Dr. Ingo Froböse

Warum Stress Sie am Abnehmen hindert

Von Prof. Dr. Ingo Froböse
Aktualisiert am 06. Mär. 2019
Frau trifft eine Auswahl an einem Snackautomaten

Wer sein Leben randvoll packt und von einem Termin zum nächsten hetzt, nimmt leider nicht ab, sondern sammelt im Gegenteil Pfunde an. Warum nicht nur das Stress-Essen an der Gewichtszunahme schuld ist und wie Sie die Spirale aus Belastung und Zunehmen durchbrechen, erklärt Fitness-Doc Ingo Froböse.

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Haben Sie Ihr Frühstück diese Woche in Ruhe genossen oder sich schnell ein Brötchen “auf die Hand” gekauft, liebe EAT SMARTER-Leser? Vor lauter Terminen schaffen es viele von uns nicht mehr, sich bewusst auf die Mahlzeiten zu konzentrieren; dann wird unterwegs gesnackt.

Doch Essen im Gehen und Stehen hat mehrere Nachteile: Wir essen viel schneller, als es uns und unseren Verdauungsorganen guttut. Diese müssen viel härter arbeiten, weil wir weniger ausgiebig kauen. Die Folge ist, dass wir nach so einem Snack noch müder sind, weil in uns intensiver gearbeitet wird. Meist essen wir auch viel mehr, als wir wirklich brauchen, wenn wir es nur nebenbei tun, weil unser Gehirn und auch der Körper gar nicht richtig wahrnehmen, dass wir gerade etwas gegessen haben.

Dass diese Lebensweise eventuelle Abnehmpläne nicht gerade fördert, liegt auf der Hand. Quasi im Vorbeigehen nehmen wir zu viele Kalorien zu uns. Diese werden vom Körper in Fettdepots transferiert – und das, obwohl wir von der schnellen Mahlzeit noch nicht einmal lang anhaltend satt geworden sind.

Stresshormon Cortisol: ein echter Figurfeind

Stress kann etwas Positives sein und Menschen zu Höchstleistungen antreiben, da er im Körper gewisse “Notfallprozesse” in Gange setzt. Kurze Phasen von Stress sind für den Organismus auch völlig in Ordnung. Kritisch wird es jedoch, wenn der Mensch dauerhaft einer zu hohen körperlichen und/oder mentalen Belastung ausgesetzt ist. Denn dann passt sich unser Organismus dem ungesund beschleunigten Leben an: Unter anderem wird vermehrt das Stresshormon Cortisol gebildet.

Cortisol, das in der Nebennierenrinde produziert wird, reguliert gemeinsam mit anderen Botenstoffen unter anderen den Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsel. Ist seine Konzentration zu hoch, so verursacht Cortisol den Abbau von Eiweiß im Blut und die Ausschüttung von Glukose. Die Logik unseres durch den Dauerstress in Alarmbereitschaft versetzten Organismus: Der Körper bleibt jederzeit aktionsbereit und könnte auf Bedrohungen schnell reagieren. Doch wenn diese überschüssige Energie nicht durch Bewegung abgebaut wird, nehmen wir zu.

Dazu kommt, dass unser Körper in Stressphasen nach schneller Energiezufuhr giert: Ein Klassiker ist der schnell hinunter geschlungene Schokoriegel, doch auch fettige Pommes, Currywurst oder saucentriefende Asia-Nudeln sind ein gern genommener “Seelentröster” – einer, der leider nach hinten losgeht. Denn je mehr Pfunde Sie ansammeln, desto unwohler fühlen Sie sich. Eine Studie der US-amerikanischen Obesity Society hat sogar ergeben, dass bei Menschen, die wegen ihres Übergewichtes diskriminiert werden, der noch Cortisol-Spiegel noch mehr in die Höhe schnellt (1) – ein verzwickter Kreislauf, in den niemand geraten möchte.

Nebenbei Essen macht dick

Deshalb meine Empfehlung: Nehmen Sie sich immer Zeit für Ihr Essen und Trinken, ganz egal, ob es sich um ein Glas Wasser, einen Snack oder ein fulminantes Menü handelt. Essen Sie nicht nebenbei. Dann nehmen Sie wahr, was Sie essen, und entwickeln darüber ein Bewusstsein für die Qualität Ihrer Ernährung. Wenn Sie einfach nur kauen wollen, weil es Sie beruhigt, nehmen Sie zuckerfreies Kaugummi.

Zum anderen schaffen Sie sich mit einer bewusste genossenen Mahlzeit eine der wichtigen Pausen-Inseln im Tag, ohne die niemand von uns langfristig leistungsfähig bleibt. Warum, wann und wie Sie Pausen machen sollten, lesen Sie hier.

Lesen SIe nächste Woche: Diese Ernährung gibt dem gestressten Körper, was er braucht.

Bis dahin wünsche ich Ihnen viele genussvolle Mahlzeiten in aller Ruhe!
Ihr Ingo Froböse

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