Dr. Ingo Froböse

Pulsuhr und Trainings-Apps: Was brauche ich wirklich?

Von Prof. Dr. Ingo Froböse
Aktualisiert am 22. Mär. 2021
Frau schaut beim Joggen auf ihre Pulsuhr

Trainings-App, Wearable oder klassische Pulsuhr: Welche Ausrüstung hilft beim Fitwerden, und was ist Spielerei? Fitness-Doc Professor Ingo Froböse erklärt, worauf es bei Fitness-Gadgets ankommt.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Klassiker Pulsuhr
  2. Apps: Nützliche Programme für Smartphones
  3. Mit Erweiterung nutzbar wie eine Pulsuhr 
  4. Activity Tracker: Der eigenen Fitness auf der Spur?
  5. Machen Sie sich nicht zum Sklaven der Technik

Statt Ihre Belastung beim Laufen durch herkömmliches Pulszählen zu kontrollieren, können Sie auch moderne Technik einsetzen, liebe EAT SMARTER-Leser. Schon lange werden dafür Pulsuhren verwendet; aber in den letzten Jahren ist mit der zunehmenden Verbreitung des Smartphones eine unendliche Vielfalt von Tools entwickelt worden, die die Werte zahlreicher Körperfunktionen messen können.

Dabei reicht die Auswahl von kostenlosen Apps für das Smartphone bis hin zu teuren High-Tech-Pulsuhren und Fitnessarmbändern, den sogenannten „Wearables“. Längst nicht jedes dieser Produkte wird Sie beim Laufen weiterbringen und manche verwirren mehr als dass sie nützen.

Klassiker Pulsuhr

Eine Pulsuhr tragen Sie wie eine Armbanduhr am Handgelenk, dazu aber einen flexiblen Gurt unterhalb der Brust. Darin integrierte Hautelektroden messen die elektrischen Signale des Herzens. Daraus wird ermittelt, wie schnell es schlägt. Per Funksignal wird der aktuelle Pulswert an die Uhr gesendet, die ihn auf dem Display anzeigt. So können Sie unterwegs jederzeit Ihre Herzfrequenz ablesen und gegebenenfalls Ihr Lauftempo zurücknehmen oder steigern, um in Ihrem anvisierten Leistungsbereich zu bleiben. Manche Uhren messen sogar direkt am Handgelenk und erfordern keinen Brustgurt.

Die Preisspanne bei Pulsuhren reicht von etwa 30 Euro bis 300 Euro, weil die Geräte sehr Unterschiedliches bieten. Die meisten der Ausstattungsmerkmale sind für Gesundheits- und Fitnesssportler überflüssig. Selbst ambitionierte Läufer werden viele der High-Tech-Features nicht benötigen.

  • Zielzonenalarm: Sie können ein unteres und ein oberes Limit für die Herzfrequenz einstellen. Überschreitet Ihr Puls eine der beiden Grenzen, hören Sie einen Ton, und die Anzeige sagt Ihnen, dass Sie langsamer oder schneller laufen müssen, um in ihrem Trainingsbereich zu bleiben. Die Funktion ist sinnvoll für alle Läufer, denn sie hilft, Überlastungen zu vermeiden.
  • Durchschnittspuls: Der durchschnittliche Puls während der gesamten Trainingseinheit wird errechnet. Das hilft, die Entwicklung der Fitness langfristig zu beurteilen.
  • Störsicherheit und Codierung: Bei der Übertragung der Daten vom Brustgurt zur Pulsuhr werden die Daten codiert. So können die Werte nur von Ihnen auf der Uhr abgelesen werden. Wenn Sie in der Gruppe, im Fitnessstudio auf dem Laufband oder bei Wettkämpfen laufen, ist diese Funktion unbedingt empfehlenswert.
  • Kalorienverbrauch: Angezeigt wird, wie viele Kalorien Sie beim Joggen verbraucht haben. Die Funktion ist so beliebt wie ungenau! Sie sollten sich darauf nicht verlassen, denn der individuelle Verbrauch liegt oft deutlich niedriger als der errechnete.
  • GPS: Die Laufstrecke wird satellitengestützt aufgezeichnet. Angezeigt werden Distanz sowie aktuelles Tempo und Durchschnittstempo. Damit können Sie gut verschiedene Strecken vergleichen und anderen den Weg beschreiben.
  • Stoppuhr: Damit können Sie Intervalle und Sprints steuern – eine praktische Funktion, die fast alle Modelle bieten.
  • Höhenmesser: Im Unterschied zur Höhenangabe des GPS-Signals ist ein barometrischer Höhenmesser exakter, denn er misst den Luftdruck und berechnet daraus Steigungen und Gefälle. Das Zusatzfeature ist vielleicht für Bergsteiger oder -läufer interessant, für die meisten Jogger aber überflüssig.
  • Wasserdichtigkeit: Sinnvoll, wenn Sie die Uhr nur beim Schwimmen tragen wollen. Alle anderen brauchen dieses (teure) Feature nicht.

Eine Pulsuhr empfiehlt sich für Anfänger, die ihrem Körpergefühl nicht ganz trauen und lieber auf handfeste Daten setzen. Sie bietet die Sicherheit, sich nicht zu überfordern. Wichtig ist gerade für Einsteiger eine sichere Handhabung, denn wenn das Bedienen der Pulsuhr nicht klappt, läuft mancher gar nicht erst los.

Fortgeschrittene mit Ambitionen laufen ohnehin mit Pulsuhr, um ihre Fortschritte und ihr Training zu dokumentieren. Wichtig ist, dass Sie für Ihr Training nicht eventuell vorgegebene, standardisierte Pulswerte nutzen, sondern sich an Ihren individuellen Werten orientieren. Die weichen nämlich oft davon ab.


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Apps: Nützliche Programme für Smartphones

Mann synchronisiert Smart Watch und Smart Phone mit Gesundheitsapp

Viele Läufer haben ihr Smartphone dabei, um notfalls Hilfe holen zu können (sehr sinnvoll!) oder um beim Joggen Musik hören zu können. Für sie bieten Lauf-Apps, die gratis oder für bis etwa 10 Euro zu bekommen sind, eine einfache Möglichkeit, ihr Training zu dokumentieren. Sie messen per GPS Strecke, Höhenmeter und Geschwindigkeit, errechnen daraus das Durchschnittstempo und den Kalorienverbrauch. Trainingsfortschritte können gespeichert und mit Notizen versehen werden. Manche Apps zeigen an, wie viel Sie nach dem Laufen trinken sollten, andere bieten eine Verbindung zu Facebook. Eine Live-Anzeige des Laufs im Internet oder virtuelle Rennen gegen Freunde.

Mit Erweiterung nutzbar wie eine Pulsuhr 

Es gibt auch Apps, die mit einem Brustgurt für die Herzfrequenzmessung kommunizieren können, der zusätzlich gekauft werden muss. Sie dokumentieren die Leistung so genau wie eine Pulsuhr. Allerdings ist die Kontrolle der Herzfrequenz beim Laufen kaum praktikabel, weil das Handy meist in der Tasche steckt oder am Oberarm getragen wird. So ist eine sofortige Korrektur der Geschwindigkeit bei Abweichungen vom angepeilten Trainingspuls nicht möglich. Die Daten eignen sich also eher zur Analyse im Nachhinein.

Zu manchen Apps kann man Trainingspläne herunterladen. Diese sollten Anfänger wie Fortgeschrittene kritisch betrachten, denn die meisten Programme sind zu ambitioniert und belasten den Organismus, statt ihn zu einer besseren Leistung zu führen. Im Zweifel hören Sie immer auf Ihren Körper und geben ihm lieber etwas mehr Zeit für seine Anpassung.


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Activity Tracker: Der eigenen Fitness auf der Spur?

Mann in Sport-Outfit mit Mobiltelefon und Fitness-Tracker

Sie sind erhältlich unter der Bezeichnung Wearable oder Fitnessarmband, Loop oder auch Activity- oder Fitnesstracker: tragbare Computer, die wie ein Armband aussehen, aber einen Chip besitzen und eine Vielzahl von Daten messen und aufzeichnen, die für die Fitness relevant sind. Das reicht von Kalorienverbrauch über Bewegung bis hin zum Schlaf. Zusätzlich können Nutzer per Smartphone oder Computer Daten und Infos zu Gewicht und Ernährung eingeben, sodass ein recht komplexes Bild der Fitness entsteht.

Die Funktionen der Activity Tracker überschneiden sich stark mit jenen von Apps für Smartphones, können aber unauffällig wie eine Uhr permanent am Handgelenk getragen werden, Sie kosten zwischen 30 und 300 Euro. Wenn Sie einen Fitness-Tracker fürs Lauftraining benutzen möchten, sollte er den Puls messen können. Diese Funktion bieten erst die teureren Modelle ab etwa 150 Euro. Die Anschaffung lohnt sich also nur, wenn Sie auf die anderen Funktionen Wert legen.

Machen Sie sich nicht zum Sklaven der Technik

Ein Activity Tracker dokumentiert recht umfassend die Entwicklung Ihrer Fitness. Aber die Datenflut nutzt Ihnen nur etwas, wenn Sie diese auch interpretieren können. Für technikaffine Menschen kann die Sache ein Anspruch sein, sich mehr zu bewegen und/oder sich gesünder zu ernähren. Manchem mag das helfen, einen gesünderen Lebensstil zu entwickeln.

Keinesfalls sollten Sie sich jedoch zum Sklaven Ihrer Daten machen und Ihren Verstand ausschalten! Wenn Sie sich nicht wohlfühlen, dann sollten Sie einen Gang herunterschalten – auch wenn Ihr Wearable sagt, dass Sie erst 4000 Schritte gemacht haben.

Das beste Warable zur Kontrolle von Trainings-Intensitäten ist bei aller modernen Technik, meiner Meinung nach noch immer die Intuition. Hören Sie bei jedem Training und auch danach stets auf die Signale Ihres Körpers. Sie lässt sich so schnell nicht irritieren durch fehlendes WLan oder leere Batterien und weiß mit ein wenig Übung, was gut für Sie ist!

Ihr Ingo Froböse


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