Wissenschaftlich geprüft
Juni 2019, University of Nottingham, Großbritannien

Kaffee aktiviert die Fettverbrennung

Von Cornelia Brammen
Aktualisiert am 02. Okt. 2020
© Unsplash/Jonas Jacobsson
© Unsplash/Jonas Jacobsson

Das braune Fettgewebe im menschlichen Körper stellt Wärme bereit und befindet sich hauptsächlich in der Brust-, Nacken- und Halsregion. Es macht rund zehn Prozent des Körperfettanteils bei Normalgewichtigen aus. Je mehr braunes Fettgewebe, desto niedriger der Body-Mass-Index. Hat Kaffee eine Wirkung auf die Thermogenese von braunem Fettgewebe?

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Worum ging es bei dieser Studie?

  • Die wärmeerzeugende (und damit kalorienverbrauchende) Verstoffwechselung im braunen Fett wird durch das Protein UCP1 aktiviert. Die Studie sollte zeigen, ob dieses Protein durch Kaffee aktiviert werden kann. 
  • Bekannt ist, dass Kälte den Stoffwechsel im braunen Fettgewebe aktiviert. Es produziert daraufhin Wärme und dadurch werden Kalorien verbraucht.
  • Schlanke Menschen haben mehr braunes Fett als übergewichtige.

Wie lautet die zentrale Forschungsfrage?

  • Hat Kaffee eine Wirkung auf die Thermogenese von braunem Fettgewebe?

Welche Database wurde untersucht?

  • Die Wirkung des Koffeins wurde zunächst in vitro an Mäusestammzellen untersucht, die mit einem Koffeinkonzentrat behandelt wurden. Zweiter Schritt war eine In-vivo-Studie an neun Menschen – vier Männer und fünf Frauen – um die 27 Jahre mit einem BMI von 23 (entspricht Normalgewicht).

Welche Methode wurde angewandt?

  • In einem ersten in vitro Versuch über sieben Tage zeigte sich, dass die optimale Koffeinkonzentration 1 Millimol betrug, weshalb diese Konzentration für die nachfolgenden Untersuchungen beibehalten wurde.
  • Die Probanden wurden angewiesen, sich mindestens neun Stunden vor der Untersuchung nicht stark körperlich zu betätigen, keinen Kaffee, Drogen oder Alkohol zu konsumieren und mindestens zwei Stunden vorher nichts zu essen.
  • Da sich das meiste braune Fettgewebe bei Erwachsenen in der Brust- und Halsregion befindet, wurden diese Körperpartien mit einer Wärmebildkamera gescannt – einmal 20 Minuten bevor und einmal 30 Minuten nachdem sie entweder ein koffeinhaltiges Getränk (enthält 60 Milligramm Koffein) oder Wasser getrunken haben. 

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Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

  • Die Behandlung der Mäuse-Stammzellen ergab, dass Koffein die Aktivität des Proteins UPC1 erhöht und nachweislich die Verstoffwechselung (Abbau) der Zellen verstärkt.
  • Bei den Probanden erhöhte Kaffee die Temperatur der Brust- und Halsregion signifikant im Vergleich zur Referenzkörperoberfläche. 
  • Die brauen Fettzellen reagierten aktiv auf Koffein.
  • Die Studie hat damit erstmals die stimulierende Wirkung von Koffein auf das Protein UPC1 im Menschen nachgewiesen. Die daraus resultierende erhöhte Aktivität des braunen Fettgewebes hat das Potenzial, als Strategie zur Gewichtsabnahme beizutragen.

Wer hat die Studie finanziert und durchgeführt?

  • Diese Studie wurde durch das EU-CASCADE-Stipendienprogramm und die Cardiometabolic Disease Research Foundation (Los Angeles, USA) finanziert und durch den Forschungsrat für Biotechnologie und Biowissenschaften unterstützt.

Wo ist die Original-Studie zu finden?


BEGRIFFE: Was ist/sind eigentlich...?


Wie bewertet EAT SMARTER diese Studie?

  • Kaffee trinken und abnehmen: Ganz so einfach ist es nicht. Zumal Kaffee auch noch andere Wirkungen als die Steigerung der Stoffwechsel-Aktivität im braunen Fett hat. Dass Kaffee das Protein UCP1 aktiviert, hat diese Studie erstmals am Menschen nachgewiesen. Das eigens dafür entwickelte Wärmebild-Verfahren ist bahnbrechend. Nicht-invasiv, also ohne Biopsie oder Blutentnahme, konnte so die Wirkung des Kaffees eindrucksvoll gezeigt werden.
  • Hoffnung für übergewichtige Menschen: Die Studie hat nicht untersucht, ob Kaffee beim Abnehmen hilft. Auch hat sie die thermogenetische Wirkung nur für normalgewichtige Menschen nachgewiesen. Zukünftige Forschung muss diesen Ansatz bei Adipositas oder Diabetes Typ 2 gezielt untersuchen. Dafür hat die Studie aus Großbritannien den wissenschaftlichen Weg geebnet.

EAT SMARTER-Relevanz-Score
70
Prozent
Der Relevanz-Score geht von 0 bis 100 Prozent und zeigt, wie bedeutend die Studie im Vergleich zu anderen Studien ist. 0 Prozent heißt "unwichtig", 100 Prozent "sehr wichtig".

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