Zirbeldrüse – wie wichtig ist sie für einen gesunden Schlaf?

Von Dr. med. Matthias Riedl
Aktualisiert am 01. Mär. 2021
© Pexels/Ketut Subiyanto
© Pexels/Ketut Subiyanto

Das geheimnisvolle Organ im Zentrum des Gehirns ist zwar winzig klein, aber enorm wichtig für unsere innere Uhr und unser Schlafverhalten. Welche Funktion die Zirbeldrüse genau hat, lesen Sie hier.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Die Zirbeldrüse …
  2. Das Schlafhormon Melatonin
  3. Tipps für eine bessere Schlafhygiene
  4. Wissen zum Mitnehmen

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Die Zirbeldrüse …

  • … wiegt im Schnitt 100 Milligramm (zwischen 80 und 500 Milligramm)
  • … ist 5–8 Millimeter lang und 3–5 Millimeter breit (so groß wie eine Erbse)
  • … wird stark durchblutet, nur die Niere wird noch stärker durchblutet

Die Zirbeldrüse ist ein etwa erbsengroßes grau-rötliches Organ hinten am Mittelhirn. Bildlich vorstellen darf man sie sich in etwa wie den Zapfen einer Kiefer, genauer gesagt von dem einer Zirbelkiefer, denn danach ist sie benannt. Wissenschaftlich wird die Drüse auch als Glandula pinealis oder Epiphyse bezeichnet.

Sie ist aber auch als drittes Auge bekannt, wobei ihr nahezu mythische Fähigkeiten zugeschrieben werden. Wahrscheinlich, weil die Zirbeldrüse als Bildungsort für einen natürlichen psychedelischen Wirkstoff namens N,N-Dimethyltryptamin (DMT) vermutet wird. Der Wirkstoff des psychedelischen Tees Ayahuasca, wie ihn einige indigene Stämme des Amazonasbeckens brauen, wurde bereits in Zirbeldrüsen frei lebender Nagetiere nachgewiesen. Ob sich dies auch für Menschen bewahrheiten wird, lässt sich bisher nur spekulieren.

Wissenschaftlich erwiesen hingegen ist die Funktion der Zirbeldrüse, einen Botenstoff (Hormon) aus dem als Glückshormon bekannten Serotonin zu bilden und in Blut sowie Gehirnwasser (Cerebrospinalflüssigkeit) abzugeben. Gemeint ist Melatonin, welches auch als Schlafhormon bekannt ist.

Merke!
Die Zirbeldrüse ist ein kleines zapfenförmiges Organ im Mittelhirn, das Melatonin produziert.

Das Schlafhormon Melatonin

Melatonin senkt den Blutdruck, den Energieverbrauch und die Körpertemperatur – wir werden müde. Gleichzeitig stärkt es das Immunsystem.

Die Melatoninbildung lässt sich im Mäuseversuch kontinuierlich messen. Beobachtet man diese, lässt sich klar eine Tagesrhythmik erkennen. Würde der Versuch über mehrere Jahre laufen, so ließe sich auch deutlich die Jahreszeitenrhythmik darin ablesen. Tagsüber bei Sonnenlicht wird das Hormon nicht gebildet. Bei Anbruch der Dunkelheit steigt die Produktion an. So ist der Melatoninspiegel nachts drei bis zwölfmal höher als tagsüber. Am meisten Melatonin haben wir früh morgens, kurz vor dem Aufstehen. Mit dem Sonnenlicht sinkt der Hormonspiegel dann wieder ab. Da die Tage im Sommer länger sind, wird in dieser Jahreszeit weniger Melatonin produziert als im Winter.

Melatonin wird auch medikamentös bei Schlafstörungen ab 55 Jahren eingesetzt. Bei Demenz wirkt es aber weniger. Beim Einsatz sind Kontraindikationen zu beachten wie Autoimmunerkrankungen oder Nierenschwäche. Außerdem bestehen Wechselwirkungen mit Psychopharmaka und dem Antibiotikum Ciprofloxacin. Zusätzlich zu Schlafmitteln eingenommen kann es Schläfrigkeit am Tage erhöhen.

Merke!
Die Bildung des Schlafhormons ist von der Dunkelheit abhängig und unterliegt somit einem bestimmten Tag-Nacht-Rhythmus sowie einem Jahreszeitenrhythmus.

Tipps für eine bessere Schlafhygiene

Mit dem Hintergrundwissen über das Melatonin und seine Bildung lässt sich an dieser Stelle noch hinzufügen, dass blaues Licht, das auf Netzhaut trifft, die Melatoninbildung hindert. Daher ist es zu vermeiden, abends noch auf Bildschirme ohne Blaulichtfilter zu schauen. Das künstliche Licht verwirrt den Körper, er kann sich nicht auf die äußeren Umstände verlassen und weiß von sich aus nicht, wann es Nacht ist, auch wenn es draußen dunkel ist. Besser wäre es, sich die letzte Stunde vor dem Schlafengehen aktiv darauf vorzubereiten. Am besten ganz ohne künstliches Licht, vielleicht eingekuschelt mit einem Hörbuch.

Sollten Sie zu den Menschen gehören, die nachts aufwachen und auf die Toilette zu gehen, wäre es tatsächlich am besten, das Licht auszulassen. Schon eine kleine Sekunde, in der das Deckenlicht auf die Netzhaut trifft, stoppt die Melatoninbildung und der Körper kommt aus dem Rhythmus. So kann es schwerfallen, wieder zurück in den Schlaf zu finden.

Merke!
Meiden Sie vor dem Schlafengehen und nachts künstliches Licht, damit ihre innere Uhr nicht aus dem Takt kommt.

Wissen zum Mitnehmen

Die Zirbeldrüse ist ein kleines zapfenförmiges Organ im Mittelhirn. Sie bildet das Schlafhormon Melatonin aus dem Glückshormon Serotonin und gibt diesen ins Blut sowie Gehirnwasser ab. Somit steuert sie unsere innere Uhr und reguliert unseren Schlaf.

Melatonin macht uns müde und stärkt gleichzeitig das Immunsystem. Es bildet sich, wenn es dunkel wird. Da es im Sommer länger hell ist, produzieren wir zu dieser Jahreszeit weniger Melatonin.

Sogenanntes blaues Licht verhindert die Melatoninbildung, weshalb Sie im besten Fall vor dem Einschlafen nicht mehr auf Bildschirme ohne Blaulichtfilter schauen sollten. Durch das künstliche Licht weiß der Körper nicht, ob eigentlich Tag oder Nacht ist.


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