20
Banner Oona
Meine Geschichte

Raus aus der Essstörung, rein ins Leben!

Von Oona Mathys
Aktualisiert am 06. Sep. 2018

Magersucht ist in der heutigen Zeit, in der uns täglich Models in XXXS-Größen und strikte Abnehmprogramme begegnen, allgegenwärtig. In unserer Gesellschaft stehen dünne Körper für Disziplin und Kontrolle und nicht für eine ernsthafte Essstörung. Angelehnt an die vergangene "Eating Disorder Awareness Week" möchte ich mit meiner Geschichte mehr Bewusstsein schaffen und aus meiner Sicht zeigen, was hinter der Krankheit steckt.

49 Kilo Gewicht

"Du musst doch einfach nur essen!" Diesen Satz habe ich während der schlimmsten Phase meiner Essstörung oft gehört. Von Freunden, von Bekannten, ja sogar von Ärzten. Ich habe gegessen, ja. Aber pro Tag nur einen Apfel oder mal ein Knäckebrot.

Als ich im Jahr 2010 aus meinem Auslandsaufenthalt zurückkehrte, war ich leicht übergewichtig. Nicht viel, aber genug, um mich selber in meiner Haut nicht mehr wohlzufühlen. Kurzerhand stellte ich meine Ernährung um. Abnehmen und wieder schlank sein, das war mein Plan. Ich führte ein Ernährungstagebuch und trug alle meine Mahlzeiten und Snacks mit Kalorienangaben dort ein. Daran ist erst einmal nichts auszusetzen. Doch jeden Tag wurden die Mahlzeiten, die ich eintrug winziger, die Kalorien geringer. Morgens: Knäckebrot mit Kräuteraufstrich und Käse, einen Apfel. Als ich herausfand, wie viele Kalorien eine Scheibe Gouda hat, wurde der Gouda gestrichen. Am nächsten Morgen gab es nur Knäckebrot mit Kräuteraufstrich. Zudem meldete ich mich im Fitnessstudio an und besuchte täglich zwei bis drei Kurse.

Kalorien verbrennen. Abnehmen. Endlich dünn sein. Der übermäßige Sport und die stark kalorienreduzierte Diät zeigte schnell seine Wirkung. Innerhalb von sechs Monaten nahm ich knapp 12 Kilo ab und hatte damit mein ursprüngliches Gewicht erreicht. Mein Umfeld reagierte unglaublich positiv und beglückwünschte mich zu meiner Transformation. Ab diesem Zeitpunkt hatte sich jedoch etwas in mir verselbständigt, was ich nicht mehr kontrollieren konnte. Meine Gedanken kreisten rund um die Uhr um Kalorien. Ich wollte mehr abnehmen, mich noch mehr kontrollieren und trotz geringer Nahrungsaufnahme Höchstleistungen erbringen. An einem Abend schrieb ich in mein Tagebuch : "Bitte bitte, warum kann ich nicht 49 Kilo wiegen?".

Wenige Wochen später hatte ich durch extremes Hungern auch dieses Gewicht erreicht. Magersüchtige entwickeln komische Angewohnheiten, um das Bedürfnis nach Essen im Griff zu haben. Ich war sehr stolz auf mich, als ich einen Apfel mit Messer und Gabel aß und dafür über eine Stunde brauchte. Trotzdem hatte ich Hunger. Jede Esssgestörte die sagt, dass sie Essen verabscheut und nicht hungrig ist, erzählt meiner Meinung nach nicht die Wahrheit. Der Körper braucht Nahrung, um zu funktionieren und da ich kaum etwas aß, bin ich stundenlang durch die Lebensmittelstände und Restaurants in Einkaufszentren gelaufen und habe mir vorgestellt, was ich alles essen könnte.

Letzten Endes habe ich mir nur einen Kaffee gekauft und eine halbe Wagenladung Süßstoff darin ertränkt. Meine Tage waren routiniert und geplant. Aufstehen, wiegen. Eiskalt duschen und mich nicht abtrocknen, weil dadurch angeblich mehr Kalorien verbrannt werden, wiegen. Unmengen an Kaffee und Wasser trinken, wieder wiegen. Jede Veränderung auf der Waage musste beobachtet und protokolliert werden.

Die Waage war mein Altar und entschied über mein Befinden und meine Stimmung.

Gewicht runter, guter Tag. Gewicht rauf, schlechter Tag. Ich erinnere mich, dass ich zu Beginn meiner Essstörung einen Arzt aufsuchte und auf seiner Waage ein Kilogramm mehr wog, als auf meiner zu Hause. Der Kommentar des Arztes während er ein Käsebrötchen (in der Praxis) aß: "Sie sind doch noch gar nicht so magersüchtig!"

Übersicht zu diesem Artikel

Top-Deals des Tages

amapodo Teekanne Glas 400ml doppelwandig mit Edelstahl Tee Sieb & Deckel silber
VON AMAZON
25,49 €
Läuft ab in:
ubeegol Super-Klebstoff Küchenrollenhalter Selbstklebend Wand Rollenhalter für Küchenkrepp, aus Gebürstetem Edelstahl, Ohne Bohren
VON AMAZON
21,16 €
Läuft ab in:
Deconovo Tagesdecke Wildleder-Optik 210x280 cm
VON AMAZON
19,54 €
Läuft ab in:
Zu allen Top-Deals des Tages

Bisherige Kommentare

 
hallo, ich finde den artikel gut. Mir geht es ähnlich, ich lange magersüchtig und bulimisch- insgesamt 4 oder 5 Jahre. Ich habe lange gebracuht um meinen Weg zu finden. Jetzt spiele ich American Football, mache Kraftsport und habe durch den Sport meinen Körper wieder entdeckt und gelernt mich mit all meinen Macken zu lieben, und wenn ich sie nicht immer liebe dann akzeptiere ich sie =)
 
Hallo, ich finde den Bericht sehr gut. Leider machen meine Eltern und ich uns sehr große Sorgen um meine Schwester. Seit zwei Jahren geht sie ins Fitnessstudio und wird seitdem immer dünner. Sie ist 1,68 m groß und wiegt 50 kg. Noch ist das nicht allzu bedrohlich denke ich, aber seit ich gesehen habe, dass sie nur noch einen Körperfettanteil von 11.7% hat, mache ich mir noch mehr Sorgen! Außerdem hat sie mir erzählt, dass ihre Haare ausfallen und gleichzeitig sagt sie ständig, ihre Oberschenkel seien so dick geworden und sie müsse unbedingt mehr Sport machen... wie soll ich bloß an sie herankommen, wenn sie selbst das Problem nicht sieht? Hast du einen Tipp? Hoffnungsvolle Grüße, H.
 
Hallo, ich würde mir gerne mehr Zeit dafür nehmen. Magst du mir eine E-Mail and oona@eatsmarter.de schicken? Damit wir in Ruhe darüber sprechen können? Liebe Grüße, Oona
 
Ich hab auch gehört das Kraftsport beim Zunehmen helfen soll, doch ich hätte da glaub ich zu sehr Angst wieder abzunehmen.
 
Hallo, danke für deine eindrucksvolle Geschichte. Darf ich fragen, wie große du bist und was dein niedrigster BMI war? Welchen BMI hast du aktuell? Hast du Folgeschäden, zum Beispiel Osteoponie oder bist du vollständig genesen? Danke noch mal.

Seiten

Schreiben Sie einen Kommentar