Oktober 2019, University of Bath and Birmingham (UK)

Fördert Sport vor dem Frühstück die Fettverbrennung?

Von Kira Tessel
Aktualisiert am 24. Mär. 2021

Neue Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass Sport vor dem Frühstück gesundheitliche Vorteile hat und sich positiv auf die Fettverbrennung auswirkt. Sogar das Risiko für Diabetes-Typ-2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen soll vermindert werden können.

share Teilen
print
bookmark_border URL kopieren

Worum ging es bei dieser Studie?

  • Wissenschaftler der Universitäten von Bath und Birmingham haben in ihrer Studie beobachtet, dass sich eine Veränderung vom Zeitpunkt des Essens und Trainings (Sport vor dem Frühstück oder danach) positiv auf den Blutzuckerspiegel sowie die Fettverbrennung auswirken kann.
  • Basierend auf neueren Hinweisen, dass der Zeitpunkt der Mahlzeit auch im Zusammenhang mit der Trainings-Effektivität steht, wollte sich das Forschungsteam hier auf die Auswirkungen auf die intramuskulären Fettspeicher konzentrierten.

Wie lautet die zentrale Forschungsfrage?

  • Welchen Einfluss hat der Zeitpunkt des Frühstücks und des Trainings auf die Fettverbrennung und welche Stoffwechsel-Anpassungen lassen sich beobachten? 

Wie viele Probanden nahmen teil?

  • An der Studie nahmen 30 übergewichtige oder adipöse Männer teil.

Welche Methode wurde angewandt?

  • Die Untersuchung verlief in zwei Teilen: Der zentrale Studienteil wies ein randomisiertes Crossover Design auf; die Trainingsstudie lief über sechs Wochen und wurde einfach-verblindet, randomisiert und kontrolliert durchgeführt.
  • Es gab je eine Interventionsgruppe, die vor oder nach dem Sport frühstückte und eine Kontrollgruppe, bei der es keine Veränderungen des Lebensstils gab.
  • Das Training umfasste Radfahren mit mittlerer Anstrengung.

Leckere Frühstücks-Rezepte

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

  • Die Ergebnisse zeigen, dass Personen, die Sport vor dem Frühstück machten, doppelt so viel Fett verbrennen wie diejenigen, die nach dem Frühstück trainieren. Dies hatte zwar keine unterschiedlichen Auswirkungen auf den Gewichtsverlust, aber verbesserte die allgemeine Gesundheit der Probanden wohl deutlich.
  • Es zeigte sich, dass eine erhöhte Fettverbrennung hauptsächlich auf einen niedrigeren Insulinspiegel während des Trainings zurückzuführen ist. In der Theorie wird, nach dem nächtlichen Fasten, mehr Fett aus dem Fettgewebe und den Muskeln als Kraftstoff verwendet, da weniger gespeicherte Kohlenhydrate zur Verfügung stehen.
  • Innerhalb der sechswöchigen Untersuchung kam es zu keinen Unterschieden zwischen den Gruppen hinsichtlich der Gewichtsabnahme, beide haben ähnlich viel abgenommen und eine verbesserte Fitness erreicht.
  • Darüber hinaus kam es zu folgenden positiven Veränderungen: Einige Probanden sprachen besser auf Insulin an und kontrollierten den Blutzuckerspiegel besser, wodurch auch das Risiko für Diabetes und Herzerkrankungen gesenkt werden konnte.

Wer hat die Studie finanziert und durchgeführt?

  • Die Studie wurde unter anderem von der Physiological Society (UK), den Rank Prize Funds (UK) und der Allen Foundation Inc. (USA) unterstützt. Zu den Autoren der Untersuchung gehören unter anderem Edingburgh, Bradley, Abdullah et al. der University of Bath und University of Birmingham in UK.

Wo ist die Original-Studie zu finden?


Begriffe: Was ist/sind eigentlich...?


Wie bewertet EAT SMARTER diese Studie?

  • Geringe Teilnehmerzahl: Bei den 30 übergewichtigen Männern handelt es sich um eine eher kleine Stichprobe. Ob die Ergebnisse auf andere und größere Bevölkerungsgruppen, darunter zum Beispiel normalgewichtige Frauen, übertragen werden können, ist unklar. Auch frühere Forschungsergebnisse sprechen nicht für einen eindeutigen Vorteil von nüchternem Training, also Sport vor dem Frühstück. Vielmehr ist die Hauptsache, dass Normalgewicht und körperliche Bewegung erreicht werden. Der Zeitpunkt des Frühstücks ist dabei vorerst zweitrangig und sollte an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden (1).
  • Fettverbrennung nur temporär erhöht: Ausdauertraining auf nüchternen Magen verbraucht während des Trainings mehr Fettsäuren, hat aber auf lange Sicht vernachlässigbare Vorteile beim Fettabbau und Abnehmen. Morgendliches Fasten führt dazu, dass vermehrt Kalorien aus Fettsäuren als aus Kohlenhydraten verbrannt werden. Lediglich auf die Leistung kann der Zeitpunkt des Frühstücks Einfluss nehmen. Dies ist für die meisten Hobbysportler jedoch ein vernachlässigbarer Faktor und sollte den individuellen Bedürfnissen angepasst werden (2).
  • Auf lange Sicht keinen Effekt: Sport vor dem Frühstück scheint, unabhängig von der Kalorienzufuhr, keine signifikanten Vorteile auf die Fettverbrennung oder den Gewichtsverlust über einen längeren Zeitraum zu haben, obwohl prozentual mehr Fettsäuren als Kraftstoff während des Trainings verbraucht werden (3).
  • Training und Abnehmen verbessert den Gesundheitszustand: Ob dies nur auf den Zeitpunkt des Frühstücks zurückgeführt werden kann, ist fraglich. Viel entscheidender sind die generell positiven Effekte von regelmäßiger körperlicher Bewegung und das Abnehmen bei Übergewicht. Zu wenig körperliche Aktivität kann neben Übergewicht auch Folgeerkrankungen wie Rückenschmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes-Typ-2 begünstigen oder sogar das Krebsrisiko fördern (4).
Schreiben Sie einen Kommentar