Reizdarm: Wie Stress und Entspannung den Bauch beeinflussen

Von Wenke Gürtler mit Expertenrat von Dr. med. Matthias Riedl
Aktualisiert am 19. Mai. 2021
© pexels/ Cliff Booth
© pexels/ Cliff Booth

Bauchschmerzen, Blähbauch, Verstopfung: Viele Betroffene berichten, dass sich die Symptome des Reizdarmsyndroms durch Daueranspannung verschlimmern. Erfahren Sie, wie sich Bauch und Psyche beeinflussen – und wie Sie bei Reizdarm Stress effektiv reduzieren können.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Reizdarm: Stress als Ursache in Betracht ziehen
  2. Überaktives Bauchhirn macht Probleme
  3. Reizdarm: Stress mit Hypnose, Meditation und Yoga begegnen
    1. Hypnose beruhigt den Darm
    2. Mit Yoga gegen Darmbeschwerden
    3. Mit Meditation zu mehr Gelassenheit
  4. Wissen zum Mitnehmen

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Bei Reizdarm ist der Leidensdruck groß. Nicht selten rennen Betroffene von einem Arzt zum nächsten, bis endlich die Diagnose steht. Dabei ist das Reizdarmsyndrom (RDS) keine organische Krankheit, sondern eine funktionelle Störung, die durch Stress verschärft wird. Das Bauchhirn meldet dem Gehirn ständig: Schmerz! Erfahren Sie mehr über diese geheimnisvolle Schaltzentrale und wie Darmhypnose, Yoga und Meditation die Beschwerden lindern können. 

Reizdarm: Stress als Ursache in Betracht ziehen

Bei einem Reizdarmsyndrom (RDS) stehen Blähungen, starke Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung auf der Tagesordnung. Dabei ist die Diagnose, aber auch Ursache schwer zu fassen. So liegen der Erkrankung keine erkennbaren organischen Auslöser zugrunde; der Darm weist also keine krankhaften Veränderungen auf. Außerdem ist unklar, warum der Darm manchmal verrückt spielt. 

Mediziner vermuten als Ursache unter anderem Störungen in der Darmflora oder eine Überempfindlichkeit der Darmschleimhaut. Ebenso hängen Psyche und Verdauung eng zusammen: Viele Betroffene berichten, dass Stress die Symptome verstärkt. Wenn sie unter Druck geraten, redet bei ihnen das Bauchhirn mit und signalisiert, dass es gerade zu viel wird.

Merke!
Dem Reizdarmsyndrom liegt keine organische Krankheit zugrunde, trotzdem macht er Probleme. Was die Beschwerden auslöst, ist unklar. Betroffene berichten, dass Stress ihnen auf den Bauch schlägt.

Überaktives Bauchhirn macht Probleme

Aber was ist das Bauchhirn eigentlich? In unserer Körpermitte verbirgt sich eine Schaltzentrale, die ähnlich aufgebaut ist wie das Gehirn in unserem Kopf. So umgeben etwa 100 Millionen Nervenzellen unseren Darm; das sind mehr als im gesamten Rückenmark. Dieses riesige Geflecht bezeichnen Wissenschaftler als enterisches Nervensystem (ENS) oder schlicht als Bauchhirn. Seine Aufgabe besteht in erster Linie darin, die Verdauung zu steuern. Und das selbstständig. Das hat den Vorteil, dass unsere Denkzentrale sich um alles andere kümmern kann. 

Die beiden Steuerorgane stehen über die sogenannte Darm-Hirn-Achse im Austausch. Dabei hat die Körpermitte dem Kopf mehr zu sagen als umgekehrt: Rund 90 Prozent aller Infos gehen von unten nach oben. Das ENS meldet, ob wir satt oder hungrig sind. Ebenso werden Schmerzen und Unregelmäßigkeiten im Verdauungstrakt nach oben gefunkt. Geraten beispielsweise Giftstoffe in die Eingeweide, lösen beide Schaltzentralen Durchfall oder Erbrechen aus. 

Gesunde Menschen nehmen nur wenige Dialoge zwischen Bauch und Kopf wahr. Dagegen reagieren RDS-Patienten viel empfindlicher auf den Informationsaustausch. Forscher nehmen an, dass Bauchhirn und Kommunikation etwas neben der Spur laufen. So nörgelt ein Reizdarm ständig – auch ohne Anlass. Oft handelt es sich um einen normalen Reiz, der aber oben als Schmerz ankommt und dann die Probleme verursacht.

Merke!
Patienten mit Reizdarm-Symptomen haben Störungen im Nervensystem: Das Bauchhirn meldet ständig Reize ans Gehirn, die oben als Schmerz ankommen.

Reizdarm: Stress mit Hypnose, Meditation und Yoga begegnen

Nicht nur FODMAP-DiätProbiotika und Präbiotika helfen bei Reizdarm. Ebenso sind alternative Therapien wie zum Beispiel Darmhypnose, Yoga oder Meditation einen Versuch wert.

Sie möchten mehr über die Ernährung bei Reizdarm erfahren? Hier finden Sie alle wichtigen Informationen.

Hypnose beruhigt den Darm

Bei Hypnose denken viele Menschen zunächst an reine Show oder völligen Kontrollverlust. Mittlerweile gilt die Darmhypnose als wirksame Therapie, deren Effektivität auch einige Studien belegen konnten (1),(2),(3). Laut Datenlage hilft die Behandlung 80 Prozent der Patienten. Nur bei Betroffenen mit inneren Widerständen macht dieses Heilverfahren wenig Sinn.

Ebenso ist die Befürchtung unbegründet, dass die Behandelten während einer Sitzung willenlos und manipulierbar werden. Die medizinische Hypnose ist eher ein Trancezustand, vergleichbar mit dem Gefühl wie kurz vor dem Einschlafen. Dabei werden zur Beruhigung Bildwelten erzeugt, die an das Verdauungssystem angepasst sind. Die Rede ist beispielsweise von einem langsamen oder schnellen fließenden Fluss. 

Die Darmhypnose beim Psychotherapeuten bewirkt eine Tiefenentspannung, in der sich neue gesunde Verknüpfungen bilden können. Das Ergebnis: Die Signale werden umgedeutet und nicht mehr als Schmerz fehlinterpretiert. Ebenso kann eine Selbstanwendung mit entsprechenden CDs nützen, den Bauch dauerhaft zu beruhigen.

Mit Yoga gegen Darmbeschwerden

Außerdem kann auch Yoga helfen, wieder für Ruhe zu sorgen. Dabei verbindet die indische Lehre meditative Komponenten mit Bewegung und Atmung. Diese Kombination bietet keine andere Entspannungstechnik. Die bewusste Atmung wirkt beruhigend auf Körper und Geist, zusätzlich senkt der Wechsel von Anspannung und Entspannung den Stresspegel. 

Allerdings fällt dieses bewusste Runterfahren vielen Anfängern schwer. Stattdessen möchten sie nach einem anstrengenden Tag lieber die Joggingschuhe schnüren und loslaufen. Zwar baut die Bewegung Stress gleichfalls ab, aber nur beim Yoga wird auch die Fähigkeit trainiert, sich zu lösen. Und genau das ist wichtig, um mit Situationen klarzukommen, in denen man nicht weglaufen kann. So hilft Yoga, bei Druck gelassener zu bleiben, was wiederum dem sensiblen Darm zu Gute kommt.

Nicht alle Yogaarten und -übungen sind für jeden Menschen gleich geeignet und sollten abhängig vom Alter und dem Gesundheitszustand angepasst geübt werden. Einsteigern empfiehlt sich ein Kursbesuch. Danach können sie allein weiter üben – am besten täglich.

Mit Meditation zu mehr Gelassenheit

Eine noch recht wenig bekannte Therapiemöglichkeit ist die Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction, MBSR). Das Konzept zur Stressbewältigung wurde in den späten 1970er-Jahren in den USA entwickelt und ist für jeden erlernbar. Durch Aufgaben zur Körperwahrnehmung im Sitzen und im Gehen wird Konzentration und Aufmerksamkeit geübt. Ergänzend fließen Elemente des Yogas in das Training ein. Dabei werden gezielt Nervensystem und Darm-Hirn-Achse angesprochen.

Im Kern geht es bei den Anwendungen darum, sich intensiv auf den Moment einzulassen und Situationen nicht zu bewerten. Sie lernen, innerlich ruhiger und ausgeglichener zu werden – und zwar nicht nur während des Übens, sondern auch während Belastungen und Herausforderungen im Alltag. Das kann helfen, den Reizdarm zu beruhigen und Schmerzen zu mindern.

Betroffene können die Meditation unter Anleitung lernen und führen sie dann zu Hause regelmäßig fort. Im Rahmen der Prävention übernehmen Krankenkassen sogar einen Teil der Kosten. Wie hoch dieser ist, erfahren Sie bei Ihrer Krankenkasse. Daneben gibt es auch Achtsamkeitsübungen zum Anhören.

Merke!
Alternative Therapien wie Darmhypnose, Yoga oder Meditation können bei Reizdarm Stress reduzieren und so die Beschwerden lindern.

Wissen zum Mitnehmen

Stress und psychische Belastungssituationen können im wahrsten Sinne des Wortes auf den Bauch schlagen. Beides kann Kneifen, Blähungen oder Durchfall auslösen – insbesondere Reizdarmpatienten bekommen das zu spüren. 

Dies hängt mit dem Bauchhirn zusammen, das den Verdauungsprozess steuert, aber auch ständig Signale über die Darm-Hirn-Achse nach oben meldet. Neben einer Ernährungsumstellung können alternative Therapien wie Darmhypnose, Yoga oder Meditation das Leiden lindern.


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