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Nägelkauen, Haare zupfen: So lassen Sie es endgültig sein

Von EAT SMARTER
Aktualisiert am 01. Okt. 2019
Frau beißt an ihren Nägeln herum

Einige Menschen kauen ihre Finger blutig. Andere reißen sich die Haare aus, bis kahle Stellen zu sehen sind. Für Betroffene bedeuten diese Handlungen oft einen leidvollen Kreislauf aus Stress und Scham. Bestimmte Therapieformen versprechen Abhilfe.

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Zur Kurzfassung ►

Warum kauen wir an den Nägeln?

Egal, ob im Wartezimmer beim Arzt, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in der Bibliothek: Überall, wo viele Menschen zusammen sind, lassen sich die immer gleichen Verhaltensweisen beobachten. Da wandert der Fingernagel in den Mund, Nagelhäute werden abgeknibbelt, geistesabwesend Kopf- oder Gesichtshaare ausgezupft.

Das Nägelkauen und das Ausreißen von Kopf- oder Körperhaaren zählen zu den sogenannten Impulskontrollstörungen. Darunter versteht man in der Psychiatrie eine Verhaltensstörung, bei der ein unangenehmer Anspannungszustand durch ein impulsives Verhalten gelöst wird. Dieses impulsive Verhalten ist zwar eine bewusste Handlung – diese lässt sich mit dem eigenen Willen jedoch nur schwer beeinflussen oder verhindern.

Wenn Kinder einen spannenden Film sehen, stecken sie oft ganz unbewusst die Hände in den Mund. Auf diese Weise lenken sie die innere Anspannung auf eine konkrete Tätigkeit um. Von dort aus ist der Weg zum Nägelkauen nicht weit: Fachleute schätzen, dass etwa 30 Prozent der Kinder zwischen sieben und zehn Jahren regelmäßig an den Nägeln kauen. Bei jungen Heranwachsenden liegt die Quote sogar bei 45 Prozent (1).

Als Hauptgrund für das Nägelkauen gelten Stress und Anspannung. Bei Kindern kann dazukommen, dass sie einen Ersatz für das Daumenlutschen suchen. Kinder, deren Eltern an den Nägeln herumknibbeln, werden häufiger selber zu Nägelkauern. Einige Experten vermuten, dass auch erbliche Faktoren eine Rolle spielen könnten. Oftmals beginnt das Nägelkauen jedoch auch aus der Not heraus: Ein Fingernagel bricht ab oder reißt ein. Wenn keine Feile oder Schere zur Hand ist, wird der Nagel kurzerhand „rund“ geknabbert.

MERKE !

Nägelkauen und Haare reißen werden zu den sogenannten Impulskontrollstörungen gezählt. Die Ursache ist häufig Stress und innere Anspannung. Meist beginnen die Verhaltensweisen bereits im Kindesalter. Höchstwahrscheinlich spielen auch erbliche Faktoren eine Rolle.  

Nägelkauen und die Folgen

Wer an seinen Finger knabbert, transportiert jedes Mal ein Heer von Bakterien und Keimen in den Mund. Diese können nicht nur Krankheiten übertragen – man denke zum Beispiel an das aktuell grassierende Noro-Virus – sondern auch Zahninfektionen verursachen.

Auch der Nagel selbst leidet, wird durch das Knabbern dünn und brüchig. Wird er so weit abgebissen, dass das Nagelbett verletzt wird, können schmerzhafte Entzündungen die Folge sein. Denn die gereizte, geschädigte Haut ist eine Eintrittspforte für Bakterien, Viren und Pilze. Im Extremfall wächst der Nagel nicht mehr vernünftig nach.

Hinzu kommt: Abgekaute Nägel sehen ungepflegt aus und können bei anderen Menschen Ekel, zumindest aber abschätzige Blicke hervorrufen. Daher neigen viele Nägelkauer dazu, ihre Hände zu verstecken – was natürlich erst recht auffällt. Noch immer wird Nagelkauen gleichgesetzt mit Willensschwäche oder sogar schlimmeren psychischen Erkrankungen. Obwohl diese Annahme mittlerweile wissenschaftlich widerlegt ist, werden Betroffene noch immer stigmatisiert oder schräg angeschaut. In der Folge steigt der Stresspegel, als Ventil halten die Nägel her – ein quälender Kreislauf.

MERKE !

Nägelkauen ist durch die Zahl der Bakterien und Keime an unseren Fingern sehr unhygienisch. Wird der Nagel dauerhaft geschädigt, wächst er unter Umständen nicht mehr nach.  

Trichotillomanie – zwanghaftes Ausreißen der Haare

„Angefangen hat es in der fünften Klasse. Ich bin eine miserable Schwimmerin und hatte deshalb panische Angst vor dem Schwimmunterricht. Da begann ich mir im Nacken die Haare auszureißen.“ – Gabriella, 15 Jahre alt, beschreibt, wie sie dem gezielten Ausreißen von Haaren anfing.

Trichotillomanie ist der medizinische Name für diese Störung, unter der in Deutschland geschätzt ein Prozent der Bevölkerung leiden. Sie zupfen sich mit den Fingern die Haare aus, nicht nur auf dem Kopf, sondern auch Wimpern, Augenbrauen und Schamhaare. 

Gabriella: „Nur dieses eine Haar, dachte ich immer. Ich suche dann nach einem besonders dicken, schwarzen, unregelmäßigen Haar (...). Ich rupfe es aus und begutachte es dann. Wenn ich nicht das richtige erwischt habe, wird es weggeschmissen. Ist es das richtige, so begutachte ich es, fahre es mit den Fingern entlang und beiße die Wurzel ab.“

Wie im Fall der 15-Jährigen ist der Auslöser von Trichotillomanie oft Stress. Gerade in der Pubertät, wenn viele Jugendliche ohnehin sehr unsicher sind, dient das Haarereißen – wie auch das Nägelkauen – dem Stressabbau.

Die Ausprägung kann dabei ganz unterschiedlich sein: Einige Betroffene haben einen etwas breiteren Scheitel, andere haben runde, kahle Stellen, die durch geschicktes Frisieren gut verdeckt werden können. Doch in einigen Fällen ist der Drang, Haare auszureißen, so stark, dass ganze Partien des Kopfes sowie Augenbrauen und Wimpern kahl werden.

Die Folge: Das Haar wächst teilweise gar nicht mehr oder mit veränderter Struktur nach. 

MERKE !

Unter Trichotillomanie versteht man das zwanghafte Ausreißen einzelner Haare oder ganzer Haarbüschel. Nicht nur Kopfhaare, auch Wimpern, Augenbrauen und sonstige Körperhaare können betroffen sein. In Deutschland leidet geschätzt ein Prozent der Bevölkerung unter dieser Impulskontrollstörung. 

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