Blutzuckerwerte: Alles, was Sie wissen sollten

Von Maren Baumgarten
Aktualisiert am 08. Jul. 2020
© Pixabay/Steve Buissinne
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Kaum ein Blutwert ist wohl so bekannt wie der Blutzucker und dennoch ist er nicht leicht zu verstehen. Gerade bei Diabetes sollten Sie jedoch wissen, was die Blutzuckerwerte zu bedeuten haben. Hier erfahren Sie alles Wissenswerte.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Blutzuckerwerte – was ist das überhaupt?
  2. Blutzuckerwerte verstehen
  3. Blutzuckerwerte messen
    1. Schritt für Schritt Blutzuckerwerte messen
    2. Blutzuckerwerte ohne Piksen
  4. Blutzuckergedächtnis – der HbA1c-Wert
  5. Wieso sollte man den Blutzucker im Blick haben?
  6. Blutzuckerwerte senken
  7. Rezepte für einen stabilen Blutzucker
  8. FAQs – die häufigsten Fragen
    1. Wie hoch ist ein normaler Zuckerwert?
    2. Welche Blutzuckerwerte sind gefährlich?
    3. Welche Lebensmittel senken den Blutzucker?
  9. Wissen zum Mitnehmen

Blutzuckerwerte – was ist das überhaupt?

Es handelt sich hierbei um ein Laborwert, welcher angibt, wie viel Glukoseanteile sich im Blut befinden. Glukose, auch Traubenzucker genannt, ist der Zucker, mit dem unser Körper die Zellen mit Energie versorgt. Aufgenommene Kohlenhydrate werden im Darm zu kleineren Molekülen aufgespalten und gelangen dann ins Blut. Damit der Zucker in die Zellen aufgenommen werden kann, schüttet die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin aus.

Im Verlauf eines Tages unterliegt der Blutzucker normalen Schwankungen. Am Morgen befindet sich nur wenig Glukose im Blut, nach einer Mahlzeit steigt der Wert an. Bei Gesunden produziert die Bauchspeicheldrüse dann das Hormon Insulin bedarfsgerecht und der Blutzucker sinkt auf seinen Normalwert. Das weniger bekannte Hormon Glukagon ist übrigens der Gegenspieler von Insulin. Es sorgt dafür, dass bei einem niedrigen Blutzuckerspiegel gespeicherte Glukose in das Blut gelangt.

Merke!
Der Blutzuckerwert gibt an, wie viel Glukoseteilchen sich im Blut befinden. Er unterliegt natürlichen Schwankungen.

Blutzuckerwerte verstehen

Der Blutzuckerwert lässt sich in zwei Einheiten angeben:

  • Millimol pro Liter (mmol/l)
  • Milligramm pro Deziliter (mg/dl)

Da es international keine Einigung gibt, in welche der Einheiten der Wert angegebene werden soll, kursieren beide parallel und sorgen häufig für Verwirrung. Ist der Blutzucker in mmol/l angegeben, dann sind damit die gelösten Zuckerteile pro Volumen gemeint. Bei mg/dl wird sich auf das Gewicht des gelösten Zuckers pro Volumen bezogen.

Wird der Blutzuckerwert am Morgen vor der ersten Mahlzeit bestimmt, dann wird vom Nüchternblutzucker gesprochen. Wird der Zuckerwert ganz unabhängig von den Mahlzeiten gemessen, wird dies Gelegenheitszuckerwert genannt. Führt ein Arzt einen oralen Glukosetoleranztest (oGTT) durch, dann wird zwei Stunden nach einer Aufnahme von 75 Gramm Zucker die Glukosekonzentration im Blut gemessen.

In der Tabelle können Sie die Blutzuckerwerte für Gesunde sowie für Menschen mit unbehandeltem Diabetes ablesen. Sie beziehen sich auf Erwachsene.

  Nüchternblutzucker Gelegenheitszucker oGGT
Gesunde unter 100 mg/dl (5,6 mmol/l) unter 130 mg/dl (7,2 mmol/l) unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l)
Diabetes über 126 mg/dl (7,0 mmol/l) über 180 mg/dl (10 mmol/l) über 200 mg/dl (11,1 mmol/l)

Liegen die Zuckerwerte zwischen denen von Gesunden und Erkrankten, spricht man von Prädiabetes. Sozusagen ein Warnzeichen, das bald ein Diabetes vorliegen könnte.

Merke!
Der Blutzuckerwert sollte nüchtern unter 100 mg/dl (5,6 mmol/l) liegen. Nach der Nahrungsaufnahme sollte er 140 mg/dl (7,8 mmol/l) nicht übersteigen.

Hier erfahren Sie alles über Ernährung bei Diabetes.

Blutzuckerwerte messen

Der Arzt kann den Blutzucker bei einer Blutprobe im Labor bestimmen lassen, jedoch ist das Messen nicht nur ein Geschäft für Profis. Kleine Blutzuckermessgerät helfen, vor allem Diabetiker im Alltag, den Blutzucker zu kontrollieren. Wie häufig eine solche Messung stattfinden sollte, ist jedoch individuell. Sprechen Sie dies am besten mit Ihrem Arzt ab.

Als wage Richtlinie gilt folgender Rat: Erfolgt die Behandlung durch eine Diät ohne Medikamente reicht eine Messung einmal die Woche aus. Nimmt der Patient bereits Medikamente ein, aber noch kein Insulin zu sich, sollte er jeden zweiten Tag den Blutzuckerwert messen. Zusätzlich ist einmal pro Woche ein Tagesprofil mit drei bis vier Messungen ratsam. Erfolgt die Behandlung bei einem Patienten mithilfe von Medikamenten und Insulin, ist eine tägliche Messung nötig.

Schritt für Schritt Blutzuckerwerte messen

Hier kommt eine Anleitung für klassische Messgeräte mit Lanzette und Teststreifen: 

  1. Waschen Sie Ihre Hände gründlich, hierfür am besten warmes Wasser verwenden, da so die Durchblutung angeregt wird. Trocknen Sie Ihre Hände anschließend gut ab.
  2. Vor jeder Messung setzen Sie eine neue Lanzette ein. Der genau Vorgang variiert je nachdem, welche Stechhilfe Sie verwenden. 
  3. Stecken Sie den Teststreifen in das Messgerät. Verwenden Sie hierfür nur einwandfreie Teststreifen, welche Sie direkt aus der Dose entnehmen. 
  4. Setzen Sie die Stechhilfe seitlich an einer Fingerkuppe an. Betätigen Sie den Auslöser. Sollte kein Blutstropfen kommen, dann können Sie die Fingerkuppe leicht drücken jedoch nicht quetschen.
  5. Für die Messung halten Sie den vorbereiteten Teststreifen vorsichtig an den Blutstropfen.
  6. Ergebnis abwarten und Blutzuckerwert zusammen mit Datum und Uhrzeit notieren.

Blutzuckerwerte ohne Piksen

Gerade für Patienten, die sehr häufig ihren Blutzuckerwert messen müssen, bietet sich die kontinuierliche Gewebezuckermessung (CGM) an. Ein Sensor wird am Oberarm oder Bauch aufgeklebt, er ist mit einem Messfaden im Unterhautfettgewebe verbunden und misst dort etwa alle fünf Minuten den Gewebezucker.

Es gibt noch weitere Messmethoden, wie zum Beispiel die Nicht-invasiven-Sensoren oder Diabetes-Warnhunde, welche einen Anstieg oder Abfall des Blutzuckerspiegels erkennen sollen. Jedoch sind diese Methoden nicht ausreichend erprobt, können jedoch als zusätzliche Absicherung dienen.

Merke!
Nicht nur Mediziner können den Blutzuckerwert bestimmen, mit einem Blutzuckermessgerät können Sie dies auch zur regelmäßigen Kontrolle selbst tun.

Blutzuckergedächtnis – der HbA1c-Wert

Der Blutzuckerwert gibt lediglich eine Momentaufnahme an. Um eine Aussage für einen längeren Zeitraum zum Blutzucker treffen zu können, lassen Ärzte den HbA1c-Wert im Labor bestimmen. Hierbei handelt es sich um eine Unterform des Hämoglobins (roter Blutfarbstoff), an welches Zuckerteilchen angedockt sind.

Ist der Blutzuckerspiegel über einen längeren Zeitraum erhöht, wird die Bindung zwischen Zucker und Hämoglobin unlösbar und bleibt über die gesamte Lebensdauer des Blutkörperchens bestehen, welche etwa drei Monate andauert. Somit gibt der HbA1c-Wert Auskunft über den Blutzuckerspiegel der letzten Wochen des Patienten und wird daher auch als Blutzuckergedächtnis bezeichnet.

Bei Gesunden liegt der Wert zwischen 4,5 bis 5,7 Prozent, bei Erkrankten über 6,5 Prozent.

Merke!
Der HbA1c-Wert gibt Auskunft über den Blutzuckerspiegel von einem längeren Zeitraum und wird deshalb auch Blutzuckergedächtnis genannt.

Wieso sollte man den Blutzucker im Blick haben?

Ist der Blutzuckerwert erhöht, bleibt dies nicht ohne Folgen. Bei Diabetes Typ 1 kann es zu einer Ketoazidose kommen, hierbei übersäuert das Blut und Patienten können in ein lebensgefährliches diabetisches Koma fallen.

Bei Diabetes Typ 2 ist dies nur selten der Fall, jedoch führt ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel zu Folgeerkrankungen wie diabetische Retinopathie, Schlaganfall, Herzinfarkt oder geschädigte Nieren. Eine regelmäßige Kontrolle ist also sinnvoll.

Merke!
Um akute Notfälle und Folgeerkrankungen von einem zu hohen Blutzuckerspiegel zu vermeiden, sollten Sie diesen im Blick haben.

Blutzuckerwerte senken

Bei Gesunden regulieren die Hormone der Bauchspeicheldrüse den Blutzucker. Bei Diabetikern ist diese Regulation jedoch gestört. Häufig ist eine Ernährungstherapie mit Lebensstiländerung alleine schon ausreichend, um die Blutzuckerwerte wieder in den Griff zu bekommen.

Die LOGI-Methode kann Diabetikern helfen, die Werte in den Normbereich zu bringen. Es handelt sich hierbei um eine Form der Low-Carb-Ernährung

Merke!
Eine angepasste Low-Carb-Ernährung kann dabei helfen, den Blutzuckerspiegel wieder zu senken.

Hier erfahren Sie alles über Ernährung bei Diabetes.

Rezepte für einen stabilen Blutzucker

FAQs – die häufigsten Fragen

Wie hoch ist ein normaler Zuckerwert?

Bei gesunden Menschen liegt der Nüchternblutzucker (acht bis zehn Stunden ohne Nahrungsaufnahme) unter 100 mg/dl (5,6 mmol/l). Nach einer Mahlzeit bleibt ihr Blutzucker für gewöhnlich unter einem Wert von 140 mg/dl (7,8 mmol/l).

Welche Blutzuckerwerte sind gefährlich?

Sind die Blutzuckerwerte über eine längere Zeit erhöht, Nüchternwert über 126 mg/dl (7,0 mmol/l) bzw. nach einer Mahlzeit über 200 mg/dl (11,1 mmol/l), kann dies zu gefährlichen Folgeerkrankungen führen. Akut gefährlich sind Werte ab etwa 600 mg/dl (33,3 mmol/l), sie können zum diabetischen Koma führen.

Welche Lebensmittel senken den Blutzucker?

Eine Ernährung nach der LOGI-Methode kann den Blutzuckerspiegel senken aber auch einzelne Lebensmittel wie Zimt, Olivenöl, Leinsamen oder Apfelessig haben positive Effekte.

Wissen zum Mitnehmen

Der Blutzuckerwert gibt Auskunft über die Glukoseteilchen im Blut. Wird der Wert nüchtern gemessen, dann sollte er unter 100 mg/dl (5,6 mmol/l) liegen.

Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, denn ein erhöhter Blutzuckerspiegel kann Folgeerkrankungen mit sich bringen.

Durch eine angepasste Ernährung können erhöhte Blutzuckerwerte normalisiert werden.

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