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Hashimoto erkennen und behandeln

Von Maja Seimer
Aktualisiert am 14. Apr. 2020
© Pexels/ Lum3n
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Haarausfall, Gewichtszunahme, Depressionen – viele Betroffene leiden jahrelang unter Symptomen, bis die Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis gestellt wird. Mit der richtigen Behandlung können sie jedoch gut mit der Autoimmunerkrankung leben.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Hashimoto-Thyreoiditis?
  2. Wer ist von Hashimoto betroffen?
  3. Was sind Symptome einer Hashimoto-Thyreoiditis?
  4. Wie entsteht Hashimoto?
  5. Wie wird Hashimoto-Thyreoiditis diagnostiziert?
  6. Wie wird Hashimoto-Thyreoiditis behandelt?
  7. Wissen zum Mitnehmen 

Was ist Hashimoto-Thyreoiditis?

Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis handelt es sich um eine chronische Entzündung der Schilddrüse. Das Immunsystem identifiziert die Zellen der Schilddrüse fälschlicherweise als Fremdkörper und versucht sie mit Antikörpern zu bekämpfen. Die chronische Entzündung, die durch den körpereigenen Dauer-Angriff entsteht, schädigt das Schilddrüsengewebe und stört so auch die Produktion der Hormone.

Die Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), die von der Schilddrüse aus Proteinen und Jod produziert werden, beeinflussen sämtliche Systeme des Körpers, wie Kreislauf, Verdauung und Stimmung. Obwohl die Schilddrüse nur etwa walnussgroß ist, hat sie eine große Wirkung. Gerät das schmetterlingsförmige Organ, das direkt unter dem Kehlkopf liegt, aus dem Takt, hat das negative Effekte auf den gesamten Stoffwechsel

Merke!
Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die körpereigene Abwehr die Schilddrüse bekämpft und so ihre Hormonproduktion durcheinanderbringt.

Wer ist von Hashimoto betroffen?

Bei Hashimoto, wie die Erkrankung umgangssprachlich abgekürzt wird, gehen Experten von einer hohen Dunkelziffer aus. Aufgrund der unspezifischen Symptome wissen viele Betroffene nicht, dass sie unter der Autoimmunerkrankung leiden.

Besonders häufig sind Frauen ab 40 von Hashimoto betroffen. Die Autoimmunerkrankung tritt häufig in hormonellen Umstellungsphasen wie den Wechseljahren, aber auch der Pubertät auf.

Merke!
Etwa 80 bis 90 Prozent der Hashimoto-Betroffenen sind Frauen. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Was sind Symptome einer Hashimoto-Thyreoiditis?

Die chronische Entzündung der Schilddrüse beginnt in der Regel langsam und steigert sich mit der Zeit. Da auch die Symptome und Beschwerden schleichend auftreten, nehmen viele Betroffene sie erst spät wahr und übersehen einen Zusammenhang.

Die Hashimoto-Symptome sind vielfältig:

  • Müdigkeit
  • Nervosität
  • Reizbarkeit 
  • Depressionen
  • Gewichtszunahme 
  • Abgeschlagenheit, Schwächegefühl
  • Konzentrationsprobleme 
  • Gedächtnisschwäche
  • Heiserkeit
  • trockene Haut
  • brüchige Nägel
  • Kälteüberempfindlichkeit
  • vermehrtes Schwitzen
  • Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung, Durchfall

Merke!
Hashimoto macht sich durch vielfältige Symptome bemerkbar, unter anderem Gewichtszunahme, Depressionen, Schwitzen und Heiserkeit.

Wie entsteht Hashimoto?

Die Ursachen der chronischen Schilddrüsenentzündung können Experten noch nicht abschließend benennen. Fest steht: Die Entzündung und langsame Zerstörung der Schilddrüse wird durch einen Fehler im Immunsystem ausgelöst. Wie dieser zustande kommt, ist bisher noch nicht geklärt.

Studie zu Mikronährstoffen 

Eine chinesisch-britische Überblicksstudie aus Jahr 2017 ergab, dass unter anderem eine zu hohe Jodzufuhr zu Hashimoto führen könne. Die in der Meta-Studie zusammengefassten Untersuchungen zeigten zudem, dass bei vielen Hashimoto-Patientinnen die Selen- und Eisenwerte unterhalb der Norm liegen. Wurden die Mikronährstoffe der Patientinnen aufgefüllt und Mängel behoben, verbesserte sich die Konzentrationen der Schilddrüsenhormone und zahlreiche Symptome verschwanden (1).

Diese Auslöser von Hashimoto werden diskutiert

  • Genetische Veranlagung
  • Umwelteinflüsse
  • hormonelle Umstellungsphasen (Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre)
  • Mikronährstoffmangel (u.a. Vitamin D, Selen, Eisen)
  • Fehlfunktion der Nebennierenrinde
  • Virusinfektionen, wie Mumps, Röteln, Herpes

Merke!
Wie genau Hashimoto entsteht, ist noch nicht abschließend geklärt. Eine vermehrte Jodzufuhr soll Studien zufolge zur Entstehung beitragen.

Wie wird Hashimoto-Thyreoiditis diagnostiziert?

Viele Frauen, die von Hashimoto betroffen sind, haben einen langen Leidensweg und zahlreiche Arztbesuche hinter sich. Eigeninitiative und Durchhaltevermögen sind hier besonders wichtig: Wenn Sie das Gefühl haben, mit Ihrem Körper stimmt etwas nicht, lassen Sie sich nicht beirren und vertrauen auf Ihre Intuition.

Symptome dokumentieren

Um selbst mehr Klarheit zu gewinnen und auch dem Arzt die Beschwerden besser erklären zu können, kann ein Symptomtagebuch helfen. Schreiben Sie auf, wie Sie sich fühlen, welche körperlichen Beschwerden Sie haben und wie Ihre Stimmung ist.

Tastuntersuchung gibt ersten Hinweis

Wenn Sie glauben, Ihre Symptome könnten mit einer Schilddrüsenentzündung zusammenhängen, berichten Sie Ihrem Hausarzt oder einem Endokrinologen von Ihrem Verdacht. Durch ein Abtasten der Schilddrüse kann er feststellen, ob diese vergrößert ist oder empfindlich auf Druck reagiert. 

Bluttest bringt Klarheit

Ein zusätzlicher Bluttest zeigt, ob die Schilddrüsenhormone (T3, T4) und der TSH-Wert (Thyreoidea-Stimulierenden-Hormon) in der Norm liegen oder verringert sind. Bei Hashimoto-Patientinnen lassen sich zudem, je nach Grad der Entzündung, bestimmte Antikörper im Blut nachweisen. Bei akuten Entzündungen der Schilddrüse sind auch die Entzündungswerte und die weißen Blutkörperchen erhöht.

Merke!
Mittels verschiedener Bluttests kann ein Hausarzt oder Endokrinologe eine Fehlfunktion und Entzündung der Schilddrüse feststellen.

Wie wird Hashimoto-Thyreoiditis behandelt?

Mit der zunehmenden Zerstörung des Gewebes werden bei der Hashimoto-Thyreoiditis immer weniger Schilddrüsenhormone produziert. So stellt sich auf Dauer eine Schilddrüsenunterfunktion ein. 

Hormoneinnahme gleicht Mangel aus

Der Mangel an Hormonen kann durch die lebenslange Einnahme des künstlichen Hormons L-Thyroxin ausgeglichen werden. Wie hoch das Medikament dosiert wird, richtet sich danach, in welcher Menge die Schilddrüse noch selbst Hormone produziert. Regelmäßige Bluttests ermöglichen, die Dosis anzupassen, bevor es zu weiteren Symptomen kommt. Die Einnahme von L-Thyroxin erfolgt schleichend – das heißt, Sie beginnen mit einer niedrigen Dosierung und steigern diese langsam. Wird das Medikament zu schnell erhöht, kann es zu einer Überfunktion der Schilddrüse kommen.

Glutenunverträglichkeit überprüfen lassen

Es kommt vor, dass Hashimoto mit anderen Autoimmunerkrankungen, wie etwa einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) einhergeht. Vor allem, wenn Sie nach dem Essen glutenhaltiger Lebensmittel Beschwerden feststellen oder Familienmitglieder an Zöliakie erkrankt sind, sollten sie auch dies beim Arzt mittels eines Bluttests und einer Dünndarmbiopsie überprüfen lassen. 

Jodaufnahme im Blick haben

Für Hashimoto-Patientinnen ist zu viel Jod schädlich. Das heißt jedoch nicht, dass Sie komplett auf Jod verzichten sollten. Jod steckt vor allem in Fisch, Rindfleisch, Eiern und Milchprodukten. Essen Sie diese daher in Maßen und meiden Sie jodiertes Salz. 

Auf eine nährstoffreiche Ernährung achten

Eine gute Versorgung an lebenswichtigen Mikronährstoffen ist für Hashimoto-Betroffene besonders wichtig. Achten Sie vor allem darauf, diese Nährstoffe in ausreichender Menge zu sich zu nehmen:

Experten gehen davon aus, dass Umweltgifte und äußere wie innere negative Einflüsse dazu beitragen, dass sich Autoimmunerkrankungen seit einigen Jahrzehnten besonders stark verbreiten. Achten Sie daher darauf, sich so natürlich wie möglich zu ernähren und schädliche Einflüsse zu meiden.

Diese Faktoren sollten Sie meiden bzw. begrenzen:

  • Rauchen
  • Alkohol
  • Stark verarbeitete Lebensmittel
  • Stress
  • Umweltgifte, etwa Weichmacher in Plastik

Merke!
Liegt eine durch Hashimoto verursachte Schilddrüsenunterfunktion vor, besteht die Therapie in einer Einnahme von Hormonen. Begleitend sind die richtige Jodaufnahme sowie eine nährstoffreiche Ernährung wichtig. 

Wissen zum Mitnehmen 

Mittlerweile steht fest: Immer mehr Menschen, vor allem Frauen, sind von einer chronischen Schilddrüsenentzündung betroffen, ohne davon zu wissen. Die unspezifischen Symptome machen eine frühzeitige Diagnose oft schwer und Betroffene haben oft einen langen Leidensweg hinter sich.

Typische Symptome bei Hashimoto sind Gewichtszunahme, Depressionen, Schwitzen und Abgeschlagenheit. Wenn Sie unter diesen Symptomen leiden, kann ein Endokrinologe mithilfe von Bluttests feststellen, ob Ihre Schilddrüse entzündet ist.

Die chronische Entzündung führt zum Abbau des Gewebes und damit zu einer verminderten Produktion von Schilddrüsenhormonen. Die Einnahme von künstlichen Hormonen ist damit die Kerntherapie bei Hashimoto. Zusätzlich ist es sinnvoll, sich nährstoffreich zu ernähren und vor allem auf eine ausreichende Aufnahme von Selen, Eisen und Omega-3-Fettsäuren zu achten.


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Bild des Benutzers Robert P. Pelikan
"Viele Frauen […]" - liebe Redaktion, es gibt auch Männer, die Hashimoto-Thyedoritis diagnostiziert bekommen. Egal wo, immer heißt es nur Frauen bekommen das. Umgekehrt soll das Ausgrenzen aufhören, in diese Richtung macht man es weiter? Nicht falsch verstehen; ich liebe eure Seite, die Beiträge und bin begeisterter Leser eurer Newsletter. Ich habe mich heute auch echt gefreut, als im Newsletter endlich über Hashimoto eingegangen wird - und dann wird auch die Gleichstellung auch schon wieder zum Teufel gejagt…
Bild des Benutzers EAT SMARTER
Lieber Robert P. Pelikan, vielen Dank für Ihre Nachricht. Da haben Sie natürlich völlig Recht. Die Erkrankung betrifft vorwiegend Frauen und auch unsere Nutzerschaft ist überwiegend weiblich, daher ist uns diese Einseitigkeit in der Sprache gar nicht aufgefallen. Wir haben den Text jetzt angepasst. Liebe Grüße von EAT SMARTER
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