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Nebennierenerschöpfung erkennen und behandeln

Von Wenke Gürtler mit Expertenrat von Dipl. Biol. Christiane Pies
Aktualisiert am 19. Okt. 2020
© Pexels/ Ketut Subiyanto
© Pexels/ Ketut Subiyanto

Brenzlige Situationen gehören zum Leben – aber Dauerstress kann unsere Nebennieren überfordern und damit den Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen. Erfahren Sie mehr über die Nebennierenerschöpfung und was dagegen hilft.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Kleines Organ, große Wirkung
  2. Stress setzt den Nebennieren zu
  3. Was sind die Anzeichen einer Nebennierenerschöpfung?
  4. Was kann ich für meine Nebennieren tun?
    1. Schlafhygiene 
    2. Gutes Essen für die schlanke Linie
    3. Pantothensäure und Vitamin C
    4. Magnesium
    5. Aminosäure Tyrosin
    6. Entspannung zur Stressbewältigung
  5. Wissen zum Mitnehmen

Mit Expertenrat von
Diplombiologin Christiane Pies
Die Diplombiologin Christiane Pies leitet seit über 20 Jahren ein mikrobiologisches Labor. Sie befasst sich im Labor Dr. Hauss in Eckernförde neben Untersuchungen zur Darmökologie mit endokrinologischen Untersuchungen und natürlicher Hormonregulation.

Hormone bestimmen unser Leben maßgeblich, darunter etwa die Stimmung, den Schlafryhthmus und den Energiehaushalt. Die Signalstoffe werden an ganz verschiedenen Stellen gebildet. Dazu gehören Bauchspeicheldrüse, Hirnanhangsdrüse, Schilddrüse, Thymus, Zirbeldrüse, aber auch Eierstöcke und Hoden. Weit weniger bekannt sind die Nebennieren.

Kleines Organ, große Wirkung

Die Nebennieren sind nicht größer als eine Weintraube und sitzen wie eine Kappe auf den Nieren. Sie stehen allerdings funktionell in keinem Bezug zur Niere selbst. Vielmehr handelt es sich um Hormondrüsen, die unseren ganzen Körper beeinflussen. So bilden sie Botenstoffe, die den Blutdruck regulieren, außerdem Sexualhormone und Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol.

Das bekannteste Stresshormon ist wohl das Cortisol, das in bedrohlichen Situationen Energie mobilisiert, damit wir zum Beispiel flüchten können. Es beeinflusst nicht nur den Blutzucker, sondern auch Eiweißstoffwechsel und Immunsystem. Der Signalstoff ist aber auch der Taktgeber für den Tagesrhythmus. ‚‚Cortisol wird von unserem Körper täglich produziert. Die Freisetzung ist morgens zwischen 6 und 9 Uhr am höchsten, damit wir in die Gänge kommen. Über den Tag sinkt der Spiegel ab, abends ist er ganz niedrig, damit wir schlafen können”, erläutert Diplombiologin Christiane Pies.

Merke!
Die Nebennieren bilden eine Vielzahl an Botenstoffen, darunter Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol. Cortisol beeinflusst unter anderem den Blutzucker sowie das Immunsystem und taktet den Tagesrhythmus.

Stress setzt den Nebennieren zu

Die Stresshormone der Nebenniere befähigen unseren Körper mit brenzligen Situationen umzugehen. Ständiger Druck und innere Anspannung kurbeln die Cortisolproduktion zunächst an – bis die Nebennieren ermüden und die Versorgung mit Cortisol nicht mehr gewährleisten können. 

Dann fällt der Pegel schließlich unter den normalen Wert, der Körper registriert den Cortisolmangel und versucht den Bedarf anderweitig zu decken. Bei Erwachsenen bedient sich der Körper dann bei anderen Signalstoffen. So wandelt er zum Beispiel das Sexualhormon Progesteron in Cortisol um. Dadurch kann ein Ungleichgewicht entstehen, das körperliche und psychische Probleme zur Folge hat.

Merke!
Dauerstress kurbelt die Cortisolproduktion zunächst an, bis die Nebennieren erschöpfen und der Spiegel unter dem normalen Wert abfällt. Der Körper versucht das Defizit auszugleichen und bedient sich bei anderen Hormonen.

Was sind die Anzeichen einer Nebennierenerschöpfung?

Bei Männern kann ein Cortisolmangel den Testosteronspiegel sinken lassen, das vermindert nicht nur Muskelmasse und -kraft, sondern beeinträchtigt auch das Liebesleben. ‚‚Auch Frauen bekommen Hormonprobleme”, merkt die Expertin an. Progesteron ist das Gegengewicht zum Östrogen. ‚‚Damit sich eine Frau wohlfühlt, müssen diese Botenstoffe in einem stimmigen Verhältnis zueinanderstehen. Fehlt durch Dauerstress Progesteron, nehmen Frauen zu, schlafen schlecht, bekommen Stimmungsschwankungen oder Depressionen”, erklärt Christiane Pies.

Wird infolge des Cortisolmangels nicht ausreichend Glukose freigesetzt, ist auch unsere Denkzentrale betroffen. ‚‚Unser Gehirn ist ein sehr großer Verbraucher von Glukose. Hapert es in der Energieversorgung, fühlen wir uns müde, schlapp und unkonzentriert. Das Cortisol bremst aber auch überschießende Immunreaktionen. Und wenn das fehlt, können Allergien, Entzündungen und Autoimmunerkrankungen drohen”, gibt die Diplombiologin zu bedenken.

Vermuten Sie hinter Ihren Beschwerden eine Nebennierenerschöpfung, dann wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt, um den Zustand der Nebennieren zu überprüfen.

Merke!
Fehlt Cortisol, können Lethargie, Libidoverlust, Gewichts- und Schlafprobleme die Folge sein. Auch deuten Konzentrationsschwäche, Müdigkeit oder überschießende Immunreaktionen auf eine Nebennierenerschöpfung hin.

Was kann ich für meine Nebennieren tun?

Es gibt eine Vielzahl an Maßnahmen, die helfen können, die Nebennieren wieder zu regenerieren. Seien selbstkritisch und hinterfragen Sie, welche Verhaltensweisen oder äußere Faktoren Sie in diesen Erschöpfungszustand gebracht haben könnten. 

Schlafhygiene 

Eine wichtige Stellschraube ist die Schlafhygiene, um einen gesunden Schlummer zu fördern. ‚‚Ein großes Problem sind die Funknetze”, so die Expertin. Immer mehr Geräte nutzen für ihre Kommunikation Funk, darunter Fernbedienung, Funktastatur, Smartphone und WLAN. Sie sind zwar nützliche Helfer, aber sie senden permanent elektromagnetische Wellen aus. Diese können eine Ausschüttung des müde machenden Melatonins stören.“ 

Daher empfiehlt es sich, WLAN und Handy nachts auszuschalten und andere Geräte nicht im Stand-by-Modus laufen zu lassen. ‚‚Machen Sie etwa abends rechtzeitig Computer, Fernseher und Handy aus, das blaue Licht senkt ebenfalls die Ausschüttung von Schlafhormonen”, rät Frau Pies.

Gutes Essen für die schlanke Linie

Auch ein gesundes Körpergewicht und eine ausgewogene Ernährung helfen den Signalstoffen im Gleichgewicht zu bleiben. Wölbt sich der Bauch nach vorne, sieht das nicht nur unvorteilhaft aus: So bildet das innere Bauchfett (Viszeralfett) Botenstoffe, die unter anderem Entzündungen auslösen und den Blutdruck sowie die Freisetzung des Insulins beeinflussen können. Auch Süßigkeiten, Kuchen, Weißbrot, Limonaden oder Fruchtsäfte fördern ein ungünstiges Auf und Ab des Insulins, versorgen den Körper aber kaum mit wichtigen Mikronährstoffen. 

Pantothensäure und Vitamin C

Vitamin B5, Vitamin C, Magnesium und die Aminosäure Tyrosin benötigt die Nebenniere dringend – insbesondere um sich von einer Nebennierenschwäche zu erholen. Gute Quellen für die Pantothensäure sind Fleisch, Fisch, Eier, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte, aber auch Champignons. Vitamin C findet sich nicht nur in Zitrusfrüchten, sondern steckt auch in Beeren, Brokkoli, Grünkohl, Rosenkohl sowie in roten Paprikaschoten. Wichtig ist hierbei, das Gemüse nur kurz zu dünsten, um Vitaminverluste zu minimieren. 

Magnesium

Um den Bedarf an Magnesium zu decken, empfiehlt es sich, Vollkornprodukte anstelle von Weißmehlprodukten zu bevorzugen und Hülsenfrüchte regelmäßig in den Speiseplan einzubauen. Besonders reich an dem Mineralstoff sind Mangold, Portulak und Spinat. Magnesiumreiche Mineralwässer mit mindestens 100 Milligramm Magnesium pro Liter leisten ebenfalls einen Beitrag. 

Aminosäure Tyrosin

Im Körper wird Tyrosin als Ausgangsstoff für eine Vielzahl an Botenstoffe genutzt, darunter auch die Stresshormone. Die Aminosäure kommt nicht nur in Schweinefleisch, sondern auch in Eiern, Milch, Kürbiskernen, getrockneten Sojabohnen, Lachs und Geflügel vor. 

Diese Nährstoffe können grundsätzlich über eine ausgewogene Kost zugeführt werden. ‚‚Aber bei einer Nebennierenerschöpfung brauchen Sie große Mengen der Mikronährstoffe, sodass Nahrungsergänzungsmittel für einen gewissen Zeitraum nötig sein können”, gibt Frau Pies zu bedenken.

Entspannung zur Stressbewältigung

Stress ist der größte Räuber im Hormonsystem, daher sind kleine Pausen und Entspannung zwischendurch so wichtig. Das können gezielte Übungen wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung sein, aber auch Bewegung. Regelmäßige Aktivität, sei es Joggen, Fahrradfahren oder Yoga, bauen Stresshormone effektiv ab. 

Auch eine Mußestunde, die mit Lesen oder einfach nur gemütlich faulenzen verbracht wird, schafft einen Ausgleich – ebenso wie „Waldbaden”: Die Luft duftet würzig nach Holz und Moos, Vögel zwitschern und der weiche Boden gibt federnd unter den Schritten nach. Der achtsame Spaziergang ist für die Japaner nichts Neues; seit den Achtzigerjahren ist Shinrin-Yoku ein Teil der nationalen Gesundheitsfürsorge.

Merke!
Ausreichender Schlaf, eine gesunde Ernährung und Entspannung helfen den Signalstoffen im Gleichgewicht zu bleiben.

Wissen zum Mitnehmen

Heikle Situationen gehören zum Leben, aber Dauerstress kann die Nebennieren erschöpfen. Dann liegt die produzierte Menge an Cortisol unter den Normalwerten. Fehlt der Signalstoff, können Libidoverlust, Lethargie, Gewichts- und Schlafprobleme, aber auch Müdigkeit, Konzentrationsschwäche oder überschießende Immunreaktionen die Folge sein.

Bei Verdacht auf eine Nebennierenerschöpfung ist ein Besuch beim Hausarzt ratsam. Eine Veränderung der Lebensumstände, wie ausreichender Schlaf, eine gesunde Ernährung und Stressabbau, helfen den Signalstoffen wieder in ein Gleichgewicht zu finden.


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