Dr. Susanna Hofmann

Fructose – heimlicher Krankmacher?

Von Vanessa Schrader
Aktualisiert am 27. Dez. 2018
Fructose

Fruchtzucker, auch Fructose genannt, gilt als gesunde Alternative zum Raffinadezucker. Doch ist die Fruchtsüße aus Obst und Gemüse wirklich die bessere Wahl? Nicht unbedingt: Immer häufiger verweisen Ärzte auf negative Folgen.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Experten sind sich einig: Fructose birgt gesundheitliche Risiken
  2. Glucose-Fructose-Sirup: Billige Süße auf dem Vormarsch
  3. Frische Früchtchen ade? Von wegen!
  4. Dr. med. Matthias Riedlim Video: Darum ist zu viel Fructose nicht gesund
  5. Wissen zum Mitnehmen

Der folgende Artikel stammt aus der dritten Ausgabe 2018 unserer Zeitschrift. Hier haben wir eine kleine Leseprobe für Sie, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten. Möchten Sie in Zukunft noch früher informiert sein? Dann empfehlen wir Ihnen ein Abonnement unserer EatSmarter!-Zeitschrift.

An apple a day keeps the doctor away. Eine Binsenweisheit, die transportiert, was uns Ärzte und Ernährungswissenschaftler von Klein auf beigebracht haben: Obst ist gesund und hält uns deswegen den lieben Onkel Doktor vom Leib.

Doch seit einiger Zeit fängt das positive Image der Früchtchen an, zu bröckeln. Die Süße im Obst sei gar nicht so gesund, heißt es jetzt von Expertenseite. Aktuelle Studien behaupten sogar, Fruchtzucker, sprich Fructose, verursache Diabetes, schade den Blutgefäßen, mache dick. Und sei zudem viel gefährlicher als normaler Haushaltszucker! Was ist dran an den Vorwürfen? Macht uns der Zucker in Früchten tatsächlich krank?

Experten sind sich einig: Fructose birgt gefährliche, gesundheitliche Risiken

Fest steht: „Fructose kann zu einer Fettleber führen und Fettstoffwechselstörungen begünstigen“, sagt Prof. Dr. Susanna Hofmann, die im Helmholtz Zentrum München die Abteilung „ Women and Diabetes“ leitet. „Und er ist nicht wertvoller als normaler Haushaltszucker Saccharose. Sogar ganz im Gegenteil. Konzentrierte Fructose ist besonders schädlich.“

Und das hat laut der Diabetes-Expertin mehrere Gründe. Zunächst wird isolierte Fructose, anders als beim Zweifachzucker Saccharose, der aus Glucose und Fructose besteht, insulinunabhängig verstoffwechselt.

Das bedeutet, dass die Leber den Einfachzucker ganz allein verarbeiten muss und, genau wie bei Alkohol, schnell überfordert ist. Die Folge ist eine Verfettung der Zellen, die im schlimmsten Fall sogar zu einer Fettleber führen kann.

Dazu kämen noch erhöhte Blutfettwerte sowie gesteigerter Heißunger: „Das Sättigungsgefühl wird unterdrückt und der Energieverbrauch gesenkt – was Übergewicht und Fettleibigkeit fördert,“ so Hofmann.

Und es kommt noch dicker. Fructose besitzt eine viel stärkere Süßkraft als Glukose – wodurch unsere Geschmacksrezeptoren schnell und effektiv auf ein höheres Maß an Süße programmiert werden. Auch ist sie um einiges billiger als der Zucker aus Rüben, was sie besonders attraktiv für die Lebensmittelindustrie macht.

Merke!
Isolierte Fructose, die in vielen Softdrinks, Energieriegeln oder Müslis steckt, hält zahlreiche, negative Folgen parat: Sie unterdrückt das Sättigungsgefühl und kann so Übergewicht und Fettleibigkeit begünstigen. Zudem kann uns Fructose durch ihre starke Süßkraft an zu viel Süße gewöhnen und im schlimmsten Fall sogar zu einer Fettleber führen.

Glucose-Fructose-Sirup: Billige Süße auf dem Vormarsch

Gerade die so genannte Isoglucose, ein Zucker, der aus Weizen oder Mais sowie Enzymen künstlich hergestellt wird und einen Fructoseanteil von bis zu 90 Prozent pro 100 Gramm aufweist, ist aktuell sehr beliebt.

Seit Oktober 2017 ist dieser nicht mehr nur in den USA, sondern auch in Europa in unbegrenzter Dosierung erlaubt – und findet sich hier unter dem Namen Glucose-Fructose-Sirup in Süßigkeiten, aber auch in Fruchtjoghurts, Softdrinks und Müsliriegeln.

Kein Wunder also, dass Wissenschaftler und Ärzte wie Susanna Hofmann Alarm schlagen. „Dieser Freifahrtschein für billige Fruchtsüße kann zu einer vermehrten Zugabe als Füllmittel und Geschmacksverstärker in Lebensmitteln führen. Was wiederum den Verzehr erhöht, der im Durchschnitt sowieso schon viel zu hoch ist.“, warnt die Münchner Professorin.

Also Augen auf bei den Zutatenlisten – je mehr Fruchtzucker in einem Lebensmittel enthalten ist, umso eher sollten Sie davon Abstand nehmen.

Merke!
Besonders gefährlich ist der billige Fruchtzucker Isoglucose, der aus Weizen oder Mais sowie Enzymen künstlich hergestellt wird. Unter dem Namen Glucose-Fructose-Sirup steckt er in zahlreichen Fertiglebensmitteln und ist in Deutschland seit Ende 2017 als Zutat in unbegrenzter Menge erlaubt.

Frische Früchtchen ade? Von wegen!

Bevor Sie jetzt aber drauf und dran sind, Ihren heimischen Obstkorb zu entsorgen: Die gesundheitlichen Risiken gelten für isolierte und verarbeitete Fructose, nicht für frische Früchte. „Obst in normalen Mengen ist nicht gefährlich!“, betont Prof. Hofmann und fügt hinzu: „Um sich zu schaden, müsste man schon dauerhaft täglich ein Kilo Äpfel zu sich nehmen.“

Anders als im isolierten Fruchtzucker stecken hier nämlich viele Mineralien, Vitamine sowie sekundäre Pflanzen- und Ballaststoffe drin. Letztere machen außerdem satt und lassen den Fruchtzucker nur langsam in den Körper übergehen. Auch das große Volumen der Früchtchen sorgt dafür, dass wir uns nicht überessen. Halten wir uns an die fünf am Tag Regel – sprich zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse am Tag – tun uns Früchte gut und leisten einen wertvollen und sehr wichtigen Beitrag für eine gesunde und ausgewogene Ernährung.

Merke!
Fruchtzucker, den wir in Form von frischen Früchten oder Gemüse sowie in moderaten Mengen – sprich drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst am Tag – zu uns nehmen, ist nicht gefährlich. Sondern essenziell für eine gesunde und ausgewogene Ernährung.

Unser Experte Dr. med. Matthias Riedl äußerst sich im Video zum Thema Fructose:

Wissen zum Mitnehmen

Beim Thema Fructose kann man sprichwörtlich Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, denn Fruchtzucker ist nicht gleich Fruchtzucker. Obst ist und bleibt gesund, zuviel isolierte Fruchtsüße aber nicht.

Dennoch macht es Sinn, auf den Zuckergehalt der Früchte zu achten und möglichst zuckerarmes Obst zu genießen – nicht zuletzt, da viele Obstsorten in den letzen Jahrzehnten durch Züchtungen viel süßer geworden sind.

 


Frau Prof. Dr. Susanna Hofmann: Die Professorin leitet im Helmholtz Zentrum München die Abteilung  „Women and Diabets“ und weiß genau, wie, wann und warum Sie vom (isolierten) Fruchtzucker lieber die Finger lassen sollten.

 
...ich bin dankbar, das der Unterschied zu Obst/Gemüse herausgearbeitet wurde...
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