Dr. Ingo Froböse

Alkohol und Zigaretten – Gift für Sportler?

Von Prof. Dr. Ingo Froböse
Aktualisiert am 27. Dez. 2018
Ein Glas Bier und eine brennende Zigarette in einem Aschenbecher auf einem Tisch

Glaubt man den Leser-Reportern der Boulevardzeitung BILD, dann hat die Nationalmannschaft der Ukraine nach der 0:2-Schlappe gegen Frankreich bei der Fußball-EM ihren Frust mit Wein und Zigaretten bekämpft. Ein böses Foul für die Regeneration, sagt Fitness-Doc Ingo Froböse – nicht nur für Hochleistungs-, sondern auch für Freizeitsportler.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Wie Alkohol und Rauchen den Körper schwächen
  2. Kater: Gift für die Regeneration
  3. So wirkt Alkohol auf den Körper
  4. Wie viel Alkohol ist in Ordnung?
  5. Buchtipp: Das Fitness-Minimalprogramm
  6. Gesunde Rezepte für die Halbzeit gefällig? 

Leistungssport und Rauchen, das verbietet sich doch von selbst, sollte man meinen. Doch sicher haben auch Sie, liebe EAT SMARTER-Leser, die skurrilen Meldungen über die ukrainische Nationalmannschaft verfolgt. Nicht genug, dass ein Foto der Mannschaftskabine Alkohol und Zigarettenkippen zeigt – angeblich soll auch der Mittelfeldstürmer Denis Alibec unmittelbar vor seiner Einwechselung ein Rauchpäuschen gemacht haben.

Ob das frühe Ausscheiden der Ukrainer nun auf den Alkohol- und Nikotinkonsum ihrer Spieler zurückzuführen ist, darüber kann und möchte ich kein Urteil abgeben. Fest steht aber: Alkohol und Nikotin sind nicht nur für Fußballer ein Eigentor.

Wie Alkohol und Rauchen den Körper schwächen

Kennen Sie Leistungssportler, die regelmäßig rauchen und ihr Feierabendbierchen zelebrieren? Ich nicht. Sportler wie Mario Basler, der während seiner aktiven Zeit als Kapitän des SV Werder Bremen regelmäßig am Spielfeldrand qualmte, sind die absolute Ausnahme – und das aus gutem Grund.

Denn Alkohol und Zigaretten verhindern, dass der Körper nach einer starken Belastung vernünftig regenerieren kann. Zischt man nach einer anstrengenden Sporteinheit ein Bier, dann stellt der Körper sofort einen Schalter um: Reparaturprozesse aus, Alkoholabbau an. Denn Alkohol ist ein Nervengift, das der Körper schnellstens wieder abtransportieren möchte.

Wird nach dem Sport eine Zigarette geraucht, dann sinkt die Sauerstoffzufuhr um bis zu 20 Prozent. Mit jeder Zigarette nimmt man auch Kohlenmonoxid auf, das sich mit den roten Blutkörperchen verbindet und die Sauerstoffaufnahme zusätzlich erschwert. Das hat Folgen für die nächste Sporteinheit, denn dann hat der Körper nicht mehr genug rote Blutkörperchen, um den Sauerstoff zu transportieren. Bis zu 24 Stunden nach der letzten Zigarette kann der Sauerstofftransport eingeschränkt sein!

Zudem steigert Nikotin die Herzfrequenz, erhöht den Blutdruck und verengt die Blutgefäße – der Körper hat also mehr Arbeit damit, das Blut zirkulieren zu lassen. Kein Wunder, dass da die Regeneration auf der Strecke bleibt.  Passivrauchen übrigens hat die gleiche Wirkung.

Kater: Gift für die Regeneration

Verkaterter Mann liegt in einer chaotischen Wohnung auf der Couchlehne

Wer zu tief ins Glas geschaut hat, dem geht es am nächsten Tag oft elend. Und auch die Regeneration leidet: Mindestens einen Tag dauert es, bis der Körper seine Leistungsfähigkeit zurückgewonnen hat. Während eines Turniers wie der Fußball-EM sollte Alkohol also absolut tabu sein.

Sind es doch einige Gläser zu viel geworden, dann ist eine aktive Gestaltung der Erholung hilfreich: Leichtes Training, viel Wasser, Wechselbäder und Massagen. So kann der Körper Giftstoffe schneller und besser ausscheiden.

So wirkt Alkohol auf den Körper

Generell verlangsamt oder hemmt das Zellgift Alkohol viele Vorgänge im Körper. Dazu kommt die erhöhte Ausscheidung und verminderte Resorption von Wasser und Nährstoffen, wie Proteinen, Vitaminen und Mineralien, die für den Muskelaufbau sehr wichtig sind. Zu viel Alkohol senkt außerdem den Spiegel des Hormones Testosteron, das eine muskelaufbauende Wirkung hat.

Eine Studie deutet auch auf eine verminderte Leistungsfähigkeit 2 beziehungsweise 3 Tage nach einem intensiven Krafttraining und anschließendem Alkoholkonsum hin.

Wer regelmäßig Alkoholmissbrauch betreibt, riskiert zudem eine sogenannte Muskelatrophie, also den Abbau der Skelettmuskulatur.

Wie viel Alkohol ist in Ordnung?

Für Leistungssportler ist Alkohol tabu. Wer dennoch nicht auf das gelegentliche Gläschen Wein am Abend verzichten möchte dem rate ich, pro Woche mindestens drei alkoholfreie Tage einzulegen. Ich zum Beispiel gönne mir an zwei bis drei Tagen die Woche ein Glas schönen Rotwein und trinke an den anderen Abenden Wasser oder Tee.

Und: Trinken Sie bewusst und aus Genuss, nicht um „runterzukommen“! Denn der entspannende Effekt, der Alkohol oft nachgesagt wird, lässt sich viel besser und nachhaltiger durch eine Runde Fußball Spielen, Joggen oder eine Stunde Yoga erreichen.

Ihr Ingo Froböse


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