Ernährung bei Gicht

Ein erhöhter Harnsäurespiegel ist die Ursache von Gicht – Betroffene klagen über schmerzhafte Entzündungen in Füßen und Fingern. Das muss nicht sein. Eine smarte Lebensmittelauswahl und leckere Rezepte versprechen Linderungen. Wie das geht, erfahren Sie hier!

Inhaltsverzeichnis

  1. Ernährung bei Gicht
  2. Essen bei Gicht
  3. Was genau ist Harnsäure?
  4. Was kann man bei Gicht mit einer smarten Ernährung erreichen?
  5. Wie sollte ich mich bei Gicht ernähren?
  6. Besonders gute Lebensmittel bei Gicht
  7. Besonders schlechte Lebensmittel bei Gicht

Essen bei Gicht

Gicht ist eine Störung des Harnsäurestoffwechsels aus der ein zu hoher Harnsäurespiegel im Blut resultiert. Wenn dieser eine bestimmte Konzentration übersteigt, lagert sich die Harnsäure als Kristalle in Gelenken oder Geweben ab. Die Folge sind schmerzhafte Gelenkentzündungen. Das Gute: Im Normalfall lässt sich Gicht allein durch eine Lebensstiländerung in den Griff bekommen.

Was genau ist Harnsäure?

Harnsäure entsteht im Körper durch den Abbau von Purinen, die sich in jeder Zelle unseres Körpers befinden. Täglich werden neue Körperzellen auf- und alte abgebaut. Dabei werden Purine freigesetzt, aus denen Harnsäure entsteht. Purine sind aber auch als Zellbestandteile in pflanzlichen und in tierischen Lebensmitteln enthalten. Sie werden somit auch über die Nahrung aufgenommen und zu Harnsäure abgebaut. Diese wird normalerweise mit dem Urin ausgeschieden, doch bei manchen Menschen funktioniert dieser Mechanismus nicht optimal. 

Was kann man bei Gicht mit einer smarten Ernährung erreichen?

Eine Ernährungsumstellung ist sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung einer Gicht das Erfolgsrezept. Ziel ist eine dauerhafte Senkung des Harnsäurespiegels, um erneute Gichtanfälle zu vermeiden und Komplikationen zu verhindern. Unzureichend behandelt können chronische Gelenkentzündungen und -deformierungen, Nierensteine, Nierenschwäche oder sogar Nierenversagen drohen.

Wie sollte ich mich bei Gicht ernähren?

Die Erfolgsformel ist eine purin- und fruktosearme Ernährung. Maximal 500 Milligramm Harnsäure pro Tag sollten Sie Ihrem Körper zumuten. Vor allem Innereien, Fisch, Fleisch und Hefeextrakte, aber auch Hülsenfrüchte liefern viele Purine. Zudem zeigen Studien, dass Fruchtzucker (Fruktose) genauso ungünstig wirkt wie Alkohol. Fruktose behindert die Ausscheidung der Harnsäure und fördert dadurch Gichtanfälle. Dabei findet sich Fruktose nicht nur in Obst und zuckerhaltigen Softdrinks, sondern in zahlreichen Fertigprodukten wie Fruchtjoghurt, Eiscreme oder Pizza. Und zu guter Letzt: Trinken Sie mindestens zwei bis drei Liter Wasser am Tag und verzichten Sie auf Alkohol.

Bei Übergewicht sollten Sie Normalgewicht anstreben. Das hilft die Harnsäurekonzentration wieder einzupegeln und schont die Gelenke. Allerdings sind strenges Fasten oder Extremdiäten ungeeignet. Bei einem rapiden Abbau von Körperfett und Muskelmasse entstehen sogenannte Ketonkörper, wodurch ein Gichtanfall ausgelöst werden kann.

Besonders gute Lebensmittel bei Gicht

Kaffee 

Vor gar nicht so langer Zeit wurde Gichtpatienten vom Kaffeekonsum abgeraten – heute weiß man: Kaffee kann den Harnsäurespiegel senken. Für die Wirkung wird die Chlorogensäure verantwortlich gemacht. Drei bis vier Tassen Kaffee (auch entkoffeiniert) ist hier die goldene Mitte.

Milchprodukte

Während bei Fleisch und Fisch Zurückhaltung geboten ist, können Sie Milch und fettarme Milchprodukte täglich genießen. Sie sind purinarm und liefern viel Eiweiß, das die Harnsäureausscheidung über die Nieren anregt. Der Effekt kommt dabei durch die enthaltende Proteine Casein und Lactalbumin zustande.

Paprikaschote

Mit 120 Milligramm pro 100 Gramm ist die Paprika ein Top-Vitamin-C-Lieferant. Die Versorgung ist besonders für Gichtpatienten vorteilhaft: So förderten in Studien Dosierungen von 500 Milligramm Vitamin C pro Tag die Harnsäureausscheidung über die Nieren. 

Besonders schlechte Lebensmittel bei Gicht

Fruchtjoghurt

Viele Fruchtjoghurts sind oft stark gesüßt. Oftmals wird fettreduzierten Produkten im Vergleich zu der Vollfettvariante Fruktose zugefügt. Doch dieser Zusatz macht den günstigen Effekt der Milchproteine zunichte.

Bier

Regelmäßig hoher Alkoholkonsum, aber auch eine exzessive Familienfeier kann einen Gichtanfall provozieren. Besonders ungünstig ist der Effekt von Bier. Hier treffen Alkohol und hohe Purinbelastungen durch den Hefeanteil aufeinander.

Fleisch

Hoher Fleischverzehr ist wohl die bekannteste Ursache für einen Gichtanfall. Grund dafür ist der hohe Puringehalt. Zusätzlich liefert Fleisch reichlich gesättigte Fettsäuren. Diese beeinflussen den Fettstoffwechsel negativ, was zu einer gesteigerten Insulinresistenz beiträgt, die die Harnsäure-Ausscheidung über die Niere behindert.

 
Diese Lebensmittel sind bei Gicht empfehlenswert
Brot, Getreide & Beilagen
Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Pellkartoffeln, frisch gestampfter Kartoffelbrei
Gemüse
Aubergine, Löwenzahn, Kürbis, Gurke, Möhre, alle Salate, Fenchel, Steckrübe, Gemüsesaft, Paprika, Pfifferling
Obst
Beeren, Clementine, Orange, Apfel, Melone, Nektarinen, Hagebutte, Aprikosen
Nüsse, Kerne & Samen
Mandeln, Walnüsse, Haselnüsse, Paranusskerne
Eier, Milch & Milchprodukte
Eier, Milch (bis 3,5 %), Buttermilch, Speisequark (bis 20%), Naturjoghurt (bis 3,5%), Kefir, Molke, Saure Sahne, Dickmilch, Frischkäse, Käse (bis 45 % Fett i. Tr.), Feta, Mozzarella
Fleisch & Wurstwaren
Hühnerfleisch ohne Haut (Filet), Putenfleisch ohne Haut (Filet), Geflügelaufschnitt
Fisch & Meeresfrüchte
Aal, Austern, Flusskrebs, Kabeljau ohne Haut, Languste, Schleie, Schillerlocke
Fette & Öle
Leinöl, Weizenkeimöl, Olivenöl, Rapsöl, Walnussöl
Getränke
Wasser, ungezuckerte Kräutertees, ungezuckerte Früchtetees, 3–4 Tassen Kaffee
Aufstriche
Veggie-Aufstrich ohne Hefe
Kräuter, Gewürze & Würzmittel
Alle frischen Kräuter und Gewürze

 
Diese Lebensmittel sind bei Gicht nicht empfehlenswert
Brot, Getreide & Beilagen
Weißmehlprodukte, Weißbrot, Toastbrot, Croissant, Weizenbrötchen, Zwieback, Hartweizennudeln (helle Teigwaren), Weizenkeime, Brot mit Weizenkeimen, Brot mit Sonnenblumenkernen, Pommes Frites, Kartoffelpuffer, geschälter Reis, Bratkartoffeln, (gesüßtes) Früchtemüsli, gesüßte Cerealien (Schokopops, Cornflakes, Knuspermüsli usw.)
Gemüse
Gemüsemischungen mit Butter oder Sahne
Obst
gezuckerte Obstkonserven, (kandiertes) Trockenobst, Obstsmoothies, Kompott
Nüsse, Kerne & Samen
Sonnenblumenkerne, Gesalzene Nusskerne, Mohnsamen, Nüsse im Teigmantel(z.B. Wasabinüsse), Nüsse mit Schokoladenglasur
Eier, Milch & Milchprodukte
Fruchtjoghurt, Fruchtquark, Fruchtbuttermilch, Kakaozubereitungen, Milchmischgetränke, Pudding, Milchreis, Sahnequark, Sprühsahne, Fruchtbuttermilch
Fleisch & Wurstwaren
Innereien (Leber, Herz, Hirn, Niere usw.), fettreiches Fleisch (Hühnerschenkel mit Haut, Haxe), Schweineschinken in allen Variationen, Speck, Streichfähige Wurst (Teewurst, Leberwurst, Mettwurst usw.), fettreiche Wurst (Leberpastete, Mortadella, Salami), Schweinefleisch, Wurst mit Innereien
Fisch & Meeresfrüchte
Anchovis, Brathering, Forelle (mit Haut), Hering mit Haut, Jakobsmuschel, Sardelle, Stockfisch, Sprotte, geräuchert, Sardelle, Thunfisch, Venusmuschel
Fette & Öle
Schweineschmalz, Gänseschmalz, Sonnenblumenöl, Distelöl, gehärtete Back- und Bratfette
Getränke
Fruchtsaft, Softdrinks, Sojadrink, Alkohol, Bier, alkoholfreies Bier
Aufstriche
Erdnussbutter, Nuss-Nougat-Aufstrich, Marmelade, Konfitüren
Kräuter, Gewürze & Würzmittel
Ketchup, Hefeflocken
Fertigprodukte
Fruktosereiche Fertigprodukte (u.a. TK-Pfannengerichte), Fast Food
Süßes & salzige Snacks
Eiscreme, Süßigkeiten, Kekse, Müsliriegel, Salzgebäck, Agavendicksaft

 
Diese Lebensmittel sind bei Gicht in Maßen geeignet
Brot, Getreide & Beilagen
Buchweizen, Grünkern, Vollkornreis, Knäckebrot, Vollkorn-Toast, Birchermüsli, ungesüßtes (Mehrkorn-)Müsli, Haferflocken
Gemüse
Spinat, Spargel, Schwarzwurzel, Kohl, Champignon, getrocknete Pilze, Mangold, Pak Choi, Rhabarber, Mungobohnenprossen, Sauerampfer, Sellerie (Knollen- und Bleichsellerie), Hülsenfrüchte (Bohnen, Soja, Linsen), Steinpilz, Mais (bei Übergewicht)
Obst
Birne, Weintrauben, Banane, Kaki, Kirschen, Kiwi, Obstmus, Obstmark (ungezuckert)
Nüsse, Kerne & Samen
Kürbiskerne, Erdnusskerne, Leinsamen, Sesam
Eier, Milch & Milchprodukte
Schlagsahne, Schmand, Crème fraîche, Käse (ab 45 % Fett i. Tr.), Sahnejoghurt, griechischer Joghurt
Fleisch & Wurstwaren
mageres Rindfleisch, mageres Kalbfleisch, Wild (Hase, Kaninchen, Reh, Wildschwein), Ziege, Corned Beef, Bierschinken, Gänsefleisch ohne Haut
Fisch & Meeresfrüchte
Bückling, ohne Haut, Bismarckhering, Flunder ohne Haut, Flussbarsch, Garnele, Hecht, Hering ohne Haut, Krabben, Shrimps, Karpfen, Languste, Lachs, Makrele mit Haut, Makrele geräuchert, Miesmuschel, Scholle ohne Haut, Scholle ohne Haut, Seehecht, Tintenfisch, Wels
Fette & Öle
Butter, Butterschmalz, unraffiniertes Kokosöl, Sesamöl, Sojaöl
Aufstriche
Fruchtaufstriche, Zuckerrübensirup, Honig, Hummus, Erdnussmus, Nuss-Aufstriche
Fertigprodukte
Tofu
Süßes & salzige Snacks
Zartbitterschokolade (70% Kakao), Rohrohzucker