Essen auf Rädern: So viel futtern die Tour-Profis | EAT SMARTER
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Essen auf Rädern: So viel futtern die Tour-ProfisDurchschnittliche Bewertung: 4.3158

Essen auf Rädern: So viel futtern die Tour-Profis

Wenn die Radprofis heute in den Pyrenäen ums Gelbe Trikot kämpfen, fließt nicht nur der Schweiß in Strömen. Ganz nebenbei verbrennen die Sportler auch riesige Mengen an Kalorien. Mehr als 8000 verbraucht ein Radrennfahrer während solch einer schweren Berg-Etappe über 175 Kilometer.

Um die Energiemengen für diese Strapazen parat zu haben, müssen die Radprofis bei der Tortour durch Frankreich opulent essen. Das beginnt schon beim Frühstück: eine große Schale Müsli – das wegen der besseren Verträglichkeit über Nacht in Wasser oder Sojamilch eingeweicht wird – mehrere Scheiben belegtes Brot, eine Schüssel mit Obstsalat, Früchte sowie Omelette, Pfannkuchen oder Rührei. Während sich „normale Menschen“ schon längst mit Magenschmerzen in den Stühlen krümmen würden, gibt es bei den Radprofis noch den obligatorischen Nachschlag: eine Portion Pasta oder Reis. Entweder puristisch mit etwas Olivenöl und Parmesan, oder aber „verfeinert“ mit Ketchup, Honig oder Zucker und Zimt. Doch noch ist der Tank nicht voll, um genug Treibstoff für den langen Ritt über die Bergriesen zu haben. Für Radsportler wie auch alle anderen Ausdauersportler sind Kohlenhydrate als Energiequelle enorm wichtig. Sie liefern den Brennstoff, den die Muskeln brauchen, um Höchstleistungen zu erbringen. So bittet der Koch – viele von den Teams reisen inzwischen mit Ernährungswissenschaftlern und Küchenpersonal durch Frankreich – vor dem Startschuss ein weiteres Mal zu Tisch: als zweites Morgenmahl gibt es Pasta oder Reis. „Gerade Nudeln al dente und Reis gewährleisten eine lang anhaltende Energieversorgung, weil die Kohlenhydrate nicht sofort, sondern nach und nach ins Blut gelangen. So steht dem Körper für eine längere Zeit Energie zur Verfügung“, erklärt Ex-Profi Jörg Ludewig, der mehrfach die Frankreich-Rundfahrt bestritten hat. Wenn die Profis dann im Sattel sitzen, hört die Völlerei jedoch noch nicht auf. „Das Schlimmste was einem passieren kann, ist ein Hungerast“, sagt Jörg Ludewig. „Denn wer einmal in diesem gefährlichen Unterzuckerbereich ist, kann sich während eines Wettkampfes davon nicht erholen.“ Wenn der Organismus auf Kohlenhydrate als Energielieferant verzichten muss, drosselt er seine Aktivitäten. Neben Kraftlosigkeit leidet der Sportler dann an Konzentrationsschwäche, Übelkeit und Schwindel.
Mobiles Bufett: das große Fressen
Aber was essen denn die Radprofis jetzt unterwegs? Meist gibt es nach zwei Stunden Fahrzeit ein „mobiles Buffet“. In einer vorher bestimmten Zone überreichen die Betreuer den Profis vom Straßenrand aus einen Verpflegungsbeutel. Darin befinden sich neben typischer Sportlernahrung wie Riegel und Tütchen mit kohlenhydrathaltigem Gel auch oft ein Stück Obst, trockener Kuchen, Reiswaffeln oder die berühmten Silberlinge. „Die heißen so, weil sie in Alufolie verpackt sind und wertvollen Inhalt haben“, erzählt Ludewig. „Brötchen mit Käse, Schinken, aber auch mal mit Schokolade, Pudding oder Marmelade.“ Je härter und länger dann das Rennen wird, desto weicher wird die Nahrung. „Unser Magen ist gar nicht in der Lage die gesamte Energie, die wir brauchen aus fester Nahrung zu ziehen“, erklärt Ludewig diesen Menüplan. „Zudem hat man gar keine Kraft und Möglichkeit mehr zum Kauen, wenn man gerade am Anschlag fährt.“ Deshalb gibt es jetzt Riegel, die komprimiert Energie liefern. In einem 60 Gramm-Barren stecken immerhin bis zu 300 Kalorien und über 40 Gramm Kohlenhydrate. Vier bis acht solcher Snacks werden vertilgt, dazu kommen noch eine handvoll Gel-Beutelchen und acht bis zehn Flaschen Energiedrinks, die je 35 Gramm Kohlenhydrate enthalten.
Kurzer Zucker-Kick
Für den ganz schnellen Energieschub sorgt dann noch die Cola. „Das gibt richtig Power – allerdings nur für kurze Zeit, da der Koffein-Zucker-Mix sofort ins Blut schießt und ebenso schnell verpufft“, sagt Ludewig. „Also genau das richtige fürs Etappenfinale.“ Im Ziel winken die Pfleger schon wieder mit Getränken – sogenannten Recovery Drinks mit einem hohen Eiweiß- und Kohlenhydratanteil. Jetzt ist es wichtig, möglichst schnell die im Endspurt verschossenen Körner und das abgebaute Muskeleiweiß zu ersetzen. „Das Problem ist nur, dass die Fahrer oft zu kaputt sind, etwas zu sich zu nehmen – doch es muss sein“, sagt Ludewig. Zur Ruhe kommen die Profis aber noch nicht, denn im Mannschaftsbus erwartet sie schon das verspätete Mittagessen, meist Müsli, Sandwichs, Kuchen und Obst. Und nach der Massage gibt es dann noch das Dinner, das natürlich mehrere Gänge umfasst. „Hier werden Suppen, Fisch, Fleisch, Gemüse aufgefahren – eben herzhafte, gut gewürzte Gerichte, weil man süße Speisen dann einfach nicht mehr sehen kann.“ Erst zum Dessert oder als Betthupferl leistet sich der ein oder andere Fahrer dann wieder Süßigkeiten, wenn er nicht schon zu müde ist – vom vielen Rad fahren und essen.

Menüplan – das isst ein Radprofi während einer Etappe

Vor dem Rennen

Frühstück:
1 Banane
150 g Müsli
200 g Pasta oder Reis (Gewicht ungekocht)
4 Scheiben Brot
100 g Aufschnitt
250 ml Kaffee
300 g Sojamilch
200 g Früchte
300 ml Orangensaft

Snack:
200 g Pasta oder Reis (Gewicht ungekocht)
500 ml Wasser

Während des Rennens
6 Energieriegel
100 g Kuchen
4 Liter Energie-Drinks
6 Energie-Gels
400 ml Cola
2 Sandwiches oder Brötchen
1 Liter Wasser
Nach dem Rennen

Snack:
500 ml Recovery-Getränke
1 Sandwich
1 Energieriegel
330 ml Cola
100 g Kuchen
500 ml Wasser

Abendessen:
200 g Gemüse
250 g Pasta oder Reis
250 g Geflügel oder Fisch
100 g Sauce
350 g Naturjoghurt
150 g Früchte
1 Liter Wasser

Betthupferl:
100 g Süßigkeiten (z.B. Gummibärchen)
30 g Schokolade
500 ml Wasser

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Wow! Ich kenne mich zwar mit Sportlerernährung etwas aus, aber Radfahrer sind ja extrem :) Wirklich erstaunlich was die alles auf sich nehmen müssen, um volle Leistung erbringen zu können ;)