Wissenschaftlich geprüft

Ist Arachidonsäure ungesund?

Von Kira Tessel
Aktualisiert am 06. Nov. 2020
© Pexels/ Polina Tankilevitch
© Pexels/ Polina Tankilevitch

Die vielen verschiedenen Arten von Fettsäuren aus unserer Nahrung können unterschiedliche Wirkungen in unserem Körper haben. Hier erfahren Sie alles Wissenswerte über Arachidonsäure und in welchen Lebensmitteln sie vorkommt.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Welche Lebensmittel enthalten Arachidonsäure?
    1. Tierische Lebensmittel
    2. Pflanzliche Lebensmittel
    3. Wie viel Arachidonsäure kann man am Tag zu sich nehmen?
  2. Arachidonsäure und Entzündungen
    1. Fördert Arachidonsäure Entzündungen?
    2. Wie wirkt Arachidonsäure im Körper?
    3. Begünstigt Arachidonsäure Krankheiten? 
  3. Arachidonsäure bei Krankheitsbildern
  4. Wissen zum Mitnehmen

Die Arachidonsäure (AA) aus der Familie der Omega-6-Fettsäuren kommt natürlicherweise in unserer Nahrung vor. Da sie hauptsächlich in tierischen Produkten zu finden ist, scheint die Aufnahme von Arachidonsäure bei Vegetariern und Veganern geringer zu sein. Wenn Arachidonsäure nicht direkt aufgenommen wird, kann der Körper diese aus der Linolsäure, welche zum Beispiel in pflanzlichen Lebensmitteln zu finden ist, herstellen. Aus diesem Grund gilt die Arachidonsäure nicht als essentielle, sondern als semi-essentielle Fettsäure. 

In diesem Artikel erfahren Sie, wo und in welchen Lebensmitteln Arachidonsäure enthalten ist, ob Arachidonsäure Entzündungen fördert, wann Sie Arachidonsäure meiden sollten und welche Empfehlungen es für die Zufuhr von Arachidonsäure gibt (1)

Welche Lebensmittel enthalten Arachidonsäure?

Tierische Lebensmittel

Vor allem tierische Produkte wie rotes Fleisch und Fleischprodukte wie Wurst enthalten viel Arachidonsäure. Auch in Schmalz, Butter, Käse, fetten Milchprodukten, Innereien, Fisch und Eiern ist sie enthalten. Bei Fleisch ist die Arachidonsäure in ähnlichen Mengen im sichtbaren Fettanteil sowie im Fleisch selbst enthalten (2),(3).

Pflanzliche Lebensmittel

Der Körper erhält nicht nur aus tierischen Produkten die Arachidonsäure, sondern kann sie auch aus Linolsäure selbst herstellen. Diese Vorstufe kommt zum Beispiel in pflanzlichen Lebensmitteln wie Sonnenblumenöl, Distelöl oder Weizenkeimöl vor. Aus ihr kann dann die Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure entstehen. Die Umwandlungsraten können sich dabei je nach Lebensmittel unterscheiden. 

Wer eher auf Lebensmittel mit weniger Linolsäure setzen möchte, kann auf hochwertiges Lein- oder Rapsöl zurückgreifen. Auch Walnüsse und Olivenöl weisen durch einen höheren Anteil an Alpha-Linolensäure (ALA) ein günstigeres Fettsäure-Verhältnis auf. Eine vegetarische oder vegane Ernährungsform weist in der Regel deutlich geringere Mengen an Arachidonsäure auf. Gleichzeitig gehören jedoch bei diesen pflanzlichen Ernährungsformen essentielle Omega-3-Fettsäuren wie Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) zu den kritischen Nährstoffen, sofern auch auf Fisch verzichtet wird (4),(5).

Wie viel Arachidonsäure kann man am Tag zu sich nehmen?

Während für die Zufuhr der ungesättigten Fettsäuren wie Linolsäure (LA), Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) Empfehlungen existieren, gibt es von der Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) keinen Referenzwert für Arachidonsäure. Sie sehen keine einstimmigen Beweise für eine schädliche Wirkung und legen daher keinen oberen Grenzwert für die Aufnahme von ungesättigten Omega-6-Fettsäuren fest (6).

Merke!
Arachidonsäure kommt vor allem in tierischen Produkten wie Fleisch vor. Wenn sie nicht direkt durch die Nahrung zugeführt wird, kann der Körper Arachidonsäure aus Linolsäure selbst herstellen.

Arachidonsäure und Entzündungen

Fördert Arachidonsäure Entzündungen?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal mit "Ja" beantworten. Die Arachidonsäure aus tierischen Lebensmitteln ist unter anderem an der Bildung entzündlicher Botenstoffe beteiligt. Genauer gesagt bildet sie eine Grundlage zur Herstellung sogenannter Eicosanoide wie Prostaglandine und Leukotriene. Diese sind an entzündlichen Prozessen im Körper beteiligt. Von Arachidonsäure abgeleitete Eicosanoide sind meist entzündungsfördernd, auch wenn einige entzündungshemmenden Wirkungen beobachtet werden konnten. Aus diesem Grund steht Arachidonsäure im Verdacht, entzündliche Erkrankungen wie zum Beispiel Rheuma zu fördern (2).

Wie wirkt Arachidonsäure im Körper?

Als Gegenspieler der Arachidonsäure (AA) beziehungsweise der Omega-6-Fettsäuren treten die Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) auf. Sie haben eine ähnliche Struktur wie die Arachidonsäure und können die Umwandlung in entzündungsfördernde Stoffe hemmen und dabei entzündungshemmende Effekte haben. 

Die Omega-6-Fettsäure Linolsäure (LA) wird von den gleichen Enzymen in Arachidonsäure (AA) umgebaut wie die Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure (ALA) in EPA und DHA. Somit konkurrieren ALA und LA um die gleichen Enzyme. Wenn sich zu viel Omega-6-Fettsäuren in diesem Enzymsystem befinden, fehlen den Omega-3-Fettsäuren die Enzyme zur Umwandlung. Die gebildeten Mengen von AA, EPA und DHA hängen also von der Konzentration der verfügbaren Fettsäuren ab (8),(9).

Begünstigt Arachidonsäure Krankheiten? 

Die genaue Wirkungsweise von Omega-6-Fettsäuren wird teilweise noch diskutiert, jedoch gibt es keine wissenschaftlichen Daten, die zeigen, dass Linolsäure die Entzündungsmarker bei gesunden Personen pauschal erhöht. Eine 2018 veröffentlichte Übersichtsarbeit konnte nicht feststellen, dass eine erhöhte Aufnahme von Omega-6-Fettsäuren wie Arachidonsäure oder ihrer Vorstufe Linolsäure zu einer drastischen Erhöhung der Entzündungsmarker führt ist. Eine größere Rolle scheint insbesondere das Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 zu spielen. Insgesamt sind mehr Daten zu der Wirkung von Arachidonsäure und der Wechselwirkung von Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren notwendig. Faktoren wie die gesamte Ernährung, der Lebensstil, Vorerkrankungen und die Genetik können ebenfalls eine Rolle spielen (10),(11),(12).

Merke!
Obwohl Arachidonsäure ein Vorreiter für entzündliche Produkte sein kann, führt eine erhöhte Aufnahme nicht per se zu kritischen Entzündungsprozessen. Wichtiger scheint eine ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren.

Arachidonsäure bei Krankheitsbildern

Bei entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma kann Arachidonsäure jedoch problematisch werden. Eine Studie an Patienten mit rheumatoider Arthritis unterstützte die Annahme, dass eine niedrige Zufuhr von Arachidonsäure durch eine vegetarische Ernährung und die Ergänzung von Fischöl entzündungshemmende Effekte zeigt und den Krankheitszustand verbessern kann. Auch wenn die Ernährung ein wertvolles Element in der Rheuma-Therapie sein kann, ersetzt sie keine medikamentöse oder chirurgische Behandlung (13).

Ist Arachidonsäure gefährlich und erhöht sie das Krankheitsrisiko? Eine Analyse von 30 Prospektiven Studien kam zu dem Schluss, dass Omega-6 mit keinem gesundheitlichen Risiko für gesunde Erwachsene verbunden ist. Es konnten auch nicht gezeigt werden, dass Arachidonsäure mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist. Wichtiger als eine Beschränkung der Arachidonsäure scheint die ausreichende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren und die gesamte Nahrungsqualität (14),(15).

Merke!
Einige Daten lassen vermuten, dass Arachidonsäure nicht pauschal mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist. Patienten mit rheumatoider Arthritis sollten die Zufuhr jedoch beschränken.

Wissen zum Mitnehmen

Arachidonsäure kommt vor allem in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Wurst, Schmalz, Innereien, Fisch, Ei, Käse und Milchprodukten vor. Pflanzliche Lebensmittel wie Sonnenblumenöl enthalten die Vorstufe zu Arachidonsäure, die Linolsäure. Aus ihr kann der Körper selbst Arachidonsäure herstellen, wenn diese nicht direkt zugeführt wird. Die Gegenspieler der Arachidonsäure sind die langkettigen Omega-3-Fettsäuren. Sie können den Arachidonsäure-Stoffwechsel hemmen, da sie eine ähnliche Struktur aufweisen und um die gleichen Enzyme konkurrieren. 

Wenn zu viel Arachidonsäure über die Nahrung aufgenommen wird, können sich vermehrt entzündungsfördernde Botenstoffe bilden, die bei rheumatischen Erkrankungen die Entzündungen in den Gelenken verschlimmern können. Für diese Patienten empfiehlt es sich, die Aufnahme von Arachidonsäure und Linolsäure zu verringern. Vor allem in Kombination mit Fischöl könnte es so einer Verbesserung der Schmerzsymptome kommen (13).

Von den Behörden wie der EFSA werden keine Werte für die tägliche Zufuhrmenge von Arachidonsäure festgelegt. Für gesunde Menschen ist es nicht notwendig, Arachidonsäure streng zu meiden. Vielmehr sollte auf eine ausgewogene Ernährung mit überwiegend hochwertigen Fettquellen und einer ausreichenden Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren geachtet werden. 

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