August 2019, Arizona State University (USA)

Wie der Wohnort das Gewicht beeinflusst

Von Kira Tessel
Aktualisiert am 24. Mär. 2021

Wer kennt es nicht: Auf dem Arbeitsweg gibt es oft viele Gelegenheiten, an Nahrung zu kommen. Vor allem Fast Food ist besonders beliebt, da es schnell verfügbar, günstig und für viele schmackhaft ist. Forschungsergebnisse zeigen nun einen Zusammenhang zwischen dem Body-Mass-Index (BMI) und der Nahrungsverfügbarkeit in der Umgebung.

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Worum ging es bei dieser Studie?

  • Frühere Untersuchungen haben bereits Zusammenhänge zwischen dem Nahrungsangebot durch Lebensmittelläden in Wohnvierteln und dem Gesundheitszustand der Anwohner, inklusive Body-Mass-Index (BMI), aufgezeigt.
  • Dabei wurde jedoch selten auch das Nahrungsangebot in der Nähe der Arbeitsplätze und des Arbeitswegs bei Pendlern untersucht.
  • Daran knüpft die aktuelle Studie an und befasst sich mit dem Nahrungsmittelangebot in der Umgebung und dem Einfluss auf den BMI. Können Wohnort und der Weg zur Arbeit eine Gewichtszunahme tatsächlich fördern?

Wie lautet die zentrale Forschungsfrage?

  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem BMI und dem Ernährungsumfeld in Wohn-, Arbeitervierteln und auf dem Weg von Pendlern?

Wie viele Probanden nahmen teil?

  • Es wurden 710 Grundschulangestellte aus New Orleans, Louisiana von insgesamt 22 Schulen untersucht, wobei die Stichprobe nur Frauen umfasste.

Welche Methode wurde angewandt?

  • Es handelt sich um eine sekundäre Querschnittsanalyse von Daten aus einem vorherigen Interventionsprogramm (einer randomisierten Gruppenstudie).
  • Die Autorin stützte sich auf vorhandene Datenbanken und betrachtete die Supermärkte, Lebensmittelgeschäfte, Restaurants sowie die Fast-Food-Restaurants innerhalb eines Kilometers von Wohn- und Arbeitsplätzen der Mitarbeiter.
  • Auch die tägliche Aktivität, Alter, Ethnie, Beruf und mittleres Haushaltseinkommen der Teilnehmer wurden bei der Analyse berücksichtigt.

Gesunde Rezepte für unterwegs

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

  • Es scheint, dass eine größere Anzahl von Fast-Food-Restaurants in der Nähe der Pendelstrecke mit einem höheren BMI verbunden ist. 
  • Ein höherer BMI wurde auch mit einer größeren Anzahl von Supermärkten, Lebensmittelgeschäften und Fast-Food-Restaurants in der Nähe von Wohngebäuden in Verbindung gebracht. 
  • Die Analyse zeigte keine direkte Verbindung zwischen dem BMI und den Lebensmittelläden in der Nähe vom Arbeitsplatz. 
  • Die Verfügbarkeit von “Full-Service-Restaurants” (keine Schnellrestaurants) in der Nähe von Wohngebäuden wurde hingegen eher mit einem niedrigen BMI in Verbindung gebracht.
  • Zukünftige Forschungen könnten die Pendlerwege und Verzehrsgewohnheiten noch genauer untersuchen, sowie den Gesundheitszustand jenseits des BMI.

Wer hat die Studie finanziert und durchgeführt?

  • Die Studie wurde geleitet von Adriana Dornelles der Arizona State University (USA). Die Autorin gibt an, für diese Arbeit keine spezielle Finanzierung erhalten zu haben. 

Wo ist die Original-Studie zu finden?


BEGRIFFE: Was ist/sind eigentlich...?


Wie bewertet EAT SMARTER diese Studie?

  • Kein eindeutiger Zusammenhang: Das Essensumfeld in der Schule/Cafeteria wurde nicht bewertet. Die Studienautoren merken dabei selbst an, dass dies unter anderem darauf zurückgeführt werden kann, dass das Schulpersonal nur begrenzte Mittagszeiten hat, wodurch der Zugang zu externen Nahrungsangeboten eingeschränkt wird.
  • Weitere Untersuchungen nötig: Die Untersuchung liefert sehr interessante Ergebnisse, wodurch sich auch gesundheitsförderliche Maßnahmen ableiten lassen. Weitere Forschungen sollten auch individuelle Faktoren bewerten und andere Berufsgruppen sowie männliche Teilnehmer analysieren.
  • Gewichtszunahme durch Nahrungsangebote: Studienergebnisse zeigen immer nur eine Stichprobe auf und sind nicht auf jeden einzelnen übertragbar. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass die meisten durch die Nahrungsangebote in der Umgebung beeinflusst werden und langfristig an Gewicht zunehmen können. Alleine das Bewusstsein darüber kann hilfreich sein.
  • Langfristige Maßnahmen erwünscht: Beispielsweise kann Meal-Prep, das Vorbereiten und Mitnehmen von Essen, individuelle Lösungen bieten, um nicht permanent auf das Essensangebot unterwegs angewiesen zu sein. Auch, wenn sich die Studienautoren beispielsweise durch die Politik langfristige Maßnahmen wünschen, die die Zugänglichkeit des Essens einschränken oder die Preise für Fast Food erhöhen, scheinen diese eher unrealistisch in der Umsetzung – wodurch die Verantwortung dann doch bei jedem Einzelnen liegt.
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