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Der Good-Food-Blog
13. September 2017

Woche 2

Drei Wochen ohne Zucker – Teil 2

Seit zwei Wochen esse ich keine künstlich gezuckerten Lebensmittel sowie keine Produkte, denen Zucker zugesetzt wurde. Ich mache diesen Selbstversuch, um mitreden zu können, wenn mir jemand von seinen „Zuckerverzichterfahrungen“ erzählt. Denn als Wissenschaftlerin ist es immer ein bisschen schwierig mit Menschen zu diskutieren, die ihr Wissen rein aus persönlichen Erfahrungen beziehen. Deshalb möchte ich mein theoretisches Ernährungswissen jetzt einmal um diese persönliche Erfahrung erweitern.

Cupcakes

Wenn Sie lesen möchten, wie es mir in der ersten Woche meines Experimentes ergangen ist, dann klicken Sie hier:

Zur ersten Woche ►

Meine zweite zuckerarme Woche startete also mit Tag 8. Es war ein sehr schöner, warmer Spätsommertag. Am Vormittag hatte ich einen Besprechungstermin und es standen tatsächlich KEINE Kekse auf dem Konferenztisch, die ich hätte ignorieren müssen. Gut, ich war in der Redaktion eines Gesundheitssenders, da weiß man, was gesund ist. Nachmittags ging ich einkaufen und hatte – nicht zuletzt wegen des Wetters – extrem viel Lust auf ein Eis...

Eis und Lakritz sind nämlich schon mein ganzes Leben lang meine Süßigkeiten-Favoriten. Ich beneidete all die Menschen, die mit Eisbechern und Eishörnchen in der Hand herumliefen. Zu Hause habe ich kurz überlegt, ob ich mir jetzt schnell ein „nice cream“ machen soll (sprich: gefrorene Früchte mit etwas Joghurt in den Mixer geben). Aber leider hatte ich keine passenden Früchte mehr im Tiefkühler und dann auch irgendwie keine Lust mehr, weil es am Ende doch nicht wirklich das Gleiche wäre wie ein richtiges italienisches Eis.

Nicecream Banana Split
Nicecream Banana Split

KategorieEis

Schwierigkeitganz einfach

Fertig4 Std.

5
Rezept
Nicecream Banana Split
Fertig in 4 Std. • 409 kcal

Tag 9 war ein ganz normaler Tag Bürotag. Mein Büro befindet sich bei mir zu Hause, ein Homeoffice – was die ganze Angelegenheit einer speziellen Ernährung sehr vereinfacht. Ich bereite an diesen Tagen nämlich von morgens bis abends alle Mahlzeiten selbst zu. Auf diese Weise wird man weder in Versuchung geführt, noch muss man aufpassen oder nachfragen, wenn jemand anderes das Essen zubereitet hat (unterwegs, Kantine, Restaurant o.ä.).

Irgendwie war ich an diesem Tag aber ein wenig unleidlich. Meine Ernährung kann mir so laaaaaangweilig vor... Deshalb habe ich nachmittags ein Früchtebrot gebacken. Ohne extra Zuckerzusatz, nur mit der Süße aus den enthaltenen Früchten gesüßt. Das Rezept finden Sie hier. Ich fand das Brot oberlecker und war froh über die geschmackliche Abwechslung im Essen.

An Tag 10 bin ich nach Berlin gefahren. Ein großer Küchengerätehersteller hatte mich zur Präsentation seiner neusten Entwicklung in Sachen moderner Garverfahren eingeladen und mir eine 1.-Klasse-Zugfahrt spendiert. Und in der 1. Klasse bekommt man nicht nur Zeitungen umsonst. „Möchten Sie vielleicht etwas Süßes?“, fragte die freundliche Zugbegleiterin und hielt mir eine Schale mit kleinen Tütchen, gefüllt mit irgendwelchen Gummitieren, unter die Nase. „Nein, vielen Dank“, habe ich ebenso freundlich geantwortet und mein Früchtebrot ausgepackt. Gut, dass ich dieses dabei hatte, so eine Fahrt von Köln nach Berlin zieht sich nämlich ganz schön...

Am Abend dann großes Kino. Die Firma gab alles, um die Vorzüge seines neuen Gerätes zu präsentieren. Inklusive eines exquisiten Essens. Als Dessert wurden minikleine Schokoküchlein und Himbeer-Soufflé gereicht. Das Souffleé war mir (zu meinem Glück) etwas zu salzig, deshalb habe ich es stehen gelassen. Aber die kleinen Schokoküchlein habe ich gegessen. Und zwar nicht aus Versehen, sondern sehr bewusst. Ich möchte mich in solch einer Situation einfach nicht selbst ins gesellschaftliche Abseits stellen.

Tag 11 startete mit einem Frühstück im Hotel. Natürlich gab’s auf dem Buffet jede Menge gezuckertes Zeugs. Schokocroissants, kleine Kuchen, Marmelade, Fertigmüsli. Kann man sich sicher sein, dass der frische Obstsalat nicht auch mit Zuckerwasser übergossen wurde oder zumindest Zutaten aus der Dose enthält? Nein, kann man sich nicht. Ich habe selbst mal in einer Hotelküche gearbeitet. Also entschied ich mich für einzeln aufgeschnittene Orangen, Melonen und Grapefruit.

Dazu, wie immer, Naturjoghurt, Haferflocken, Nüsse. Das war für mich jetzt kein großes Ding, denn morgens bin ich ein echtes Gewohnheitstier und esse sowie immer das Gleiche. Egal, wo ich bin und egal, was ansonsten angeboten wird. Trotzdem hatte ich ein bisschen ein schlechtes Gewissen wegen des Vorabends.

Tag 12 war einer dieser „Nix-besonders-passiert“-Tage.

Doch dann kam der Samstag, Tag 13... und ich erlebte etwas, das ich in dieser Form in meinem „normalen Leben“ überhaupt nicht kenne. Es fing damit an, dass ich am Nachmittag rastlos durch die Wohnung tigerte. Irgendwie war ich unbefriedigt. Ich hatte das Gefühl nicht satt zu sein, obwohl ich eigentlich ausreichend gegessen hatte. Kühlschrank auf, Kühlschrank zu. Was will ich eigentlich? Keine Ahnung. Keine Ahnung? Blödsinn! Ein Stück Käsekuchen wäre jetzt traumhaft. Ich aß Nüsse und einen Apfel. Das blöde Gefühl blieb. Nach einiger Zeit wurde mir klar: so fühlt sich Heißhunger an. Mein Blutzuckerspiegel war offenbar am Boden, weshalb mein Körper nach Süßem verlangte.

An dieser Stelle zog ich die ganze Sache hier wirklich und ernsthaft in Zweifel.

Ich fragte mich nämlich: Macht es wirklich Sinn komplett auf zugesetzten Zucker zu verzichten, wenn man sich damit am Ende Heißhungerattacken einhandelt? Oder ist es nicht doch besser bewusst kleine Mengen Zucker zuzulassen? Wie gesagt: Ich bin normalerweise kein Zuckerfreak. Ich esse regelmäßig etwas Süßes, aber nur in kleinen Mengen. Ich trinke mitunter auch mal ein süßes Spaßgetränk. Ich koche fast immer frisch, verwende keine Fertigprodukte, esse viel Vollkorn. Und hatte mit diesem Lifestyle wirklich noch NIE eine Heißhungerattacke auf Süßes.

Aber gut – wenn ich jetzt hier abgebrochen hätte, würde man mir (wahrscheinlich zu Recht) vorwerfen, dass genau dies die Situationen sind, die man am Anfang erstmal durchstehen muss. Also blieb ich standhaft und lenkte mich ab. Und nach einer Weile ging’s mir auch wieder gut.

Am letzten Tag der Woche, Tag 14, hatte ich einen Auftritt bei QVC. Ich präsentierte einen fettsparenden Elektrogrill. Der Kollege neben mir präsentierte eine Eismaschine. Zur Demonstration hatte er insgesamt neun Maschinen auf seiner Theke stehen, die alle in Betrieb waren und gerade neun verschiedene Eissorten produzierten. Das ganze Team stand Schlange, um zu probieren. Ich hörte nur „hmmm!“ und „lecker!“ und „köstlich!“ und... konzentrierte mich auf meinen Grill.

Mein Fazit nach der zweiten Woche

Wer den Haushaltszucker aus seiner Ernährung streichen möchte, muss ziemlich willensstark und diszipliniert sein. Denn wenn man seine Tage nicht nur alleine zu Hause verbringt, kommt man tagtäglich in Situationen, in denen man verzichten muss. Wenn man das wirklich WILL, ist es machbar. Ich glaube aber inzwischen, dass ich persönlich es nicht will. Ich esse sehr gerne, probiere zu gerne Neues aus und ich fühle mich durch den Zuckerverzicht in der Auswahl zu stark eingeschränkt.

Körperlich kann ich bislang auch noch immer keine Vorteile erkennen. Weder bin ich leistungsfähiger, noch ist meine Haut besser geworden oder sonst irgendetwas. Stattdessen geben mir die erlebte Heißhungerattacke sowie das häufige, unterschwellige Gefühl essensmäßig nicht wirklich befriedigt zu sein, sehr zu denken. Schauen wir mal, was die dritte Woche bringt...

Herzlichst,

Dr. Alexa Iwan (Dipl. Ökotrophologin)

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