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Dürfen wir noch Thunfisch essen?

Von Milena Schwindt
Aktualisiert am 15. Jul. 2019
© MSC/ David Loftus
© MSC/ David Loftus

In Sachen Nachhaltigkeit und Fangmethoden steht der beliebte Speisefisch immer häufiger in der Kritik. Der MSC hat nun einen Bericht zur globalen Thunfischfischerei herausgegeben. Wir stellen Ihnen die Ergebnisse vor.

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Inhaltsverzeichnis

  1. So steht es um die Thunfischbestände
  2. Thunfischangebot und Nachhaltigkeit
  3. Thunfisch in Deutschland
  4. Kurze Zusammenfassung

Ob als köstliches Salat-Topping, raffinierte Sushi-Füllung oder kross gebraten: Thunfisch ist nicht nur vielfältig in der Zubereitung, sondern auch geschmacklich einzigartig. So verwundert es nicht, dass Thunfisch mittlerweile mit einem Marktanteil von 15 Prozent auf Platz 4 der beliebtesten Speisefische der Deutschen rangiert. 

Auch global ist der Fischkonsum gestiegen, so haben sich die weltweiten Thunfischfangmengen seit 1959 verzwölffacht. In Sachen Nachhaltigkeit treten mit dem gesteigerten Verbrauch des proteinreichen Speisefischs nun neue Fragen in den Vordergrund: Wie ist der Stand der weltweiten Thunfischbestände? Wie nachhaltig ist das Thunfischangebot? Sollten wir zugunsten der Umwelt auf Thunfisch verzichten?

So steht es um die Thunfischbestände

Thunfisch wird mittlerweile immer häufiger nicht nur mit köstlichen Rezepten, sondern auch mit dem Thema Überfischung assoziiert, wie eine aktuelle Meinungsumfrage der INSA Consulere belegt. Wichtig ist, bei dem Thema Überfischung jedoch die einzelnen Thunfischarten voneinander abzugrenzen.

Insgesamt gibt es sieben große Thunfischarten, welche sich jeweils in mehrere Bestände unterteilen – die Zustände variieren je nach Art und Bestand. Während der "Echte Bonito Thunfisch" in allen Beständen als gesund und nicht überfischt gilt, sieht die Lage für den Gelbflossenthun anders aus. Diese Thunfischart gilt in den Beständen im Indischen Ozean als überfischt

Egal ob frisch, gefroren oder aus der Dose – mit dem steigenden Thunfischkonsum wächst auch der Druck auf die Thunfischbestände und ihren Lebensraum. Insgesamt sind aktuell von weltweit 23 Thunfischbeständen 15 in gutem Zustand, 3 gelten als überfischt. Doch diese Situation ist fragil, da es noch keine klare Regelung zur Befischung gibt. Achten Sie daher schon beim Kauf auf die Thunfischart und die jeweilige Herkunft (1).


Foto: MSC/ Leander Assmann

Thunfischangebot und Nachhaltigkeit

In Sachen Nachhaltigkeit hat vor allem der deutsche Einzelhandel deutlichen Nachholbedarf. In einer Marktanalyse im Auftrag des MSC wurde festgestellt, dass 90 Prozent des in Deutschland verkauften Thunfischs aus nicht kontrollierter und rückverfolgbarer Fischerei stammt. Somit können keine Aussagen über die Fangmengen dieser Fischereien, möglichen Beifang oder einer angemessenen Bestandsgröße getroffen werden (2)

Stefanie Kirse, Leiterin des MSC Deutschland/Österreich/Schweiz fordert daher eine unabhängige Kennzeichnungspflicht über die Herkunft, Fangmethoden und Nachhaltigkeit des im Einzelhandel vertriebenen Thunfischs. Denn "Nachhaltigkeit braucht Transparenz, Rückverfolgbarkeit und unabhängige Kontrollen!", so Kirse.

71 Prozent des in Deutschland konsumierten Thunfischs kommen aus der Dose. Gerade bei besonders günstigem Dosenthunfisch ist das Nachhaltigkeitsdefizit enorm. In Folge dessen ruft der MSC in seinem Thunfisch-Report dazu auf, Sonderangebote und Tiefstpreise bei Thunfisch-Produkten auszuschließen.

Thunfisch in Deutschland

Produktkategorien und verwendte Thunfischarten für das Jahr 2018
(Foto: MSC/ Leander Assmann)

  • Dosen: 235 Produkte – 95 % Echter Bonito
  • Aufstriche/Feinkostsalate: 42 % – 55 Prozent Echter Bonito
  • Pizza: 31 Produkte – 90 % Echter Bonito
  • Gläser: 23 Produkte – 61 % Weißer Thunfisch
  • Tiefkühlfisch: 14 Produkte – 79 % Gelbflossenthunfisch
  • Frischfisch in Selbstbedienung: 3 Produkte – 100 % Gelbflossenthunfisch

Kurze Zusammenfassung

Die Frage, ob man weiterhin Thunfisch konsumieren möchte, muss jeder für sich selbst beantworten. Durch bewusstes Einkaufen von zertifizierten Thunfisch-Produkten und gezielter Nachfragen bei Ihrem Einzelhändler bezüglich Art, Herkunft und Nachhaltigkeit der angebotenen Thunfisch-Produkte, können auch Sie als Verbraucher dafür sorgen, dass Überfischung und illegale Befischung abnehmen. Denn nur eine nachhaltige Fischfang-Methode kann dafür sorgen, dass auch nachfolgende Generationen weiterhin Thunfisch konsumieren können.

Mehr über das MSC-Siegel und andere Bio-Siegel erfahren Sie hier:

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