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Dr. Ingo Froböse

Paleo-Ernährung für den Alltag

Von Prof. Dr. Ingo Froböse
Aktualisiert am 06. Sep. 2018
Paleo-Ernährung

Obst, Gemüse, Fleisch: Die Paleo-Ernährung orientiert sich am Leben unserer Vorfahren und setzt auf unverarbeitete, saisonale Lebensmittel. Wie man Paleo-Elemente in den Alltag einbauen kann, erklärt Fitness-Doc Ingo Froböse.

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Sicherlich erinnern Sie sich noch an den Hype um die Paleo-Ernährung, liebe EAT SMARTER-Leser. Vor drei Jahren wollte sich auf einmal jeder ernähren wie unsere Vorfahren in der Steinzeit. Milchprodukte, Getreide, Zucker und verarbeitete Lebensmittel wurden vom Speiseplan gestrichen, dafür vermehrt Gemüse und Fleisch verzehrt.

Die große Trendwelle ist mittlerweile abgeebbt, doch Paleo hat sich als Ernährungsform etabliert. Auch die Industrie hat den Steinzeit-Trend adaptiert und bietet Paleo-Müsli, Paleo-Backmischungen und Paleo-Shakes an. Welche Paleo-Aspekte Sie sinnvoll in Ihre Ernährung übernehmen können, darum soll es heute in meinem Blog gehen.

Paleo-Ernährung: Was haben unsere Vorfahren gegessen?

Mit der Steinzeit wird eine Ära vor 2,5 Millionen Jahren bezeichnet. In diese Zeit fielen mehrere bahnbrechende Entwicklungen unserer Spezies, die uns noch heute prägen. Zum einen wurde das Feuer entdeckt, wodurch eine Vielzahl von Lebensmitteln auf einmal viel leichter bekömmlich wurden. In dieser Ära lernten die Menschen auch, Werkzeug zu benutzen.

Was die Menschen in der Steinzeit gegessen haben, lässt sich jedoch nicht so einfach zusammenfassen, wie sich das viele Paleo-Verfechter wünschen. Denn damals waren die Menschen in einem viel höheren Maße von den klimatischen Bedingungen abhängig als heute. Die Nahrung im hohen Norden bestand hauptsächlich aus Fisch, Fleisch, Beeren und Samen, während die Bewohner von Urwäldern und Wüsten mehr Früchte und andere Pflanzen verzehrten.

Die „eine“ Steinzeit-Ernährung gibt es also nicht. Dennoch lassen mit den Erkenntnissen der Forschung einige zentrale Paleo-Lebensmittel ausmachen, die wir in unsere heutige Lebensweise übernehmen können. Fest steht außerdem: Die Ernährung unserer Vorfahren war vielfältig und reich an Nährstoffen und Ballaststoffen.

Im Vergleich zu anderen Ernährungsarten ist die Studienlage zur Paleo-Ernährung noch recht überschaubar. Dennoch gibt es einige spannende Erkenntnisse aus der Forschung. Unter anderem verglich eine Forschergruppe die Wirkung der Paleo- und der mediterrane Diät auf eine Gruppe von 2.000 Probanden. Bei den Studienteilnehmern, die sich von Paleo-konformen Lebensmitteln ernährten, sank unter anderem die Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung an Darmkrebs. In einer weiteren Studie wurde nachgewiesen, dass eine Paleo-Ernährung bei Frauen in der Menopause die Bildung von Fettgewebe im Körper hemmt und die Insulinsensibilität verbessert.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass eine Paleo-Ernährung gute therapeutische Erfolge bei entzündlichen Darmerkrankungen hat.

Paleo-Ernährung: Was ist sinnvoll?

300 bis 600 Gramm Fleisch sowie ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung – bei der Paleo-Diät wird dieser Wert deutlich überschritten. Der hohe Fleischkonsum ist aus gesundheitlicher, aber auch aus ökologischer Sicht sehr kritisch zu betrachten. Denn die intensive Tierhaltung belastet das Klima und das Grundwasser.

Auch den Verzicht auf Kohlenhydrate sehe ich kritisch. Zum einen, weil der Makronährstoff in unserem Organismus eine große Rolle einnimmt. Zum anderen, weil ich nichts davon halte, einzelne Lebensmittel zu verteufeln. Getreide macht isoliert betrachtet ebenso wenig dick, wie ein Apfel gesund hält! Es kommt weniger auf die Menge als auf die Qualität der Kohlenhydrate an. Vollkornprodukte sollten den Großteil unserer Energiezufuhr ausmachen.

Auch gegen Milchprodukte gibt es nur dann etwas einzuwenden, wenn sie in großen Mengen verzehrt werden oder eine Unverträglichkeit vorliegt.

Ich möchte Ihnen daher empfehlen, einige Ansätze der Paleo-Ernährung zu übernehmen, aber nicht alle. Setzen Sie auf vielfältige Lebensmittel, verzichten Sie so oft wie möglich auf verarbeitete Speisen. Frische, unverarbeitete Lebensmittel sollten den Löwenanteil Ihrer Nahrung ausmachen. Den kompletten Verzicht auf eine oder mehrere Lebensmittelgruppen empfehle ich jedoch nicht. Und, bei allen guten Ansätzen: Ab und an können und sollen Sie sich auf jeden Fall auch ein Stück Kuchen oder eine Kugel Eis gönnen!

Wie viel Steinzeitmensch steckt noch in uns?

Egal, ob auf der Jagd, beim Sammeln von Beeren und Früchten oder bei der Suche nach geeigneten Lagerstätten ­– Bewegung war wesentlicher Alltagsbestandteil der Steinzeitmenschen. Um Nahrung zu beschaffen, müssen wir heutzutage höchstens einen Supermarkt besuchen, oder wir lassen uns das Essen gleich nach Hause liefern. Die nötige Bewegung bleibt leider viel zu häufig auf der Strecke. Mit Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Bluthochdruck oder Rückenleiden zeigt uns der Körper eindeutig, wie viel Lauf- und Bewegungstier noch immer in ihm steckt.

Wer gesund leben möchte, sollte die bewegungsreiche Lebensform unserer Urväter und -mütter unbedingt wieder verinnerlichen. Schon kleine Umstellungen können einen Unterschied machen – indem Sie die Treppe nehmen statt den Aufzug, das Rad statt des Autos, oder indem Sie einfach jeden Tag einen ausgedehnten Spaziergang machen. Der Steinzeitmensch in Ihnen wird das Bewegungs-Plus dankbar registrieren.

Bleiben Sie aktiv!

Ihr Ingo Froböse

 

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