30 Jahre nach Tschernobyl: Lebensmittel noch immer belastet

Von EAT SMARTER
Aktualisiert am 27. Dez. 2018
Wildschwein läuft im Wald

Auch 30 Jahren nach dem Super-GAU in der Ukraine sind die Folgen noch zu spüren. Einige Lebensmittel sind noch immer radioaktiv belastet, warnt die Verbraucherzentrale.

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Wohl jeder, der über 35 Jahre alt ist, hat die verstörenden Bilder und Nachrichten aus Tschernobyl noch heute noch im Kopf: Aus Angst vor saurem Regen ließen Eltern ihre Kinder nicht draußen spielen, Obst und Gemüse aus Freilandanbau standen unter Generalverdacht, verstrahlt zu sein.

Am Dienstag, den 26. April 2016, jährte sich der Jahrestag der nuklearen Katastrophe zum 30. Mal. Und während in der EU und in den Nachbarländern noch immer alte Atomreaktoren am Netz sind und sogar fleißig neue gebaut werden, mahnt die Verbraucherzentrale: Die Strahlenbelastung ist nicht nur in Tschernobyl, sondern auch in Deutschland, also mehr als 1.500 Kilometer vom Unglücksort entfernt, noch in unserer Nahrung messbar.

Vor allem in Süddeutschland höhere Belastungen

Die radioaktive Wolke, die im April und Mai 1986 über Europa zog, hat größere Teile Deutschlands radioaktiv kontaminiert. Besonders betroffen waren damals die Regionen Bayern, Südthüringen und Gebiete in Baden-Württemberg.

„Noch heute sind die Böden in vielen Regionen vor allem Süddeutschlands und einige Lebensmittel mit Cäsium 137 und in geringerem Umfang mit Strontium 90 belastet“, teilte die Verbraucherzentrale in einer Pressemitteilung mit.

Daher wird noch heute Wildfleisch aus den genannten Regionen, vor allem Fleisch von Wildschweinen, vor dem Verkauf auf Strahlenbelastung untersucht. Sind die Werte zu hoch, darf das Fleisch nicht verkauft werden und der Jäger erhält eine finanzielle Entschädigung.

Pilze aus Osteuropa sind teils immer noch unverkäuflich, da die gemessene Radioaktivität zu hoch ist. Osteuropäische Champignons und Co., die bei uns im Supermarkt liegen, haben jedoch umfangreiche Strahlentests bestanden, so die Verbraucherzentrale.

Tipps für Verbraucher

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, vergleichsweise hoch belastete Lebensmittel wie Waldpilze und Wildschwein nur gelegentlich oder gar nicht zu verzehren.

Entsprechende Produkte aus Süddeutschland wie dem Münchener Umland, dem Bayerischen Wald, den Alpen und dem Pfälzer Wald solle man lieber ganz meiden.

Unsinn sei es, sich einen eigenen Geigerzähler für den Hausgebrauch zu kaufen, um die Strahlung zu messen. Denn diese Geräte seien zwar teuer (mindestens 300 Euro), aber für die Strahlenmessung an Lebensmitteln zu ungenau. Zumal Sie als Verbraucher nicht über das nötige Expertenwissen verfügen, die Zahlen auf dem Geigerzähler vernünftig auszuwerten.

Deutschland: Atomausstieg bis 2022

Die deutsche Bundesregierung will bis 2022 aus der Atomenergie aussteigen. Zurzeit sind noch neun Kernkraftwerke in Betrieb. Langfristig soll verstärkt auf erneuerbare Energien aus Wind, Wasser und Sonne gesetzt werden, um den Stromverbrauch der Deutschen zu decken.

Tipps, wie Sie als Verbraucher Strom sparen können, finden Sie hier.

(lin)

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