Pflanzengift in Tee nachgewiesen

Von Jasmin Böttcher
Aktualisiert am 27. Dez. 2018
Kamillentee

Kräutertees namhafter Hersteller sind teilweise mit Pflanzengiften verunreinigt. Diese können zu Leberschädigungen und Leberkrebs führen.

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Die Gefahren des Pflanzengiftes

Bei einer Laboranalyse wurden in stichprobenartig ausgewählten Tees aus Supermärkten und Discountern Pyrrolizidinalkaloide (PA) entdeckt. Bei PA handelt es sich um Pflanzengift, das zum Beispiel von Pflanzen wie dem Jakobs-Kreuzkraut produziert wird, um sich vor Fressfeinden und Schädlingen zu schützen. Das Unkraut wächst zwischen den Teekräutern und kann mit der maschinellen Ernte in den Tee gelangen.

Das Gift ist temperaturbeständig und sehr gut wasserlöslich. So kann das Gift trotz kochendem Wasser vollständig in den Tee übergehen. Schon kleinste Mengen können zu Leberschädigungen führen und Krebs verursachen. Bei der Laboranalyse wurden in sechs von dreizehn Tees PA entdeckt, wie auf ndr.de berichtet wird.

Untersuchte Teesorten

Bei der Laboranalyse wurden folgende Teesorten untersucht:

Kamillentee:

  • von Aldi, Edeka, Lidl und Rewe für jeweils 0,55 Euro
  • von Alnatura in Bio-Qualität für 1,29 Euro
  • von Meßmer und Teekanne für jeweils 1,99 Euro

Kräutertee:

  • von Aldi, Edeka und Lidl für jeweils 0,89 Euro
  • von Alnatura in Bio-Qualität für 1,29 Euro
  • von Meßmer für 1,79 Euro
  • von Teekanne für 1,99 Euro

Ab wann ist PA schädlich?

Es gibt keinen gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert für PA in Lebensmitteln. Durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurde 2011 ein Orientierunsgwert veröffentlicht. Ein 70 Kilogramm schwerer Erwachsener sollte demnach maximal 0,49 Mikrogramm PA pro Tag zu sich nehmen.

Ergebnisse der Laboranalyse

Damit die unterschiedlichen Teesorten miteinander verglichen werden können, wurden jeweils 15 Gramm Tee mit einem Liter Wasser aufgegossen.

Bei den Kamillentees waren zwei von sieben Produkten belastet. Der Kamillentee von Teekanne überschritt mit knapp 1,7 Mikrogramm PA pro Liter Tee die empfohlene tägliche Aufnahmemenge bei Erwachsenen um das Dreifache. Der Kamillentee der Rewe-Eigenmarke Ja! war mit etwa 0,17 Mikrogramm pro Liter leicht belastet.

Auch bei den Kräutertees waren ebenfalls zwei von sieben Produkten belastet. Der Kräutertee von Teekanne enthielt mit 0,84 Mikrogramm pro Liter den höchsten Wert. Der Kräutertee von Meßmer enthielt 0,75 Mikrogramm pro Liter. Die akzeptable tägliche Aufnahmemenge wird in beiden Fällen bei Erwachsenen beim Konsum eines Liters Tees um das 1,5-fache überschritten.

Festlegung von Grenzwerten dauert an

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft strebt eine Festlegung zulässiger Höchstgehalte auf EU- und auf internationaler Ebene an. Doch die Diskussion zur Festsetzung von Höchstgehalten zu Pyrrolizidinalkaloiden dauern noch an. In Deutschland haben die einzelnen Bundesländer Grenzwerte festgelegt, um Lebensmittel einheitlich überwachen zu können. Auf internationaler Ebene wurde die abschließende Risikobewertung zu Pyrrolizidinalkaloiden noch nicht durchgeführt.

Verbraucherschützer fordern die Vernichtung von Jakobs-Kreuzkraut auf landwirtschaftlichen Flächen, um zu verhindern, dass diese in Lebensmittel gelangen. Außerdem soll deutlich mehr geforscht werden, um einen Grenzwert für PA festlegen zu können. Auch wenn die PA-Werte im Vergleich zu 2016 zurückgehen, muss Einiges getan werden, um die Pyrrolizidinalkaloiden-Belastungen weiter zu senken.

(jab)

Zur Laboranalyse

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