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Curated Food – Orientierung im LebensmittelüberflussDurchschnittliche Bewertung: 3.6158
16. September 2014

Curated Food – Orientierung im Lebensmittelüberfluss

Curated Food – auch Biokisten gehören dazu. © gpointstudio - Fotolia.com Curated Food – auch Biokisten gehören dazu. © gpointstudio - Fotolia.com

Schon mal etwas von „Curated Food“ gehört? Nein? Dann sollten Sie jetzt genau aufpassen: Food-Trendexpertin Hanni Rützler erklärt, was sich hinter dem Begriff verbirgt und wie auch Sie davon profitieren können.

Lebensmittelüberfluss und das Bedürfnis vieler Konsumenten, sich gesund und gut, preiswert und nachhaltig zu ernähren, stellen auch an Handel und Gastronomie ganz neue Herausforderungen. Denn als Konsumenten empfinden wir die zunehmende Angebotsvielfalt nicht immer nur als Bereicherung.

Egal, ob wir uns primär preiswert oder besonders gut ernähren wollen, ob wir auf gesunde Ernährung Wert legen oder ob uns artgerechte und ökologische Produktion ein persönliches Anliegen sind: Die immer unüberschaubarere Vielfalt an Lebensmitteln, Marken und Gütezeichen kann uns im Alltag schon mal überfordern.

Als Trendforscherin bin ich daher stets auf der Suche nach innovativen Lösungen und vorbildlichen Praxisbeispielen, die es uns erleichtern, die richtige Wahl zutreffen. Klassische Supermärkte machen es uns dabei nicht wirklich leicht. Am ehesten noch mit Eigenmarken, die entweder den Fokus auf bestimmte Preissegmente legen oder auf biologische Kriterien. Aber schon mit der Art der Regalbestückung machen die meisten Handelsketten diesen Vorteil wieder zunichte. Auch wenn wir uns zum Beispiel nur für ein Bio-Joghurt interessieren, stehen wir dann meist vor einem riesigen Regal mit hunderten verschiedenen Joghurts: konventionell und bio, gezuckert und ungezuckert, mit mehr oder weniger natürlichen Aromastoffen.

Das ist auch der Grund, warum die Zahl kleinerer Lebensmittel- und Spezialitätengeschäfte (mit einem bewusst reduzierten Sortiment) wieder zunimmt. Und darin liegt auch die Chance für kluge Online-Konzepte und Zustellservices, die ihr Angebot gewissermaßen „kuratieren“.

Das vom Lateinischen curare abgeleitete Wort („sorgen für, sich kümmern um“) kennen wir vor allem aus dem Museumsbetrieb. Der „Kurator“ ist jene Person, die für die Auswahl der jeweiligen Sammlung bzw. für die Auswahl von Kunstwerken verantwortlich ist, die in einer Ausstellung zu sehen ist. Der Kurator wählt dabei nach bestimmten Kriterien aus der Unmenge an Kunstwerken aus und macht dem Museumsbesucher ein bestimmtes – vorselektiertes – „Angebot“.

Für mich ist das der Schlüssel für ein neues Selbstverständnis von Lebensmittelanbietern und Gastronomen, die uns Konsumenten mit Einkaufs-, Koch- und Esslösungen entgegenkommen, die es uns erleichtern, auch im stressigen Alltag die jeweils bessere Wahl zu treffen. Denn, davon bin ich überzeugt, der Konsument von morgen wird eine „kuratierte Auswahl“ mehr schätzen als eine grenzenlose.

Schon heute nehmen mehr und mehr Menschen entsprechende Angebote gerne an. Das zeigt die wachsende Anzahl von Anbietern von sogenannten Biokisten oder Koch-Abo-Boxen (mit ausgewählten Produkten inklusive Rezeptvorschlägen) ebenso wie der Erfolg des ,,Kochhauses“. Von dem ersten Lebensmittelgeschäft, das sich konsequent dem Thema Selberkochen widmet und nicht mehr nach Warengruppen, sondern nach Rezepten sortiert ist, gibt es mittlerweile elf Standorte in sieben deutschen Städten (www.kochhaus.de).

Neugierig gemacht hat mich auch das Berliner Start-Up-Unternehmen „Try Foods“, das Genießern bestimmte Lebensmittel als kulinarische Probiersets – mit einer vorselektierten Auswahl – anbietet (www.tryfoods.de).

Ihre Hanni Rützler

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