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Seed Cycling: Hormonbalance durch diese Ernährung?

Von Kira Tessel
Aktualisiert am 03. Mär. 2020
© Unsplash/ Maddi Bazzocco
© Unsplash/ Maddi Bazzocco

Natürliche Hormontherapie durch kleine Kerne mit großer Wirkung? Sogenanntes Seed Cycling soll den weiblichen Zyklus regulieren und PMS-Beschwerden lindern können. Wir erklären Ihnen, was genau dahinter steckt.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Seed Cycling?
  2. Was verspricht Seed Cycling?
  3. Funktioniert Seed Cycling?
  4. Wissen zum Mitnehmen

Seed Cycling macht vor allem in den sozialen Medien die Runde, weibliche Fitness- und Wellness Blogger berichten von vielversprechenden Erfahrungen und auch so gibt es viele positive Berichte. Hormonbedingte Stimmungsschwankungen, Unterleibsschmerzen und unregelmäßige Blutungen sollen durch den strategischen Verzehr von Samen und Kernen verbessert werden können.

Was ist Seed Cycling?

Beim Seed Cycling essen Frauen je nach Zyklusphase bestimmte Samen und Kerne, um den Zyklus und die Hormone zu regulieren. Im Mittelpunkt stehen meist Lein- und Sesamsamen sowie Sonnenblumen- und Kürbiskerne. Täglich soll mindestens ein Esslöffel von zwei bestimmten Sorten verzehrt werden. Je nach Zyklusabschnitt sollen die Samen unterschiedliche Wirkungen auf die Hormonproduktion haben. Zu Beginn des Zyklus (Follikelphase) soll das Östrogen durch Leinsamen und Kürbiskerne angekurbelt werden, in der zweiten Hälfte (Lutealphase) vor allem Progesteron, in der Sonnenblumenkerne und Sesamsamen im Fokus stehen (1).

Samen und Kerne, bei denen geglaubt wird, dass Sie die Östrogen-Produktion ankurbeln können, sollen zu Beginn des Menstruationszyklus, ab dem ersten Tag der Blutung gegessen werden. Samen, die Östrogen potenziell hemmen und Progesteron fördern sollen, werden in der nächsten Phase eingebracht. Studienergebnisse lassen tatsächlich vermuten, dass beispielsweise Leinsamen durch enthaltene Phytoöstrogene wie Lignane, Antioxidantien und Fettsäuren den Hormonspiegel positiv beeinflussen können. Die Effekte auf den Östrogenspiegel sind in der Praxis jedoch als relativ schwach zu bewerten (2).

Saatgut ist besonders reich an Fetten und Lignanen, die Polyphenole mit antioxidativen Eigenschaften sind. Vor allem Pflanzen sind reich an diesen wertvollen Stoffen. Auch wenn manche Verfechter auf dies Methode des Seed Cyclings schwören, ist ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Lignanen und hormoneller Gesundheit noch nicht klar und wissenschaftlich nicht bewiesen (3).

Merke!
Seed Cycling ist eine naturheilkundliche Methode zur weiblichen Hormonregulierung, bei der je nach Zyklusphase bestimmte Samen und Kerne verzehrt werden.

Was verspricht Seed Cycling?

Der "Hormonboost" durch Lignane soll die Hormone Östrogen und Progesteron regulieren, Entzündungen reduzieren, Akne sowie PCOS-Symptome verbessern und auch bei Amenorrhoe Abhilfe schaffen. Die wissenschaftlichen Beweise sind bisher jedoch mangelhaft. Vor allem im Internet kursieren Empfehlungen von selbst ernannten Experten, die teilweise sogar mit einem Unternehmen kooperieren und Samen-Sets mit entsprechendem Seed-Cycling-Guide verkaufen.

Auch wenn die Samen ihre angepriesene hormonausgleichende Wirkung entfalten könnten, gibt es derzeit keine Forschung, die uns sagt, welche Mengen erforderlich sind oder auf welche Weise die Samen konsumiert werden sollen, um von den Effekten zu profitieren. Es gibt also keinen Anlass zu glauben, dass ein Esslöffel Samen zu einer hormonellen Wirkung führt – auch wenn der Konsum von Samen und Nüssen sehr empfehlenswert ist. Es wird erst kritisch, wenn diese Methode Frauen davon abhält bei hormonellen Problemen medizinische Beratung in Betracht zu ziehen.

Richtig ist, dass eine gesunde Hormonproduktion mit einer ausreichend hohen Fettzufuhr zusammenhängt. Vor allem Frauen, mit einem niedrigen Körperfettanteil und einem fettarmen Speiseplan können unter hormonellen Problemen leiden. Hier kann es durchaus sinnvoll sein, mehr gesunde Fettquellen zu konsumieren und keine Low-Fat-Diät zu verfolgen. Auch das andere Extrem – starkes Übergewicht – kann hormonelle Probleme verursachen oder sogar zu Unfruchtbarkeit führen, die durch Seed Cycling allein nicht gelöst werden können, sondern vor allem eine Gewichtsreduzierung erfordern (4).

Merke!
Seed Cycling verspricht Abhilfe bei diversen hormonellen Problemen, die Effekte sind in der Praxis jedoch noch nicht erforscht. Ein normales Körpergewicht und eine ausgewogene Ernährung tragen wesentlich mehr zu einem gesunden Hormonhaushalt bei.

Funktioniert Seed Cycling?

Generell schadet es nicht zusätzliche gesunde Fette in Form von Samen, Kernen und Nüssen zu sich zu nehmen, da sie einen guten Beitrag zu einer gesunden Ernährung leisten können. Bei ernsthaften hormonellen Problemen sollte sich jedoch nicht auf Seed-Cycling verlassen werden. Beispielsweise kann das Ausbleiben der Periode (Amenorrhoe), je nach Ursache, schwerwiegende gesundheitliche Folgen mit sich ziehen. Das Symptom kann auch auf Hormonerkrankungen wie PCOS oder Schilddrüsenprobleme hinweisen, aber auch ein Zeichen für Untergewicht, Übertraining oder Stress sein. Im Prinzip ist Seed Cycling also nicht schädlich, solange es keine medizinische Behandlung ersetzt. 

Im Allgemeinen produzieren die meisten Frauen mit einem normalen Menstruationszyklus bereits ausreichende Mengen an Hormonen. Frauen mit hormonellen Störungen sollten sich nicht auf die Wirkung von Seed Cycling verlassen, sondern ärztlichen Rat einholen. Auch wenn Leinsamen und Sesamsamen den Östrogenspiegel geringfügig positiv beeinflussen können, scheint es, als seien die verzehrten Mengen beim Seed Cycling zu gering, um signifikante Ergebnisse zu erzielen. Auch ohne konsequentes Seed Cycling kann es für Frauen positiv sein, sich mehr mit dem eigenen Zyklus zu befassen. Dabei entwickelt man mehr Achtsamkeit für seinen Körper und auch ein besseres Gespür für seinen Menstruationszyklus.

Merke!
Die Inhaltsstoffe von Samen und Kernen haben nur schwache Auswirkungen auf den Östrogenspiegel. Es gibt keine wissenschaftlichen Hinweise, die einen signifikanten Effekt von Seed Cycling auf den Hormonspiegel belegen.

Wissen zum Mitnehmen

Insgesamt sind Ernährungstrends, vor allem wenn sie bei Krankheitsbildern Abhilfe schaffen sollen, mit Vorsicht zu betrachten. Seed Cycling als Hormontherapie kann in dieser Hinsicht nicht pauschal empfohlen werden, auch wenn die Einbindung von gesunden Fetten in die Ernährung eine sinnvolle Maßnahme ist. Obwohl diese Methode die Hormone nicht großartig regulieren kann, können die gesunden Inhaltsstoffe der Samen und Kerne einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit leisten.

Das Konzept hinter Seed Cycling ist zwar relativ frei von Nebenwirkungen, jedoch wissenschaftlich nicht haltbar und potenziell gefährlich, wenn es eine echte medizinische Behandlung ersetzen soll. Da Hormone vor allem in den jungen Jahren und Wechseljahren ein empfindliches Thema bei Frauen sein können, sollten gesundheitliche Probleme nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

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