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Leaky Gut Syndrom: Gibt es das wirklich?

Von EAT SMARTER
Aktualisiert am 06. Sep. 2018
Frau hält die Hände über ihrem Bauch zusammen

Glaubt man einigen Internetseiten, dann ist das sogenannte Leaky Gut-Syndrom Auslöser für vielerlei Krankheiten von Zöliakie bis Autismus. Seit einigen Jahren scheint auch aus Sicht der Schulmedizin bewiesen, dass die Darmwand größere Partikel durchlassen kann – doch noch immer kursieren viele Falschinformationen. Der Live Smarter-Blog beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Haben Sie schon einmal „Leaky Gut Syndrom“ in der Suchmaschine Google eingegeben? Sie werden feststellen, dass Ihnen Unmengen an Seiten zu dem Thema angezeigt werden. Der Tenor, den fast alle gemeinsam haben: Leaky Gut ist eine Krankheit, die vielerlei Folgeerkrankungen auslösen kann. Auf denselben Seiten werden praktischerweise auch allerlei Mittelchen angepriesen, die gegen das Leaky Gut-Syndrom helfen sollen.

Vertreter der Schulmedizin winken häufig ab, wenn sie auf das Syndrom angesprochen werden. Zwar könne die Darmwand durchlässiger werden, so die Lehrmeinung, und dann auch größere Partikel passieren lassen (1); dies sei jedoch die Folge von Erkrankungen wie Morbus Crohn und Zöliakie oder von Medikamenten- und Alkoholmissbrauch. Die durchlässige Darmwand sei dann auch nicht Auslöser, sondern Folge verschiedener Erkrankungen.

Dafür, dass die Zellen der Darmwand sich öffnen und auch größere Partikel durchlassen, ist nach aktuellem Forschungsstand ein Protein namens Zonulin verantwortlich, das im Jahr 2000 von dem Darm-Spezialisten Dr. Alessio Fasano am Massachusetts General Hospital in Boston entdeckt wurde (2). Warum Zonulin bei manchen Menschen das Durchlassen größerer Partikel bewirkt und welche genauen Auswirkungen eine durchlässige Darmwand haben kann, ist jedoch noch nicht schlüssig erforscht.

Es sei wahrscheinlich, dass das „Leaky Gut Syndrom“ eine Rolle bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Diabetes Typ I, Zöliakie und Morbus Crohn spiele, sagte Dr. Fasano der Times, doch der Wissenschaftler betont im gleichen Interview auch: „Der Begriff wurde über Jahrzehnte von einigen Vertretern der Alternativmedizin falsch oder gar missbräuchlich genutzt.“ Ohne wissenschaftliche Begründung wurde (und wird) behauptet, eine durchlässige Darmwand sei für Erkrankungen wie Krebs, Autismus oder ein generell schlechtes Immunsystem verantwortlich.

Wie aussagekräftig ist ein Leaky Gut-Test?

Einige Institutionen bieten einen Test an, der zeigen soll, ob eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmwand besteht. Bei diesem Test wird der Gehalt der beiden Zuckersorten Mannitol und Lactose im Blut gemessen. Experten wie die Canadian Society of Intertestinal Research raten jedoch von dem Test ab.

Schließlich gebe es noch keinen durch Studien untermauerten Beweis dafür, dass das Leaky Gut-Syndrom Krankheiten auslösen könne. „Diesen Test zu machen ist ungefähr so, als würde bei einem Patienten mit Chronisch-Entzündlicher Darmerkrankung auf Blut im Stuhl testen und das Testergebnis als Beweis dafür sehen, dass das Blut für die Darmentzündung verantwortlich ist“, sagt James R. Grey, Gastroenterologe an der University of British Columbia (4).

Behandlungsmöglichkeiten: Von Hokus-Pokus bis gefährlich

Wer sich online über das Leaky Gut Syndrom informiert, der findet von speziellen Diätplänen über pflanzliche Mittel vielerlei Behandlungsvorschläge. Oftmals wird empfohlen, auf verarbeitete Lebensmittel oder solche mit hohem Zuckergehalt wie frisches Obst zu verzichten. Begründet wird diese Empfehlung mit der Annahme, dass ein Zuviel an Zucker das Wachstum einer speziellen Hefeart im Darm begünstige, die wiederum die Darmwand schädige.

Tatsächlich sind Pilze im Dickdarm keine Seltenheit, jedoch lösen sie nicht immer Beschwerden aus. Die „Anti-Pilz-Diät“ gilt unter Experten als umstritten. Nur wenn tatsächlich Symptome eines Pilzbefalls (Candidose) vorliegen, sind Maßnahmen vonnöten. Andere Portale empfehlen, Milchprodukte und Gluten vom Speiseplan zu streichen. Doch vom prophylaktischen Verzicht auf Produkte, gegen die keine Unverträglichkeit besteht, raten seriöse Ernährungsberater ab.

Auch spezielle Mittel gegen das Leaky Gut-Syndrom werden verkauft, allerdings ohne geprüften Nachweis über ihre Wirksamkeit. Sie schaden wahrscheinlich nicht – doch einen Nutzen haben sie im Zweifel eher für das Konto desjenigen, bei dem Sie die Mittel erwerben.

Es kann gut sein, dass man sich nach einer Therapie, die pflanzliche Wirkstoffe und bewusste Ernährung kombiniert, besser fühlt. Dafür gibt es gute Gründe. Denn wenn Sie auf stark verarbeitete Lebensmittel verzichten, nehmen Sie automatisch weniger Salz, Aroma- und Konservierungsstoffe zu sich. Wer auf eine vollwertige Ernährung mit komplexen Kohlenhydraten, Obst und Gemüse setzt, tut seinem Körper etwas Gutes.

Leaky Gut: Mehr Forschung notwendig

Die genauen Folgen einer undurchlässigen Darmwand sind noch nicht so weit erforscht, als dass man eine generelle Empfehlung geben könnte – zumal das Syndrom nach bisherigem Kenntnisstand die Folge und nicht die Ursache von Erkrankungen ist.

Wer das Gefühl hat, der Darm könnte die Ursache für Beschwerden sein, sollte den Gastroenterologen seines Vertrauens aufsuchen. Dieser kann mit speziellen Tests herausfinden, ob bei Ihnen eine Unverträglichkeit oder andere Probleme bestehen. Ob eine spezielle Diät bei Ihnen sinnvoll sein könnte, beantwortet Ihnen eine seriöse Ernährungsberatung.


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Bisherige Kommentare

 
Bei mir wurde vor zwei Jahren durch eine Internistin das Leaky-Gut-Syndrom festgestellt. Durch eine Ernährungsumstellung und eine zusätzliche Stärkung des Immunsystems ging es mir nach gut einem Jahr wieder besser.
 
Bei mir wurde vor ein paar Monaten Leaky-Gut-Syndrom festgestellt. Wie hast Du Dein Immunsystem gestärkt und Deine Ernährung umgestellt.
 
Ein wenig hilfreicher Artikel. Da bekomme ich das Gefühl, das Autor hat nicht einmal Darm mit Charme gelesen, ganz abgesehen von sonstiger Fachliteratur oder gar Studien. Interviewfetzen aus anderen Zeitungen sind keine Fachliteratur. Leaky Gut ist kein Hokus Pokus, sondern die schlichte Konsequenz unserer Lebensweise, die vor Getreide, Zucker und hochverarbeiteten Lebensmitteln nur so strotzt. Für mich die gravierenste Folge sind auch nicht einmal die Unverträglichkeiten, sondern auch die mangelnde Aufnahme der Nährstoffe. Das sieht man natürlich nur anhand von Blutwerten, die kein normaler Arzt auf sein Budget nimmt. Wer dann doch mal den Rundumschlag wagt und allein nur schaut, wie es mit Magnesium, Zink und Co im Blut aussieht, den erwartet oft ein Schock. Dabei ist die Lösung meist recht einfach. Ein paar Gramm Glutamin (Aminosäure) am Tag und das Problem verschwindet meist von alleine. Und damit oft auch Unverträglichkeiten. Der Körper nimmt Vitamine und Mineralstoffe viel besser auf, die sonst - auch wenn per NEM zugeführt - oft vorher versackt sind wie in ein schwarzes Loch. Unschön finde ich, daß das Thema hier behandelt wird, als sei es eine Art esoterisches Steckenpferd. Das ist es nicht. Sicher ist es ein bißchen zu komplex, um dem Thema hier gerecht zu werden, aber man sollte an dieser Stelle lieber Menschen mit Autoimmunerkrankungen und psychischen Erkrankungen Mut machen, sich damit zu beschäftigen. Seitdem ich mich um Darmgesundheit und eine gute Nährstoffsituation kümmere, gehören für mich sowohl Hashimoto Symptome, als auch Allergien, Neurodermitis und meine vorher durchweg schwere Depressions- und Angsterkrankung der Vergangenheit an. Und das nach bestimmt 20 Jahren Leiden. Leider ermutigt Ihr Artikel so wenig, sich auf den Weg zu machen, das ist schade. An alle Geplagten und Interessierten: Lieber das Buch von Giulia Enders kaufen und dann selbst weiterforschen, es gibt Hilfe. Nur muss man leider vieles selbst herausfinden. Gestroenterologen und Ernährungsberater in Deutschland kann man leider vergessen. Die ersteren haben in der Richtung meist keine Ahnung und kein Budget und die Ernährungsberater sind in der Regel der DGE Meinung. Und der falschen Ausrichtung der DGE haben wir ja alle zu verdanken, daß wir schön Vollkorn essen, Fett sparen und dabei fett und krank sind. Lieber einen guten Heilpraktiker suchen. Und lieber Geld in sinnvolle (Blut)Untersuchungen investieren, als sich beim Hausarzt immer wieder die 08/15 Werte abzuholen, die ja irgendwie nach seiner Merinung immer OK sind. Auch wenn der TSH bei 5 und mehr hängt...

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