Neuer Ernährungstrend Rohkost? | EAT SMARTER
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Kochen war gestern

Neuer Ernährungstrend Rohkost?

Sich vegan zu ernähren ist mittlerweile nichts Außergewöhnliches mehr. Doch kommt jetzt schon der nächste Ernährungs-Hype? Denn „Raw Food“ ist auf dem Vormarsch. Doch was bedeutet es eigentlich nur Rohkost zu essen? Und ist diese Ernährungsform wirklich gesund und nimmt man mit ihr möglicherweise sogar ab? EAT SMARTER verrät es Ihnen.

Rohkost: in Amerika längst angekommen

Veganer verzichten auf Fleisch, Käse, Eier, Milch und alle anderen tierischen Produkte. Dürfen aber Pizza, Pasta, Reis, Tofu usw. essen. Für Rohköstler sind diese Lebensmittel jedoch auch tabu. Denn sie essen nichts, was auf über 42 Grad Celsius erhitzt wurde.

In Deutschland gibt es noch – im Vergleich zu Vegetariern und Veganern – recht wenig Rohköstler. Doch die Betonung liegt auf noch. Denn immer mehr Menschen ernähren sich nur noch von Obst und Gemüse, Bücher über Rohkost finden den Weg auf den Büchermarkt und in Amerika ist der Trend sowieso schon angekommen. Promis wie Charlize Theron, Demi Moore, Madonna und sogar Bill Clinton sollen sich raw ernähren. Laut FAZ gibt es allein in Los Angeles über 40 Restaurants, die ausschließlich Raw-Food anbieten.

Rohköstler ist nicht gleich Rohköstler

Innerhalb der Rohköstler gibt es verschiedene Gruppen. Solche die – meist aus einer veganen Ernährung heraus – auf gekochte und verarbeitete Lebensmittel, inklusive aller tierischen Produkte verzichten.  Dann gibt es Rohköstler, die rohen Fisch, unbehandelte Milch essen Rohmilchkäse essen und solche, die sogar rohes Fleisch und Eier konsumieren. Letzte sind allerdings eher die Ausnahme.

Rohkost für die Gesundheit?

Viele Menschen entscheiden sich für die Rohkosternährung aufgrund von Allergien,  Lebensmittelunverträglichkeiten und Krankheiten und hoffen durch die Ernährungsumstellung eine Besserung zu erfahren. Denn eine Rohkosternährung bedeutet Essen ohne Geschmacks- und Konservierungsstoffe, künstliche Zusätze, Aromen usw. Es werden nur reine, naturbelassene Produkte gegessen. Und diese werden kaum erhitzt. Der zugrundeliegende Gedanke: Wir können nicht überleben, wenn unsere Körpertemperatur auf über 42 Grad Celsius ansteigt, da unsere Organe versagen. Diesen Fakt übertragen Rohköstler auf Lebensmittel. Sie gehen davon aus, dass durch zu starkes Erhitzen wichtige Nährstoffe, Enzyme  und Vitamine zerstört werden.

Rohkost: Nur Gemüsesticks?

Bei Rohköstlern stehen Obst und Gemüse auf dem Speiseplan,  aber auch Nüsse, Samen und Trockenobst.  Wer jetzt denkt, raw zu leben bedeutet nur Gemüsesticks zu knabbern, der irrt. Suppen, Salate, Wraps (aus Salatblättern), ja sogar Süßigkeiten (Stichwort: Dattel-Energie-Kugeln) lassen sich roh zubereiten, Doch um den Grundumsatz zu decken, ist ganz schön viel Rohkost notwendig, denn die Nährstoffdichte ist zwar bei Obst und Gemüse sehr hoch, die Kalorienmenge jedoch gering. Aufgrund dessen ist  fast die dreifache Menge an Rohkost als an normaler Kost notwendig um den Mindest-Kalorienbedarf zu decken. Wird dieser durch das Konsumieren von Raw Food unterschritten,  kann es zwar zu einer Gewichtsabnahme, aber auch zu Schwindel, Kopfschmerzen etc. als Folge von Mangelernährung kommen. Mit Rohkost gezielt abnehmen zu wollen ist also wenig ratsam und medizinisch äußerst bedenklich.  

Rohkost: Für wen geeignet?

Schon „nur“ eine vegane Ernährung kann laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) jedoch häufig zu Mangelerscheinungen führen. Besonders die Vitamin B12-, Calcium-, Eisen- und Jodwerte sollten deshalb durch regelmäßige Untersuchungen der Blutwerte im Auge behalten werden. Für Schwangere, Stillende, Kinder und Ältere ist diese Ernährungsform nicht geeignet, da sie einen höheren Nährstoffbedarf haben.

Überzeugte Rohköstlerin

Wer sich entscheidet sich nur noch raw zu ernähren, sollte sich regelmäßig vom Arzt durchchecken lassen.  Eine, die sich bewusst entschied auf gekochte Lebensmittel zu verzichten, ist Kriss Mucis. Ihre Initialzündung: eine Schilddrüsenerkrankung. Schon Jahre vorher ernährte sie sich erst vegetarisch, dann vegan. In ihrem Buch „Gesünder, fitter, roh“ beschreibt Micus unterhaltsam und informativ wie es sich als Rohköstler lebt und worauf man achten muss.  Sie schreibt über die schwere Eingewöhnungszeit, plötzlich sprießende Pickel, ständigen Hunger und Blähungen.  „Die ersten Tage und Wochen waren enorm schwer. Ich hatte es mir leichter vorgestellt, einfach nur Obst und Salat zu essen. Doch Rohkost erfordert viel Planung und in der ersten Zeit vor allem Disziplin. Man muss sich mit dem Gedanken anfreunden, dass der Körper wirklich eine komplette Umstellung durchmacht und ihm Zeit lassen, sich daran zu gewöhnen. Am Anfang fühlt man sich deshalb nicht immer gut. Ich hatte Kopfschmerzen, Bauchkrämpfe, Schwindel und immer Hunger.“ Erst langsam reagiert der Körper auf die Veränderten Essgewohnheiten. Dann jedoch mit reiner Haut, glänzendem Haar und einem fitten Allgemeinbefinden.

Nach einem Jahr komplett raw  – außer einem Cheat Day pro Woche, an dem Mucis zwar vegan aber nicht roh aß – isst Kriss Micus heute zu 80 % roh und ergänzt diese Form der Ernährung durch Getreide und gekochtes Gemüse. Über ihr Leben als Rohköstlerin sagt sie selbst: „Ich bin fitter und energiegeladener, meine Blutwerte sind top und ich werde weniger krank – auch nicht im Winter trotz Großraumbüro. Ich glaube, dass ich mit Rohkost innerlich und äußerlich länger jung bleiben kann.“

Kriss Mucis Buch „Gesünder, fitter, roh“ ist bei Eden Books erschienen und kostet 14,95 Euro.

(chil)

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Ich persönlich sehe mir gerne Videos von Fullyrawkristina auf youtube an. Empfehlenswert, für die, die mehr über Rohkost erfahren möchten oder gerne Rohkost essen. :)