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Glutenunverträglichkeit – viele Betroffene ahnungslos

Von Maja Seimer
Aktualisiert am 26. Feb. 2019
© Unsplash/ Ales Krivec
© Unsplash/ Ales Krivec

Bauchschmerzen nach der Lieblingspizza und Übelkeit von Omas Bienenstich? Wer eine Glutenunverträglichkeit hat, reagiert auf Lebensmittel aus gängigen Getreidesorten. In unserem Live Smarter-Blog lesen Sie, wie sie diagnostiziert wird, welche Lebensmittel Gluten enthalten und welche Alternativen es gibt.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Was sind die Symptome einer Glutenunverträglichkeit?
  2. Nährstoffmängel durch geschädigten Darm
  3. Was passiert bei einer Glutenunverträglichkeit im Körper?
  4. Wer kann von einer Zöliakie betroffen sein?
  5. Wie wird eine Glutenunverträglichkeit diagnostiziert?
  6. Zöliakie, Weizenallergie, Glutensensitivität – was ist der Unterschied?
  7. Wie werden Sie Ihre Beschwerden los?
  8. Auf welche Lebensmittel müssen Sie verzichten?
  9. Was sind Alternativen zu glutenhaltigen Nahrungsmitteln?
  10. Wissen zum Mitnehmen

Gluten kommt vor allem in Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und daraus hergestellten Produkten wie Brot und Pasta vor. Das sogenannte Klebereiweiß sorgt dafür, dass der Teig zu einer lockeren, elastischen und feinporigen Masse wird.

Doch nicht nur im Bäckerhandwerk und bei Teigwaren spielt Gluten eine wichtige Rolle. Wegen seiner besonderen lebensmitteltechnologischen Eigenschaften wird es vielen verarbeiteten Nahrungsmitteln zugesetzt – darunter Saucen, Würzmitteln, Wurst und Süßigkeiten.

Was sind die Symptome einer Glutenunverträglichkeit?

Eine Zöliakie ist in jedem Lebensalter möglich, jedoch werden zwei Häufigkeitsgipfel beobachtet: Der erste liegt zwischen dem 1. und dem 8. Lebensjahr, der zweite zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr. Das Schockierende dabei: Rund 90 Prozent der Betroffenen wissen nichts von ihrer Erkrankung. Eine Glutenunverträglichkeit ist oft schwer zu erkennen und wird in vielen Fällen erst nach Jahren diagnostiziert. Betroffene laufen manchmal lange von Arzt zu Arzt, ohne dass eine Ursache gefunden wird.

Neben den typischen Erscheinungen wie Bauchschmerzen und Durchfall kann die Zöliakie ein weites Spektrum an unspezifischen Symptomen hervorrufen. Diese können von neurologischen Missempfindungen wie Taubheitsgefühl in Händen und Füßen bis hin zu depressiven Verstimmungen reichen. Wie konkret sich eine Zöliakie äußert und in welchem Ausmaß die Beschwerden auftreten, kann sehr unterschiedlich sein und kaum ein Krankheitsfall gleicht einem anderen.

Merke!

Zöliakie wird als „Chamäleon unter den Krankheiten” bezeichnet, da die Symptome unspezifisch und individuell sind. Wer Bauchschmerzen oder Durchfall sowie andere Symptome hat, sollte seinen Arzt auf eine eventuelle Glutenunverträglichkeit hinweisen.

Mögliche Symptome einer Glutenunverträglichkeit:

  • Durchfall
  • Verstopfungen
  • Bauchschmerzen und Krämpfe
  • Blähungen
  • fettglänzender Stuhl
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen oder Migräne
  • depressive Verstimmungen
  • Muskelschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Hautveränderungen
  • Gewichtsverlust
  • Osteoporose (Knochenschwund)

Nährstoffmängel durch geschädigten Darm

Was die meisten Betroffenen gemeinsam haben, sind Nährstoffmängel. Vor allem Eisen, Vitamin A, B12 und B6 werden im Darm nicht mehr richtig aufgenommen. Wer unter der Unverträglichkeit leidet, reagiert auf Gluten mit einer Entzündungsreaktion. Der Körper nimmt den Stoff fälschlicherweise als Fremdkörper war und schlägt Alarm. Mit einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut versucht das Immunsystem zu verhindern, dass Gluten aufgenommen wird. Damit gehört die Glutenunverträglichkeit zu den Autoimmunerkrankungen. Bei dieser Art von Erkrankungen wendet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper und verursacht chronisch entzündliche Prozesse.

Lange betraf die Glutenunverträglichkeit vorwiegend Kinder. Bei ihnen zeigt sich die Erkrankung häufig durch Weinerlichkeit, Eisenmangel und stagnierendes Wachstum. Erwachsene mit der Erstdiagnose Zöliakie, früher Sprue genannt, waren selten. Doch wie alle Autoimmunerkrankungen, hat auch diese in den letzten Jahren zugenommen.

Was passiert bei einer Glutenunverträglichkeit im Körper?

Bei einem gesunden Menschen nimmt die Dünndarmschleimhaut, genau genommen die Darmzotten, einzelne Nährstoffe aus dem Darm auf um sie dann in den Blutkreislauf zu leiten. Dieser Transportmechanismus ist bei Menschen, die unwissentlich eine Zöliakie haben, gestört. Die Entzündung sorgt dafür, dass die Darmzotten immer kürzer werden und sich ihre Oberfläche damit verringert. Die faltigen Strukturen verkümmern immer mehr und können Vitamine und Mineralstoffe kaum noch aufnehmen.

Die bestehende Entzündung der Schleimhaut schränkt die Nährstoffaufnahme zusätzlich ein. Es kommt zu Vitamin- und Mineralstoffmängeln und damit einhergehenden Erscheinungen wie Müdigkeit, schwachen Muskeln und Gereiztheit.

Merke!

Nährstoffmängel, die trotz ausgewogener Ernährung auftreten, können ein Indiz für eine Glutenunverträglichkeit sein. Besonders ein Zuwenig an den Vitamine A, B6 sowie B12 und Eisenmangel sind typisch.

Wer kann von einer Zöliakie betroffen sein?

Ist bereits ein Familienmitglied von einer Glutenunverträglichkeit betroffen oder leidet an einer anderen Autoimmunerkrankung wie etwa Morbus Crohn, rheumatoider Arthritis, Multipler Sklerose oder Hashimoto-Thyreoiditis (entzündete Schilddrüse), ist die Wahrscheinlichkeit für eine Zöliakie größer als in Familien, die frei von diesen Erkrankungen sind.

Zöliakie tritt häufig auch gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auf. Ist bei einem nahen Verwandten ersten Grades eine Glutenunverträglichkeit diagnostiziert, sollten Geschwister, Kinder und Eltern unbedingt einen Test beim Arzt machen lassen. Sie gehören dann zur Risikogruppe. Verwandte zweiten Grades sollten sich untersuchen lassen, wenn sie Symptome verspüren.

Merke!

Bei einer Zöliakie verursacht jedes kleinste Bisschen Gluten eine Entzündung der Darmschleimhaut. Wird der Stoff über einen längeren Zeitraum aufgenommen, kommt es zu Veränderungen im Darm, die zu einer gestörten Nährstoffaufnahme führen.

Wie wird eine Glutenunverträglichkeit diagnostiziert?

Wenn Sie den Verdacht haben, von einer Glutenunverträglichkeit betroffen zu sein, führt Ihr Haus- oder Facharzt (Internist, Gastroenterologe) zunächst einen Bluttest durch.

Sicher lässt sich die Darmerkrankung jedoch nur durch eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm diagnostizieren. Hierzu führt der Facharzt eine Endoskopie durch. Mittels einer schlauchartigen Kamera kann er bei dieser Untersuchung den Magen und den Dünndarm von innen begutachten und ein Stück Gewebe entnehmen, das anschließend im Labor untersucht wird.

Merke!

Wer vermutet, unter einer Glutenunverträglichkeit zu leiden, sollte sich vor dem Arztbesuch nicht bereits glutenfrei ernähren. Wenn Sie längere Zeit auf Gluten verzichten, kann die Unverträglichkeit nicht sicher nachgewiesen werden.

Zöliakie, Weizenallergie, Glutensensitivität – was ist der Unterschied?

Es muss nicht immer eine Glutenunverträglichkeit sein. Wenn der Bauch weh tut und Sie nach der Frühstücksstulle nicht mehr von der Toilette herunterkommen, können Sie auch an einer Weizenallergie leiden. Hier schaltet sich ebenfalls das Immunsystem ein und produziert Antikörper, die sich gegen bestimmte Allergene im Weizen wenden.

Menschen, die trotz sicherem Ausschluss einer Zöliakie und einer Weizenallergie von einer glutenfreien Diät profitieren, leiden möglicherweise unter einer Glutensensitivität (GS). Diese betrifft vor allem Erwachsene.

Wie werden Sie Ihre Beschwerden los?

Um beschwerdefrei zu werden und den Darm nicht weiter zu schädigen, hilft bei einer Glutenunverträglichkeit nur eins: lebenslanger Glutenverzicht – und zwar ohne Ausnahmen. Machen Sie keine halben Sachen, diese strenge Therapie hat seinen Grund.

Anders als bei einer Lactose- oder Fructoseintoleranz, treten nach dem Verzehr von Gluten nicht nur lästige Beschwerden auf, die Ihnen Unwohlsein bereiten. Das Klebereiweiß Gluten richtet nachhaltigen Schaden im Darm an. Jeder kleinste Krümel glutenhaltigen Getreides greift die Darmzotten an. Nur durch den rigorosen Verzicht regenerieren sich die Darmzotten vollständig und können den Körper mit aufgenommenen Nährstoffen versorgen. Mit Beginn einer glutenfreien Ernährung kann die Regeneration mindestens sechs Monate dauern.

Auf welche Lebensmittel müssen Sie verzichten?

Alle Produkte mit Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste enthalten Gluten. Damit sind vor allem diese Lebensmittel für Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit tabu:

  • Mehl, Stärke
  • Brot, Brötchen
  • Frühstückscerealien
  • Kuchen, Kekse
  • Nudeln, Gnocchi
  • Pizza
  • Bier, Malzbier
  • panierte Fleisch- und Fischgerichte (Backfisch, Wiener Schnitzel)

Hafer ist natürlicherweise frei von Gluten. Jedoch werden bei der Ernte dieselben Mähdrescher genutzt, die auch glutenhaltiges Getreide ernten. In der weiteren Verarbeitung kommen ebenfalls Maschinen zum Einsatz, die mit Gluten in Berührung kommen. Daher gibt es für Zöliakiebetroffene gesondert hergestellte glutenfreie Haferflocken.

Gluten kann sich auch in folgenden Produkten verstecken:

  • Saucen
  • Desserts
  • Fertiggerichte
  • Frikadellen
  • Frischkäsezubereitungen
  • Chips
  • Süßigkeiten
  • Gewürze und Aromen
  • Medikamente

Merke!

Auch Pflegeprodukte und Arzneimittel können Gluten enthalten, zum Beispiel in der Umhüllung von Dragees. Eine aktuelle Auflistung glutenfreier Lebensmittel erhalten Interessierte bei der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e. V.

Für Menschen mit einer Zöliakie gilt: Etiketten lesen. Mit der Zeit wissen Sie, welche Produkte Sie essen können und welche nicht. Teilen Sie im Restaurant der Bedienung mit, dass Sie eine Glutenunverträglichkeit haben. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihre Unverträglichkeit nicht ausreichend bekannt ist oder Sie ganz einfach auf Nummer sicher gehen möchten – was sich bei einer Glutenunverträglichkeit immer empfiehlt –  erklären Sie am besten dem Koch direkt, wie wichtig es ist, dass Ihr Essen kein Gluten enthält und nicht einmal mit Kochutensilien in Berührung kommen darf, die zuvor für glutenhaltige Lebensmittel verwendet wurden.

Was sind Alternativen zu glutenhaltigen Nahrungsmitteln?

Es gibt eine Reihe glutenfreier Getreide, die Sie etwa als Beilage zu Gerichten essen können, aus denen jedoch auch Brot, Frühstückszerealien und andere Produkte hergestellt werden:

  • Reis (nicht Wildreis)
  • Mais
  • Quinoa
  • Amaranth
  • Buchweizen
  • Hirse

Wichtige glutenfreie Dickungsmittel als Alternativen zu den herkömmlichen Bindemitteln auf Mehlbasis sind Johannisbrot- und Guarkernmehl.

Seit November 2005 müssen Lebensmittel, die Gluten enthalten, in EU-Ländern entsprechend gekennzeichnet werden. Auch wenn die Information lautet „kann Spuren von Gluten enthalten“, sind die Produkte für Betroffene tabu.

Spezielle glutenfreie Produkte gibt es mittlerweile in nahezu allen größeren Supermärkten sowie Drogeriemärkten und Reformhäusern. Somit stehen Menschen mit einer Unverträglichkeit auch Brot, Nudeln, Kekse und alle weiteren Produkte zur Verfügung. Mit der Vielzahl an Produkten, die vor allem in den vergangenen Jahren vermehrt auf den Markt gekommen sind, lässt sich mit einer Zöliakie heute viel besser leben als noch vor ein paar Jahren.

Noch besser als Kaufen ist bei Brot, Kuchen und Gebäck natürlich Selbermachen. Probieren Sie doch einmal den glutenfreien Möhrenkuchen mit Nussglasur von Bloggerin Nathalie Gleitman:

Rezept
Möhrenkuchen mit Nussglasur
Fertig in 1 Std. 30 Min. • 359 kcal

Sie haben noch nie glutenfrei gebacken? Kein Problem. In diesem Video leitet Nathalie Sie gelingsicher durch jeden Rezeptschritt:

Wissen zum Mitnehmen

Bei einer Glutenunverträglichkeit reagiert der Körper auf das Klebereiweiß mit einer Entzündung im Darm. Der eigentlich harmlose Stoff kommt vor allem in Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und daraus hergestellten Produkten wie Brot, Pasta, Kuchen und Keksen vor.

Etwa 90 Prozent der Betroffenen wissen nichts von ihrer Glutenunverträglichkeit. Das liegt an den vielfältigen, unspezifischen Symptomen. Die Unverträglichkeit kann mittels eines Bluttests nachgewiesen werden. Da dieser Test jedoch bei manchen Betroffenen unauffällig ist, gehört zur vollständigen Diagnose zusätzlich eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm (Biopsie).

Ist die Diagnose positiv, heißt es: glutenfreie Ernährung. Jeder kleinste Krümel Brot kann Symptome hervorrufen und den Darm schädigen. Die gute Nachricht: In den letzten Jahren ist der Markt an glutenfreien Produkten stark gewachsen. Zudem gibt es von Natur aus glutenfreie Nahrungsmittel, die leckere Alternativen zu Weizen und Co. bieten – etwa Reis, Quinoa, Amaranth und Hirse.

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