TK Banner
Wissenschaftlich geprüft

Desinfektion im eigenen Zuhause?

Von Wenke Gürtler
Aktualisiert am 26. Jan. 2021
© Unsplash/ Karolina Grabowska
© Unsplash/ Karolina Grabowska

Nicht nur sauber, sondern rein! Viele Menschen mögen es im Alltag keimfrei und greifen zu antibakteriellen Reinigern und Desinfektionsmitteln. Ist das wirklich nötig? Erfahren Sie, wie Sie Hygiene im Haushalt schonend und sicher umsetzen.

share Teilen
print
bookmark_border URL kopieren

Inhaltsverzeichnis

  1. Gute Bakterien, schlechte Bakterien
  2. Desinfektionsmittel bergen Gefahren
  3. Vier Putzmittel genügen
  4. Tipps für richtige Hygiene im Haushalt
    1. Gefahrenzone Küche
    2. Brennpunkt Badezimmer
    3. Vorsicht Schlafzimmer
  5. Desinfektion nur in Ausnahmen
  6. Wissen zum Mitnehmen

Einige Verbraucher sind davon überzeugt, dass ein möglichst keimfreier Haushalt die Gesundheit erhält. Deshalb nutzen sie ausgiebig Putzmittel oder greifen gleich zu antibakteriellen Reinigern. Allerdings bieten diese Produkte im Alltag keinen Vorteil und nicht alle Mikroben gefährden die Gesundheit, im Gegenteil. 

Gute Bakterien, schlechte Bakterien

Mikroben haben keinen guten Ruf. Dabei löst nur etwa ein Prozent aller Bakterien Krankheiten beim Menschen aus, der überwiegende Teil ist harmlos oder sogar nützlich: Das bekannteste Beispiel ist wohl unser Dickdarm, der eine Vielzahl an Bakterien, aber auch Viren und Pilze beherbergt. Dieses friedliche Miteinander betiteln Experten als Mikrobiom oder Darmflora.

Lesen Sie mehr: Wie Darmbakterien unsere Gesundheit beeinflussen

Im Dickdarm helfen die Bakterien bei der Verdauung, unterstützen die Abwehrkräfte und bilden Vitamin K, das für die Blutgerinnung wichtig ist. Auch Atemwege, Vaginalbereich und Haut sind von dem kleinen Ökosystem besiedelt, das Krankheitserreger verdrängt.

Merke!
Bakterien finden sich überall in der Umwelt und besiedeln sogar unseren Körper – die meisten sind für uns harmlos oder sogar nützlich. 

Desinfektionsmittel bergen Gefahren

Derzeit fürchten sich die Menschen insbesondere vor dem Coronavirus und desinfizierende Produkte erfreuen sich großer Beliebtheit. Wie der Name schon sagt, gehören Flächendesinfektionsmittel nicht auf die Haut. Die Hände werden davon rau und rissig, Eindringlinge haben leichtes Spiel. 

Damit Oberflächen keimfrei werden, wird einigen Haushaltsreinigern Benzalkoniumchlorid zugesetzt. Die Substanz kann eine Allergie oder Kontaktdermatitis hervorrufen (1). Auch der Zusatz von Chlor ist beliebt. Trifft aber ein Chlorreiniger beim Putzen auf Essig, Zitronensäure oder sauren WC-Reiniger, kann giftiges Chlorgas entstehen. Es reizt Augen, Nase sowie Rachen und schädigt die Lunge. Ein gängiger Wirkstoff ist zudem Alkohol, der aber die Haut austrocknet.

Für die Umwelt sind solche Mittel ebenso schädlich. Sie gelangen über das Abwasser in Kläranlagen, töten die Wasserorganismen ab und können so die Reinigungswirkung entscheidend stören. Ebenfalls kann der regelmäßige Gebrauch Resistenzen gegenüber Antibiotika auslösen.

Merke!
Übertriebene Hygiene im Haushalt birgt Gefahren für Mensch und Umwelt. Die Produkte können Haut und Atemwegen zusetzen und rufen mitunter allergische Reaktionen hervor.

Vier Putzmittel genügen

Für eine gute Hygiene im Haushalt sind keine Spezialreiniger nötig. Einfache Putzmittel reichen vollkommen aus, denn durch die enthaltenen Tenside werden rund 90 Prozent der Mikroben beseitigt. Mit dieser Grundausstattung liegen Sie richtig:

  • milder Allzweckreiniger für Fußböden, Fenster und die meisten Oberflächen
  • Handspülmittel für Geschirr (kann den Allzweckreiniger ersetzen)
  • Scheuermilch gegen hartnäckigen Schmutz und Verkrustungen
  • Essigreiniger oder Zitronensäure gegen Kalkablagerungen und Urinstein

Merke!
Mit Allzweckreiniger, Handspülmittel, Scheuermilch und sauren Reiniger auf Basis von Essig oder Zitronensäure lässt sich der gesamte Haushalt reinigen.

Tipps für richtige Hygiene im Haushalt

Die eigenen vier Wände können und müssen nicht keimfrei sein. Wer zu einfachen Putzmitteln greift, sorgt für eine angemessene Hygiene, Desinfektionsmittel sind überflüssig. Allerdings gibt es Bereiche, die einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen.

Gefahrenzone Küche

Beim Essen können leicht potenzielle Krankheitserreger in den Körper gelangen. Beachten Sie daher Lagerung, Kühlung und Verbrauchsdatum der Lebensmittel. Verwenden Sie separate Schneidebretter für Fleisch als für andere Lebensmittel und spülen Sie Küchenutensilien nach der Nutzung direkt heiß ab. Flächen, die mit rohem Fleisch, Fisch und Eiern in Kontakt kommen, ebenfalls sorgfältig reinigen. Dafür genügen Allzweckreiniger oder Spülmittel; Hygienereiniger sind nicht nötig. 

Auch interessant: Lebensmittel richtig vorbereiten

Keime fühlen sich in feuchten Putzutensilien pudelwohl und vermehren sich schnell. Diese daher nach dem Gebrauch immer gründlich auswaschen und zum Trocknen aufhängen. Spätestens wenn sie zu müffeln beginnen, gehören Schwämme und Lappen in die Waschmaschine. Hier werden sie bei 60 Grad mit bleichmittelhaltigem Vollwaschmittel wieder sauber. Bürsten können übrigens im Geschirrspüler gereinigt werden. Und vergessen Sie den Kühlschrank nicht: mindestens einmal im Monat sorgfältig auswischen.

Brennpunkt Badezimmer

Verwenden Sie für den Sanitärbereich separate Putzlappen, mit dem Sie zuerst das Waschbecken, dann das WC säubern. Ebenfalls genügen handelsübliche Reinigungsmittel – tragen Sie dennoch immer Handschuhe, um die Haut zu schonen. Mikrofasertücher lassen sogar ohne chemische Unterstützung Fliesen, Wanne und Waschbecken glänzen. Auch hier gilt: Schwämme und Lappen trocknen lassen und regelmäßig bei 60 Grad waschen.

Kaltwäsche schont die Umwelt; damit das Ergebnis keimfrei wird, greifen viele Verbraucher zu Hygienespülern. Allerdings tummeln sich in einer Ladung Schmutzwäsche eine Milliarde Bakterien. Wird die Anzahl mit Hygienespüler um 99,9 Prozent reduziert, bleiben eine Million Mikroben übrig. Wirkungsvoller ist ein 60-Grad-Waschgang mit einem bleichmittelhaltigen Vollwaschmittel. Diese Kombi ist bei jedem fünften Waschen oder im Krankheitsfall sinnvoll. Um Mikroben den Nährboden zu entziehen, Waschmaschine und Einspülkasten nach jeder Benutzung lüften.

Vorsicht Schlafzimmer

Nicht nur in Feuchträumen wie Küche und Bad, sondern auch im Schlafzimmer kann gesundheitsschädlicher Schimmel entstehen. Regelmäßiges Lüften für etwa fünf Minuten beugt dem vor. 

Im Bettzeug sammeln sich jede Nacht Hautschuppen, Schweiß, aber auch Bakterien, Milben und Pilze an. Daher ist alle 14 Tage ein Wechseln und Waschen bei 60 Grad ratsam. Kopfkissen und Bettdecken werden ein- bis zweimal im Jahr in die Waschmaschine gesteckt oder zur professionellen Reinigung gebracht.

Merke!
In Küche, Bad und Schlafzimmer sollte besonders auf Sauberkeit geachtet werden.

Desinfektion nur in Ausnahmen

In Einzelfällen können Desinfektionsmittel im Alltag nötig werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Haushaltsangehöriger an einer hochansteckenden Infektion leidet (Salmonellen, Noroviren) oder ein Familienmitglied mit einem geschwächten Immunsystem (durch eine Chemotherapie) bei Ihnen lebt.

Ob und welche Desinfektionsmaßnahmen dann sinnvoll sind, sollte immer von Fall zu Fall mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Merke!
Desinfektionsmittel sind im Alltag überflüssig, es sei denn, eine kranke oder immungeschwächte Person lebt mit im Haus.

Wissen zum Mitnehmen

Die meisten Keime sind für uns harmlos oder sogar nützlich. Eine übertriebene Hygiene im Haushalt ist daher gar nicht nötig, sondern kann Haut, Atemwegen und Umwelt schaden.

Sofern keine kranke oder immungeschwächte Person im Haushalt lebt, können Sie auf eine Desinfektion Ihrer Wohnräume verzichten. Zur Entfernung der normalen Verschmutzungen in Küche, Bad und Schlafzimmer genügen dann Allzweckreiniger, Handspülmittel, Scheuermilch und sauren Reiniger auf Basis von Essig oder Zitronensäure.


Smarte Partner – TK und EAT SMARTER
Gemeinsam mit der TK haben wir großes Interesse daran, Sie über wichtige Themen rund um Gesundheit und Ernährung aufzuklären. Mehr über die Zusammenarbeit und die TK erfahren Sie hier.

Wissenschaftlich geprüft von unseren EAT SMARTER Experten
Schreiben Sie einen Kommentar