Wissenschaftlich geprüft

Ernährung bei Rheuma

Von Wenke Gürtler
Aktualisiert am 30. Jun. 2020
Ernährung bei Rheuma: Das müssen Sie beachten | Foto: © Pixabay/sabinevanerp
Ernährung bei Rheuma: Das müssen Sie beachten | Foto: © Pixabay/sabinevanerp

Hinter Rheuma verbergen sich über 100 Krankheitsbilder – darunter kommt die rheumatoide Arthritis sehr häufig vor. Die Gelenke fühlen sich überwärmt an, schmerzen, sind geschwollen und steif. Die Erkrankung begleitet Betroffene ihr Leben lang, aber eine Rheumadiät kann die Beschwerden lindern. Erfahren Sie mehr!

share Teilen
print
bookmark_border URL kopieren

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Rheuma?
  2. Ernährung bei Rheuma
    1. Viel Gemüse, Obst und Kräuter
    2. Weniger Fleisch und Wurst
    3. Mit einem Ölwechsel gegen Rheuma
    4. Fisch und Öle unterstützen Rheumatiker
  3. Gewürze aus der Naturheilkunde
  4. Fasten hilft bei Rheuma
  5. Rheuma und Weizen
  6. Rauchen und Alkohol bei Rheuma
  7. Wissen zum Mitnehmen

Was ist Rheuma?

Kinder und Jugendliche erkranken ebenso wie jüngere Erwachsene und Ältere an Rheuma. Dabei verbergen sich hinter dem Begriff mehr als 100 verschiedene Erkrankungen. Die meisten äußern sich durch Schmerzen an Gelenken, Muskeln, Sehnen oder Knochen. Einige Erkrankungen betreffen auch innere Organe. So zählen neben Arthrose, auch Arthritis, Osteoporose und die Stoffwechselkrankheit Gicht zu Rheuma.

Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung. Sie wird auch als chronische Polyarthritis, im Volksmund oft nur Rheuma genannt. Die Krankheit begleitet Betroffene meist ihr Leben lang und macht sich durch schmerzende Gelenke bemerkbar. Zu Beginn sind oftmals die Finger- und Zehengelenke betroffen. Sie fühlen sich überwärmt an, tun weh, sind geschwollen und steif.

Bis heute sind die Ursachen der rheumatoiden Arthritis nicht abschließend geklärt. Im Fokus stehen aber Autoimmunprozesse: Fehlgesteuerte Immunzellen greifen die Innenhaut der Gelenke an, setzen dort entzündliche Prozesse in Gang und zerstören schlimmstenfalls die Gelenke (1).

Lesen Sie mehr: Rheumatoide Arthritis: So erkennen Sie die Krankheit

Merke!
Rheuma fasst über 100 Krankheitsbilder zusammen. Die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung ist die rheumatoide Arthritis, im Volksmund oft nur Rheuma genannt. An der chronischen Gelenkentzündung sind Autoimmunprozesse beteiligt.

Ernährung bei Rheuma

Rheuma ist also nicht gleich Rheuma. Dementsprechend weichen die Ernährungsempfehlungen bei unterschiedlichen Erkrankungen auch ab. Bei einer rheumatoiden Arthritis steht eine entzündungshemmende Ernährung (Rheumadiät) im Fokus. Ziel ist es, die Entzündungen in den Griff zu bekommen und deren Schmerzen deutlich lindern. Viele Betroffene können unter Umständen sogar die Dosis schmerzstillender Medikamente reduzieren – natürlich nur in Absprache mit dem Rheumatologen.

In dem Artikel Ernährung bei Arthrose finden Sie eine übersichtliche Zusammenfassung. Scrollen Sie einfach zu der großen EAT SMARTER-Tabelle für eine entzündungshemmende Ernährung!

Viel Gemüse, Obst und Kräuter

In jedem Entzündungsgeschehen entstehen auch vermehrt freie Radikale. Diese reaktiven Verbindungen müssen durch Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E, Selen oder Betacarotin neutralisiert werden. 

Und wo finden sich diese Powerstoffe? Vitamin C steckt nicht nur in Zitrusfrüchten, auch Paprika, Brokkoli, Rosenkohl, Grünkohl, Fenchel Sanddorn, Hagebutte, Kiwi oder Schwarze Johannisbeeren sind prima Vitamin-C-Spender. Allerdings verträgt das Vitamin keine Hitze. Daher Gemüse nur kurz dünsten, um Vitaminverluste gering zu halten.

Als wichtiges Antioxidans muss Vitamin E in allen Zellmembranen vorhanden sein. Durch den Angriff der freien Radikale wird es jedoch zügig verbraucht und muss durch Vitamin C und durch selenhaltige Enzyme wieder aufgebaut werden. Tolle Lieferanten für Vitamin E sind Pflanzenöle, aber auch Nüsse, Samen und Kerne. Besonders Paranüsse sind reich an Selen. Das Spurenelement kommt aber auch in Fisch, Meeresfrüchten, Milch und Gemüse vor. 

Auch sekundäre Pflanzenstoffe haben ihren festen Platz in der Rheumadiät. Besonders hervorzuheben sind die Carotinoide. Der bekannteste Vertreter ist das Betacarotin, das Möhren, Aprikosen und Kürbis so hübsch orange färbt. Gut zu wissen: Fett fördert die Aufnahme des Carotinoids.

Ebenso sind die Anthocyane (Gruppe der Flavonoide) von Interesse. Sie sorgen für die rot-blaue Färbung und finden sich unter anderem in Auberginen, Beeren, Kirschen und Trauben. Sulfide sind für das typische Aroma von Zwie­beln, Lauch, Kno­blauch und Schnitt­lauch verantwortlich. Allen Vertreter ist ihre Wirkung als Antioxidans gemein und somit für die Rheumadiät unentbehrlich (2),(3).

Weniger Fleisch und Wurst

Entzündungen werden unter anderem durch die Bildung von Botenstoffen im Körper ausgelöst, die aus Arachidonsäure (AA) gebildet werden. Diese Omega-6-Fettsäure heizt das entzündliche Geschehen erst so richtig an. Arachidonsäure steckt vor allem in rotem Fleisch und Wurst, ist aber auch in Milch, Käse, Butter und Ei (insbesondere Eigelb) enthalten.

Muten Sie Ihrem Körper nicht mehr als zwei kleine Fleischmahlzeiten pro Woche zu. Rheumatiker müssen nicht ganz auf Eier verzichten, zwei bis drei Eier die Woche sind aber genug. Denken Sie auch an „versteckte“ Eier in Gebäck, Panaden oder Nudeln. Fettarme Milch und Milchprodukte wie Joghurt, Quark und Käse (bis 45 % Fett i. Tr.) sollten jedoch täglich auf dem Speiseplan stehen. Durch Bewegungsmangel, wiederkehrende Entzündungen und Kortisontherapie sind Rheumatiker anfälliger für Osteoporose. Eine ausreichende Versorgung mit dem Knochenmineralstoff Calcium ist daher wichtig.

Wenn es doch mal Fleisch geben soll, achten Sie beim Kauf auf die Haltungsbedingungen. Fleisch aus (biologischer) Weidehaltung und Wildbret weist durch das Grünfutter ein besseres Fettsäuremuster auf, als Fleisch aus Intensivmast. Hier findet sich weniger Arachidonsäure, dafür mehr Omega-3-Fettsäuren. Das trifft auch auf die Biomilch zu (4),(5),(2).

Mit einem Ölwechsel gegen Rheuma

Bei Rheuma stehen Butterschmalz, Gänseschmalz und Schweineschmalz auf der roten Liste. Diese tierischen Fette liefern besonders viel Arachidonsäure, Butter in Maßen ist aber erlaubt. Bedenken Sie auch, dass der Körper bei chronisch-entzündlichen Vorgängen Arachidonsäure aus Linolsäure (ebenfalls eine Omega-6-Fettsäure) umbaut. Daher ist auch bei Distelöl, Sonnenblumenöl und Weizenkeimöl Vorsicht geboten. Zudem ist das billige Sonnenblumenöl in vielen Margarinen und Pflanzencremes zu finden! 

Greifen Sie daher besser zu Lein- oder Rapsöl. Walnüsse und deren Öl enthalten zwar nicht unwesentliche Mengen an Linolsäure, haben jedoch ein gutes Fettsäuren-Verhältnis durch den hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren, sodass sie mit in den Speiseplan eingebaut werden dürfen (5).

Fisch und Öle unterstützen Rheumatiker

Natürliche Gegenspieler der Omega-6-Fettsäuren sind die Omega-3-Fettsäuren. Insbesondere in fetten Kaltwasserfischen wie Forelle, Hering, Heilbutt, Lachs, Makrele, Sardine und Thunfisch finden sich Omega-3-Fettsäuren. Konkret sind das Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA), die auch im Algenöl stecken. Durch ihre strukturelle Ähnlichkeit zur Arachidonsäure konkurrieren die Omega-3-Fettsäuren mit dem gleichen Enzymsystem. Dadurch hemmen sie deren Umwandlung in Entzündungsvermittler und bilden zudem selbst entzündungshemmende Botenstoffe. 

Erfahren Sie mehr: Omega-3-Fettsäuren: Wirkung & Bedarf 

Darüberhinaus sind Lein-, Raps- und Walnussöl Top-Quellen für Alpha-Li­nolen­säure (ALA), auch eine Omega-3-Fettsäure. Zudem bietet Olivenöl für Rheumatiker eine günstige Fettsäurenzusammensetzung (5),(2).

Sie möchten mehr über entzündungshemmende Lebensmittel erfahren? Lesen Sie mehr: Essen gegen Entzündungen

Merke!
Mit einer Rheumadiät tanken Sie viele Antioxidantien, um die Entzündungen einzudämmen. Fleisch, Wurst sowie Eier liefern schädliche Arachidonsäure. Ihre Gegenspieler sind die Omega-3-Fettsäuren aus Fisch, Leinsamen sowie Rapsöl.

Gewürze aus der Naturheilkunde

Seit Jahr­tausenden wird Ingwer in der Traditionellen Chinesischen ­Medizin bei rheumatischen ­Beschwerden eingesetzt. In der Knolle stecken die Scharfstoffe Gingerol und Shogaol, die Schmerzen lindern und Entzündungen mildern können. Zwar ist die Datenlage widersprüchlich, aber auf einen Versuch kommt es an! Ingwer schmeckt fein gerieben in Currys und Suppen; zudem ist Ingwertee sehr beliebt.

Zu den Ingwergewächsen zählt auch Kurkuma. Die Knolle verleiht dem Currypulver seine schöne gelbe Farbe und wird als Superfood angepriesen. Verantwortlich dafür der Inhaltsstoff Curcumin, das traditionell bei Magen-Darm-Beschwerden und Entzündungen angewendet wird (5).

Merke!
Ingwer und Kurkuma können eine Rheumadiät abrunden. Zwar ist die Datenlage widersprüchlich, erfahrungsgemäß können die Gewürze Entzündungen lindern und so bei Rheuma helfen.

Fasten hilft bei Rheuma

Für viele Rheumapatienten nicht einfach, aber sinnvoll: Fasten. Für die Ernährung bei Rheuma sind Fastentage sinnvoll, weil Entzündungen innerhalb einiger Tage vermindert werden können. Dabei wird täglich zwei bis drei Liter Flüssigkeit über den Tag verteilt zu sich genommen. Geeignet sind Gemüsebrühe, Gemüsesäfte, Molke oder Mineralwasser. Das Fasten sollte jedoch immer nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen (11).

Merke!
Nicht nur eine Rheumadiät hält die Entzündungen in Schach, auch Fasten bringt Linderung. Sprechen Sie dazu mit Ihrem behandelnden Arzt, um eine geeignete Methode zu finden.

Rheuma und Weizen

Empfindliche Menschen vertragen mitunter Weizen nicht sehr gut. Als mögliche Ursache gelten die alpha-Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs). ATIs sind Eiweiße, die unter anderem in glutenhaltigem Getreide wie Weizen, Dinkel oder Roggen stecken und der Abwehr von Parasiten dienen.

ATIs lösen eine Immunreaktion im Darm aus, die im Körper Entzündungen womöglich anstoßen und steigern. So werden unter anderem Gelenk- und Muskelschmerzen ausgelöst. Manchen Rheumatikern hilft eine weizenarme oder -freie Kost, bisher lässt die Datenlage aber keine allgemeine Empfehlung zu (5).

Merke!
Es ist einen Versuch wert, auf Weizen zu verzichten, da empfindliche Menschen mitunter Weizen nicht sehr gut vertragen. Schuld daran sind die enthaltenen ATIs, die möglicherweise Entzündungen auslösen.

Rauchen und Alkohol bei Rheuma

Wer regelmäßig zum Glimmstängel greift, schadet nicht nur seiner Lunge und seinem Herz. So zeigen Studien, dass Rauchen das Risiko für die Entstehung einer rheumatoiden Arthritis erhöht und den Verlauf der Erkrankung verschlechtert. Ein weiterer Nachteil des Rauchens: Rheuma-Medikamente wirken weniger gut. Folglich benötigen die Rheumatiker deutlich mehr und stärkere Medikamente (13).

Und wie sieht es mit Alkohol aus? Untersuchungen zufolge führt starker Alkoholkonsum zu einer schneller fortschreitenden Gelenkzerstörung. Halten Sie sich daher bei Alkohol zurück. Ein Glas Wein (0,25 Liter für Männer bzw. 0,125 Liter Frauen) ab und zu ist gestattet und geht mit einer Rheumadiät konform (14).

Merke!
Wenn Sie regelmäßig zum Glimmstängel greifen, sollten Sie das Rauchen aufgeben. Der Konsum verschlechtert den Verlauf und Rheuma-Medikamente wirken weniger gut. Reduzieren Sie Ihren Gelenken zuliebe den Alkoholkonsum auf ein Minimum.

Wissen zum Mitnehmen

Unter Rheuma werden mehr als 100 verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst. Die rheumatoide Arthritis zählt zu den bekanntesten rheumatischen Erkrankungen, die oft nur Rheuma genannt wird. Hierbei handelt es sich um eine chronische Gelenkentzündung, an der Autoimmunprozesse beteiligt sind.

Eine Rheumadiät kann die Beschwerden lindern, und unter Umständen lässt sich sogar die Dosis schmerzstillender Medikamente reduzieren. Der Schlüssel liegt in einer vorwiegend vegetarischen Ernährung mit viel Gemüse und Obst, die reichlich Antioxidantien liefern. Diese sind wichtig, um die freien Radikale unschädlich zu machen, die durch den Entzündungsprozess vermehrt entstehen. Auch fettarme Milch und Milchprodukte sollten zur Osteoporose-Prophylaxe täglich auf dem Speiseplan stehen, jedoch in Maßen. Zurückhaltung ist bei Fleisch- und Wurstwaren geboten, hier steckt wie in allen tierischen Lebensmitteln, reichlich entzündungsfördernde Arachidonsäure. Ihre Gegenspieler sind die Omega-3-Fettsäuren aus fetten Kaltwasserfischen, Leinsamen, Walnüssen sowie Rapsöl. 

Einen wertvollen Beitrag leisten zudem Ingwer und Kurkuma. Die Datenlage ist zwar widersprüchlich, jedoch können die Gewürze erfahrungsgemäß bei Rheuma helfen. Zudem ist es einen Versuch wert, auf Weizen zu verzichten. Empfindliche Menschen vertragen mitunter Weizen nicht sehr gut, da die enthaltenen ATIs möglicherweise Entzündungen auslösen. Wenn Sie regelmäßig zum Glimmstängel greifen, sollten Sie Ihren Gelenken zuliebe das Rauchen aufgeben, und den Alkoholkonsum auf ein Minimum reduzieren.

Wissenschaftlich geprüft von unseren EAT SMARTER Experten
Schreiben Sie einen Kommentar