Was steckt hinter der Steinzeitdiät? | EAT SMARTER
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Sophia Thiel
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EAT SMARTER-Check

Was steckt hinter der Steinzeitdiät?

Die Steinzeitdiät im Check: Was steckt dahinter? Die Steinzeitdiät im Check: Was steckt dahinter?

Viel Fleisch, Eier, Obst und Gemüse - Anhänger der Steinzeitdiät essen nur, was bereits die steinzeitlichen Vorfahren kannten. Fertiglebensmittel, Getreideprodukte oder Zucker sind dagegen verboten, schließlich sind sie nach Ansicht der Anhänger für viele Zivilisationskrankheiten verantwortlich. Während Fans die Steinzeitdiät als ideale Ernährungsweise feiern, stößt sie bei Kritikern auf Ablehnung. EAT SMARTER verrät, warum sich Menschen für die Steinzeitdiät entscheiden und welche Nachteile es geben könnte.

Im Juni 2011 sorgte „Tiger“ Tom Jones für Aufsehen: Nachdem sich der 1,78-Meter-Mann auf 100 Kilo hoch gefuttert hatte, nahm er innerhalb von nur fünf Monaten satte 15 Kilo ab. Bei seinem Kampf gegen die Pfunde folgte Jones der sogenannten Paläodiät oder Steinzeitdiät, die erst seit etwa drei Jahren bekannt ist. Jones war mit dem Erfolg sehr zufrieden. "Die Steinzeitdiät sagt dir, das zu essen, was wir als Jäger und Sammler gegessen haben", sagte Jones wenig später dem britischen Radiosender BBC2: "Iss alles, was natürlich ist". Natürlich, das bedeutet für Paläo-Anhänger viel frisches Obst, Eier, Fisch und vor allem jede Menge Fleisch. Denn so habe sich der Mensch ernährt, ehe er sesshaft wurde. Verboten sind dagegen Lebensmittel, die aus Getreide gewonnen werden sowie Zucker, Alkohol oder Milchprodukte. Denn die sind nach Ansicht der Anhänger für viele Zivilisationskrankheiten verantwortlich.

Steinzeitdiät erst seit einigen Jahren bekannt

"Vor zehn Jahren war das noch eine absurde Idee, aber in den vergangenen zwei bis drei Jahren ist die Steinzeitdiät weltweit bekannt geworden", sagt Loren Cordain von der Colorado State University. Seinen Angaben zufolge würden sich mittlerweile Millionen Menschen wieder wie Steinzeitmenschen ernähren. Was treibt Menschen wie Tom Jones an, sich so zu ernähren? Die Anhänger glauben, auf diesem Weg der natürlichen Ernährungsweise des Urzeitmenschen besonders nahe zu kommen. Kohlenhydratarme Kost - so die Annahme - habe die Gesundheit und Hirnfunktion des Homo sapiens gestärkt und somit die Entwicklung zum modernen Menschen möglich gemacht. Warum soviel Fleisch? Das Erbgut des Menschen habe sich kaum verändert, die Lust auf Fleisch stecke dem Menschen daher in den Genen.

Verbesserte Blutwerte durch Steinzeitkost

Und so hätte die Ernährungsweise eine ganze Menge Vorteile für den Menschen. Loren Cordain, der selbst ein Buch über die Steinzeitdiät geschrieben hat, verweist dafür gerne auf Studien. So habe eine im "Journal of Diabetes Science Technology" veröffentlichte Studie gezeigt, dass die Steinzeitdiät verbesserte Blutzuckerwerte und ein geringeres Risiko für Herzkreislauferkrankungen zur Folge habe. Eine in der Zeitschrift "Journal Nutrition and Metabolism" erschienene Studie zeigt, dass die Steinzeitkost sättigender als die Mittelmeerdiät sei und damit besser Übergewicht vorbeuge. Auf seiner Homepage veröffentlicht Cordain daneben weitere eigene Untersuchungen.

Ist die Steinzeitdiät wirklich gesund?

Eigentlich liefert die Ernährungsweise gute Ansätze. Dass man Fertiglebensmittel meiden und dafür mehr frisches Obst und Gemüse oder Nüsse essen sollte, ist weitgehend anerkannt. Umstritten ist dagegen, ob man Getreide- und Milchprodukte wirklich meiden sollte, während man verstärkt zu Fleisch greift. In einer Umfrage der Zeitschrift "U.S. News World Report" schnitt die Steinzeitdiät bei Ernährungswissenschaftlern schlecht ab. Bei der Steinzeitdiät würden nur 23 Prozent der Kalorien von Kohlenhydraten stammen, 45 bis 65 Prozent werden in den USA aber empfohlen. Stattdessen würden die Empfehlungen für Fette und Proteine durch Fleisch überschritten werden.

Die amerikanische Ernährungswissenschaftlerin Marion Nestle von der New York University bezweifelt deswegen auch, ob die Diät wirklich der sesshaften Lebensweise des modernen Menschen angepasst ist. Daneben stellt sie infrage, ob die Steinzeitmenschen wirklich so viel Fleisch gegessen hätten. "Das ist schwer zu bestätigen." Und da die Menschen damals sowieso nicht älter als durchschnittlich 25 Jahre wurden, könne die Ernährung – neben den anderen Lebensumständen – auch nicht ideal gewesen sein, sagt Nestle. Cordain hält dagegen: Noch heute gebe es Urvölker auf der Erde, die ebenfalls unter "Steinzeitbedingungen" leben. Und hier seien weniger Menschen von Fettleibigkeit, hohen Cholesterinwerten oder hohem Blutdruck betroffen. "Wenn diese Menschen aber westliche Ernährungsformen annehmen, dann verschlechtert sich ihre Gesundheit."

Passende Rezepte zur Steinzeit-Diät:

Steinzeit-Diät Rezepte von EAT SMARTER!

(wil/AFP)

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Frage an die Paleo Diät Spezialisten: Das Fleisch das man kaufen kann (egal ob bio oder nicht) stammt doch fast ausschliesslich von Masttieren. Das heisst die Tiere werden mit viel Soja, Mais etc. gefüttert. Ist dann nicht auch das Fleisch komplett anders von den Nährwerten her als das Fleisch das unsere steinzeitlichen Vorfahren gejagt haben? Können wir dann nicht eben so gut einen Teil dieser Hülsefrüchte und Getreide die an die Tiere verfüttert werden direkt selber essen und damit Boden, Energie, Wasser und Tierleben sparen?
 
Das ist ein sehr schöner, ausgewogener Artikel, danke dafür! Ich selbst habe jetzt gerade im Selbstversuch 30 Tage streng Paleo, ohne Milchprodukte, Getreide, Zucker und künstliche Dinge, gegessen. Von künstlichen Lebensmitteln habe ich mich schon vor vielen Jahren verabschiedet, daher fiel mir dieses nicht sonderlich schwer. Es ist manchmal ein wenig mit Aufwand verbunden, wenn man draußen ist und "schnell mal eben" etwas essen möchte. Aber, das sollte man ja sowieso nciht machen: Für Essen sollte man sich Zeit nehmen. Bewusst genießen, statt runterschlingen! Für mich war diese Paleodiät keine Offenbarung, im Gegenteil, es ist mir sogar schlecht bekommen. Zu viel Protein, zu wenig Kohlenhydrate im Verhältnis, mein Körper hat das nicht verarbeitet bekommen. Ich habe dazu eine ganz spannende Untersuchung gefunden und diese in meinem Abschlussbericht verarbeitet: http://www.leben-mit-ohne.de/strenge-paleo-diaet-abschluss/ Es scheint nämlich so zu sein, dass zu wenig Kohlenhydrate sich negativ auf den Hormonhaushalt auswirken können und, wenn man da in dieser Richtung schon angeschlagen ist, dann kommt das noch dazu. Ein AHA Erlebnis für mich! Ich glaube, dass es sowieso sehr schnell etwas einseitig werden kann, ich halte zu viel Obst nicht für gesund und ein Übermaß an Proteinen erscheint mir auch etwas übertrieben, völlig abgesehen davon, dass es unendlich teuer ist. Lustigerweise habe ich nun erst einmal genug von Fleisch und ernähre mich seit meiner Paleo Erfahrung vorwiegend vegetarisch mit viel gutem Pseudogetreide (Hirse, Quinoa) und fühle mich damit sehr gut. Auf Zucker versuche ich sowieso weitestgehend zu verzichten, das gibt es nur bewusst am Wochenende!
 
Liebe Nora, herzlichen Dank für deinen Erfahrungsbericht und für dein Lob! Viele Grüße, dein EAT SMARTER-Team
 
Toller Arktitel mit viel Hintergrundwissen. Perfekt für alle Einsteiger. Man sollte jedoch keine Religion daraus machen, sondern die Ernährung an seine Gewohnheiten anpassen. Habe auch noch einen Tipp für Paleokost für unterwegs...Die Kraft des Urstromtals...die machen Paleoriegel in vegan, vegetarisch und sogar mit Hirschtrockenfleisch. Echt lecker.
 
ich finde die steinzeit diät weil bob und harry gut genährt werden. Ausserdem sind steine lecker!!!!!!!!

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