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Sportsucht – wenn Bewegung zum Zwang wird

Von EAT SMARTER
Aktualisiert am 27. Dez. 2018
Sportsucht

Sich fit zu halten und regelmäßig Sport zu treiben ist gesund. Doch wenn es zum Zwang wird, sich ständig sportlich zu betätigen, kann es gefährlich werden. Wir erklären, wann Sportsucht beginnt und wie diese erkannt werden kann.

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Bei einer Alkoholabhängigkeit entstehen Entzugserscheinungen, wenn der Erkranke keinen Alkohol bekommt. Ähnlich ist bei einer Sportsucht.  Der Erkrankte wird auf die Frage, ob er süchtig ist, abstreiten, dass er ohne Sport nicht leben kann.

Sportsucht – noch wenig erforscht

In den USA widmet man sich bereits seit den 90er Jahren dem Phänomen „Exercise Addiction“, in Deutschland ist das Thema hingegen noch sehr neu und wenig erforscht. Als offizielles Krankheitsbild gilt Sportsucht nicht.

Immer mehr Menschen trainieren bis zur völligen Erschöpfung und ignorieren nicht selten Schmerzen und Verletzungen. Dies ist ein typisches Anzeichen für Sportsucht.  Wenn Sportsüchtige nicht so Sport treiben können, wie sie es möchten, reagieren sie mit Nervosität, Unruhe, Gereiztheit, depressiven Verstimmungen oder auch Schlafstörungen. Außerdem kommt es häufig vor, dass das Training das Leben kontrolliert, bzw. dieses völlig nach dem Sport ausgerichtet wird. Sportsüchtige trainieren zudem meist zu ungewöhnlichen Uhrzeiten, damit sie ihr selbst auferlegtes tägliches Pensum schaffen.  Auch das Vernachlässigen von sozialen Kontakten oder dem Partner um Sport treiben zu können ist typisch für eine Sportsucht. Laut der deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) sind mehr Menschen sportsüchtig, als angenommen. Wahrscheinlich leiden 1–3 Prozent der deutschen Sportler unter Sportsucht.  2013 führten die Universität Erlangen und die Universität Halle-Wittenberg eine Studie durch und befragten dafür 1089 Ausdauer-Athleten. Das Ergebnis: 4,5 Prozent der Befragten konnten als sportsuchtgefährdet eingestuft werden. Zwar ist Sportsucht damit kein Massenphänomen, aber eine Erkrankung, die ernst zu nehmen ist.

Wer ist häufiger betroffen?

Generell sind jüngere Menschen häufiger betroffen als ältere. Perfektionismus oder eine hohe Leistungsmotivation können die Erkrankung begünstigen. Und auch negative Lebensereignisse wie Stress im Beruf, Beziehungsprobleme oder ein Todesfall in der Familie können zu einer Sucht führen. Es lässt sich hingegen nicht sagen, ob häufiger Frauen oder Männer von einer Sportsucht betroffen sind.  Wenn es sich allerdings um eine sekundäre Sportsucht handelt, die zusammen mit einer Essstörung auftritt, dann sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Durch viel Sport versuchen Erkrankte möglichst viele Kalorien zu verbrennen.   

Wo ist die Grenze?

Die Grenze zwischen einem gesunden Maß an Sport und zwanghaftem Sporttreiben ist oft schwierig zu ziehen, denn Belastungsgrenzen sind oft unterschiedlich hoch. Nur die wenigsten Erkrankten erkennen selbst, dass sie unter Sportsucht leiden. Meist bemerken sie erst durch Veränderungen im Umfeld, z. B. weniger Freunde, Trennung vom Partner etc., dass etwas nicht stimmt. Es wird ganz klar eine Grenze überschritten, wenn das Verhalten den Betroffenen kontrolliert und nicht der Sportler sein Verhalten.

Raus aus der Sucht

Meist können Erkrankte nicht aus eigener Kraft der Sucht entkommen.  Eine Psychotherapie kann einen guten Ausweg bieten. Erste Anlaufstelle für Betroffene ist zunächst ein Haus- oder Facharzt. Die Angst von Betroffenen nie wieder Sport treiben zu dürfen um nicht in alte Muster zurückzufallen ist unbegründet. Denn anders als bei einer Alkoholsucht, bei der Alkohol ein Leben lang tabu ist, darf Sport nach einer Therapie – in Maßen – auch wieder ausgeübt werden. Schließlich ist Bewegung gesund. Denn eine Therapie dient dem Ziel, die Kontrolle wiederzuerlangen. 

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