Blutgruppendiät – Sinn oder Unsinn? | EAT SMARTER
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Dr. Kurscheid - der Fernseh-Arzt
Die Blutgruppendiät – Sinn oder Unsinn?Durchschnittliche Bewertung: 4.71525
31. August 2015

Die Blutgruppendiät – Sinn oder Unsinn?

Dr. Kurscheid klärt über die Blutgruppendiät auf.

 Blutgruppendiät

Was genau ist Ernährung nach Blutgruppen?

Immer wieder fragen mich Patienten nach der Sinnhaftigkeit der Blutgruppendiät.

Der amerikanische Naturheilkundler Peter D'Adamo hatte 1996 in seinem Buch "Vier Blutgruppen – Vier Strategien für ein gesundes Leben“ die kühne These aufgestellt, dass wir uns alle unterschiedlich ernähren sollten. Nämlich so, wie es jeweils unserer Blutgruppe entspricht. Unsere Blutgruppe wiederum soll einem bestimmten Menschentypus in einer zurückliegenden Epoche der Menschheit entsprechen.

So sei die Blutgruppe 0 angeblich dem steinzeitlichen Jäger zuzuordnen. Er habe sich an fleischlastige Ernährung gewöhnt und solle sie daher bevorzugen. Auf Weizen, Getreide und Hülsenfrüchte soll er hingegen verzichten, da es nicht zu seiner Blutgruppe passe. Seine Blutzellen würden sich sonst verklumpen.

Als der Jäger sesshaft wurde und die Menschen anfingen, Landwirtschaft zu treiben, sei die Blutgruppe A entstanden, so D'Adamo. Menschen dieser Blutgruppe sollten deswegen Gemüse und Getreide bevorzugen.

Die Nomadenvölker wiederum ernährten sich nur von Milchprodukten und dem Fleisch ihrer Tiere, und hätten daher die Blutgruppe B entwickelt.

Die Blutgruppe AB sei entstanden, als sich die Völker der Gruppe A und B vermischten. D'Adamo behauptet nun, wenn man sich genauso ernähre, wie es der Blutgruppe und damit dem damaligen Verhalten entspricht, dann würde man gesund und schlank bleiben.

Welche Vor-und Nachteile gibt es?

Ernährungsexperten und Genetiker kritisieren die Blutgruppendiät heftig. Schon die Annahmen, auf denen die Theorie basiert, stimmen an fast allen Stellen nicht. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass sie nicht funktioniert und sogar Gefahren wie Fehlernährung mit sich bringt. Denn die Diät gewährleistet nicht für alle Blutgruppentypen eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Beispielsweise fehlen auf dem Speiseplan der Blutgruppe 0 Milch- und Getreideprodukte. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) lehnt daher diese Ernährungsformen ab.

Ein Kritikpunkt der Genetiker: Die Blutgruppen haben sich laut D´Adamo angeblich deswegen entwickelt, weil der Mensch immer neue Entwicklungsformen durchlief (z. B. vom Jäger zum Ackerbauern) und deswegen immer andere Lebensmittelgruppen aß. Dass sich die Blutgruppen deswegen entwickelten, ist zumindest unplausibel, denn Affen haben nie die Phasen des Ackerbauers und des Nomadentums durchlaufen, haben aber trotzdem die gleichen Blutgruppen wie wir Menschen.

Was taugt die Blutgruppendiät im Praxisscheck?

Auch im täglichen Leben bewährt sich die Blutgruppendiät nicht. Ihr Nachteil: Das Mitkochen für andere gestaltet sich schwierig, wenn unterschiedliche Blutgruppentypen zu berücksichtigen sind. Restaurantbesuche sind fast unmöglich. Zudem: D’Adamo rät den Blutgruppen 0, A und AB, Milch zu meiden. In Deutschland wären das 80 Prozent der Bevölkerung! Die Stiftung Warentest stellt in ihrem Sonderheft Diäten fest: „Da wir trotz jahrhundertelanger Verstöße gegen diese Regeln immer noch am Leben sind, stellt sich die Frage nach dem Sinn und Unsinn der Diät. (…) Eine Verklumpung von Blutzellen wurde bisher in keinem einzigen Fall festgestellt. Und Belege dafür, dass Erkrankungen durch die Blutgruppendiät positiv beeinflusst werden, fehlen ebenfalls."

Fazit

Die Blutgruppendiät hat bislang vor allem einem geholfen, nämlich Herrn D'Adamo. Er ist mit seiner unhaltbaren These reich geworden.

Ihr Dr. Kurscheid

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