Wissenschaftlich geprüft
Oktober 2019, Mc Master University, Kanada

Ist rotes Fleisch doch nicht ungesund?

Von Kira Tessel
Aktualisiert am 04. Nov. 2020
© Unsplash/Jez Timms
© Unsplash/Jez Timms

Der Konsum von Fleisch und Fleischprodukten steht häufig in der Diskussion: Ist rotes Fleisch ungesund oder gesund? Eine Übersichtsarbeit früherer Studienergebnisse lässt nun vermuten, dass regelmäßiger Fleischverzehr gar keine nachgewiesenen negativen Effekte auf die Gesundheit hat.

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Worum ging es bei dieser Studie?

  • Immer wieder lautet die allgemeine Empfehlung, den Fleischkonsum im Rahmen einer gesunden Ernährung zu reduzieren. Vertrauenswürdige Daten, die nachweisen, dass rotes und verarbeitetes Fleisch gesundheitsschädlich ist, schienen weiterhin zu fehlen.
  • Die US-Metastudie hat zahlreiche Studien zusammengefasst, um den Zusammenhang von Fleischverzehr, Sterberate, Herz-Kreislauf-Gesundheit, Lebensqualität und Zufriedenheit mit der Ernährung bei Erwachsenen zu bewerten. Aus den bisher vorhandenen Daten geht kein eindeutiger Beweis hervor, dass Fleisch ungesund sei.

Wie lautet die zentrale Forschungsfrage?

  • Besteht ein Zusammenhang zwischen dem Verzehr von rotem sowie verarbeitetem Fleisch und der Gesundheit von Erwachsenen? Also ist rotes Fleisch ungesund?

Wie viele Probanden nahmen teil?

  • Die Metastudie betrachtete Kohortenstudien, die einen Zusammenhang zwischen dem Fleischkonsum und der Gesundheit untersuchten. Die Teilnehmerzahl in jeder Kohorte schwankte zwischen 1.757 und 535.969. Die Teilnehmer waren zwischen 17 und 92 Jahren alt, wobei der Großteil zwischen 40 und 50 Jahren alt war.

Welche Methode wurde angewandt?

  • Mehrere Forscher zogen aus den Studien unabhängig voneinander Daten und bewerteten diese nach ihrer Aussagekraft.

Rezepte mit Fleisch

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

  • Aus den gesammelten Daten geht hervor, dass eine Verringerung des Konsums von rotem und verarbeitetem Fleisch um drei Portionen pro Woche nur geringfügige positive Effekte auf die Gesundheit hat. Das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Schlaganfall oder Diabetes-Typ-2 können scheinbar nur minimal gesenkt werden.
  • Es gibt nach wie vor Assoziationen zwischen dem Verzehr von rotem sowie insbesondere verarbeitetem Fleisch und Gesundheitsrisiken – jedoch deuten die Ergebnisse der Arbeit darauf hin, dass das Ausmaß und dessen Beweissicherheit eher gering sind. Die Autoren werfen schließlich die Frage auf, ob die Datenlage ausreicht, um pauschal von dem Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch abzuraten.

Wer hat die Studie finanziert und durchgeführt?

  • Mehrere Wissenschaftler waren an der Erstellung der Arbeit beteiligt, darunter D. Zeraatkar und G.H. Guyatt der McMaster University Canada und M.A. Han der Chosun University Korea. Nach Angaben der Autoren gab es keine Hauptfinanzierungsquelle für die Studie. 

Wo ist die Original-Studie zu finden?


Begriffe: Was ist/ sind eigentlich...?


Wie bewertet EAT SMARTER diese Studie?

  • Ernährungsstudien sind problematisch: Da es in der Praxis kaum möglich ist, Menschen für Ernährungsstudien über Jahre isoliert zu untersuchen und zu ernähren, sind die Daten immer von Störfaktoren beeinflusst. Aus diesem Grund setzt die Forschung überwiegend auf Beobachtungsstudien, die in ihrer Methode und Aussagekraft zwar schwächer sind, aber trotzdem wertvolle Hinweise liefern können. Auch scheinen frühere Überprüfungen, die einen nachteiligen Zusammenhang mit erhöhtem Fleischverzehr nennen, von eher mäßiger methodischer Qualität zu sein und dadurch in ihrer Aussagekraft beschränkt (1).
  • Rotes Fleisch besser als verarbeitetes: Rotes oder helles Fleisch wird nicht so eindeutig mit einem erhöhten Krebs- und Sterberisiko in Verbindung gebracht wie verarbeitetes Fleisch. Geflügelfleisch hat hier keine negativen Effekte gezeigt und Fischverzehr hat eher eine schützende Wirkung. Aktuelle europäische Daten lassen keinen Zusammenhang zwischen rotem Fleisch und einem erhöhten Sterberisiko vermuten, wohingegen amerikanische Daten eher einen Zusammenhang erkennen lassen (2).
  • Verarbeitet Fleischprodukte eher ohne gesundheitlichen Nutzen: Die Aussage, dass durch dessen Konsum das Krebs- und Sterberisiko per se steigt, scheint aber übertrieben. Als verarbeitetes Fleisch sind vor allem gepökelte Produkte mit dem Konservierungsmittel Natriumnitrat gemeint, darunter Schinken und verschiedene Wurstwaren. Durch zu hohen Verzehr kann das Risiko steigen, dass der Köprer daraus krebserregende Nitrosamine bildet. Dieser Effekt ist vor allem im Labor gut erforscht, jedoch ist der Nachweis beim Menschen eher schwierig, da es ethisch nicht vertretbar wäre, die Entstehung von Krebs beim Menschen zu provozieren. Die Daten zeigen tendenziell ein erhöhtes Darmkrebsrisiko bei einem hohen Verzehr von verarbeitetem Fleisch (3).
  • Zusammenhang zwischen verarbeiteten Fleischprodukten und Krebs: Insgesamt zeigt die Datenlage am ehesten einen Effekt auf die Krebsentstehung bei einem hohen Verzehr von verarbeiteten Fleischprodukten, aber nicht bei Fleisch per se. Da unsere Ernährung jedoch aus noch vielen weiteren Lebensmitteln und Faktoren besteht, hat die gesamte Ernährung größeren Einfluss auf unsere Gesundheit als einzelne Lebensmittel. Die Grundlage einer gesunden Ernährung bilden noch immer überwiegend pflanzliche, ballaststoffreiche Lebensmittel wie Obst und Gemüse, die durch tierische Produkte sinnvoll ergänzt werden können (4).

EAT SMARTER-Relevanz-Score
60
Prozent
Der Relevanz-Score geht von 0 bis 100 Prozent und zeigt, wie bedeutend die Studie im Vergleich zu anderen Studien ist. 0 Prozent heißt "unwichtig", 100 Prozent "sehr wichtig".

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