddingspeisen, Torten und Türkischem Honig. Besonders empfehlenswert sind in Milch eingelegte Nachspeisen wie das Mandeldessert Keskül oder die Milchreisspezialität Sütlac. Wer das süße Kürbisdessert Kabak oder die rosenwassergetränkten Puddinge wie Asure probieren will, findet dafür keinen besseren Ort als die vierstöckige Traditionskonditorei Saray Muhallebicisi in der Istiklal Caddesi. 
Das beste türkische Eis servieren dagegen die Filialen der Konditorei Mado, die besten Baklava-Spezialitäten mit Walnüssen, Pistazien oder Mandeln Güllüoglu, eine Konditoreikette aus Gaziantep. „Aber das sind Kalorienbomben, die ich mir nur selten gönne, weil ich danach tagelang im Fitnessstudio trainieren muss“, sagt der Internetexperte lachend. Aus Nostalgie, und weil das türkische Efes-Bier hier noch günstig ist, schlägt Murat Demirhan für den späteren Abend den alten Nardis Jazz Club vor, klassische Jazz-Atmosphäre im Herzen von Beyoglu am Galata-Turm – und ganz in der Nähe des Babylons, des bekanntesten und ältesten Konzertschuppens der Stadt. Im engen Babylon treten nicht nur angesagte Rock- und Jazzbands auf, hier kann man auch jene Kneipenmusik live hören, die in diesem früheren griechischen Viertel eigentlich zu Hause ist: Rembetiko. 

Ausgeprägte Kneipen- und Restaurantszene

Viele neue Clubs und schicke Restaurants eröffnen derzeit auf der asiatischen Seite der Stadt, im liberalen Kadiköy mit seinen Nobelboutiquen, Szenerestaurants und Bürotürmen, aber dafür müsste Murat Demirhan jetzt mit einer der Fähren über den Bosporus übersetzen, und so bleibt er in dieser Nacht lieber in Europa. Immer gut besucht ist das Indigo, die Heimat von Istanbuls Elektroszene, eine spartanisch eingerichtete Location mit spektakulären Lightshows. Bei Studenten, Sprachschülern und Touristen beliebt sind die relaxte Baraka Bar an der Istiklal Caddesi oder der Dachklub Araf nahe der Seitengasse Nevizade Sokak. Letzterer ist bekannt für seine unschlagbar günstigen Bierpreise und den morbiden Blick über die Abrisshäuser von Tarlabasi.

Sonnenaufgang am Bosporus

Wer bis weit nach Mitternacht durchhält, bekämpft den späteren Kater mit einem Döner Kebab an den Buden am Taksim-Platz und gönnt sich dann einen Blick auf den Sonnenaufgang am Bosporus. Am schönsten ist der auf der Galata-Seite von Beyoglu, von dort aus sieht man im ersten Licht auf die goldenen Dächer der Altstadt. „Aber für mich ist das nichts mehr“, sagt Murat Demirhan. Das frühe Heimkommen hat den Vorteil, dass er am Sonntagvormittag gut ausgeschlafen mit den Freunden frühstücken gehen kann. „Am liebsten mit Blick auf den Bosporus und einer reichhaltigen anatolischen Frühstücksplatte.“ Die wird mit Dutzenden Köstlichkeiten in kleinen Schälchen serviert: Käse, Oliven, diverse Salate, Menemen – Rühreier mit Tomaten und grünem Pfeffer, Spiegeleier mit würziger Sucuk-Wurst, Sesampaste und Gözleme – Teigtaschen mit Schafskäse oder Spinat gefüllt– sowie Honig, Marmelade, Nougatcreme und viele andere Leckereien. Dazu trinkt man den kräftigen türkischen Tee vom Schwarzen Meer.

Murat Demirhan schwört auf das Frühstückscafé Kale in Rumeli Hisari, in dessen Nähe die renommierte Bosporus-Universität liegt, wo er einst Betriebswirtschaft studierte. „Das Frühstück sollte immer Glückseligkeit verheißen“, zitiert er einen türkischen Dichterspruch. Dann sagt er: „Auch deshalb liebe ich Istanbul.“

Frank Nordhausen

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