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Reisekrankheit: Was hilft wirklich?

Von Wenke Gürtler
Aktualisiert am 03. Aug. 2021
© Pexels/ Leah Kelley
© Pexels/ Leah Kelley

Schwindel im Flugzeug, Unwohlsein im Auto, Brechreiz auf dem Schiff: Kinder und Erwachsene erwischt die Reisekrankheit gleichermaßen. Im Ferienziel angekommen, rebellieren mitunter Magen oder Darm gegen die ungewohnte Kost – und die Stimmung ist im Keller. Erfahren Sie, was gegen Übelkeit, Sodbrennen und Durchfall im Urlaub hilft.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Reisekrankheit
    1. Gute Grundlage schaffen
    2. Ingwer gegen Reiseübelkeit
    3. Lieber nicht lesen
  2. Reisedurchfall
    1. Schwarzer Tee beruhigt
    2. Stopfende Arzneien nur im Notfall
    3. Lebensmittelhygiene beachten
  3. Empfindlicher Magen
    1. Entspannung und gründlich kauen
    2. Heilwasser gegen Sodbrennen
  4. Wissen zum Mitnehmen

Wer in der Ferne entspannen möchte, muss sich zunächst auf den Weg machen. Vielen Menschen bereitet schon die Anfahrt Probleme und sie leiden unter der Reisekrankheit, auch Kinetose genannt. Im Hotel angekommen, brauchen sie mitunter noch einen ganzen Tag, um sich von den Strapazen zu erholen. Anderen bekommt das landestypische Essen nicht – vielfach stecken Bakterien dahinter oder ihr Magen reagiert sensibel auf die ungewohnte Kost und Umgebung. 

Damit Sie Ihr Feriendomizil beschwerdefrei erreichen und auch vor Ort gesund bleiben, haben wir Ihnen ein paar rettende Maßnahmen zusammengestellt. 

Reisekrankheit

Wenn das Flugzeug in ein Luftloch fällt, die Straße über Serpentinen führt oder die See kabbelig wird, dann reagieren Kinder wie Erwachsene empfindlich. Der Grund dafür ist banal: Unser Gleichgewichtsorgan im Innenohr und unsere Augen melden auf der Fahrt widersprüchliche Informationen an unser zentrales Nervensystem. Das überfordert unseren Körper und er reagiert mit Brechreiz, Kopfschmerzen, Schwindel oder kaltem Schweiß.

Gute Grundlage schaffen

Bevor Sie aufbrechen, nehmen Sie am besten eine fettarme Kleinigkeit ein, damit der Magen später nicht verrückt spielt. Während der Fahrt eignen sich Haferkekse oder frisch geschnittenes Obst und Gemüse als leichte Snacks. Dagegen sind Alkohol, Kaffee, Nikotin und fettreiche Speisen vor und beim Reisen ungeeignet. Sie alle würden dem schaukelnden Magen nur unnötig zusetzen.

Ingwer gegen Reiseübelkeit

Außerdem wird Ingwer eine lindernde Wirkung bei Reiseübelkeit nachgesagt. Frisch ist die Knolle allerdings meist zu scharf – besonders für Kinder. Die Lösung dafür ist ein heißer Aufguss: Einfach ein Stück Ingwer in dünne Scheiben schneiden, mit heißem Wasser übergießen, etwa sechs Minuten ziehen lassen, abseihen und später in kleinen Schlucken trinken.

Lieber nicht lesen

Ansonsten sollten Sie unterwegs nicht lesen oder häufig nach unten gucken, sondern in Fahrtrichtung die Straße verfolgen oder einen festen Punkt am Horizont fixieren. Das hilft dem Körper, Bild und Bewegung wieder in Einklang zu bringen. Auch Ablenkung in Form von Kaugummi kauen, Möhre knabbern oder Musik hören, tut gut. Wer trotz aller Tipps unter der Reisekrankheit leidet, kann nach ärztlicher Rücksprache ein Medikament einnehmen – auch Kinder. Wichtig ist, die Mittel vor Antritt der Reise einzunehmen.

Merke!
Bereits der Hinweg kann einem übel mitspielen. Damit der Magen nicht rebelliert, nehmen Sie fettarme Kleinigkeiten vor und während der Fahrt zu sich. Gegen Brechreiz verspricht Ingwer Linderung. Alkohol, Kaffee und Nikotin meiden Sie dagegen besser.

Reisedurchfall

Diese Unannehmlichkeit im Urlaub kommt immer wieder vor, vor allem, wenn es in äquatornahe Länder wie Ägypten, Mexiko oder Indien geht. Dort erwischt es so viele Touristen:innen, dass sich sogar eigene Ausdrücke eingebürgert haben und die Rede von “Fluch des Pharao“, „Montezumas Rache“ oder „Delhi Belly“ ist. Übeltäter sind oft Bakterien, die in der Regel durch verunreinigtes Trinkwasser oder Lebensmittel übertragen werden. Eine Infektion verursacht dann mehrere breiige bis wässrige Stuhlgänge pro Tag, mitunter von Abgeschlagenheit, Bauchschmerzen oder Übelkeit begleitet. 

Schwarzer Tee beruhigt

Da der Körper aufgrund des Durchfalls Flüssigkeit und Mineralien verliert, sollten Sie viel trinken, aber bloß kein Leitungswasser – möglicherweise haben Sie ihm das Übel zu verdanken. Wenig falsch können Sie dagegen mit Wasser aus verschlossenen Originalflaschen oder frisch aufgebrühten Tees machen. Schwarzer Tee ist wegen seiner Gerbstoffe besonders günstig. In diesem Fall muss der Aufguss etwa zehn Minuten ziehen. Empfehlenswert sind außerdem orale Rehydratationslösungen (Apotheke) oder Hühnerbrühe, mit denen Sie Ihren Elektrolythaushalt wieder ins Lot bringen. 

Stopfende Arzneien nur im Notfall

Solange die Beschwerden anhalten, steht Ihnen meistens nicht der Sinn nach einer Schlemmerei. Sollten Sie doch Appetit verspüren, verzichten Sie lieber auf fette, sehr scharfe und blähende Speisen sowie Milchprodukte, um den Verdauungstrakt zu schonen. Ebenfalls ist Vorsicht bei stopfenden Medikamenten (Loperamid) geboten: Der Wirkstoff stoppt zwar den Durchfall, gleichzeitig werden die Krankheitserreger und deren Gifte im Darm zurückgehalten. Und gehen Sie zur Ärztin oder zum Arzt, wenn der Durchfall länger als zwei Tage anhält, Fieber, Blut oder Schleim im Stuhl auftaucht. 

Lebensmittelhygiene beachten

Im Übrigen lautet die beste Maßnahme: vorbeugen. Das gelingt, wenn Sie insbesondere in tropischen und subtropischen Gebieten den Grundsatz "peel it, boil it, cook it or forget it!" beherzigen. Verzehren Sie also nur gekochte Speisen, schälen Sie Obst sowie Gemüse und meiden Sie frisch gepresste Säfte, Salate sowie Zubereitungen mit rohem Fleisch, Fisch oder Ei (handwerklich hergestellte Eiscremes, kalte Dips, Mayonnaisen).

Weisen Sie Lauwarmes zurück. Es könnte zu lange warm gehalten oder nicht ausreichend erhitzt worden sein und daher Keime in sich bergen. Und bestellen Sie Ihr Getränk immer ohne Eiswürfel, es sei denn, Sie wissen, dass sie aus hygienisch einwandfreiem Trinkwasser hergestellt wurden.

Merke!
Solange Sie unter Durchfall leiden, sollten Sie Ihrem Darm keine schwer bekömmlichen Speisen zumuten. Trinken Sie viel, um Flüssigkeitsverluste auszugleichen. Dafür eignen sich abgepackte Mineralwässer, Brühen, Elektrolytlösungen oder Tees.

Empfindlicher Magen

Gewöhnlich verputzen wir im Urlaub mehr als üblich, schlemmen zu ungewohnten Uhrzeiten und lassen uns landestypische Gerichte schmecken. Das kann den Magen schnell überfordern und es kommt zu Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Völlegefühl oder Sodbrennen. Das passiert häufig denjenigen, die bereits unter einer Vorerkrankung leiden, zum Beispiel Gastritis oder Refluxkrankheit. Auch Schwangere haben häufig mit einem empfindlichen Magen zu kämpfen. 

Entspannung und gründlich kauen

Vermeiden Sie in solchen Fällen Stress – und lassen Sie es bereits beim Kofferpacken ruhiger angehen. Gönnen Sie sich im Urlaubsland kleine Auszeiten und Erholungsphasen, etwa bei einer ayurvedischen Massage, bei einem Spaziergang in der unberührten Natur oder bei einer gemütlichen Hafenrundfahrt. Eine kulinarische Entdeckungstour darf ebenfalls nicht fehlen, aber überfordern Sie ihren Magen nicht. Häufig bereiten fette, süße, stark angebratene, sehr scharfe, heiße sowie kalte Nahrungsmittel Probleme. Nehmen Sie daher lieber nur kleine leichte Mahlzeiten zu sich und kauen Sie jeden Bissen gründlich durch.

Heilwasser gegen Sodbrennen

Besonders am Strand sind Cocktails, Limonaden oder Eiskaffees sehr verlockend – aber nicht für Ihren Magen. Alkohol, Kohlensäure und Kaffee reizen ihn und können Sodbrennen auslösen. Dagegen kann ein Wasser mit viel Hydrogencarbonat (mindestens 1.300 Milligramm pro Liter) helfen, das saure Aufstoßen zu verringern, denn das Mineral neutralisiert überschüssige Säure im Magen. Idealerweise trinken Sie das Heilwasser zum Essen, da Sodbrennen gehäuft nach den Mahlzeiten auftritt.

Merke!
Stress, fremdländische Gerichte, Alkohol, kohlensäurehaltige Getränke sowie Kaffee können den Magen im Urlaub schnell überfordern. Entspannung, kleine leichte Mahlzeiten, stilles und hydrogencarbonatreiches Wasser sind jetzt genau das Richtige.

Wissen zum Mitnehmen

Die Reisekrankheit sorgt für Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit. Um dem flauen Gefühl vorzubeugen, nehmen Sie kleine, fettarme Mahlzeiten vor und während der Fahrt zu sich. Erfahrungsgemäß kann Ingwer, auch als Tee getrunken, den Brechreiz dämpfen, während Alkohol, Kaffee und Nikotin dem Magen eher zusetzen. 

Beherzigen Sie in den Tropen und Subtropen das oberste Gebot "peel it, boil it, cook it or forget it!". Tritt dennoch Reisedurchfall auf, ist es wichtig dem Körper schnell wieder Wasser und Mineralien zuzuführen. Dafür eignen sich abgepackte Mineralwässer, Brühen, Elektrolytlösungen oder Tees. Gleichzeitig wird Ihr Bauch es Ihnen danken, wenn Sie vorerst schwer Bekömmliches meiden. Tritt trotz der Maßnahmen nach zwei Tagen keine Besserung ein oder taucht Fieber, Blut oder Schleim im Stuhl auf, ist ärztlicher Rat notwendig.

Stress, fremde Gerichte, Alkohol, kohlensäurehaltige Getränke sowie Kaffee können einen empfindlichen Magen-Darm-Trakt schnell überfordern und zu Oberbauchschmerzen, Übelkeit oder Völlegefühl führen. Entspannung und kleine, leichte sowie milde Mahlzeiten setzen den Organen nicht weiter zu. Bei Sodbrennen verspricht hydrogencarbonatreiches Wasser Linderung, denn es bindet im Magen überschüssige Säure.


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