Wissenschaftlich geprüft
Oktober 2019, Duke University, USA

Das verrät das Gehtempo über Ihr Alter

Von Kira Tessel
Aktualisiert am 29. Mai. 2020
© Unsplash/kowalikus
© Unsplash/kowalikus

Eine aktuelle Studie sieht einen Zusammenhang zwischen unserem biologischen Alter und dem individuellen Gehtempo. Demnach scheinen 45-Jährige mit eher gemütlichem Gang körperlich und geistig einige Jahre schneller gealtert zu sein, als ihre Altersgenossen mit einem schnellen Schritt. Deutet ein langsamer Gang also auf eine beschleunigte Alterung hin?

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Worum ging es bei dieser Studie?

  • Die Studie wollte untersuchen, ob die Gehgeschwindigkeit Aufschluss über die körperliche und geistige Fitness geben kann.
  • Das Interessante an der Untersuchung ist die Auswahl der Probanden, da bisherige Studien diese Zusammenhänge nur bei deutlich älteren Menschen feststellen konnten. In dieser Studie wurden Menschen ab ihrem dritten Lebensjahr bis ins mittlere Alter untersucht und schon hier konnten Rückschlüsse auf den Alterungsprozess gezogen werden.

Wie lautet die zentrale Forschungsfrage?

  • Besteht ein Zusammenhang zwischen der Gehgeschwindigkeit und dem körperlichen sowie geistigen Alterungsprozess? 

Wie viele Probanden nahmen teil?

  • Insgesamt nahmen 904 Neuseeländer der Jahrgänge 1972 und 1973 an der Studie teil. Die ursprüngliche Gruppe bestand aus 1037 Teilnehmern, jedoch verstarben über die Jahre enige oder wurden aus anderen Gründen von der Untersuchung ausgeschlossen. 

Welche Methode wurde angewandt?

  • Es handelt sich um eine Längsschnitt-Kohortenstudie: Bereits im Alter von drei Jahren wurden die Probanden das erste Mal untersucht. Schon damals wurden Intelligenz, motorische Fähigkeiten und soziales Verhalten anhand standardisierter Tests untersucht. In regelmäßigen Abständen wurden die Teilnehmer weiterhin untersucht. In der aktuellen Analyse wurden unter anderem Gehirnscans und Ganganalysen durchgeführt. 
  • Ein Test zum Gang fand auf dem Laufband statt: Zunächst sollten die Teilnehmer normal gehen, dann eine Denkaufgabe lösen und anschließend ihr maximales Gehtempo demonstrieren, ohne dabei zu rennen.
  • Darüber hinaus können bestimmte Biomarker Hinweise auf das biologische Alter unseres Körpers liefern. Es wurden unter anderem verschiedene Messwerte wie Blutdruck, Cholesterinspiegel, Atemvolumen und Aussehen von den Forschern beurteilt, um das Alter der Teilnehmer zu ermitteln.

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Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

  • Langsames Gehen war mit einer schlechteren körperlichen Fitness im mittleren Alter verbunden.
  • Einige Probanden unterschieden sich mehrere Jahre von anderen in Sachen Fitness. Am jüngsten geblieben waren diejenigen, die ein besonders schnelles Gehtempo aufwiesen.
  • Langsames Gehen wurde außerdem mit beschleunigtem Altern verbunden, was anhand des Organsystems, der Gehirnstruktur und -leistung sowie der Gesichtsalterung festgestellt wurde.
  • Die Studie bestätigte auch vorherige Ergebnisse hinsichtlich der Annahme, dass viel Bewegung die geistige Fitness fördern kann. Im Schnitt wiesen die schnellsten Geher einen höheren IQ als langsame Geher auf.
  • Die Autoren vermuten, dass die Ganggeschwindigkeit im mittleren Alter eine zusammenfassende Kennzahl für lebenslanges Altern sein kann und möglicherweise auf Defizite des Zentralnervensystems im Kindesalter zurückgeführt werden könnte.

Wer hat die Studie finanziert und durchgeführt?

  • Line Jee Hartmann Rasmussen von der Duke University führte die Studie mit einem Forscherteam durch. 
  • Zuschüsse erhielt das Team unter anderem durch das National Instutite on Aging, UK Medical Research Council, National Institute of Health sowie dem neuseeländischen Ministerium für Wirtschaft. 

Wo ist die Original-Studie zu finden? 


Begriffe: Was ist/sind...? 


Wie bewertet EAT SMARTER diese Studie?

  • Weitere Untersuchungen sind nötig: Die Studie liefert interessante Ergebnisse und eröffnet möglicherweise einen neuen Blickwinkel in Sachen Gesundheitsprävention. Doch nicht immer sagt das Alter etwas über die körperliche und geistige Verfassung eines Menschen aus. Je nach Lebensstil, Genetik und Krankheitsgeschichte kann unser biologisches Alter mehrere Jahre von unserem chronologischen Alter abweichen.
  • Moralischer Konflikt der Wissenschaft: Vorsicht ist unter anderem aus ethischen Gründen geboten, da Kinder nicht pauschal auf ihre Performance im dritten Lebensjahr reduziert werden sollten. Eine Annahme, dass schlechtere Ergebnisse bei kognitiven Tests im Kindesalter eine lebenslange Beeinträchtigung bedeuten, ist also kritisch zu hinterfragen. Insgesamt scheint es jedoch berechtigt, das Gehtempo als einen Indikator für das biologische Alter zu betrachten. 
  • Neue Präventionsmöglichkeiten: Die Studienautoren sehen in den Ergebnissen die Chance, mögliche gesundheitliche Vorhersagen schon im Kindesalter treffen zu können und so frühzeitig entsprechende Präventionsmaßnahmen einzuleiten.
  • Fehlende Tests: Eine von den Autoren selbst genannte Einschränkung der Studienergebnisse ist, dass keine Ganganalysen und Gehirnbilddaten im Kindesalter und vor dem 45. Lebensjahr durchgeführt wurden. Diese Tests hätte noch weitere wertvolle Daten liefern können. Es sollte auch ein Augenmerk darauf gelegt werden, welche Faktoren eine schlechtere Performance von Kindern beeinflussen und wie diese verbessert werden können.

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