Kulinarische Reise: Kalifornien | EAT SMARTER
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Kulinarische Reise

Entdecken Sie Kalifornien!

Pommes, Burger, Cola und hinterher Ice Cream – natürlich alles in Portionsgröße XXL. So stellen wir uns ein typisch amerikanisches Menü vor. Doch in Kalifornien ist alles anders. Hier gibt es geniale Salate, dazu frische Smoothies und als Nachtisch Frozen Yoghurt. „Hauptsache gesund“ lautet das Motto der Kalifornier. Dabei setzen sie nicht nur auf Obst und Gemüse, sondern auch auf „Super Food“, Trucks – und einen urdeutschen Klassiker.

Eine kulinarische Reise durch Kalifornien

Kalifornien

Während die technischen Innovationen von Google, Apple, eBay und Co. vom Silicon Valley (südlich von San Francisco) aus die Welt erobern, keimen die Food-Trends in Los Angeles. Kein Wunder, in der Film-Metropole wimmelt es nur so von Stars: Gutes Aussehen ist hier alles. Und in keinem anderen US-Bundesstaat essen die Bürger so viel Gemüse wie in Kalifornien – im Durchschnitt fast zweimal am Tag. Zum Vergleich: In Texas oder New York gibt’s nur 1,5 Portionen. Der Grund liegt auf der Hand: Obst und Gemüse wachsen hier vor der Haustür. Davon profitieren aber nicht nur die Kalifornier. Die Hälfte der gesamten Obst-, Gemüse- und Nussproduktion der USA findet in Kalifornien statt. Das liegt an den mehr als 300 Sonnentagen pro Jahr und dem konstanten Klima mit nur geringen Temperaturunterschieden.

Die gesunde "California Cuisine"

SeFarmers Marketlbst im trockenen Hinterland werden Lebensmittel angebaut – dank eines riesigen Bewässerungssystems. So gilt zum Beispiel das Central Valley als größter Garten der Welt. Hier werden mehr als 230 verschiedene Lebensmittel produziert: von Tomaten, Spargel und Avocados über Melonen, Zitronen und Weintrauben bis hin zu Mandeln und Pistazien. Da es im Central Valley nur im Frühjahr regnet, müssen die Felder das restliche Jahr künstlich bewässert werden.

Dafür wird das Regenwasser in Reservoirs gespeichert und über Kanäle (mit einer Gesamtlänge von mehr als 560 Kilometern!) zu den Feldern transportiert. Doch nicht nur Obst und Gemüse gibt es in Kalifornien massenhaft, dank seiner 1350 Kilometer langen Küstenlinie haben auch Fisch und Meeresfrüchte einen festen Platz auf der kalifornischen Speisekarte. Es ist also eigentlich keine große Überraschung, dass die „California Cuisine“ eine der gesündesten Länderküchen ist – bei diesen Zutaten. Viel verblüffender ist hingegen, dass diese Küche auf einen Österreicher zurückgeht. Wolfgang Puck hat Anfang der 80er-Jahre in Los Angeles asiatische, französische sowie italienische Küche mit regionalen Produkten kombiniert und somit den Grundstein für die California Cuisine gelegt. Noch heute ist sein erstes Restaurant Spago in Beverly Hills (176 North Canon Drive) die beste Adresse für kalifornisches Essen – auch bei Prominenten.

Nicht unbedingt California Cuisine, aber dennoch ein kalifornisches Original ist Chop Suey. Gabi Frankemölle, die schon seit 1998 die amerikanische Rezeptsammlung www.usa-kulinarisch.de betreibt, beschreibt die Erfindung des Klassikers Chop Suey mit einem Augenzwinkern als „Resteverwertung amerikanischer Zutaten – chinesisch gewürzt“. Wie so viele andere Gerichte und Trends trat Chop Suey seinen Siegeszug durch die Welt in Kalifornien an. Ebenfalls aus der Not heraus entstand der Caesar’s Salad, eine weitere kalifornische Kreation. „Zur Zeit der Prohibition sind viele Kalifornier ins Nachbarland Mexiko gefahren, um Alkohol zu trinken. Als eines Tages die Amerikaner einem mexikanischen Gastwirt fast alle Lebensmittel weggegessen hatten, musste dieser improvisieren und kreierte aus Resten einen Salat – den auch bei uns beliebten Caesar’s Salad“, erklärt Gabi Frankemölle die Herkunft ihres persönlichen kalifornischen Lieblingsgerichts.

Besonders beliebt in Kalifornien: "Super Foods"

Doch nicht nur regionales Obst und Gemüse ist der Grund für das ausgeprägte Gesundheitsbewusstsein der Kalifornier. Mindestens genauso wichtig ist die Tatsache, dass der drittgrößte Bundesstaat der USA die Heimat der Film- und Schönheitsindustrie ist. An keinem anderen Ort gehört gesunde Ernährung genauso zum guten Ton wie das monatliche Zähnebleichen oder die tägliche Yoga-Stunde. Und an keinem anderen Ort wird immer wieder händeringend nach dem besten, dem gesündesten und dem schlankmachendsten „Super Food“ gesucht. Aktuell sind das die Chia-Samen. Das „Wunderkorn“ stammt aus Mexiko, steckt voller Vitamine und Antioxidantien und enthält mehr Omega-3-Fettsäuren als die meisten Fische. Da die Samen geschmacklos sind, kann man sie einfach in den Speiseplan integrieren, zum Beispiel indem man sie über den Salat streut oder in einen Smoothie mischt. Ein anderes Super Food ist „Kale“. Das gibt es auch bei uns und ist – ganz unglamourös – besser als Grünkohl bekannt. Aber während wir den Winterkohl kochen, essen die Kalifornier ihn hauptsächlich als Salat, am liebsten mit Wassermelone und Schafskäse. Probieren Sie es im Winter doch mal aus – für etwas Urlaubsfeeling in der kalten Jahreszeit. Dafür entfernen Sie vom rohen Grünkohl die Stiele, waschen die Blätter und schneiden sie klein. Mischen Sie den Grünkohl mit in Würfel geschnittener Wassermelone und Schafskäse. Anschließend den Salat mit Balsamico, Olivenöl, Salz und Pfeffer würzen. Guten Appetit!

Übrigens: Super Food und anderes Obst und Gemüse kaufen die Kalifornier am liebsten auf Wochenmärkten – den sogenannten Farmers Markets. Auf dem Farmers Market von Brentwood in Los Angeles (samstags von 8 bis 12 Uhr) kann man oft auch Stars und Schauspieler beim (Bio-)Gemüse-Einkauf beobachten. Das Hollywood-Paar Jennifer Garner und Ben Affleck ist dort Stammkunde. Auf dem Ferry Plaza Farmers Market am historischen Fähranleger in San Francisco kaufen zahlreiche Spitzenköche ein. Der Markt ist dienstags und donnerstags von 10 bis 14 Uhr, sowie samstags von 8 bis 14 Uhr geöffnet. Wer gerne bei Livemusik einkaufen geht, der sollte unbedingt den Ocean Beach Farmers Market in San Diego (mittwochs von 16 bis 20 Uhr) besuchen.

Food Trucks – das neue "Essen auf Rädern"

Currywurst-TruckEin Trend, der ausnahmsweise nicht aus Kalifornien stammt, aber dort am weitesten verbreitet ist, sind Food-Trucks. Diese mobilen Imbisse stehen am Straßenrand, auf Parkplätzen großer Firmen, vor Museen oder auf Straßenfesten und bieten vor Ort frisch zubereitetes Essen an: egal ob Burger und Pommes, japanische Küche, mexikanische Snacks oder neuerdings sogar deutsche Currywürste. Letztere haben die Kalifornier dem Ex-Kölner Chris Töpperwien (39) zu verdanken, der seit Februar 2012 mit seinem „No. 1 Currywurst Truck of Los Angeles“ auf den Straßen der Film-Metropole unterwegs ist. Food-Trucks sind erst seit wenigen Jahren populär in Kalifornien. Dabei gab es sie schon in den 60er-Jahren. Damals sind sie von Baustelle zu Baustelle gefahren, um die Bauarbeiter zu verpflegen.

Heute sind die Kunden der rollenden Mini-Restaurants eher Geschäftsleute, Angestellte oder Straßenfestbesucher. Und diese sind ganz begeistert von den Food-Trucks. Chris weiß warum: „Food-Trucks sind Erlebnisgastronomie – ein bisschen wie auf der Kirmes. Diese Stimmung mögen die Leute. Außerdem sind viele Food-Trucks günstiger als Restaurants.“ Auch für die Betreiber haben die mobilen Küchen einen großen vor allem finanziellen Vorteil: Food-Trucks gibt es schon ab 3000 Dollar, wenn man keinen Wert auf ein tolles Design oder Werbung legt. Plus einige Tausend Dollar für Töpfe, Stühle oder Stehtische“, erklärt der 39-jährige. Das macht die Leckereien-Lastwagen gerade während der Wirtschaftskrise für viele Unternehmer interessant. Nicht zu unter-schätzen sind aber die laufenden Kosten – die sind auch bei einem Food-Truck nicht unbedingt niedrig: „Ich muss täglich 500 bis 600 Dollar umsetzen, um auf Null zu kommen. Mitarbeiter, Benzin, Propangas für den Grill, die Waren und jeden Abend die Reinigung – das alles muss bezahlt werden“, erklärt Chris.

Für Ihn sind Food-Trucks aber aus einem ganz anderen Grund die bessere Alternative zu einem Restaurant: „Ursprünglich wollte ich eine kleine Imbissbude eröffnen. Wegen der hohen Mietsicherheiten und Vorauszahlungen habe ich die Idee schnell wieder verworfen. Meine nächste Option war ein Food-Truck – die cleverere Variante. Denn ich bin nicht so der Typ, der sich fest binden will. Ich bin gerne mobil.“ Seine aktuelle Position kommuniziert Chris über die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter.

Aber wie kommt der Leiter einer Werbeagentur zu Currywürsten? „Ich habe schon seit Kindesbeinen in dem Imbiss meiner Tante und meines Onkels mitgearbeitet. Das hat mir immer Spaß gemacht“, sagt Chris. Außerdem bietet kein anderer der über 300 Gourmet-Trucks in Los Angeles Currywürste an. „Ich habe hier keine direkte Konkurrenz“, sagt Chris. Das ist besonders vorteilhaft, wenn Stehplätze begrenzt sind und somit die Organisatoren die Food-Trucks aussuchen. An dem allgegenwärtigen Gesundheitstrick der Kalifornier kommen auch Chris und sein Currywurst-Truck nicht vorbei. „In Kalifornien gibt es viele Vege-tarier oder Veganer und zahlreiche Leute, die sich laktose- oder glutenfrei ernähren. Auch für diese Kundengruppe muss man Gerichte anbieten! Daher gibt es bei mir auch Tofu-Currywürste“, lacht Chris. Das bisherige Highlight seiner Currywurst-Karriere? „Mein Truck wird in dem neuen Hollywood-Film „Stretch“ (kommt am 21. 3. 2014 in die amerikanischen Kinos, der deutsche Filmstart steht noch nicht fest) zu sehen sein. Letzten Sonntag haben wir den ganzen Tag gedreht“, erzählt Chris stolz.

(bor)

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