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Gastritis: Was darf ich noch essen?

Von EAT SMARTER
Aktualisiert am 27. Dez. 2018
Junge Frau hält sich den schmerzenden Bauch

Gesellige Essenseinladungen sind für Gastritis-Patienten tabu: Ihre entzündete Magenschleimhaut ist so empfindlich, dass selbst Schonkost nur schwer verträglich ist. Im Live Smarter-Blog lesen Sie, wie Gastritis entsteht und mit welcher Diät Ihr Magen wieder ins Lot kommt.

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Anfangs ziepte es nur nach fettigem Essen. Doch dann plagten die Büroangestellte Petra nach jeder Mahlzeit heftige Magenschmerzen und Sodbrennen. Ihr Hausarzt stellte die Diagnose Gastritis – Entzündung der Magenschleimhaut – und verordnete ihr Medikamente und Schonkost. „Das einzige, was ich vertrug, war Haferschleim“, erinnert sich Petra. Beim Mittagessen mit Kollegen trank sie einen Tee. Auf Alkohol verzichtete sie ein halbes Jahr völlig. „Nach drei Monaten Haferschleim war ich nah an der Depression“, erinnert sich Petra. Auch nachdem die Gastritis abgeklungen ist, bleibt sie vorsichtig, denn was der Auslöser für die Krankheit gewesen sein kann und ob sie wiederkommt, darüber ist sie sich nicht sicher.

Wie entsteht Gastritis?

Normalerweise bedeckt ein dicker Schutzfilm die innere Magenwand. Er schützt sie vor der aggressiven Magensäure und sorgt dafür, dass der Magen sich nicht selbst verdaut. Diese Schutzschicht kann jedoch durch verschiedene Faktoren gereizt oder geschädigt sein. Dann kann die Magensäure bis zur Magenwand durchdringen und schmerzhafte Entzündungen auslösen.

Gastritis hat verschiedene Formen:

Eine akute Magenschleimhautentzündung macht sich mit Beschwerden wie heftigen Magen- und Rückenschmerzen, Druckempfindlichkeit des Magens, Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Blähungen sowie Aufstoßen begleitet von einem unangenehmen Geschmack im Mund bemerkbar.

Verschiedene Auslöser kommen in Frage, beispielsweise Schmerzmittel und dort vor allem die sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR). Sie hemmen die Produktion des Gewebehormons Prostaglandin, das unter anderem die Bildung von Magenschleim fördert. Die Folge: Der Magen verliert seine natürliche Schutzschicht. Exzessiver Alkohol- und Nikotinkonsum hat einen ähnlichen Effekt.

Weiterhin kann eine Gastritis durch Lebensmittelvergiftungen hervorgerufen werden, zum Beispiel nach dem Verzehr von verdorbenem Softeis. Doch auch Stresssituationen für den Körper, zum Beispiel Verletzungen, Verbrennungen oder Operationen und Nahrungsmittelallergien, können im wahrsten Sinne des Wortes auf den Magen schlagen.

Anders als bei der akuten Gastritis, die sich mit heftigen Schmerzen bemerkbar machen, merken Betroffene von einer chronischen Gastritis lange nichts. Hier unterscheidet man verschiedene Formen:

Typ-A-Gastritis: Diese entsteht durch einen sogenannten Autoimmunprozess. Dabei richtet sich das Abwehrsystem, das eigentlich Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren bekämpfen soll, gegen Teile des eigenen Körpers – hier gegen die Schleimhaut des Magens. Warum das geschieht, ist noch unklar. Insgesamt betrachtet, gehört die Typ-A-Gastritis zu den seltenen Formen der Magenschleimhautentzündung.

Typ-B-Gastritis: Sie tritt wesentlich häufiger auf, ihr Anteil liegt bei ungefähr 80 bis 90 Prozent unter den Magenschleimhautentzündungen. Die Typ-B-Gastritis betrifft hauptsächlich den hinteren Magenabschnitt vor dem Magenpförtner (Antrum). Sie entsteht in der Regel durch eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori. Dieser Erreger lässt sich bei vielen Menschen nachweisen, die aber nicht alle Beschwerden haben.

Typ-C-Gastritis: Bei der Typ-C-Gastritis, der chemisch-toxischen Form, reizt die regelmäßige Einnahme von Schmerzmedikamenten wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder der Kontakt mit Gallensäuren die Magenschleimhaut. Ihr Anteil beträgt etwa sieben bis 15 Prozent, anderen Schätzungen zufolge sind es sogar 30 Prozent.

Bei Beschwerden bitte zum Arzt!

Wird die chronische Entzündung der Magenschleimhaut nicht behandelt, kann es zu Veränderungen der Schleimhaut kommen: Nicht selten ist die Gastritis Auslöser für ein Magen-oder Zwölffingerdarmgeschwür. Wenn sich die Erkrankung über Jahre hinzieht, können im schlimmsten Fall bösartige Tumore entstehen.

Um herauszufinden, ob eine Gastritis Auslöser der Beschwerden sein könnte, wird der Arzt Sie zunächst nach Ihren Ernährungsgewohnheiten sowie nach regelmäßig eingenommenen Medikamenten fragen. Die körperliche Untersuchung im Anschluss, besonders das Abtasten des Oberbauches, gibt erste Hinweise auf eine Magenschleimhautentzündung. Als bildgebendes Verfahren ist eine Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs sinnvoll.

Letzten Endes kommen Sie bei der Diagnose einer Gastritis jedoch nicht um eine Untersuchung herum, die viele Menschen als äußerst unangenehm empfinden: die Magenspiegelung. Mittels Stethoskop, das behutsam durch die Speiseröhre eingeführt wird, kann der Arzt Magen und Zwölffingerdarm direkt begutachten und, wenn nötig, auch gleich Gewebeproben entnehmen.

Auch die Blutuntersuchung spielt bei Gastritis eine Rolle. Hierüber können Entzündungen und Erreger im Körper entdeckt werden, die zum Beispiel auf eine Autoimmunerkrankung hinweisen. 

Ist die Gastritis diagnostiziert, können zügig Schritte eingeleitet und größere Schäden an der Magenschleimhaut vermieden werden.

Das hilft bei Gastritis

Am allerwichtigsten bei einer akuten Gastritis: Verzichten Sie auf alles, was den Magen reizt! Kaffee, Nikotin, Alkohol, stark gewürzte und fette Speisen sind tabu. Spezielle Tees und Tropfen können helfen, den Magen zu beruhigen.

Wenn diese Maßnahmen alleine nicht ausreichen, kommen bis zum Abklingen der Symptome Magensäure neutralisierende Medikamente in Frage, die sogenannten Antazida. Diese können Sie rezeptfrei in der Apotheke erwerben.

Vorwiegend verschreibungspflichtig sind die sogenannten H2-Rezeptor-Blocker. Sie hemmen die Magensäureproduktion um bis zu 60 Prozent und helfen der gestressten Magenschleimhaut, sich wieder zu erholen. Eine noch stärkere Wirkung haben Protonenpumpenhemmer, die Magensäure um bis zu 90 Prozent reduzieren können.

Bei der häufigsten Form der chronischen Gastritis, dem Typ B, steht die Bekämpfung des Magenbakteriums Helicobacter pylori an erster Stelle. Hier wird auf eine Kombination aus Antibiotikum und Protonenpumpenhemmer gesetzt.

Was Sie bei Gastritis essen sollten

Bei akuter Magenschleimhautentzündung wird Essen zur Qual, da die Säureproduktion stimuliert und die Schleimhaut noch mehr gereizt wird. Im akuten Stadium raten Experten daher oft zu einer Fastenzeit. Die muss nicht lang sein; schon nach ein oder zwei Tagen ist häufig eine deutliche Besserung zu sehen. Bei großem Hunger eignen sich Zwieback oder Haferflocken als Schonkost. Wichtig: Viel trinken! Stilles Mineralwasser und Kräutertees versorgen den Körper mit Mineralien.

Um wieder mit dem Essen zu beginnen, sind kleinere Portionen Haferbrei, über den Tag zu sich genommen, eine gute Wahl. Haferflocken enthalten spezielle Schleimstoffe, die den Schutz des Magens optimieren.

Um die Schleimhaut des Magens zu unterstützen, eignen sich außerdem Kartoffelbrei, Zwieback, säurearme Obstsorten wie Melonen und Aprikosen sowie Gemüsesäfte. Essen Sie immer nur kleine Portionen über den Tag verteilt, um den Magen nicht zu überlasten: Je nach Tagesablauf zunächst vier bis sechs, ab dem dritten oder vierten Tag drei bis fünf Mahlzeiten.

Diese Lebensmittel sind bei Gastritis tabu

Bei gereizter Magenschleimhaut sollten Sie Kaffee, Alkohol, Kohl, Hülsenfrüchte, scharfe Gewürze und sehr fetthaltige Speisen wie Fleisch, fette Käsesorten und Butter von Ihrem Speiseplan streichen. Auch Kohlensäure in Getränken kann aggressiv auf den Magen wirken.

Bei einem gereizten Magen ist es wichtig, dass Sie gut auf Ihren Körper hören: Welche Lebensmittel bekommen Ihnen gut, welche lösen Beschwerden aus? Ein Ernährungstagebuch kann helfen, geeignete und weniger geeignete Speisen ausfindig zu machen.


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