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Harnsteine: Schmerzhafte Schläfer

Von EAT SMARTER
Aktualisiert am 27. Dez. 2018
Nieren im menschlichen Körper

Längst nicht jeder Harnstein tut weh. Doch wer einmal eine Nierenkolik erlebt hat, weiß: Es gibt fast nichts Schmerzhafteres. Zum Glück gibt es einige Möglichkeiten, Harnsteinen vorzubeugen. Im Live Smarter-Blog lesen Sie, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und was im Fall einer akuten Kolik zu tun ist.

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Nur knapp zehn Zentimeter sind unsere Nieren groß, und doch verbringen sie jeden Tag Höchstleistungen: Sie filtern alle Stoffe aus dem Blut, die vom Körper nicht benötigt werden, und entgiften den Körper. Die herausgefilterten Stoffe und Wasser wandern in Form von Urin zunächst in die Blase, um dann über den Harnleiter ausgeschieden zu werden.

Doch nicht immer funktioniert der ausgeklügelte Entgiftungsprozess reibungslos. Manche der im Harn vorkommenden Substanzen, zum Beispiel Kalzium, Phosphat, Oxalat, Zystin und Harnsäure, können Kristalle bilden oder als Anlagerungsstellen für Kristalle dienen. Übersteigt der Anteil dieser Substanzen eine kritische Grenze, können Harnsteine entstehen. Je nachdem, wo sich die Steine befinden, spricht man von Nierensteinen, Nierenbecken-, Harnleiter- oder Blasensteinen.

Fast fünf Prozent der Deutschen werden im Laufe ihres Lebens von Harnsteinen heimgesucht. Männer trifft es häufiger als Frauen, Kinder erkranken selten. Bei der Hälfte der Fälle kommen Harnsteine wieder.

Warum bekommt man Harnsteine?

Nierenstein neben einer Cent-Münze

Es gibt verschiedene Typen von Harnsteinen. Ihre Entstehung hängt unter anderem vom pH-Wert des Urins ab, der stark von unserer Ernährung beeinflusst wird. Einen pH-Wert unter 7 bezeichnet man als sauer, einen pH-Wert über 7 als alkalisch.

Die Neigung zur Bildung von Harnstein kann vererbt werden. Zahlreiche Studien haben aber gezeigt, dass auch unsere täglichen Lebensgewohnheiten großen Einfluss haben – vor allem in westlichen Industriegesellschaften. Denn Bewegungsmangel, Übergewicht, eiweißreiche Kost und Stoffwechselerkrankungen fördern nachweislich die Bildung von Harnsteinen. Ein weiterer Faktor ist Flüssigkeitsmangel. Die Empfehlung, immer ausreichend zu trinken, gilt also auch bei der Vorbeugung von Harnsteinen.Weiter können Abflussbehinderungen in den Harnwegen, Darmerkrankungen, Harnwegsinfekte und Störungen der Nierenfunktion die Steinbildung begünstigen.

(Bild: Monster4711/ Wikimedia Commons) 

Warum sind Harnsteine so schmerzhaft?  

Die gute Nachricht zuerst: Längst nicht jeder Harnstein macht Beschwerden. Denn teilweise sind die Steine kleiner als ein Stecknadelkopf und werden mit dem Urin ausgeschieden, ohne dass wir sie überhaupt bemerken. Anders sieht es bei größeren Steinen aus: Da Harnsteine kleine Kristalle und dementsprechend scharfkantig sind, verursacht es teils höllische Schmerzen, wenn sie die Harnleiterwände berühren.

Worst Case ist eine Nierenkolik, die entstehen kann, wenn ein Stein aus der Niere in den Harnleiter wandert: Die Kolik drückt sich durch heftige krampfartige Schmerzen aus, die meist in der Flanke beginnen und entlang dem Harnleiter in den Unterbauch oder bis in die Genitalien ausstrahlen. Diese Schmerzen sind so heftig, dass Betroffene rast- und hilflos umher laufen, schwitzen und sich häufig auch übergeben müssen. Auch Fieber und Schüttelfrost können auftreten.

Auflösen, zertrümmern, ableiten: Harnsteine behandeln

Genau wie nicht jeder Stein zwangsläufig wehtut, müssen auch nicht alle Harnsteine sofort und mit äußerlicher Einwirkung entfernt werden. Welche Behandlungsmöglichkeit in Frage kommt, hängt von der Zusammensetzung der Steine, ihrer Größe, Beschaffenheit und Lage ab.

Vor allem bei kleineren Harnsteinen setzen Ärzte auf die Methode des "Watchful waiting" – was so viel heißt wie Beobachtendes Warten –, denn bei ihnen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie ohne jede weitere Hilfe spontan abgehen. Als „spontan abgangsfähig“ klassifiziert man Steine bis zu einer Größe von vier Millimetern. Je größer der Stein, desto länger dauert es, bis er abgeht: durchschnittlich circa eine, zwei beziehungsweise drei Wochen bei Steinen mit einem Durchmesser von zwei Millimetern, drei Millimetern beziehungsweise vier bis sechs Millimetern. Vermehrtes Trinken und Bewegung, aber auch Medikamente können den Vorgang beschleunigen.

Im Fall einer schmerzhaften Kolik muss natürlich sofort gehandelt werden. Krampflösende und schmerzstillende Medikamente lindern das größte Leid und sorgen außerdem dafür, dass der Harnleiter sich entspannt. So kann der Stein leichter abgehen. Viel trinken und Bewegung ist zusätzlich hilfreich.

Hält die Kolik länger an oder kommt es zu Entzündungen mit gleichzeitigem Urinstau, kann eine dünne, innen hohle Schiene ins Nierenbecken eingelegt werden. Hierzu geht der Urologe mit einem speziellen Gerät über die Harnröhre in die Blase, legt eine Schiene in den Harnleiter ein und entfernt anschließend das Blasenspiegelgerät wieder.

Wenn es nicht gelingt oder nicht sinnvoll ist, eine Harnleiterschiene einzulegen, so kann ein Katheter durch die Haut der Flanke in die Niere eingelegt werden. Bei diesem sogenannten Nierenfistelkatheter fließt der Urin in einen Beutel nach außen ab. Vor allem bei Nierenbeckenentzündungen kann der Katheter lebensrettend sein. Harnsteine kann man mit ihm jedoch nicht entfernen, sodass sich eine andere Behandlung anschließen muss.

Harnsäuresteine und kleine Zystinsteine können durch spezielle Medikamente aufgelöst werden. Bei dieser sogenannten Litholyse wird der pH-Wert des Harns so verändert, dass sich die Steine verkleinern, mit dem Harn abgehen oder sich ganz auflösen.

Die Kontrolle des Urin-pH-Wertes erfolgt mit Indikatorpapier, welches mehrfach täglich in den Urin(strahl) gehalten wird. Die Farbänderung auf dem Teststreifen gibt den pH-Wert an, und die Medikamentenmenge wird dann entsprechend angepasst. Die Therapie erfolgt über circa sechs Wochen. In diesem Zeitraum haben sich die meisten Harnsäuresteine aufgelöst.

Eine andere Möglichkeit, als Steine aufzulösen, ist ihre Zertrümmerung durch schwache akustische Stoßwellen. Vor allem Harnsteine, die kleiner als zwei Zentimeter sind, sprechen auf die Stoßwellenbehandlung, auch Extrakorporale Stoßwellenlithotrypsie (ESWL) genannt, gut an. Die zerkleinerten Steinpartikel gehen danach mit dem Urin ab. Wenn der Nierenstein größer ist, werden oft mehrere Behandlungstermine benötigt.

Eine Behandlung dauert maximal eine Stunde und kann unter Gabe von Schmerz- und Beruhigungsmitteln ambulant durchgeführt werden. Dabei wird der Patient wegen möglicher Auslösung von Herzrhythmusstörungen durch ein EKG überwacht. Stecken Steintrümmer im Harnleiter, kann die Einlage einer Harnleiterschiene oder eines Nierenfistelkatheters notwendig sein. Daher wird bei großen Steinen bereits vor der Zertrümmerung eine Harnleiterschiene eingelegt.

Wenn Steine sich mittels Ultraschall-Untersuchung nicht gut orten lassen, sind sie für die Stoßwellenbehandlung ungeeignet. Sie können in der Regel mittels Harnleiterspiegelung entfernt werden, bei der eine Sonde durch den Harnleiter geführt und der Stein unter Sicht entfernt wird.

Bei großen Nierenbeckensteinen sowie bei einer Blockade der Harnleiter wird die perkutane Nephrolitholapaxie angewendet. Unter Vollnarkose erfolgt dabei eine Punktion des Bauchraumes. Anschließend kann der Urologe einen dünnen Zugangskanal anlegen und ein optisches Spezialinstrument, das Nephroskop, bis zur Niere einführen. Nachdem er mit einer speziellen Arbeitssonde den Harnstein in der Niere zertrümmert hat, kann der Arzt die Steinreste mit einem zangenähnlichen Instrument entfernen.

Nur in ganz seltenen Fällen werden Harnsteine heute noch operativ entfernt. Doch bei großen Steinen, die das Nierenbecken ausfüllen, bleibt die OP eine Option.

So können Sie Harnsteinen vorbeugen

Harnsteine lassen sich nicht immer verhindern, da sie erblich sind. Doch Sie selbst können eine Menge dafür tun, das Risiko einer Erkrankung zu senken.

An erster Stelle steht: ausreichend trinken! Wer täglich zwei bis zweieinhalb Liter Wasser trinkt, mindert die Wahrscheinlichkeit für die Bildung eines Harnsteines deutlich. Doch Achtung, dieser Richtwert gilt nicht für Patienten mit Herz- oder Nierenerkrankungen. Sie sollten die erforderliche Trinkmenge mit Ihrem Hausarzt oder Urologen abstimmen. Geeignet sind Getränke, welche die Harnzusammensetzung nicht verändern: Nieren- und Blasentees, Früchte- und Kräutertees, verdünnte Säfte, mineralstoffarme und kohlensäurearme Mineralwässer.

Übergewichtige Patienten erkranken überdurchschnittlich häufig an Kalziumoxalatsteinen. Weitere Risikofaktoren sind Fettstoffwechselstörung und Bluthochdruck. Mit einer Ernährungsumstellung tun Sie also nicht nur Ihrer Linie etwas gutes, sondern beugen auch schmerzhaften Harnsteinen vor.

Als Folge einer Harnsäureerhöhung können sich die Kristalle außer in der Niere auch in den Gelenken ablagern. Man spricht dann von der Erkrankung Gicht. Auch hier empfiehlt sich eine Umstellung der bisherigen Ernährung, gegebenenfalls mit Gewichtsreduktion. Lesen Sie hier unsere Ernährungsempfehlungen zu Gicht.

Bei Patienten mit einer mehrfach wiederkehrenden Steinbildung kann der Arzt zusätzlich Medikamente verordnen, um ein Wiederauftreten der Steinerkrankung zu vermeiden. Hierzu kann es notwendig sein, über einen Tag den Urin zu sammeln, um die Inhaltsstoffe bestimmen zu können.

Harnsteine selbst entfernen – bitte nicht!

Diverse Anbieter werben im Internet mit Versprechungen wie „Nierenstein schmerzfrei und vollständig in weniger als 5 Stunden für immer loswerden“. Zudem kursieren Tipps, wie man Harnsteine ohne ärztliche Behandlung auflösen kann – beispielsweise mit Mixturen aus Olivenöl und Zitronensaft, Granatapfel oder Brennnessel.

An dieser Stelle die Bitte und der dringende Rat: Gehen Sie bei Beschwerden zum Arzt! Ein scharfkantiger Nierenstein kann die Schleimhäute des Harnleiters verletzen und zu schlimmen Entzündungen führen, an deren Ende möglicherweise sogar eine Blutvergiftung steht. Auch können sich nicht behandelte Harnsteine in der Niere nach und nach vergrößern. Das Organ kann dann nicht mehr effektiv arbeiten und wird geschädigt. Wenn beide Nieren geschädigt sind, kann der Körper nicht mehr vernünftig entgiftet werden. Bitte denken Sie an Ihre Gesundheit und Ihren Körper und lassen Sie sich nicht durch unseriöse Angebote aus dem Internet ködern! 

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