Wissenschaftlich geprüft
Oktober 2019, Universität Rom

Gesunder Darm dank dieser Ernährung

Von Cornelia Brammen
Aktualisiert am 04. Nov. 2020
Darmflora und Diäten

Eine groß angelegte Studie hat die Ergebnisse bisheriger Forschung daraufhin untersucht, wie die Darmflora auf gängige Diäten reagiert. Die mediterrane Küche bzw. Ernährung scheint dem Darm vergleichsweise gut zu tun.

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Worum ging es bei dieser Studie?

  • Ziel der Studie war es, zu erklären, wie sich die Zusammensetzung unserer Ernährung auf den Darm auswirkt. Konkret: Wie sie das Mikrobiom und damit die Eigenschaft der Darmschleimhaut beeinflusst, Nährstoffe aufzunehmen und schädliche, zum Beispiel entzündungsauslösende Mikroorganismen, abzuwehren.
  • Unser Darm ist ein faszinierendes Kraftwerk, in dem, so aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, Krankheiten abgewehrt werden oder aber entstehen. Grob gesagt sind Entzündungsprozesse die Ursache für viele Krankheiten, sei es Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz oder Adipositas. Ursache ist eine ungünstige Zusammensetzung der Darmbakterien.
  • Die Studie vergleicht folgende Diäten bzw. Ernährungsformen und ihre Wirkung auf die Zusammensetzung der Darmbakterien: vegan/vegetarisch, glutenfrei, ketogen, LowFODMAP, western, mediterran und glukosereich.

Wie lautet die zentrale Forschungsfrage?

  • Welche der folgenden Ernährungsformen wirkt sich am positivsten auf die Darmflora aus: vegan/vegetarisch, glutenfrei, ketogen, LowFODMAP, western, mediterran und glukosereich?

Welche Database wurde untersucht?

  • Die vorliegende systematische Übersichtsarbeit/Review basiert auf den Daten von 172 Primärstudien, die den Einfluss der Ernährung auf die Darmschleimhaut, welche die Lamina Propria, eine Muskelschicht unter der Darmschleimhaut, sowie auf gesundheitsfördernde Darmbakterien untersucht haben.

Welche Methode wurde angewandt?

  • Die Arbeit ist interdisziplinär. Es haben Gastroenterologen, Endokrinologen, Pathologen, Ernährungswissenschaftler sowie Internisten mitgewirkt.
  • Das Team hat die Ergebnisse aus 172 Primärstudien zum Themenkreis Ernährung, Darmflora und Immunsystem vor dem Hintergrund der Forschungsfrage verglichen und ausgewertet.
  • Die Arbeit leitet aus dem wissenschaftlichen Material, das sie herangezogen hat, Antworten auf die offen formulierte Forschungsfrage ab.  

Darmfreundliche Rezepte

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

  • Die Zusammensetzung unserer Ernährung hat maßgeblichen Einfluss auf die Zusammensetzung unserer Darmflora, in der sich entscheidet, ob wir gesund oder krank, dick oder dünn sind.
  • Eine Ernährung mit einem hohen Anteil an tierischen Eiweißen, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz fördern Entzündungsprozesse im Darm und schwächt mittelbar das Immunsystem.
  • Omega-3-Fettsäuren, Polyphenole und Mikronährstoffe fördern die Produktion von guten Darmbakterien und damit die Stärkung des Immunsystems.
  • Am besten wirkt sich eine mediterrane Ernährungsform mit viel Obst, Gemüse, Olivenöl, Nüssen, Hülsenfrüchten und Vollkorn, also mit vielen Polyphenolen, Ballaststoffen und niedrigem glykämischen Index auf die Darmflora und das Immunsystem aus.   
  • Auch wenn low-FODMAP und kurzfristig bei speziellen Krankheitsbildern wie Reizdarmsyndrom, Linderung bewirken, sind die langfristigen Folgen einer einseitigen Ernährung noch nicht bekannt.
  • Eine individuelle Analyse der Darmflora könnte in Zukunft eine perfekt zusammengestellte Ernährung mit maximal positivem Effekt auf das Immunsystem und damit auf Resistenzen gegen Krankheiten ermöglichen.

Wer hat die Studie finanziert und durchgeführt?

  • Die Studie wurde aus Eigenmitteln der beteiligten Forschungsinstitute und Universitäten durchgeführt.

Wo ist die Original-Studie zu finden?


BEGRIFFE: Was ist/sind eigentlich...?


Wie bewertet EAT SMARTER diese Studie

  • Sensationelle Grafik für ein komplexes Thema:  Die Zusammenfassung der Daten in einer wissenschaftlich fundierten Infografik ist hervorragend und zeigt auch Laien auf einen Blick die Vor- und Nachteile der untersuchten Ernährungsformen. Aufgrund der Komplexität des Forschungsgegenstandes und der zahlreichen Aspekte des Themas tauchen in der Grafik sehr viele komplizierte Fachbegriffe auf. Das schmälert jedoch nicht den Verdienst der Studie, die Masse an wissenschaftlicher Forschung auf eine so anschauliche Grafik reduziert zu haben, ohne an Komplexität zu verlieren.
  • Klare Empfehlung für jeden von uns: Die Empfehlung für eine mediterrane Ernährung ist sehr klar. Alle Spezialdiäten wie keto, glutenfrei oder zuckerreich sind laut der Studie schädlich. Die Warnung vor einer westlichen Ernährung mit viel Fleisch, Zucker, Fett, Salz und leeren Kohlenhydraten ist eindeutig.
  • Zweifelhafte Einordnung vegetarisch-vegan: So klar sich die Arbeit für die mediterrane Diät ausspricht, so diffus ist sie in ihrer Bewertung von vegetarisch-vegan. Aufgrund des hohen Pflanzenanteils eigentlich günstig für die Darmflora, seien die Forschungsergebnisse jedoch zum Teil widersprüchlich. Hier erwähnt das Team die unterschiedliche Zusammensetzung der Stichproben – ein Punkt, der bei der Bewertung der mediterranen Diät, die dem Darm gut tun soll, gar nicht auftaucht.  

EAT SMARTER-Relevanz-Score
80
Prozent
Der Relevanz-Score geht von 0 bis 100 Prozent und zeigt, wie bedeutend die Studie im Vergleich zu anderen Studien ist. 0 Prozent heißt "unwichtig", 100 Prozent "sehr wichtig".

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