Sind Bio-Eier wirklich besser?

Von Lina Nagel
Aktualisiert am 24. Feb. 2021
Foto: Arnold Morascher/WWF
Foto: Arnold Morascher/WWF

Ostern steht vor der Tür, und damit die unvermeidliche Eier-Schlacht. Doch welche Eier können wir guten Gewissens kaufen? EAT SMARTER hat mit Markus Wolter vom WWF gesprochen.

share Teilen
print
bookmark_border URL kopieren

Inhaltsverzeichnis

  1. Was versteckt sich hinter dem Code auf dem Ei? 
    1. Das bedeuten die verschiedenen Haltungsformen 
    2. 0 = Ökologische Erzeugung
    3. 1 = Freilandhaltung
    4. 2 = Bodenhaltung
    5. 3 = Käfighaltung bzw. Kleingruppentierhaltung
    6. Haltungsformen im Überblick
  2. Geht es Bio-Hühnern besser? 
  3. Wer kontrolliert Bio-Höfe?
  4. Sind Bio-Eier gesünder?
  5. Sind Bio-Eier vom Discounter in Ordnung?

231 Eier isst jeder Deutsche pro Jahr, als Frühstücksei, als Omelette, aber auch versteckt in Backwaren, Nudeln oder Fertigprodukten.

Und bei keinem Produkt ist die Nachfrage nach Bio so hoch wie bei Eiern. 14 Prozent der konsumierten Eier stammen aus Bio-Produktion, zum Vergleich: Bei anderen Bio-Produkten liegt der Marktanteil bei lediglich 4 Prozent.

Dennoch gibt es in Sachen Bio-Eier bei den Verbrauchern große Unsicherheiten: Ist Bio immer besser als konventionelle Haltung? Wer kontrolliert, ob in Bio-Ställen die Vorschriften wirklich eingehalten werden? Und sind Bio-Eier gesünder?

Was versteckt sich hinter dem Code auf dem Ei? 

Erzeugercode auf dem Hühnerei

Seit 2004 muss jedes in der EU produzierte Ei mit einem individuellen Code bedruckt werden, der kennzeichnet, wo das Ei herkommt und wie die Henne gehalten wurde. 

Ein Ei-Code lautet beispielsweise 0-DE-0212341

0 bezeichnet dabei die Haltungsform, DE das Ursprungsland, 0212341 die Betriebsnummer, wobei die beiden ersten Stellen das Bundesland, die dritte bis sechste Stelle den Betrieb und die siebte Stelle den jeweiligen Stall identifizieren.

Das bedeuten die verschiedenen Haltungsformen 

0 = Ökologische Erzeugung

Bei Eiern aus ökologischer Erzeugung müssen die Legehennen gemäß den Mindestanforderungen der EG Öko-Verordnung gehalten werden. Konkret bedeutet das, dass pro Stall nicht mehr als 3.000 Legehennen und nicht mehr als 6 Tiere pro Quadratmeter gehalten werden dürfen. Bei dieser Haltungsform ist ein Auslauf im Freien vorgeschrieben, ebenso eine Sitzstange mit 18 Zentimetern Länge pro Tier. 

Die Legehennen werden ausschließlich mit ökologischen, möglichst mit durch den gleichen Betrieb hergestelltem Futter versorgt, Gentechnik ist verboten. Bei einer Behandlung durch den Tierarzt sind Naturheilmittel und homöopathische Arzneien zu bevorzugen.

Anders als bei der konventionellen Haltung dürfen bei Bio-Hühnern die Schnabelspitzen nicht abgeschnitten werden. 

1 = Freilandhaltung

Der Stall der Freilandhennen muss den gleich Ansprüchen der Bodenhaltung entsprechen. Der große Unterschied ist, dass die Hennen tagsüber uneingeschränkt Zugang zu einem Auslauf von 4 Quadratmeter pro Henne haben. Der Radius der Auslauffläche beträgt 350 Meter.

Anders als bei der ökologischen Erzeugung haben die Hennen bei der Freilandhaltung kein Tageslicht im Stall und werden mit konventionellem Futter gefüttert. Auch die Schnäbel dürfen bei dieser Haltungsform kupiert werden. 

2 = Bodenhaltung

Bodenhaltung klingt erst einmal gut. Doch "Boden" bedeutet leider nicht, dass alle Hühner auf der Erde scharren können: Der Stall kann auf bis zu vier Ebenen übereinander angeordnet sein. Kommen in der Bodenhaltung mehrere Ebenen zum Einsatz, heißt das Volierenhaltung. In diesem Fall dürfen maximal 18 Hennen pro Quadratmeter leben. Ein eingestreuter Bereich im Stall oder an der Stalllängsseite, der so genannte Kaltscharrraum, steht den Legehennen mindestens zu zwei Dritteln des Tages zur Verfügung. Auslauf im Freien haben Legehennen in der Bodenhaltung nicht. 

3 = Käfighaltung bzw. Kleingruppentierhaltung

Seit 2002 ist das Halten im Käfig verboten, wurde allerdings im Jahr 2006 quasi durch die Hintertür wieder eingeführt: Bei der sogenannten Kleingruppenhaltung haben die Hühner zwar etwas mehr Platz zur Verfügung als zuvor bei der Käfighaltung, haben Nester und eine Sitzstange, doch eine Möglichkeit für das für Hühner so wichtige Scharren sucht man vergebens. Auslauf im Freien ist nicht vorgesehen.

Haltungsformen im Überblick

Haltungsform Quadratmeter pro Tier Auslauf ins Freie Schnabelkürzen erlaubt 
3 = Käfig- bzw. Kleingruppenhaltung 0,8-0,9 nein ja 
2 = Bodenhaltung 0,9 nein ja 
1 = Freilandhaltung ja, keine Bepflanzung vorgeschrieben ja 
0 = ökologische Haltung  4 ja, Auslauf mit Pflanzen und Gehölzen nein

Geht es Bio-Hühnern besser? 

Legehennen im Auslauf
(Bild: WWF/Arnold Morascher) 

Definitiv, sagt Markus Wolter, Referent für Agrarrohstoffe und Tierhaltung bei der Naturschutzorganisation WWF: Hühner, die nach Bio-Richtlinien gehalten werden, führen ein tiergerechteres Leben. „Hühner haben im Grunde drei Bedürfnisse", sagt Markus Wolter: "Sie möchten scharren, picken und Sandbäder nehmen." Auch sei das Huhn neugierig und aktiv, weshalb Auslauf sehr wichtig sei. 

Eine weitere wichtige Vorschrift für das Tierwohl: Die sensiblen Schnäbel der Hühner dürfen – anders als in der konventionellen Haltung – nicht gekappt werden. Dieser Eingriff ist zum einen sehr schmerzhaft, da die Schnabelspitze von zahlreichen Nervenbahnen durchzogen ist, und beraubt das Huhn zum anderen eines wichtigen Sinnesorgans. Hintergrund des Schnabelkürzens: Hühner sind sehr sensible Tiere. Geraten sie in Stress, etwa, weil sich zu viele Tiere in einem Stall aufhalten oder aus anderen Gründen Unruhe entsteht, reagieren sie mit Hacken – sie reißen sich selbst oder Stallgenossen die Federn heraus. Das Resultat sind Bilder von kahl gerupften Hühnern, wie wir sie alle aus der Zeitung oder dem Fernsehen kennen.

Das Federkleid, so Markus Wolter, ist der Spiegel für die Zufriedenheit des Tieres. Auch in Bioställen könne es vorkommen, dass Hühner sich gegenseitig picken, denn Hühnerhaltung, sagt Markus Wolter, erfordere ein hohes Maß an Erfahrung und Organisation.

Wer kontrolliert Bio-Höfe?

Eu-Bio-Siegel

Höfe, deren Eier das Bio-Siegel tragen, werden standardmäßig einmal im Jahr kontrolliert. Diese Kontrolle geschieht nach vorheriger Anmeldung. Besonders bei Legehennenbetrieben wird jedoch oft auch ein zweites Mal geprüft, dann unangemeldet. 

In jedem Bundesland gibt es mehrere Kontrolleure. Diese Kontrollstellen sind nicht staatlich, sondern in privater Hand. Der Bauer bezahlt die Kontrollstelle selbst und kann sich auch aussuchen, welcher Kontrolleur seinen Hof besucht. Birgt dieses Verfahren nicht Risiken? Durchaus, sagt Markus Wolter. Doch die Erfahrung aus 20 Jahren Bio zeige, dass das System im Großen und Ganzen gut funktioniere. 

Kontrolliert wird allerdings nur, ob die Richtlinien der EG-Öko-Verordnung, beziehungsweise zusätzlich die Einhaltung der Verbands-Richtlinien wie Bioland, Biopark oder andere eingehalten werden. Haben die Hühner im Stall oder Auslauf zerrupftes Federkleid, interessiert dies die Kontrolleure in erster Linie nicht. Außer sie gehören Verbänden wie Bioland, demeter oder Naturland an, die das Tierwohl mittlerweile als Prüfkriterium in der Kontrolle der Verbandsrichtlinien eingeführt haben. Bei groben Verstößen gegen die Tierschutz Nutztierhaltungsverordung müssen die Kontrolleure dies an die oberste Kontrollbehörde des Bundeslandes melden, die dies wiederum an die zuständigen Veterinärämter melden.

Man müsse sich bewusst sein, dass Eier, die das EG-Öko-Siegel tragen, nur den Basic-Bio-Kriterien genügen. Strengere Regeln in Sachen Haltung und Tierwohl haben Verbände wie Naturland, Bioland oder demeter, deren Eier Sie in einigen Supermärkten oder in Bioläden bekommen.

Es kann durchaus auch sein, dass es Tieren aus Freilandhaltung von kleinen Höfen besser geht als Bio-Legehennen aus einem großen, schlecht geführten Betrieb. Hier kommt es auf den Einzelfall an; da nicht jeder Verbraucher Zeit und Lust hat, zum Herkunftsort seines Eis zu fahren, sind Sie mit Eiern, die von einem der großen deutschen Bio-Verbände zertifiziert sind, auf der sicheren Seite.

Hinzu kommt: Eier mit dem Bio-Siegel können durchaus auch aus anderen EU-Staaten, den Niederlanden oder Belgien stammen.

Sind Bio-Eier gesünder?

Zwei Spiegeleier mit Schnittlauch

Einen klaren Gesundheitsvorteil bieten Bio-Eier nach heutigem Stand der Forschung nicht. Durch die aktivere Haltungsform kann es sein, dass diese Eier ein etwas günstigeres Omega-3-Fettsäurenmuster haben – doch dieser Aspekt ist vernachlässigbar. 

Fest steht aber, dass Bio-Hühner nicht mit Gentechnik gefüttert werden und dass beim Anbau der Futtermittel keine chemisch-synthetischen Pestizide zum Einsatz kommen – Substanzen, die man nicht unbedingt in seiner Nahrungskette wissen möchte. 

Sind Bio-Eier vom Discounter in Ordnung?

Discounter

Bio-Eier vom Discounter erfüllen die Richtlinien der EG-Öko-Verordnung. Das heißt, es dürfen bei der Futterproduktion keine Gentechnik und keine chemisch-synthetischen Pestizide zum Einsatz kommen und das Futter ist ökologisch produziert.

Auch Auslauf im Freien sowie das Vorhandensein eines Kaltscharrraumes sind vorgeschrieben – wichtig, damit aktive und neugierige Tiere wie Hühner sich wohlfühlen. Bio-Eier vom Discounter sind also auf jeden Fall besser als Eier aus Freiland-, Boden- oder Volierenhaltung – auch, weil der empfindliche Schnabel des Tieres nicht beschnitten werden darf.

Hinsichtlich Herdengröße, Qualität des Auslaufs und dem Tierwohl allgemein setzen Verbände wie Biopark, Bioland, Naturland oder demeter jedoch höhere Maßstäbe. Beim Futter verlangen Bioland, demeter und Naturland, dass mindestens die Hälfte vom eigenen Betrieb oder einer regionalen Kooperation stammen muss, während die EG-Öko-Verordnung den kompletten Zukauf von Bio-Futter (20 Prozent aus der Region) ermöglicht.

Klar, dass Bio-Eier teurer sind als konventionelle Eier, vor allem, wenn der Erzeugerhof sich zu den Qualitätskriterien der deutschen Bio-Verbände bekennt. Doch das Kosten-Argument lässt Markus Wolter nicht gelten, denn er plädiert für maßvollen Eierkonsum: "Das Frühstücksei am Sonntag reicht für eine ausgewogene Versorgung mit den wertvollen Inhaltsstoffen des Hühnereis – mehr als drei Eier inklusive verarbeiteten Eiern sollten sowieso nicht pro Woche verzehrt werden". Und das kann sich wohl jeder auch in Bio-Qualität leisten. 

Links zu den deutschen Bio-Verbänden: 

 
Ich esse so viele Eier , wie ich möchte. Das Märchen vom Cholesterin im Ei, ist ja nun schon viele Male widerlegt worden. Ich kaufe überwiegend von Demeter oder Eier von "Haehnlein", wo die männlichen Küken n i c h t geschreddert werden !!! Dafür kosten aber dann 6 Eier auch um die 3 Euro. Das ist es mir aber wert. @ Susanna Vierbaum : es gibt auch bei bio immer diverse Größen S, M L.
 
Eine wichtige Frage wird in dem Artikel gar nicht angeschnitten: Wie sieht es bei der Bio-Hühnerhaltung mit dem Schreddern bzw. Vergasen der männlichen Küken aus? Wird dies auch in Bio-Betrieben praktiziert?
 
Warum sollten nicht mehr als 3 Eier pro Woche verzehrt werden, Herr Wolter? Ach ja, mir ist aufgefallen, dass im Supermarkt oder Discounter die Eier, egal ob nun Bio, Freiland oder Käfig sehr, sehr oft zur gleichen Angebotszeit entweder alle braun oder alle weiss sind, wie kommt das denn?
 
Komisch, dass mal wieder niemand erwähnt, dass männliche Küken lebendig zerschreddert oder vergast werden!
 
Tscha, alles wie gehabt. Geklüngelt wird überall, Garantieen werden nicht ausgestellt. Wie es mit den "Inhaltstoffen" der Eier aussieht, wird nicht erwähnt. Also, auf ein neues Ei. Wo mein Ei herkommt? Ich bin keine Henne - Hauptsache es schmeckt. Und sollte es mal nicht der Fall sein, so wechsele ich den Anbieter und die Übrigen wandern in den Müll. Wie schon gesagt: Auf ein Neues .......... Ei.
  • 1
  • 2
Schreiben Sie einen Kommentar