Wissenschaftlich geprüft
November 2019, American Heart Association

Frauen aufgepasst: Ist essen nach 18 Uhr schlecht fürs Herz?

Von Cornelia Brammen
Aktualisiert am 18. Jun. 2020
© Unsplash/Becca Tapert
© Unsplash/Becca Tapert

Dinner-Cancelling und Intervallfasten sind erprobte Methoden zum Abnehmen. Daneben hat ein Essensverzicht nach 18 Uhr einen anderen wichtigen Effekt: Nachts kann sich der Körper auf Regeneration, Reparation und Entgiftung konzentrieren. Muss er stattdessen verdauen, geht das zulasten der Herzgesundheit – zumindest bei einem Geschlecht.

share Teilen
print
bookmark_border URL kopieren

Worum ging es in der Studie?

  • Nicht rauchen, Sport treiben, eine gesunde Ernährung: All das ist entscheidend für ein fittes Herz. Es wird vermutet, dass in Sachen Ernährung insbesondere zählt, wann gegessen wird. 
  • Die Studie solle Aufschluss darüber geben, ob Zeitpunkt und Kalorienanteil der Abendmahlzeit dazu beitragen können, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen zu erhöhen.
  • Bei bisherigen Forschungen lag der Untersuchungsschwerpunkt vor allem darauf, was gegessen wird. 

Wie lautet die zentrale Forschungsfrage?

  • Steigt das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Abhängigkeit des Anteils der am Abend verzehrten Kalorien?

Wie viele Probanden nahmen teil?

  • Die Studie untersuchte die Herz-Kreislauf-Gesundheit von 112 hispanoamerikanischen Frauen (Durchschnittsalter 33 Jahre) anhand der Life's Simple 7®-Messungen der American Heart Association mit einem Follow-Up nach einem Jahr.
  • Life's Simple 7® stellt die Risikofaktoren dar, die die Menschen durch Änderungen ihres Lebensstils verbessern können, um eine ideale Herz-Kreislauf-Gesundheit zu erreichen. Darunter: Nichtrauchen, körperliche Aktivität, gesunde Ernährung, Kontrolle des Körpergewichts sowie Messung von Cholesterin, Blutdruck und Blutzuckerspiegel.

Welche Methode wurde angewandt?

  • Die Probandinnen führten zu Beginn der Studie sieben Tage lang Ernährungstagebücher sowie ein Jahr später im Follow-Up.
  • Die Ernährungstagebücher dienten als Grundlage, um den Zusammenhang zwischen der Herzgesundheit und dem Zeitpunkt des Essens zu bestimmen.
  • Es wurde ein Herzgesundheitsscore berechnet, der auf der Erfüllung der Life's Simple 7® basiert.

Leckere Rezepte für ein gesundes Abendessen

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

  • Die Probandinnen, die nach 18 Uhr bzw. 20 Uhr noch Kalorien zu sich nahmen, waren häufiger gefährdet, an Herz-Kreislauf-Leiden zu erkranken als Frauen, die keine Kalorien zu sich nahmen.
  • Jeder Anstieg des Kalorienverbrauchs um 1 Prozent am Abend erhöhte die Wahrscheinlichkeit eines höheren Blutdrucks und Body-Mass-Index sowie einer schlechteren langfristigen Stabilität des Blutzuckers.

Wer hat die Studie finanziert und durchgeführt?

  • Die Studie wurde von der American Heart Association im Rahmen des Programms „Go Red For Women“ finanziert. „Go Red For Women“ ist eine Initiative, die seit 2009 Geld für Forschung zur Vermeidung von Herzinfarkten bei Frauen aus Spenden und staatlichen Mitteln fundraised.

Wo ist die Original-Studie zu finden?

Begriffe: Was ist/sind eigentlich...?

Wie bewertet EAT SMARTER diese Studie?

  • Niedrige Aussagekraft: Ernährungstagebücher allein haben im Vergleich zu Körpermessungen eine verhältnismäßig niedrige Aussagekraft. Werden sie länger als drei Tage geführt, steigt die Fehlerquote durch Over- oder Underreporting. Grund dafür sind abnehmende Motivation, soziale Erwünschtheit und Beeinflussung des Ernährungsverhaltens durch die Teilnahme der Studie an sich.
  • Nicht berücksichtigte Faktoren: Die Ergebnisse der Ernährungsprotokolle wurden in Beziehung zu bestimmten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesetzt (Life's Simple 7®-Messungen). Aus der Veröffentlichung geht nicht hervor, ob Fitnesslevel, Raucherverhalten und andere Gesundheitsfaktoren berücksichtigt wurden.
  • Geringe Probandenzahl: Wie die Forscher selbst betonen, sollten nachfolgende Studien eine größere Stichprobe untersuchen und die Forschung auf verschiedene Populationen und Geschlechter ausweiten.
  • Allgemeingültige Empfehlungen: Dass spätes Essen den Organismus belastet, liegt auf der Hand. Die Hinweise der Studie auf den Zusammenhang zwischen Kalorienmenge und Gefährdung der Herzgesundheit bestätigen Forschungen zum Intervalfasten, die die positiven Effekte einer Essenspause nach 18 Uhr nahelegen. Das Abendessen vorher einzunehmen und danach dem Körper Verdauungsruhe zu gönnen, ist auf jeden Fall gesundheitsfördernd.

Wissenschaftlich geprüft von unseren EAT SMARTER Experten
Schreiben Sie einen Kommentar