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Live Smarter Blog der Techniker Krankenkasse
01. November 2016

Diagnose: Asperger-Syndrom

Asperger ist eine ganz besondere Spielart des Autismus und wird oft erst spät diagnostiziert. Für Betroffene, die häufig ein jahrelanges Versteckspiel hinter sich haben, beantwortet die Diagnose endlich die Frage “ Warum bin ich anders“?

Fisch schwimmt weg vom Schwarm

"Die Diagnose ist das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist", sagt Diana B. Die 50-Jährige leidet seit ihrer Kindheit am Asperger-Syndrom. Schon immer war sie ein wenig anders als die anderen Kinder: Ihren Puppenwagen habe sie mit Holz beladen, ihre Freizeit mit stundenlangen einsamen Touren auf dem Rennrad verbracht, ihren Mann nur geheiratet, weil man das nun mal so machte damals. „Ich war angepasst bis zur Selbstaufgabe", erzählt Diana B. auf Zeit Online.

Was ist das Asperger-Syndrom?

Asperger bezeichnet eine abgemilderte Form des Autismus. Unter Autismus versteht man meist den frühkindlichen Autismus, auch Kanner-Syndrom genannt, der bereits in den ersten drei Lebensjahren auftritt. Bei von Autismus betroffenen Menschen ist insbesondere das Verhalten im Kontakt mit anderen Menschen beeinträchtigt, die Fähigkeit zur Kommunikation schlecht ausgeprägt. Rund ein Drittel der Patienten spricht entweder gar nicht oder unverständlich. Die Interessen sind meist auf bestimmte Gegenstände und nicht auf Menschen gerichtet.

Menschen mit Asperger-Syndrom werden im Allgemeinen als etwas sonderbar wahrgenommen: Sie können nicht über Witze lachen, reagieren nicht auf Smalltalk, verstehen Redewendungen nicht. Oftmals sind sie schusselig und ungeschickt. Auf der anderen Seite stehen die oft überdurchschnittliche Begabung von Menschen mit Asperger und ihre Gabe, sich voll und ganz auf eine Aufgabe zu fokussieren. 

Sehen Sie auch das Video von Dr. Johannes: Was ist Asperger-Autismus? 

Zum Autisten erzogen?

Vollständig geklärt sind die Ursachen autistischer Störungen noch nicht, doch fest steht: Erziehungsfehler und Fehlverhalten der Eltern gehören nicht dazu.

Spezielle Verfahren, die das Gehirn abbilden, zeigen bei Autisten Auffälligkeiten bestimmter Hirnregionen, die für die Entwicklung von Sprache und Sozialverhalten wichtig sind. Des Weiteren zeigt sich bei vielen Betroffenen im Vergleich zu gesunden Menschen eine erhöhte Konzentration des Gehirn-Botenstoffs Serotonin. Dies signalisiert eine gestörte Informationsverarbeitung im Gehirn.

Eine zentrale Rolle scheinen verschiedene biologische Faktoren zu spielen. Eine Rötelnerkrankung während der Schwangerschaft erhöht Risiko, ein autistisches Kind auf die Welt zu bringen, um das Zehnfache. Bei autistischen Kindern findet man ebenfalls häufiger eine Geburtskomplikation wie zum Beispiel Sauerstoffmangel. Keinen wissenschaftlichen Beweis hingegen gibt es für das Gerücht, die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln würde Autismus verursachen.

Als eine der Hauptursachen für autistische Störungen gelten genetische Faktoren: Leidet ein Elternteil unter Autismus, so ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch das Kind betroffen. Auch einige erblich bedingte Grunderkrankungen wie die tuberöse Hirnsklerose (eine geschwulstartige Arterienverkalkung des Gehirns), das Fragile X-Syndrom, das Williams-Syndrom, eine unbehandelte Phenylketonurie (Enzym-Störung) oder eine Neurofibromatose (gutartige Tumorerkrankung) können Auslöser für Autismus sein.

Mythos des genialen Einzelgängers

Viele Menschen haben beim Gedanken an Asperger-Autisten hochbegabte Einzelgänger im Kopf, zum Beispiel die Hackerin Lisbeth Salander im Film „Verblendung“ oder den genialen, aber extrem menschenscheuen Anwalt Jerry Espenson aus der Serie „Boston Legal“. Doch Ausnahmetalente mit einer herausragenden mathematischen oder musischen Begabten sind unter Asperger-Autisten eher selten. Weltweit sind laut Experten kam 100 solcher Fälle bekannt.

Wahr ist jedoch, dass Asperger-Autisten oft eine überdurchschnittliche logisch-mathematische Begabung haben. So fand der Autismusforscher Simon Baron-Cohen von der Universität Cambridge heraus, dass Studenten der Universität Cambridge, die Mathematik, Physik oder Ingenieurwesen studieren, mit größerer Wahrscheinlichkeit autistische Verwandte haben als etwa Literaturstudenten. Berühmten Persönlichkeiten aus der IT-Branche wie Bill Gates oder Mark Zuckerberg werden autistische Züge zugeschrieben. 

Leben mit dem Asperger-Syndrom

Zwar kann die Krankheit selbst noch nicht geheilt werden, doch mittlerweile gibt es viele verschiedene Therapie-Ansätze, durch die Asperger-Autisten im Alltag gut zurecht kommen. Verschiedene Psychopharmaka können Begleitsymptome oder -erkrankungen des Autismus, meist Aggressionen, Hyperaktivität oder Zwänge, positiv beeinflussen. Doch die Krankheit selbst kann noch nicht geheilt werden. Je früher die jeweilige Spielart des Autismus erkannt wird, desto einfacher fällt es Menschen, ein Leben zu führen, das ihren Bedürfnissen entspricht. So kann es einem Kind mit Asperger-Syndrom helfen, den Schulalltag mit einer speziell ausgebildeten Schulbegleitung zu bewältigen.

Im Arbeitsleben haben es Autisten trotz ihrer Spezialbegabung leider häufig noch schwer. So berichtet die Ärztin und Asperger-Autistin Christine Preißmann auf Spiegel Online, sie habe „Hunderte Redewendungen auswendig gelernt, die sie ansonsten wörtlich genommen hätte“ – nur um nicht anzuecken. Der typische Büro-Smalltalk, Lärm und Veränderungen der Umgebung bedeutet für Asperger-Autisten Stress.

Doch es gibt auch Unternehmen, die ganz gezielt auf die besonderen Fähigkeiten autistischer Menschen setzen: „Viele Asperger-Autisten erkennen Muster in Strukturen und Datenbeständen außergewöhnlich schnell und zuverlässig. Abweichungen fallen sehr schnell auf. Dies macht sie zu geeigneten Mitarbeitern bei der Analyse und Auswertung großer Datenmengen, aber auch bei der Fehlersuche oder dem Regelabgleich“ heißt es auf der Website eines Berliner Unternehmens, das ausschließlich Autisten als Softwaretester beschäftigt. Job-Coaches sorgen dafür, dass die Tester mit den speziellen Bedürfnissen bei Auticon optimale Bedingungen vorfinden.

Dies lässt sich natürlich nicht in jedem Arbeitsumfeld so vorbildlich realisieren wie bei dem genannten Software-Unternehmen. Doch manchmal hilft bereits ein Wechsel in eine andere Abteilung: Diana B. beispielsweise wechselte von der Altenpflege in den Buchhaltungsbereich ihres Arbeitsgebers.

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