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Wissenschaftlich geprüft

Die gesündesten Länderküchen der Welt

Von Wenke Gürtler
Aktualisiert am 24. Aug. 2021
© pexels/Lovefood Art
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Wo leben eigentlich die gesündesten Menschen der Welt? Um das zu bestimmen, hat der Bloomberg Health Index 169 Länder bewertet. Gute Ernährung spielt dabei eine wichtige Rolle. Was wir Deutschen von den Länderküchen Spaniens, Schwedens und Israels lernen können, lesen Sie hier.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Der Bloomberg Health Index als Maßstab
  2. Mit Gazpacho auf das Siegertreppchen: Spanien
    1. Entzündungshemmende Fette
    2. Spanisches Gazpacho 
  3. Das Land der Elche auf Platz 6: Schweden
    1. Ballaststoffreiches Brot
    2. Fisch & Wildfleisch
    3. Natürliche Konservierung
  4. Der kulinarische Schmelztiegel auf Platz 10: Israel
    1. Vielfältige Aromaküche
    2. Die Stars: Kichererbsen, Shakshuka & Falafel
    3. Gesunde Fettsäuren 
  5. Wissen zum Mitnehmen

Fast die Hälfte der Menschen in Deutschland legt Wert auf gesunde Ernährung (1). Dennoch zählen hierzulande Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den häufigsten Todesursachen, der Anteil an Betroffenen mit Diabetes mellitus Typ 2, Übergewicht und Adipositas nimmt stetig zu. Die Ursachen sind komplex, aber ohne Zweifel trägt die Ernährung ihren Teil dazu bei. Aber was machen die Deutschen hinter ihrem Herd falsch? Es ist an der Zeit zu gucken, wie es andere Länder besser machen – und von der gesündesten Küche der Welt zu lernen.

Der Bloomberg Health Index als Maßstab

Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg gibt regelmäßig den Bloomberg Health Index heraus. Für dieses Gesundheits-Ranking werden 169 Länder nach bestimmten Faktoren bewertet, darunter Lebenserwartung, Todesursachen, Unterernährung, Verfügbarkeit von sauberem Wasser und Alkoholkonsum. Aber auch Strafpunkte für Risiken wie Tabakkonsum und Übergewicht werden verhängt. 

Das Siegertreppchen nimmt 2019 Spanien ein, gefolgt von Italien, Island, Japan, Schweiz, Schweden, Australien, Singapur, Norwegen und Israel. Amerikaner und Briten lieben bekanntermaßen Fast Food und Softdrinks. Das wirkt sich auf die Platzierung aus: Die USA erreicht Position 35, Großbritannien landet auf Rang 19. Und wie ist es um uns bestellt? Deutschland lag 2017 noch auf Platz 16, zwei Jahre später sind wir auf Rang 23 gerutscht. Es besteht also Nachholbedarf!

Aber warum leben Spanier gesünder als alle anderen Menschen der Welt? Sicherlich haben nicht nur Umweltfaktoren und ärztliche Versorgung zum Sieg verholfen. Auch Ernährungsgewohnheiten spielen eine Rolle, um topfit zu bleiben. Aber was essen die Spanier tatsächlich? Wir schauen uns den Sieger an und gucken auch den Schweden und Israelis in den Topf.

Merke!
Der Bloomberg Health Index rankt 169 Länder nach Gesundheitsvariablen und -risiken. 2019 belegen fünf europäische Länder Plätze unter den Top Ten. Hierzulande ist noch Luft nach oben: Deutschland schaffte es nur auf Platz 23.

Mit Gazpacho auf das Siegertreppchen: Spanien

Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 83,5 Jahren führt Spanien im europäischen Vergleich. Hingegen werden die Deutschen im Durchschnitt 81 Jahre alt. Das Geheimnis der Spanier: die Mittelmeerdiät. Der Schwerpunkt liegt dabei auf fangfrischen Fisch, wenig rotem Fleisch, aromatischen Kräutern – und reichlich Obst sowie Gemüse aus der Region. Hier hinken die Deutschen hinterher. Nur die Hälfte greift hierzulande täglich zu Gemüse. In Spanien gehören Obst und Gemüse viel selbstverständlicher auf den Speiseplan.

Entzündungshemmende Fette

Bei uns ist außerdem Sonnenblumenöl beliebt, allerdings bietet es eine unausgewogene Fettsäurenbalance. Das Ungleichgewicht zwischen Omega-3- und Omega-6-Fetten kann einen Anstieg entzündungsauslösender Stoffe im Körper bewirken. Die Spanier machen es besser und setzen auf Olivenöl

Seine ungesättigten Fettsäuren schützen bekanntermaßen nicht nur Herz und Gefäße. Ebenso kann das flüssige Gold das Brustkrebsrisiko senken (2). Dieser Effekt wird den enthaltenen Polyphenolen zugeschrieben, die zudem Entzündungen ausbremsen. Diese Powerstoffe können Sie sogar schmecken. Oleuropein ist bitter, während Oleocanthal für das typische Kratzen im Hals sorgt.

Spanisches Gazpacho 

Olivenöl darf in der landestypischen Spezialität Gazpacho nicht fehlen. Die kalte Suppe war ursprünglich ein Essen der Landarbeiter im heißen Andalusien. Noch heute ist sie in den heißen Monaten sehr beliebt und lässt sich kinderleicht herstellen: Sie brauchen nur frische Tomaten, Gurken, Paprikaschoten, Zwiebel und Knoblauch zusammenzumixen, mit einem Schuss Olivenöl und einer Prise Salz veredeln – und fertig ist Spaniens Rezept für die gesündeste Küche der Welt.

Übrigens ist es nicht verwunderlich, dass Italien es auf Rang 2 gebracht hat. Auch hier wird die mediterrane Kost gelebt: Viel Gemüse und Olivenöl, dazu wenig Fleisch, Fisch, Käse und zwei, drei Espressi am Tag sowie gelegentlich ein Glas Rotwein.

Merke!
Die Spanier leben gesünder als alle anderen Menschen der Welt und haben eine hohe Lebenserwartung. Eine Hauptrolle spielt dabei die berühmte Mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Obst, dazu Fisch und Olivenöl.

Das Land der Elche auf Platz 6: Schweden

Nach dem Bloomberg Health Index ist Schweden das skandinavische Land mit der besten Gesundheit. Bereits am Frühstückstisch lässt sich das erahnen. So ist der traditionelle Havregrynsgröt am Morgen sehr beliebt. Ein gekochter Haferbrei mit Beeren. Auch darf ein Schluck der traditionellen Filmjölk nicht fehlen. Die mild-säuerliche Dickmilch ist reich an Milchsäurebakterien, die der Darmflora guttun. Oft gibt es noch ein gekochtes Ei oder Knäckebrot, ähnlich belegt wie in Deutschland. 

Ballaststoffreiches Brot

Aber das knusprige Brot besteht aus Vollkorngetreide (vor allem Roggen) und hat somit wesentlich mehr Ballaststoffe als unser übliches Weizenbrötchen oder Toastbrot. Damit tun wir uns schwer, den Richtwert von 30 Gramm Ballaststoffen pro Tag zu erreichen. Tatsächlich liegt der Durchschnittsverzehr in Deutschland bei unter 23 Gramm, viele erreichen nicht mal das.

Fisch & Wildfleisch

Meer und Seen gibt es in Schweden im Überfluss. Nicht verwunderlich, dass auch hier regelmäßig Fisch aufgetischt wird. Beliebt sind Hering, Lachs, Dorsch und Schellfisch. Das könnte mit ein Grund sein, dass in Schweden weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorkommen, denn Seefisch stellt eine gute Quelle für schützende Omega-3-Fettsäuren dar. 

Darüber hinaus sind auch Rentier oder Elch auf den Speisekarten zu finden. Die Vorteile von Wildfleisch liegen auf der Hand: Die Tiere leben artgerecht in freier Wildbahn, und durch das natürliche Grünfutter weist das Fleisch ein besseres Fettsäuremuster auf als solches aus der Intensivmast. Weniger entzündungsfördernde Arachidonsäure, dafür mehr Omega-3-Fettsäuren.

Natürliche Konservierung

Auch ist die Esskultur schon immer von langen Wintern und kurzen Sommern geprägt. Ob Äpfel, Beeren, Fleisch, Fisch, Gemüse und Pilze – fast alles wird eingelegt, getrocknet, gedörrt, geräuchert oder gebeizt, um im Winter den Bedarf decken zu können. Durch die natürliche Konservierung schmecken die Lebensmittel intensiver und sind zudem gesünder als mit Zusatzstoffen behandelte. Das skurrilste Beispiel ist wohl Surströmming. Der in Salzlake fermentierte Hering gilt in Schweden nicht nur als Delikatesse, sondern ist auch Kulturgut. Allerdings ist der Geruch durchaus gewöhnungsbedürftig: ranzig, faulig, stinkend.

Merke!
Der typisch schwedische Haferbrei oder das Knäckebrot liefern schon zum Frühstück viele Ballaststoffe. Der beliebte Fisch punktet mit Omega-3-Fettsäuren, die vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen können. Wild ist eine smarte Alternative zu herkömmlichem Zuchtfleisch. 

Der kulinarische Schmelztiegel auf Platz 10: Israel

Israelisches Essen ist so beliebt wie noch nie und erlebt als Bestandteil der Levante-Küche einen wahren Boom. Ein Grund mehr, den Zehntplatzierten näher unter die Lupe zu nehmen. 

Vielfältige Aromaküche

Die Küche Israels ist durch verschiedene Einflüsse und Traditionen geprägt. Das verdankt sie der Geschichte des Landes: Über 80 zugewanderte Nationalitäten sorgen für einen regen kulinarischen Austausch. Die eine Küche gibt es also nicht. Eine weitere Besonderheit ist die Aromafülle. Typische Gewürze sind Anis, Bahart, Kardamom, Kreuzkümmel, Paprika in allen Schärfegraden, Sumach, Zaatar und Zimt. Frische Kräuter wie Petersilie oder auch Knoblauch sind ebenso unverzichtbar.

Davon können wir uns ruhig eine Scheibe abschneiden. Immerhin verleihen die Gewürze den Gerichten nicht nur Pep; sondern halten auch für unser Wohlbefinden einiges bereit. So hilft Kardamom einem gestressten Magen, Anis kann Verdauungsbeschwerden wie Blähungen sowie Völlegefühl lindern und Kreuzkümmel macht Hülsenfrüchte bekömmlicher. Und diese essen Israelis in allen Formen und Farben.

Die Stars: Kichererbsen, Shakshuka & Falafel

Ganz vorne dabei sind Kichererbsen. Sie bilden die Grundlage vieler israelischer Gerichte wie Falafel und cremiger Hummus. Hülsenfrüchte enthalten viel Eiweiß und sind reich an Ballaststoffen. Letzteres sättigt gut, hält den Blutzuckerspiegel niedrig, dient als Futter für unsere Darmbakterien und kann vor Darmerkrankungen schützen. Ebenfalls ist Tahini allgegenwärtig. Die samtige Paste aus fein gemahlenen Sesamkörnern ist eine Grundzutat, um Hummus selber zu machen und verschiedene andere Dips und Saucen. Was viele vielleicht nicht wissen: Sesam ist eine ausgezeichnete Quelle für Calcium. 

Das israelische Nationalgericht schlechthin ist Shakshuka. Die deftige Pfannenspeise aus Tomaten, Paprika, Zwiebeln, Knoblauch, Olivenöl und Eiern wird bereits zum Frühstück serviert, ist aber auch zu anderen Tageszeiten sehr beliebt. Hier wird deutlich, dass Gemüse in der Levante-Küche eine Hauptrolle spielt.

Gesunde Fettsäuren 

In den Regionen rund um das Mittelmeer ist Fisch besonders beliebt; Fleisch und Geflügel stehen ebenfalls auf dem Speiseplan der Israelis. Jedoch verbietet sowohl den Juden als auch den Moslems ihr Glaube, Schweinefleisch zu essen, das im Übermaß Entzündungen fördert. Auch die meisten verarbeiteten Wurstprodukte, die bei den Deutschen beliebt sind, fallen dadurch weg.

Merke!
Hummus, Falafel oder Shakshuka: Israelisches Essen ist so beliebt wie nie und dabei äußerst smart. Kräuter, Gewürze, Gemüse und Hülsenfrüchte machen es möglich.

Wissen zum Mitnehmen

Der Bloomberg Health Index bewertet Länder nach gesundheitsrelevanten Kriterien und Risiken. Unter den Spitzenplätzen finden sich Spanien und Italien. Hier hat die Mittelmeerdiät ihre Heimat, die mit als gesündeste Küche der Welt gilt: Viel Gemüse, dazu wenig Fleisch, Fisch und Olivenöl gelten als kulinarische Garanten für ein langes Leben.

Das skandinavische Land mit Bestnoten ist Schweden. Während bei uns Weizenbrötchen oder Toastbrot aufgetischt werden, lieben die Schweden Haferbrei und Knäckebrot, die schon zum Frühstück Ballaststoffe liefern. Ebenso ist Fisch allgegenwärtig. Der höhere Verzehr von den Meeresbewohnern könnte mit ein Grund sein, dass auch dort weniger Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu zählen sind.

In jüngster Zeit hat israelisches Essen einen wahren Boom erfahren. Als Land der Einwanderer sind die Speisen abwechslungsreich und von Kräutern, Gewürzen, Gemüse und Hülsenfrüchten geprägt. 


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