Nachhaltig kochen

Von Selina Janzen
Aktualisiert am 05. Feb. 2020
© Unsplash/ Kevin McCutcheon
© Unsplash/ Kevin McCutcheon

Klimafreundliches oder nachhaltiges Kochen ist heute Thema mehr denn je. Auf die Umwelt zu achten ist nicht nur in, sondern auch sinnvoll. Wie Sie Ihre Küche und Ihren Einkauf nachhaltiger gestalten, zeigen wir Ihnen in diesem Artikel.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Was bedeutet es, nachhaltig zu kochen?
  2. Nachhaltig einkaufen
    1. Unverarbeitete Lebensmittel bevorzugen
    2. Regional und saisonal einkaufen
    3. Unverpackte Produkte bevorzugen
    4. Auf Lebensmittel in Bio-Qualität setzen
    5. Die Pflanze dem Tier bevorzugen
    6. Die richtige Menge einkaufen
  3. Nachhaltig kochen
  4. Nach dem Einkaufen oder Kochen: die Lebensmittelreste
  5. Wissen zum Mitnehmen

Was bedeutet es, nachhaltig zu kochen?

Mit einer nachhaltigen Küche ist eine Art des Kochens gemeint, die klimafreundlich gestaltet wird. Also wenig bis keinen schädlichen Einfluss auf das Klima hat.

Dazu zählt nicht nur der Akt des Kochens an sich, sondern auch der Einkauf (welche Lebensmittel dürfen mit und welche nicht) und das, was mit den Lebensmitteln nach dem Kochen beziehungsweise dem Einkaufen passiert.

Merke!
Nachhaltig zu kochen bedeutet, sich bewusst beim Einkaufen, Zubereiten und dem Umgang mit den Lebensmittelresten für die klimafreundliche Variante zu entscheiden.

Nachhaltig einkaufen

Schon beim Einkaufen können einzelne Entscheidungen viel bewirken. Auf was Sie bei Ihrer nächsten Tour durch den Supermarkt achten können und warum das was für das Klima bringt, stellen wir Ihnen hier mit einigen Tipps vor:

Unverarbeitete Lebensmittel bevorzugen

Unverarbeitete Lebensmittel wurden, wie ihr Name schon sagt, noch nicht verarbeitet. Dazu zählen Obst und Gemüse (ungeschnitten), Hülsenfrüchte, Milch und viele weitere. Dem hingegen sind Produkte wie „vegetarische Schnitzel“ oder Fertiggerichte bereits verarbeitet und bringen demnach schon vor dem eigenen Verzehr einen hohen Produktionsaufwand mit sich. Dieser ist wieder mit einem CO2-Ausstoß durch Energie und gegebenenfalls Transportwege der einzelnen Zutaten verbunden. Abgesehen davon sind unverarbeitete Lebensmittel gesünder. Tipps:

  • Zutatenliste: Prüfen Sie bei verpackten Lebensmitteln die Zutatenliste. Umso kürzer diese ist, desto weniger wurde das Lebensmittel verarbeitet.
  • Kochmuffel? Kein Problem!: Auf EAT SMARTER finden Sie verschiedene Gerichte, die ohne großen Aufwand jedem gelingen und schmecken.

Regional und saisonal einkaufen

Sie haben ein Rezept gefunden, dessen Zubereitung einfach klingt und das viel Gemüse enthält? Super! Im Idealfall sollten die Zutaten allerdings Saison haben und von regionalen Bauern erhältlich sein. Auf diese Weise kochen Sie nachhaltig, weil Sie durch den Kauf regionaler Lebensmittel die lokale Landwirtschaft unterstützen und zur Vermeidung der CO2-Emissionen durch lange Transportwege beitragen.

Weiterhin geschieht die Produktion saisonaler Produkte durch Freilandanbau, weswegen hohe Energiekosten für beheizte Gewächs-, Treib- oder Lagerhäuser wegfallen. Ganz nebenbei schonen Sie noch Ihren Geldbeutel, da saisonale Lebensmittel häufig preiswerter sind. Tipps:

  • Wochenmarkt: Hin und wieder kommt es vor, dass Supermärkte eigentlich saisonale Lebensmittel nur als importierte Variante anbieten. Daher lohnt sich ein Besuch des Wochenmarkts, auf dem Sie nicht nur sehen, was gerade Saison hat, sondern auch die Landwirte direkt unterstützen. So bekommen Sie auch ein Bewusstsein für die Entstehung der Lebensmittel.
  • Kleine Schritte: Sie könnten sich beispielsweise vornehmen einmal im Monat auf den Wochenmarkt zu gehen.
  • Saisonkalender: Damit Sie jederzeit nachprüfen können, welche Lebensmittel gerade Saison haben, finden Sie hier einen passenden Kalender.

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Unverpackte Produkte bevorzugen

Durch den Zero-Waste-Trend bekommen verpackungslose Lebensmittel wieder mehr Aufmerksamkeit. Gerade Trockenwaren, wie Nudeln, Hülstenfrüchte oder auch Süßigkeiten sind in sogenannten Unverpacktläden zu finden. Warum das zum nachhaltigen Kochen zählt, liegt auf der Hand: Verpackungen wie Plastik sind Müll, der nicht selten in der Umwelt landet. So landen jedes Jahr mindestens 4,8 Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren. Dort verrottet es nur sehr langsam oder manche Kunststoffe auch gar nicht. Zudem verfangen sich Tiere darin und können dadurch sterben. Doch auch an Einweg-Einkaufstaschen oder Plastiktüten für loses Obst und Gemüse kann gespart werden, um nachhaltig zu kochen. Tipps:

  • Großeinkauf im Unverpacktladen: Wenn Sie den nächsten Unverpacktladen gerne unterstützen möchten, es aber nicht einmal in der Woche dahin schaffen, könnten Sie auch einmal im Monat einen Großeinkauf für Trockenwaren dort erledigen.
  • Immer einen Stoffbeutel dabei haben: Sammeln sich bei Ihnen zu Hause schon die Einkaufstaschen, aber Sie vergessen dennoch eine zum Einkaufen mitzunehmen? Dann könnten Sie in Zukunft darauf achten, immer einen faltbaren Stoffbeutel in der Hand- oder Jackentasche bei sich zu tragen. Dieser eignet sich hervorragend für Spontankäufe und reicht für einen kleinen Einkauf vollkommen aus.
  • Obst und Gemüse lose bevorzugen: Verzichten Sie auf abgepacktes Obst und Gemüse und verstauen Sie die lose Variante in mitgebrachten kleinen Beuteln oder so in Ihrer Tasche.

Auf Lebensmittel in Bio-Qualität setzen

Ob bei Obst und Gemüse, Trockenwaren oder Fleisch- und Milchprodukten: ökologisch zu kochen ist sinnvoll. Durch den Kauf wird eine Form der Landwirtschaft unterstützt, die ressourcenschonend und umweltverträglich arbeitet. Auf den Feldern werden keine Pestizide eingesetzt, durch die der natürliche Lebensraum von beispielsweise Bienen oder andere Tieren und die ökologische Vielfalt verloren geht. Auch bei der Viehhaltung wird das Wohl der Tiere großgeschrieben. Der Anbau und die Herstellung von Bio-Lebensmitteln sind in der EG-Öko-Basisverordnung geregelt. Tipps:

  • Bio ist nicht immer gleich teuer: Wenn Sie neben der Bio-Qualität auch auf Saisonalität achten, werden Sie feststellen, dass diese Lebensmittel nicht viel teurer oder sogar gleich teuer sind. Daher ist es nicht zwingend kostspielig, nachhaltig zu kochen.
  • Achten Sie auf Bio-Siegel: Hin und wieder gibt es Produkte, die nachhaltig und biologisch klingen, es aber nicht sind. Achten Sie daher auf das EU-, Demeter-, Naturland- oder Bioland-Siegel. Auch wenn die Anforderungen an die Landwirte bei den letzten Dreien deutlich strenger geregelt sind, trägt auch die Nachfrage nach dem EU-Siegel zur Förderung der ökologischen Landwirtschaft bei.

Die Pflanze dem Tier bevorzugen

Versuchen Sie bei Ihrem nächsten Einkauf mal einen Blick auf Ihre pflanzlichen und tierischen Lebensmittel im Einkaufswagen zu werfen. Global gesehen wird zwanzigmal so viel Land benötigt, um eine Kalorie aus Rindfleisch als um eine aus Bohnen zu produzieren. Da hierbei viel Energie, Wasser und andere Ressourcen verbraucht werden, sind in diesem Beispiel Hülsenfrüchte die nachhaltigeren Proteinquellen. Ebenfalls werden bei der Herstellung von Haferdrinks 60 Prozent weniger Energie und fast 80 Prozent weniger Land benötigt als von Kuhmilch. Wenn bei Ihnen also die pflanzlichen Lebensmittel überwiegen, sind Sie klimafreundlicher unterwegs, als Sie bisher dachten. Tipps:

  • Quoten-Haferdrink: Nicht für jeden ist der Geschmack von beispielsweise Haferdrinks ein willkommener Ersatz für Kuhmilch. Daher könnten Sie statt ganz auf diese Variante umzusteigen, hin und wieder zum Haferdrink greifen, den Sie dann zum Beispiel für Porridge nutzen.
  • Veggie-Days: Probieren Sie einen Tag oder mehrere Tage in der Woche festzulegen, an denen Sie sich vegetarisch oder vegan ernähren. Auf diese Weise schonen Sie das Klima und lernen die Vielfalt der Lebensmittel noch mehr kennen.
  • Rezepte: Auch für vegane oder vegetarische Gerichte finden Sie auf EAT SMARTER eine Vielzahl von Rezepten.

Die richtige Menge einkaufen

Zwei zum Preis von einem, Angebot oder Appetit: Häufig werden wir dazu verleitet, mehr zu kaufen, als wir verzehren können. Wenn die Lebensmittel dann im Müll landen, gerät das Konzept des nachhaltigen Kochens schnell ins Wanken. Warum dem so ist, wird später noch genauer erklärt. Tipps:

  • Essen für die Woche planen: Wenn Sie an einem Tag für eine halbe Stunde den Einkauf und die Gerichte für die Woche planen, haben Sie einen besseren Überblick und werden vor spontanen Fehlkäufen bewahrt (mehr dazu finden Sie in unserem Meal-Prep-Special).
  • Einkaufszettel: Durch das Schreiben eines Einkaufszettels kaufen Sie selten zu viel ein oder vergessen etwas.

Aber…

  • … es gibt noch keine regionalen Erdbeeren, obwohl sie schon Saison haben!
  • … zum nächsten Unverpacktladen muss ich mit dem Auto fahren und ein anderes Lebensmittelgeschäft ist fußläufig erreichbar!
  • … die Bio-Möhren kommen nicht aus Deutschland und sind in Plastik verpackt!
  • … vegane Produkte sind doch meistens hoch verarbeitet und auch in Plastik verpackt!

Wenn Sie beim Lesen bisher diese oder ähnliche Gedanken hatten, geht es Ihnen wie vielen anderen auch. Gerade durch „Klima-Shaming“ wird es einem erschwert, nachhaltig zu kochen. Dabei werden Menschen, die eine nachhaltige Handlung in ihr Leben einführen, dafür kritisiert, das sie nicht auch allen anderen nachhaltigen Aktivitäten nachgehen.

Dennoch ist jede kleine Handlung und jeder kleine Schritt hilfreich. Ob Sie sich nun dafür entscheiden, nur noch biologische Lebensmittel zu kaufen oder jede Woche Ihren Fokus zu ändern (Woche 1: viele unverpackte Produkte, Woche 2: viele vegane Produkte, und so weiter), sei Ihnen überlassen. Ebenso können Sie auch Ausnahmen in Ihrer nachhaltigen Küche einbauen. Wichtig ist nur, dass Sie sich dabei wohlfühlen.

Merke!
Schon durch kleine Entscheidungen für zum Beispiel unverpackte, biologische oder pflanzliche Produkte wird der Einkauf klimafreundlicher.

Nachhaltig kochen

Auch bei der Zubereitung des Essens kann auf kleine Aspekte geachtet werden, die zu mehr Nachhaltigkeit führen:

  • Mit Deckel und wenig Wasser kochen: Beim Kochen selbst sind Sie klimafreundlich unterwegs, wenn Sie möglichst wenig Wasser verwenden und den Deckel auf dem Kochtopf lassen. So sparen Sie Strom, was sich nicht nur im Geldbeutel bemerkbar macht, sondern auch dazu führt, dass weniger elektrische Energie durch Windkraftwerke oder ähnliches erzeugt werden muss. Falls Sie doch mehr Wasser benötigen, können Sie noch welches nachträglich dazugeben.  
  • Langlebige Küchenhelfer: Auch wenn Sie in der Anschaffung nicht immer preiswert sind, versprechen beispielsweise Küchenhelfer aus Edelstahl ein langes Leben. Dadurch wird der Kaufpreis wieder relativ und Sie produzieren weniger Müll.

Merke!
Mit Deckel und wenig Wasser beim Kochen und langlebigen Küchenhelfern wird auch die Zubereitung noch klimafreundlicher.

Nach dem Einkaufen oder Kochen: die Lebensmittelreste

Wir schmeißen Lebensmittel aus den unterschiedlichsten Gründen weg. Doch selten ist uns die gravierende Bedeutung der Lebensmittelverschwendung bewusst. Laut einer Studie von WWF Deutschland aus 2015 landen jedes Jahr fast zehn Millionen Tonnen genusstaugliche Lebensmittel im Müll, wovon die Hälfte von uns Privatpersonen stammt. Doch es geht noch weiter: das weggeworfene Essen repräsentiert beispielsweise Land, das häufig erst durch die Abholzung von Wäldern entstehen konnte. Weiterhin sind Emissionen verursacht worden, die ein Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen darstellen.

Wenn wir demnach gekaufte Lebensmittel wegschmeißen, schmeißen wir auch Land weg, auf dem Bäume hätten Sauerstoff produzieren können. Ganz zu schweigen von der (chemischen) Düngung durch unsere hohe Nachfrage nach neuen und schönen Nahrungsmitteln. Wer also nachhaltig kochen will, sollte vor allem seine Lebensmittel im Müll minimieren. Mit diesen Tipps sind Sie auf einem guten Weg:

  • Mindesthaltbarkeitsdatum prüfen: Auch wenn der Käse oder Aufstrich sein Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat, kann er noch gut sein. Hierbei gilt: sehen, riechen und schmecken. Alles unauffällig? Dann guten Appetit!
  • Einkauf planen: Wie schon hier erwähnt, bewahrt ein geplanter Einkauf vor einem zu vollen Einkaufswagen.
  • Resteküche: Trotz eines geplanten Einkaufs können Reste vorkommen. Für solche Fälle gibt es leckere Rezepte, die Ihr Übriges in einen Gaumenschmaus verwandeln Schauen Sie dazu hier:

Merke!
Die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung ist in der nachhaltigen Küche ein Muss. Das Mindesthaltbarkeitsdatum zu prüfen, den Einkauf zu planen oder die Reste zu verwerten, helfen dabei.

Wissen zum Mitnehmen

Nachhaltiges Kochen bedeutet, die Lebensmittel ohne negative Einflüsse auf die Umwelt zuzubereiten. Auch der Einkauf und das, was mit den Lebensmittelresten geschieht, spielen eine Rolle. Wer also nachhaltig kochen möchte, kann auf einige Aspekte achten. In der Küche wird die Umwelt durch die optimale Menge an Wasser und langlebige Küchenhelfer weniger belastet. Noch positivere Auswirkungen auf das Klima hat allerdings die Vermeidung von Lebesmittelverschwendung.

Daher lohnt es sich, eine Einkaufsliste bei der nächsten Tour mit sich zu tragen. Im besten Fall landen bei dieser auch größtenteils unverarbeitete, unverpackte oder biologische Lebensmittel im Einkaufswagen. Diese sind zusammen mit pflanzlichen, regionalen und saisonalen Produkten wegen ihrer geringen Emissionen die nachhaltige Alternative. Da es nicht immer leicht ist, alle Kriterien zu erfüllen, sollten Sie Prioritäten setzen. Auf diese Weise kaufen Sie nicht nur im Einklang mit der Natur, sondern auch mit sich selbst ein.

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